Selbst­kri­ti­scher Ser­vi­et­ten­Schrei­ber

Trau­ri­ge Kind­heit, dras­ti­sche Dro­gen­ab­stür­ze, ge­schei­ter­te Be­zie­hun­gen: das bis­he­ri­ge Le­ben des Song­wri­ters bie­tet Stoff für zahl­rei­che Long­play­er. Sein ak­tu­el­les Al­bum ist ein weh­mü­ti­ger Rück­blick auf sei­ne Kind­heit in Nash­ville. Aber es gibt Licht am En

Gitarre & Bass - - Leser Post - STO­RY: FO­TOS: NI­KI KA­MI­LA PHI­LIP NEL­SON, NEW WEST RE­COR­DS, YOUTUBE

Dei­ne Hei­rat und die be­vor­ste­hen­de Ge­burt des ers­ten Kin­des be­stimmt auch. ( lacht bit­ter) Ja, ganz klar, durch mei­ne Frau hat sich mein Le­ben dras­tisch zum Po­si­ti­ven ver­än­dert, kein Zwei­fel. Seit vier Jah­ren ha­be ich mein Le­ben im Griff und ein Le­vel gro­ßer Zuf­rie­den­heit er­reicht. Das hat nichts mit Geld, Be­sitz oder Be­quem­lich­keit zu tun. Son­dern ein­fach mit mir selbst, Ver­trau­en zu ei­nem an­de­ren Men­schen zu ha­ben. Da­mit hat­te ich jah­re­lang zu kämp­fen. Vor­her ha­be ich nie­man­dem ver­traut. Au­ßer mei­ner Mut­ter. Und mei­nem Hund. (lacht) Songs wie ‚15-25‘ und ‚Kids In The Streets‘ sind fast schon schmerz­haft selbst­re­flek­tie­rend. Es ist ei­ne bit­ter­sü­ße Plat­te. Ich ha­be fünf Jah­re ge­braucht, um die­se Songs schrei­ben zu kön­nen, be­son­ders über mei­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen. Hät­te ich die­se Plat­te vor zehn Jah­ren ge­schrie­ben, hät­te sie ein­fach nur ei­nen ver­dammt bit­te­ren Bei­ge­schmack. Dein Va­ter hat euch ver­las­sen, als du zwei Jah­re alt warst. Du hast Jah­re ge­braucht, ihm zu ver­zei­hen. Und ihr seid selbst heu­te noch nicht ge­ra­de die bes­ten Freun­de. Wir füh­ren ei­ne Va­ter-sohn-be­zie­hung, in der die Leu­te da drau­ßen uns ei­gent­lich nur strei­ten se­hen. Ei­ner von uns bei­den sagt ir­gend­was Dum­mes und der an­de­re kann es ein­fach nicht las­sen, öf­fent­lich zu ant­wor­ten, dass der an­de­re ge­ra­de Blöd­sinn er­zählt. ( lacht) Heu­te, wo ich äl­ter und nicht mehr nur der an­ge­piss­te Te­enager bin, der sei­nen Va­ter hasst, weil er ihn ver­las­sen hat, kann ich zu­ge­ben, dass ei­ni­ge der Pro­ble­me in un­se­rer Be­zie­hung mei­ne Schuld sind. Wir spre­chen heu­te wie­der mit­ein­an­der, wenn auch nicht oft. Un­se­re Tour-plä­ne las­sen das kaum zu. Wenn ich von ei­ner Tour kom­me, zieht er los und um­ge­kehrt. Hast du sein neu­es Al­bum ‚So You Wan­na Be An Out­law‘ ge­hört? Aus­zugs­wei­se, ja. Es ist gut. Wirk­lich.

