Fen­der Ame­ri­can Eli­te Pre­ci­si­on Bass & Jazz Bass

Fen­der Ame­ri­can Eli­te Pre­ci­si­on Bass & Jazz Bass

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Dirk Groll y FOTOS Die­ter Stork

Gro­ße Klas­si­ker er­kennt man dar­an, dass man sie in je­dem Fall wie­der­er­kennt. Auch, wenn bei die­sen Ame­ri­can- Eli­te- Ver­sio­nen prak­tisch al­les hoch­fri­siert wur­de, was geht.

Mo­di­fi­ka­tio­nen ha­ben bei den ge­nia­len Bass-ba­sics von Leo Fen­der ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on, einst von den Spie­lern selbst ge­bas­telt, dann von et­li­chen Ko­pis­ten als Ve­red­lung in­te­griert. Seit ge­rau­mer Zeit hat Fen­der selbst die Va­ria­ti­on sei­ner Bass­mo­del­le in die Hand ge­nom­men, wo­bei die in Co­ro­na, Ka­li­for­ni­en ge­bau­ten Eli­tes ih­ren Se­ri­en­na­men zu Recht tra­gen. Schau­en wir al­so ge­nau­er hin, was die­se Pre­ci­si­on- und Jazz-bass-aus­füh­run­gen so eli­tär macht.

schein­bar tra­di­tio­nell

Die Holz-zu­sam­men­stel­lung re­prä­sen­tiert hier schein­bar das Alt­be­währ­te, wo der auf­ge­schraub­te Hals aus ei­nem Stück Ahorn mit lie­gen­den Jah­res­rin­gen und der Kor­pus aus Er­len­holz be­steht. Auch beim Griff­brett­ma­te­ri­al be­steht die tra­di-

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tio­nel­le Aus­wahl – bei­de Mo­del­le sind mit Ahorn oder Pa­li­san­der zu ha­ben, zu­sätz­lich steht aber auch Eben­holz zur Wahl. Was man nicht sieht: Die mo­der­nen Häl­se sind in­nen durch Gra­phit­stä­be ver­stärkt; au­ßer­dem sorgt der Com­pound- Ra­di­us der Griff­bret­to­ber­flä­che für an­ge­neh­me Spiel­bar­keit bei güns­ti­ger Sai­ten­la­ge. Und was man sieht, ist am kor­pus­sei­ti­gen Hal­sen­de die ein­fach zu­gäng­li­che Jus­tie­rung des Hals­spann­stabs an ei­nem ge­loch­ten Drehrad. Schon seit Län­ge­rem sind die Fen­der-bäs­se mit ei­nem un­auf­fäl­li­gen Nie­der­hal­ter für die A-sai­te aus­ge­stat­tet, um auch hier die al­te Pro­ble­ma­tik des An­drucks auf den Sat­tel aus­zu­räu­men. Neu wie­der­um die rück­sei­ti­ge Run­dung an der Hals­ver­schrau­bung, um leich­te­ren Zu­gang bis zur höchs­ten La­ge zu ge­währ­leis­ten. Trotz­dem ist ei­ne Schrau­be da­zu­ge­kom­men, der Hals wird fünf­fach fi­xiert. Bei­de Mo­del­le sind mit 21 Me­di­um-frets be­stückt, das Griff­brett beim Jazz Bass im be­lieb­ten 70er-stil ein­ge­fasst und mit Block­ein­la­gen aus Black Per­lo­id ver­se­hen. Auch die Dots im Pre­ci­si­on-griff­brett sind aus die­sem Ma­te­ri­al. Ne­ben den schö­nen Me­tal­lic Co­lors un­se­rer Test­ex­em­pla­re sind auch Sun­burst, Schwarz und Klar­lack (mit mar­kan­ter ge­ma­ser­tem Esche-bo­dy) er­hält­lich. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei er­wähnt, dass die Eli­te-häl­se statt in Hoch­glanz nun in sei­dig grif­fi­gem Matt la­ckiert sind.

