MEI­LEN­STEIN PO­WER­A­GE 1978

MALCOLM YOUNG`S MEI­LEN­STEIN AC/DC:

Gitarre & Bass - - Leser Post -

1953 - 2017

Am 18. No­vem­ber 2017 starb Ac/dc-gi­tar­rist Malcolm Young im Al­ter von 64 Jah­ren. Auf acdc.com heißt es, er sei „fried­lich im Kreis sei­ner Fa­mi­lie ein­ge­schla­fen.“Young litt schon lan­ge an ei­ner De­menz und leb­te die letz­ten Jah­re in ei­nem Pfle­ge­heim. 2014 hat­te er ge­zwun­ge­ner­ma­ßen sei­nen Rück­zug aus dem Mu­sik­ge­schäft er­klärt. Auf dem bis­lang letz­ten Al­bum ,Rock Or Bust‘ (2015) spiel­te er nicht mehr mit, war je­doch noch am Song­wri­ting be­tei­ligt. Im Stu­dio und bei der an­schlie­ßen­den Tour sprang Nef­fe Stevie Young ein, der Malcolm be­reits 1988 schon ein­mal ver­tre­ten hat­te. Und Malcolm woll­te wohl, dass sei­ne Band wei­ter­macht. Der bri­ti­schen Zei­tung The Te­le­graph hat­te Sän­ger Bri­an John­son 2014 er­zählt: „Be­vor die De­menz ihn ganz er­griff, sag­te er: ,Geht raus und macht Mu­sik, Jungs, nur für mich noch ein wei­te­res Mal.‘“Mit sei­nem un­glaub­lich kna­cki­gen und per­kus­si­ven Rhyth­mus­spiel avan­cier­te er zum Vor­bild vie­ler Rock-/ Me­tal- Gi­tar­ris­ten. Kenn­zei­chen sei­nes Stils sind ein kraft­vol­ler und prä­zi­ser An­schlag, bei dem die schwin­gen­den Sai­ten an der Bridge mit dem Hand­bal­len ent­we­der leicht ab­ge­dämpft oder so­gar ab­ge­stoppt wer­den, wie et­wa in , Jail­break‘. In der Kom­bi­na­ti­on mit dem von ihm be­vor­zug­ten Ak­kor­den in der ers­ten La­ge er­gibt dies ein di­ckes Brett. Ty­pisch sind auch die „Vor­zie­her“, bei de­nen die Be­to­nung nicht auf die Zähl­zeit „1“son­dern schon auf die „4 und“fällt, wie et­wa in ,Live Wi­re‘. Zu­dem hat er als Song­wri­ter und krea­ti­ver Kopf die Ge­schi­cke der aus­tra­li­schen Hard­ro­cker von Be­ginn an maß­geb­lich mit­be­stimmt. Ge­bo­ren wur­de Malcolm Young am 6. Ja­nu­ar 1953 im schot­ti­schen Glas­gow. Als er zehn Jah­re alt war, wan­der­te die Fa­mi­lie nach Aus­tra­li­en aus. In Syd­ney grün­de­te Mal mit sei­nem eben­falls Gi­tar­re spie­len­den Bru­der An­gus 1973 AC/DC. Die be­kann­te Auf­tei­lung kris­tal­li­sier­te sich im Lau­fe der Früh­pha­se her­aus: Malcolm, der auch als ver­sier­ter So­list gilt, über­ließ An­gus die Rol­le des ex­al­tier­ten Le­ad-gi­tar­ris­ten. Auf der AC/DC-SITE schreibt An­gus: „Als sein Bru­der ist es schwer in Wor­te zu fas­sen, was er mir mein gan­zes Le­ben lang be­deu­te­te. Un­se­re Bin­dung war ein­zig­ar­tig und sehr be­son­ders. Er hin­ter­lässt ein enor­mes Er­be das ewig fort­le­ben wird. Malcolm, job well do­ne.“Wie groß Malcolm Youngs Ein­fluss auf die Rock­welt war, lässt sich an den Re­ak­tio­nen auf sei­nen Tod ab­le­sen. Ed­die Van Ha­len schrieb in ei­nem Tweet: „Ein trau­ri­ger Tag für den Rock‘n‘roll. Malcolm Young war mein Freund und das Herz und die See­le von AC/DC. Ich hat­te ei­ne mei­ner bes­ten Zei­ten mei­nes Le­bens mit ihm auf un­se­rer 84er Eu­ro­pa-tour­nee.“Scott Ian von An­thrax, der auf sei­nem lin­ken Ober­arm ein Malcolm-tat­too trägt, schrieb u. a. auf Ins­ta­gram: „Malcolm hat­te ei­nen äu­ßerst kraft­vol­len, per­kus­si­ven und öko­no­mi­schen Spiel­stil, der ihn zum größ­ten Rhyth­mus­gi­tar­ris­ten al­ler Zei­ten mach­te.“Ste­ven Van Zandt von der E Street Band be­zeich­ne­te Young als den „es­sen­ti­el­len Rhyth­mus­gi­tar­ris­ten der größ­ten Wor­king-class-hard­rock-band der Welt.“Wei­te­re Bei­leids­be­kun­dun­gen ka­men auch von Tom Mo­rel­lo, Aus­sieRöh­re Jim­my Bar­nes, Oz­zy Os­bourne, Paul St­an­ley, Bryan Adams, Def Leppards Joe El­liott und Hor­ror-au­tor Ste­phen King. Am To­des­tag