sa­gen: Hal­tet die Klap­pe ver­dammt und hört mal rich­tig zu, Jungs! Ihr habt die In­ten­ti­on und die Be­deu­tung von Paul Si­mon nicht ka­piert. Auch nicht die von Bru­ce Springsteen. Na, dann viel­leicht die von Tom Pet­ty. (lacht bö­se in sich hin­ein). Du spielst be­vor­zugt Acoustics von Re­cor­ding King, mit­un­ter auch al­te Har­mo­nys. Was genau hast du in dei­nem In­ven­tar? Ich spie­le ger­ne Par­lor- Gi­tar­ren, ha­be aber auch ein Slo­pe-shoul­derMo­dell von Re­cor­ding King (RAJ126). Und ich ha­be ei­ne Schwä­che für al­te Har­mo­ny So­ver­eigns. Die las­se ich mir al­ler­dings um­bau­en, ich las­se sie neu ver­bal­ken, bei Bla­xenda­le Gui­tars in At­hens, Geor­gia. Die Jungs ma­chen ei­nen groß­ar­ti­gen Job. Es ist ver­rückt, aber der Un­ter­schied zwi­schen ei­ner fan­tas­ti­schen al­ten Gi­tar­re und ei­ner nicht ganz so tol­len al­ten Gi­tar­re liegt meist nur am Bra­c­ing. Die al­ten Har­mo­nys ha­ben ei­ne ein­fa­che Lei­ter­ver­bal­kung. Scott Bla­xenda­le ver­passt ih­nen ein mo­der­nes X-ba­c­ing und was er da­durch aus den Har­mo­nys klang­lich her­raus­holt, ist fan­tas­tisch! Ich bin ein Typ, der auf schlich­te Wor­king-man-gui­tars steht und nicht auf auf­wen­dig ver­zier­te Mo­del­le mit Bling-bling. Ich be­saß als Te­enager mal ei­ne tol­le, teu­re Gi­tar­re. Die ha­be ich für Crack ver­scheu­ert. Das war mir ei­ne Leh­re. Seit­dem hab ich mir nie wie­der ei­ne teu­re Gi­tar­re ge­kauft. Dein Va­ter hat vie­le Vi­nat­ge-gi­tar­ren. Viel­leicht leiht er dir ei­ne? Nie im Le­ben! Das ist ei­ne der selt­sa­men Ei­gen­hei­ten der Earle-fa­mi­lie: Du kriegst nichts um­sonst! Mein Va­ter hat mir als Kind mal 50 Dol­lar zum Ge­burts­tag ge­schenkt. Aber grund­sätz­lich gilt: Was er ver­dient, ist seins. Was er be­sitzt, ist seins. Hän­de weg! Du warst Rei­se­füh­rer der Tv-do­ku­men­ta­ti­on ‚Coun­try Roads‘ über die Coun­try-, Blue­grass- und Ap­pa­la­chi­an Mu­sic. Die Mu­sic Ga­the­rings, al­so die Mu­siktref­fen auf dem Land, ster­ben all­mäh­lich aus. Was be­deu­tet das für die kom­men­de Mu­si­ker­ge­ne­ra­ti­on? Nichts Gu­tes. Es ist ei­nes mei­ner gro­ßen An­lie­gen, die­se tra­di­tio­nel­le ame­ri­ka­ni­sche Mu­sik für die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on zu be­wah­ren, für all die Mu­si­ker, die kom­men wer­den. Ich se­he mich als Tra­di­tio­na­list, da ist es mein Job un­se­re Mu­sik­kul­tur zu er­hal­ten und vor­an­zu­brin­gen wie die

Ste­ve Earle – der Va­ter

Ste­ve Earle, ge­bo­ren 1955 in Fort Mon­roe, Vir­gi­nia, ver­kör­pert ei­nen ame­ri­ka­ni­schen Künst­ler­ty­pus, wie man ihn nicht mehr oft trifft: ei­gen­wil­lig, wi­der­sprüch­lich, pro­vo­kant, po­li­tisch, so­zi­al­kri­tisch. Earle Se­ni­or gilt als ehr­li­che Haut mit schrä­gem Hu­mor, auf des­sen An­ruf­be­ant­wor­ter schon mal fol­gen­de An­sa­ge ge­tönt ha­ben soll: „Hier spricht Ste­ve Earle, ich drü­cke He­ro­in, ja­ge 13-jäh­ri­gen Mä­dels hin­ter­her und prü­gel mich mit den Bul­len her­um!“Mu­si­ka­lisch gilt der Sän­ger, Gi­tar­rist und Kom­po­nist, einst Schütz­ling des tra­gisch ver­stor­be­nen Townes Van Zandt, als ge­nia­ler Song­wri­ter, als Sym­bol­fi­gur der ame­ri­ka­ni­schen Roots Mu­sic und als nim­mer­mü­der Mah­ner, et­wa wäh­rend der Krie­ge der USRe­gie­rung Bush, die er mit sei­nem Al­bum ‚The Re­vo­lu­ti­on Starts ... Now‘ the­ma­ti­sier­te und da­für mit ei­nem sei­ner drei Gram­mys be­dacht wur­de. Earle, der ei­ne ex­zel­len­te Sammlung al­ter Gi­tar­ren be­sitzt, oben­drein Ban­jo und Man­do­li­ne spielt, hat mehr als 30 Al­ben im Ka­ta­log. Er war sie­ben Mal ver­hei­ra­tet und hat drei Kin­der. Ei­nes da­von ist Jus­tin Townes Earle. Web­site: www.ste­vee­ar­le.com n

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