War­um nicht mal zu zweit?

Wie vie­le Leu­te braucht man ei­gent­lich, um ei­ne Band zu sein? Rei­chen schon drei oder müs­sen es doch fünf sein, die zu­sam­men mu­si­zie­ren? In der Welt der Rock- Mu­sik dürf­ten sich die meis­ten Bands ir­gend­wo zwi­schen die­sen Be­set­zungs- Mo­del­len be­we­gen. Was

Gitarre & Bass - - Leser Post -

,It Might Get Loud‘ von Da­vis Gug­gen­heim an­schau­lich do­ku­men­tiert ist. Ne­ben der le­gen­dä­ren Se­mi-akus­tik von Kay und der kul­ti­gen Res- O- Glas Air­line Gi­tar­re, wer­den auch ver­rück­te Kon­struk­tio­nen wie die Ci­gar-box-gui­tar ge­zeigt. Ir­gend­wie hat man das Ge­fühl, dass der Mann aus na­he­zu je­der Art von Gi­tar­re et­was ma­chen kann – sein dre­cki­ger, ei­gen­wil­li­ger Sound bleibt auf je­den Fall im­mer sein Mar­ken­zei­chen. Recht ähn­lich wie die Whi­te Stri­pes ge­hen es auch die bei­den Jungs von The Black Keys vor. Das Duo, be­ste­hend aus Patrick Car­ney am Schlag­zeug und Dan Au­er­bach an der Gi­tar­re bzw. am Mi­kro­fon, dürf­te mitt­ler­wei­le kaum we­ni­ger be­kannt sein – ei­nen Gram­my je­den­falls ge­winnt man in der Re­gel nicht als klei­ne Un­der­groun­dBand. Auch die­ses Duo mach­te be­son­ders auf den ers­ten Al­ben kei­nen klang­li­chen Hehl aus der Be­set­zung und ver­such­te gar nicht erst, ei­ne gan­ze Band zu si­mu­lie­ren. Auch hier ist ein er­dig-dre­cki­ger Ga­ra­genBlues-sound Pro­gramm und die wirk­lich sehr rus­ti­ka­len Lo­fi-pro­duk­tio­nen der Band wer­den den häu­fig sim­plen Song­struk­tu­ren ab­so­lut ge­recht. Da­bei ver­stan­den es die Black Keys im­mer wie­der, aus ih­rem re­du­zier­ten Sound das Ma­xi­mum her­aus­zu­ho­len und ha­ben als Duo ein paar sehr stim­mungs­vol­le Al­ben ge­schrie­ben. Dan Au­er­bach be­sitzt, ähn­lich wie sein Kol­le­ge Jack Whi­te, ei­nen wirk­lich be­ein­dru­ckend gro­ßen Fuhr­park an al­tem und zum Teil

Für sei­nen dre­cki­gen Sound be­nutzt Fynn ger­ne al­te Jazz-gi­tar­ren von Gib­son.