spiel­ten sich die Foo Figh­ters beim Kon­zert in Me­xi­ko-stadt durch ei­ne fu­rio­se Ver­si­on von AC/DCS ,Let The­re Be Rock‘. Front­mann Da­ve Grohl ging der­ma­ßen steil, als wol­le er Malcolm zu­rück ins Le­ben schrei­en. Guns N‘ Ro­ses wid­me­ten Young in Sa­cra­men­to ih­re In­ter­pre­ta­ti­on von Bob Dylans ,Kno­ckin’ On Hea­ven‘s Door‘ und spiel­ten den Ac/dc-klas­si­ker ,Who­le Lot­ta Ro­sie‘. Gi­tar­rist Slash be­ton­te ge­gen­über dem Rol­ling Sto­ne: „Er war ein fan­tas­ti­scher Song­wri­ter und be­saß auch ei­ne groß­ar­ti­ge Ar­beits­mo­ral.“Für den Young-clan ist 2017 ein har­tes Jahr, denn be­reits am 22. Ok­to­ber starb der äl­te­re Bru­der Ge­or­ge im Al­ter von 70 Jah­ren. Er hat­te mit sei­nem Ar­beits­part­ner Har­ry Van­da nicht nur bei den Ea­sy­beats ge­spielt, son­dern auch die le­gen­dä­ren AC/DCAl­ben bis 1978 pro­du­ziert (1988 auch ,Blow Up Your Vi­deo‘ und al­lei­ne das 2000er ,Stiff Up­per Lip‘).