auf heu­ti­gem stand

Die Vin­ta­ge-op­tik der Blech­flü­gel bleibt ge­wahrt, die ei­gent­li­che Stimm­me­cha­nik ist bei den Eli­te-brü­dern je­doch ex­tra­so­li­de aus Guss ge­fer­tigt. So­li­di­tät auch am an­de­ren En­de, wo der Hi-mass-vin­ta­geS­teg mit di­cke­rer Grund­plat­te und noch­mals mas­si­ge­rem Sai­ten­hal­ter auf­war­tet, denn Mas­se hilft be­kann­ter­ma­ßen beim Klin­gen. Fes­ter Halt auch: Al­le In­busStand­schrau­ben der ein­zel­nen Sai­ten­rei­ter grei­fen in Füh­rungs­nu­ten der Grund­plat­te; die Rei­ter selbst be­sit­zen je­weils vier Ein­le­ge­ril­len, um die Sai­ten­ab­stän­de va­ria­bel zu ma­chen. Wer möch­te, kann die Sai­ten bei bei­den Bäs­sen auch von hin­ten durch den Kor­pus ein­fä­deln, um noch mehr Druck auf die Sai­ten­rei­ter zu brin­gen. Se­ri­en­mä­ßig sind die Eli­te-bäs­se mit Schal­ler Se­cu­ri­ty Locks be­stückt. Über vie­le Jahr­zehn­te ha­ben wir uns dar­an ge­wöhnt, dass der nor­ma­le JSing­le­coil au­ßer dem Sai­ten­ton auch Brummstö­run­gen auf­neh­men kann, der cha­rak­ter­vol­len Prä­senz we­gen wur­de das to­le­riert. Um den ori­gi­na­len Biss zu er­hal­ten und trotz­dem auf das Brum­men zu ver­zich­ten, be­sit­zen die Noi­se­l­ess-pick­ups der vier­ten Ge­ne­ra­ti­on zwei un­ter­ein­an­der lie­gen­de Spu­len mit Al­ni­co-stab­ma­gne­ten und stäh­ler­ner Schirm­plat­te in der Mit­te. Da auch der Pre­ci­si­on mit ei­nem zu­sätz­li­chen Noi­se­l­ess-j am Steg be­stückt ist ( der P- Split­coil ar­bei­tet ja seit je­her oh­ne Brumm), ist die nun durch­weg ne­ben­ge­räusch­freie Ton­ab­nah­me in al­len Ein­stel­lun­gen für bei­de Mo­del­le er­wäh­nens­wert. Gera­de­zu dras­tisch fällt die Mo­der­ni­sie­rung bei den vie­len Knöp­fen aus, Pre­ci­si­on und Jazz Bass be­sit­zen je­weils sechs Ein­stel­ler für den Elek­tro­klang! Bei­de ha­ben ei­nen drei­ban­di­gen Ak­tiv- Equa­li­zer an Bord, per Kipp­schal­ter zu­schalt­bar. Er wird mit 18 Volt be­trie­ben, um auch her­be Peaks und ex­tre­me Ein­stel­lun­gen mit vol­ler Dy­na­mik ver­ar­bei­ten zu kön­nen. Das Bat­te­rie­fach ist von der Kor­pus­rück­sei­te aus er­reich­bar, ein Bat­te­rie- Satz reicht für rund 120 Spiel­stun­den. Die tra­di­tio­nel­le, pas­si­ve Hö­hen­blen­de ist zu­sätz­lich vor­han­den und wirkt sinn­vol­ler­wei­se nur im Pas­si­vMo­dus. Ge­gen­über ge­trenn­ten Vo­lu­me-reg­lern für bei­de Pick­ups zeigt sich der Zu­griff auf PU-MIX und Aus­gangs­pe­gel durch ei­nen Über­blen­der plus Mas­tervo­lu­me be­schleu­nigt.