ei­ne ähn­li­che mu­si­ka­li­sche At­ti­tü­de wie ih­re Us-kol­le­gen und fah­ren ei­nen ver­gleich­bar ro­hen und un­po­lier­ten Sound. Ganz so ein­fach ist es dann na­tür­lich doch nicht. Die Band, be­ste­hend aus Phil­ipp Mirt­schink am Schlag­zeug und Fynn Gr­ab­ke an der Gi­tar­re und am Ge­sang, nimmt es mit dem Ga­ra­gen-sound auf je­den Fall ziem­lich genau. Wenn die bei­den nicht ge­ra­de ir­gend­wo auf der Welt ei­ne Büh­ne un­si­cher ma­chen, ist die Wahr­schein­lich­keit hoch, das Duo wahl­wei­se beim Mo­tor­rad­fah­ren oder beim Song­wri­ting in der ei­ge­nen, äu­ßerst ge­räu­mi­gen Ga­ra­ge an­zu­tref­fen. Da­bei dient be­sag­ter Raum gleich­zei­tig als Mo­tor­rad­werk­statt, Pro­be­raum und Ton­stu­dio. Mit Un­ter­stüt­zung von Claus Gr­ab­ke – sei­nes Zei­chens Skate­board-le­gen­de der 80erJah­re so­wie Mit­glied bei Thumb und den Al­ter­na­ti­ve All­stars – wird qua­si per­ma­nent am Sound der Band ge­feilt, wo­bei die Jungs ge­nau­so kom­pro­miss­los vor­ge­hen, wie bei ih­ren en­er­gie­ge­la­de­nen Li­veShows. Nicht nur, dass Gr­ab­ke auf ziem­lich al­te und nach ei­ge­ner Aus­sa­ge eher müh­sam zu be­spie­len­de Se­mi-akus­tik-gi­tar­ren setzt, Schlag­zeu­ger Phil­ipp Mirt­schink ent­schied sich, voll­stän­dig auf die Be­cken sei­nes Drum­sets zu ver­zich­ten, um ei­nen bes­ser zu kon­trol­lie­ren­den Raum­klang zu er­hal­ten. So oder so kann sich das Er­geb­nis hö­ren las­sen: Auf meis­ter­haf­te Art und Wei­se ver­steht es das Duo, ei­nen wirk­lich rau­en und schmut­zi­gen Ga­ra­gen-sound mit ex­trem Hit-taug­li­chen Me­lo­di­en und ei­nem aus­ge­präg­ten Händ­chen für gu­tes Song­wri­ting zu ver­bin­den. Trotz al­ler Lie­be zu Vin­ta­ge-equip­ment fin­den sich auf Fynn Gr­ab­kes Pe­dal­board über­ra­schend vie­le mo­der­ne Pe­da­le. Ne­ben di­ver­sen Boss- und No­bels-tre­tern sieht man dort auch den in Ko­ope­ra­ti­on mit Red Sun FX de­sign­ten Moon­boost, wel­cher in ers­ter Li­nie da­zu dient, die Ver­stär­ker noch ein we­nig mehr in die Sät­ti­gung zu schie­ben. Hier fin­den wir üb­ri­gens ne­ben di­ver­sen Vin­ta­ge-schätz­chen von Fen­der, Mar­shall und Vox im Live-be­trieb vor al­lem die Amps des klei­nen Her­stel­lers Ear­force aus Mel­le-neun­kir­chen. Hen­rich Schmidts fer­tigt hier Gi­tar­ren­ver­stär­ker auf höchs­tem Ni­veau und geht da­bei – wie im Fal­le der Pic­tu­re­books – auf na­he­zu je­den Son­der­wunsch sei­ner Kun­den ein. Für Gr­ab­ke ent­wi­ckel­te er ei­ne Ver­si­on sei­nes Ear­force Two Ver­stär­kers, wel­cher mit zwei un­ter­schied­lich klin­gen­den Cle­an-ka­nä­len aus­ge­stat­tet und spe-

22 Com­bos zum Ein­satz kommt. Über den Rest gibt sich Kerr ger­ne mys­te­ri­ös ver­schwie­gen und ver­rät nur, dass ne­ben den bei­den EHX POGS sein Aby-swit­cher am wich­tigs­ten ist, mit dem er die un­ter­schied­li­chen Ver­stär­ker mu­ten kann, um so mehr klang­li­che Dy­na­mik zu er­zeu­gen.