Po­wer­a­ge

Und da­mit sind wir bei ,Po­wer­a­ge‘ an­ge­kom­men, je­nem Al­bum, von dem Malcolm glaub­te, es ge­hö­re zu den am meis­ten un­ter­schätz­ten Wer­ken der Band. ,Po­wer­a­ge‘ er­schien im Mai 1978. Der Ope­ner ,Rock‘n‘roll Dam­na­ti­on‘ be­ginnt bom­bas­tisch und eher düs­ter, ent­wi­ckelt sich dann zu ei­nem ul­tra­kom­pak­ten wie ein­gän­gi­gen Ro­cker mit Riff-gi­tar­ren, die ein we­nig an die Sto­nes er­in­nern. Und auch An­gus‘ kur­zes So­lo ver­brei­tet durch Bends und Dou­ble­stops den Geist von Keef. Ganz an­ders kommt der bra­chia­le­re ,Down Pay­ment Blues‘, in dem sich die Riffs dy­na­misch auf­bau­en, be­feu­ert von ei­nem schar­fen Drum-groo­ve. Bon Scott in­sze­niert sich als Un­der­dog – mit Lö­chern in den Schu­hen und chro­nisch un­ter­be­zahlt – der am liebs­ten blau macht. Auch ,Gim­me A Bul­let‘ ist so ein Bre­cher. Si­cher, die An­klän­ge an ,All Right Now‘ von Free sind nicht zu über­hö­ren, et­wa we­gen der Vier­tel-las­ti­gen Bass-be­glei­tung. Und ir­gend­wie ist der Song auch ei­ne Art Ent­wurf für den spä­te­ren Hit ,High­way To Hell‘. Ein wei­te­rer Hö­he­punkt ist das sich all­mäh­lich auf­bau­en­de und schnel­le ,Riff Raff‘, mit dem AC/DC fort­an ih­rer Kon­zer­te er­öff­ne­ten. ,Sin Ci­ty‘ – die­ser Mega-klas­si­ker war seit­her von kei­ner Tour mehr weg­zu­den­ken. Ein­fach nur Ener­gie pur ist das So­lo mit den Lef­tHand-tap­pings, Pinch Har­mo­nics und den sich nach oben stei­gern­den Uni­so­no-bends. Ein­fach nur scharf, wie in ,What’s Next To The Moon‘ die Kom­bi­na­ti­on aus Leer­sai­ten und Ak­kor­den ein ganz ei­ge­nes Riff er­schaf­fen, ge­ni­al ein­fach und ab­so­lut pa­ckend! Wer das Zu­sam­men­spiel der Youngs stu­die­ren will, muss sich de­fi­ni­tiv mit dem hyp­no­ti­schen ,Go­ne Shoo­tin‘‘ aus­ein­an­der­set­zen. Und dann ist da das schier un­glaub­li­che ,Up To My Neck In You‘ – selbst für Ac/dc-ver­hält­nis­se ist der ul­tra­schnel­le Rock‘n‘rol­ler an Prä­zi­si­on, Ener­gie und Sim­pli­zi­tät kaum zu über­bie­ten. Muss man wirk­lich ge­hört ha­ben um es zu glau­ben! In ,Ki­cked In The Teeth‘ knüp­fen AC/DC un­mit­tel­bar an den bra­chia­len Ti­tel­track des Vor­gän­ger-al­bums ,Let The­re Be Rock‘ an. Und, war da noch was? Ja, die aus­tra­li­sche Lp-ver­si­on ent­hielt nur neun Songs, die eu­ro­päi­sche bot noch den coo­len Mid­tem­po­ro­cker ,Cold He­ar­ted Man‘. Bei der spä­te­ren eu­ro­päi­schen Cd-aus­ga­be fehl­te der Song dann wie­der. So et­was kam auch bei an­de­ren Al­ben vor, und solch feh­len­de wie ge­such­te Stü­cke nähr­ten den Kult um die Band.

Equip­ment

De­fi­ni­tiv Kult ist auch das Equip­ment der Gi­tar­ren-brü­der. Malcolm Young ist be­kannt für sei­ne 63er Gretsch Jet Fi­re­bird, die ihm Har­ry Van­da 1968 ge­schenkt hat. Die ur­sprüng­lich ro­te La­ckie­rung wur­de von Malcolm ent­fernt. Das Instrument wur­de auch mit ei­nem drit­ten Mit­tel-pick­up ver­se­hen. Der wur­de dann zu­sam­men mit dem Hals-ton­ab­neh­mer ent­fernt, so­dass nur noch der ori­gi­na­le Gretsch Fil­ter­tron-hum­bu­cker in der Steg-po­si­ti­on und zwei di­cke Lö­cher im Bo­dy ver­blie­ben. Auch das Vi­bra­to wur­de ent­fernt und durch ei­ne fest­ste­hen­de Ba­dass-brü­cke er­setzt. Wich­tig für sei­nen Sound sind di­cke .012-Sai­ten­sät­ze mit um­wi­ckel­ter D-sai­te, die er mit ei­nem Fen­der-hea­vy-plek­trum an­schlägt. Von Mal­colms Gi­tar­re exis­tie­ren ver­schie­de­ne Gret­schSi­gna­tu­re-mo­del­le. An­fang des Jah­res er­schien ei­ne ge­naue Re­plik von Gretsch, die G6131MY-CS Cust­om Shop Malcolm Young Sa­lu­te Jet. Sie sieht dem Ori­gi­nal zum Ver­wech­seln ähn­lich, und Fo­tos auf www.gretsch­gui­tars.com zei­gen ei­nen zu­frie­de­nen Malcolm Young beim An­tes­ten. Die von Gretsch auf­ge­ru­fe­nen $10,000 pas­sen je­doch we­ni­ger zur Bo­den­stän­dig­keit des Aus­tra­li­ers. Wei­ter­hin setz­te er die Mar­shall-mo­del­le JTM45/100 und Ple­xi Su­per-bass 1959 mit 4x12er-mar­shall-bo­xen ein. Mal­colms zwar sat­ter aber den­noch eher clea­ner Sound er­gänz­te sich per­fekt mit dem ver­zerr­te­ren und mit­ti­ge­ren Klang von An­gus. Sei­ne Lieb­lings-gib­son-sg soll laut ei­ge­ner Aus­sa­ge aus dem Jahr 1967 oder ‘68 stam­men. Sei­ne SGS be­stückt er ent­we­der mit .009ero­der .010er-sät­zen. Ver­stärkt wird mit Mar­shall Ple­xi-100-wat­tVer­stär­kern plus Mar­shall 4x12-bo­xen. Bei­de Mu­si­ker ver­zich­ten zwar auf Ef­fekt­ge­rä­te, al­ler­dings setz­te An­gus für mehr Be­we­gungs­frei­heit auf der Büh­ne ab 1978 ei­nen Sen­der ein, ein Schaf­fer-ve­ga Di­ver­si­ty Sys­tem (SVDS), das er laut Po­wer­a­ge-tech­ni­ker Mark Opitz auch im Stu­dio be­nutzt hat. An­gus‘ Sen­der soll ei­nen hör­ba­ren Ein­fluss auf sei­nen Sound ge­habt ha­ben. In­zwi­schen ist ein Nach­bau des ana­lo­gen Schalt­krei­ses, das So­lo­dal­las Schaf­fer Re­pli­ca, auch in Pe­dal­form er­hält­lich (www.so­lo­dal­las.com). Letzt­lich han­delt es sich wohl um ei­ne Art Cle­an Boos­ter, den der ame­ri­ka­ni­sche Gui­tar Play­er im Ju­ni 2015 zum „Edi­tor‘s Pick“kür­te und ihm „gre­at sound“und „tough con­struc­tion“be­schei­nig­te. Zu­rück ins Jahr 1978. Der neue Bas­sist Cliff Wil­li­ams – er war für Mark Evans ge­kom­men – mach­te zum Ein­stieg ei­nen gu­ten Job und konn­te je­des Tem­po mit­ge­hen oh­ne an Druck zu ver­lie­ren. Laut Stu­dio­tech­ni­ker Mark Opitz setz­te er für sei­nen sat­ten Sound ei­nen Mu­si­cman Stin­gray über ei­nen Am­peg-svt-ver­stär­ker ein. Zu­dem war er mit Malcolm und Bon auch an den Back­ground-chö­ren be­tei­ligt. Auf ,Po­wer­a­ge‘ sind ei­ni­ge der bes­ten AC/DC-SONGS über­haupt am Start. Und der hef­ti­ge wie or­ga­ni­sche Ge­s­amt-sound ist knapp vier Jahr­zehn­te spä­ter ein Er­eig­nis. Über die Jah­re hat die­ses Al­bum den Wan­del vom In­si­der-tipp hin zu ei­nem Fan-fa­vo­ri­ten voll­zo­gen. Zu den pro­mi­nen­ten Po­wer­a­ge-lieb­ha­bern ge­hört auch Sto­ne Keith Richards, der eben­falls on­li­ne kon­do­lier­te: „Malcolm war ei­ner der gro­ßen Riff-mas­ter und ei­ner der größ­ten Rhyth­mus­gi­tar­ris­ten al­ler Zei­ten. Wir wer­den ihn al­le in­nigst ver­mis­sen.“n

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