Git­bass­bo­xen? dampf­ham­mer un­der­ground

Al­bum ,He­ro‘ ziem­lich auf­ge­mischt und be­wie­sen, dass auch ei­ne eher klas­sisch aus­ge­rich­te­te De­ath-me­tal-band nicht zwangs­läu­fig auf die Di­ens­te des tie­fen Vier­sai­ters an­ge­wie­sen ist. Das ei­gent­lich recht strai­ght ge­hal­te­ne Song­wri­ting schafft es, die har­ten Riffs des De­ath Be­son­ders in­ner­halb ei­ner Duo-be­set­zung kann es durch­aus reiz­voll sein, das Gi­tar­ren­Si­gnal über ei­ne 2x15er Bass-box zu schi­cken. Da­für eig­net sich frei­lich nicht je­de x-be­lie­bi­ge Box; be­son­ders An­la­gen mit Hoch- und Mit­tel-tö­nern klin­gen mit ei­ner Gi­tar­re ziem­lich ät­zend. Ich per­sön­lich ha­be gu­te Er­fah­run­gen mit Me­sa-boo­gies 2x15ern aus der Die­sel-se­rie ge­macht, wel­che mit Electro Voice 15Ls be­stückt sind. Das Thie­le-bass­re­flex-ge­häu­se ver­leiht dem Gi­tar­ren-sound ei­ne or­dent­li­che Por­ti­on Schub in den Bäs­sen und lie­fert in den Mit­ten ein schön brei­tes Klang­bild mit viel Durch­set­zungs­kraft. Auch Ce­les­ti­ons Si­de­win­der-laut­spre­cher – der oft in den Mar­shall-bass-bo­xen der 80er-jah­re ver­wen­det wur­de – scheint mir für ein ver­zerr­tes Gi­tar­ren-si­gnal her­vor­ra­gend ge­eig­net zu sein. Nach­dem wir nun ein paar der un­ter­schied­li­chen Duo-be­set­zun­gen mit ver­schie­de­nen Sound-an­sät­zen be­spro­chen ha­ben, ist es an der Zeit für ei­ne klei­ne Zä­sur. Al­le er­wähn­ten Du­os ha­ben mehr oder min­der ge­mein­sam, dass die Art der Mu­sik schon ei­ne recht gro­ße Band­brei­te des po­ten­ti­el­len Pu­bli­kums an­spre­chen dürf­te. Sei­en es die Whi­te Strips mit ih­ren su­per-ein­gän­gi­gen Hits, die Black Keys mit ih­rem zu­gäng­li­chen Neo-blues-sound oder auch Roy­al Bloods ein­fa­ches aber zu­wei­len su­per­se­xy klin­gen­des Song­wri­ting. Die nun fol­gen­den Bands hin­ge­gen set­zen in ers­ter Li­nie auf un­fass­ba­re Hea­vy­ness und spie­len sich da­her viel tie­fer im Un­der­ground ab. Da wä­re zu­nächst das Schwei­zer Duo Böl­zer zu nen­nen, das aus dem aus Süd­afri­ka stam­men­den Gi­tar­ris­ten und Sän­ger Okoi Thier­ry Jo­nes und Schlag­zeu­ger Fa­bi­an Wyrsch be­steht. Die bei­den ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr die Me­tal-sze­ne mit ih­rem

Freu­de in die Au­gen schie­ßen – sorgt für ein wuch­ti­ges Fun­da­ment auf dem Des­mond wun­der­bar sei­ne fast aus­schließ­lich ge­tapp­ten Bass-ak­kor­de sta­peln kann. Ja, rich­tig ge­le­sen, hier ha­ben wir es zu kei­nem Zeit­punkt mit ei­ner Gi­tar­re zu tun son­dern aus­schließ­lich mit lang­sa­men Tap­ping- Be­we­gun­gen auf dem Bass. Wäh­rend Des­mond mit der lin­ken Hand für die wuch­ti­gen und fet­ten Bas­sLi­ni­en sorgt, greift er in den ho­hen La­gen mit der Rech­ten die Me­lo­di­en, die dem Al­bum sei­ne hyp­no­ti­sche At­mo­sphä­re ver­lei­hen – Zeit­lu­penTap­ping so­zu­sa­gen. Um ei­ne mög­lichst gro­ße to­na­le Band­brei­te ab­zu­de­cken, setzt der Bas­sist ei­nen Iba­nez-sechs­sai­ter aus der SDGR-SE­RIE ein und schickt das Si­gnal über ei­ne Viel­zahl un­ter­schied­li­cher Ver­stär­ker von Oran­ge, Am­peg oder auch Ve­rel­len. Das Pe­dal­board, u. a. be­stückt mit ei­nem Full­to­ne OCD, ei­nem De­lay von Boss und ei­nem EHX Ho­ly Grail sorgt dann für den Rest – im Grun­de al­so al­les kein He­xen­werk.

glück­lich zu zweit

Ich hof­fe sehr, dass ich dem in­ter­es­sier­ten Le­ser ei­nen klei­nen Ein­blick in die un­ter­schied­li­chen Duo-be­set­zun­gen ge­ben konn­te und möch­te je­den da­zu er­mu­ti­gen, es ein­fach mal zu zweit zu ver­su­chen – egal ob ein Bas­sist oder Gi­tar­rist vor­han­den ist. Si­cher – es be­darf ein paar tech­ni­scher Knif­fe, um zu zweit die glei­che klang­li­che Mas­si­vi­tät wie ei­ne gro­ße Be­set­zung auf­zu­bau­en, aber viel­leicht muss das ja auch gar nicht sein. Mög­lich ist es aber auf je­den Fall. Zwei Ver­stär­ker, ein gu­ter Aby-split­ter (sie­he In­fo­kas­ten) und schon kann es im Prin­zip los­ge­hen – manch­mal ist es zu zweit eben doch am schöns­ten. n [3367]

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