iden­ti­tä­ten

Die aus­ge­klü­gel­ten Ver­bes­se­run­gen der Hals­pro­fi­le fal­len zu­nächst nicht be­son­ders auf, al­ler­dings ha­be ich den Ein­druck, dass man mit Spiel­freu­de und Selbst­ver­ständ­lich­keit prä­zi­se auf den Eli­tes agiert. Sie bie­ten das pas­sen­de Fleisch für er­di­ges Zu­pa­cken, er­mü­den aber auch nicht, wenn man es be­son­ders genau mit dem sau­be­ren Grei­fen nimmt – Kom­fort und Ge­gen­halt ste­hen hier of­fen­bar in ei­nem güns­ti­gen Ver­hält­nis. Tra­di­tio­nell bleibt die Ba­lan­ce am Gurt, wo Pre­ci und Jazz Bass leicht zur Waa­ge­rech­ten stre­ben, was man aber schon mit ei­nem et­was brei­te­ren Gurt nicht mehr spürt. Der Pre­ci­si­on bringt 4,2, der Jazz Bass 4,3 kg auf die Waage. Der ent­schei­den­de Punkt für et­li­che In­ter­es­sen­ten ist wohl, ob die Eli­te-ver­sio­nen die mo­dell­ty­pi­schen Cha­rak­terSounds lie­fern, ih­re Er­wei­te­rung um zeit­ge­mä­ße Va­ria­bi­li­tät steht da­bei ja au­ßer Fra­ge. Das hör­ba­re Plus an Ge­nau­ig­keit und Gleich­mä­ßig­keit ist ei­ner­seits der mas­si­gen Hard­ware ge­schul­det, auch die Gra­phit­stä­be in den Häl­sen ha­ben ih­ren An­teil. Ste­hen­de Tö­ne ge­ra­ten in­ten­si­ver, das Aus­klin­gen län­ger und über al­le La­gen ver­läss­li­cher als in Vin­ta­ge-zei­ten. Wer an den be­kann­ten Stel­len nach aus­ge­präg­ten Dead­spots sucht, wird ent­täuscht: Die Eli­tes ge­ben sich kei­ne Blö­ße. Ein we­nig an­ders ist das mit den zwei­s­pu­li­gen Noi­se­l­ess- J- Pick­ups, die im Pas­si­vBe­trieb ei­nen Hauch mehr Wär­me er­zeu­gen könn­ten. So­wohl der Jazz Bass, als auch die Steg­po­si­ti­on des Pre­ci­si­on kom­men et­was nüch­ter­ner rü­ber, als man es von den tra­di­tio­nel­len Sing­le­coils ge­wohnt ist. Was sich aber so­fort än­dert, wenn man die Elek­tro­nik auf Ak­tiv um­schal­tet: Be­reits oh­ne ei­nen Klan­g­reg­ler aus der Mit­tel­ras­tung her­aus­zu­be­we­gen, kommt die Saf­tig­keit in den Ton und der Un­ter­schied ist aus­ge­gli­chen. Der P-split­coil lie­fert oh­ne­hin sei­nen ty­pisch keh­li­gen Ori­gi­nal­klang, dem die zu­sätz­li­che Be­feue­rung im Ak­tiv-mo­dus noch mehr Trag­kraft, aber kei­nen Ver­lust an Cha­rak­ter be­schert. Die iden­ti­täts­stif­ten­de Ak­tiv-schal­tung kann zu­dem noch beim drü­cken­den Bass-punch und grol­len­den Mit­ten ent­schie­den zu­pa­cken, wäh­rend

üb­ri­gens die Hö­hen-boosts grund­sätz­lich fei­ner do­siert wer­den.

re­sü­mee

Die Viel­zahl fei­ner De­tail­ver­bes­se­run­gen hebt die gro­ßen Klas­si­ker zwei­fel­los auf heu­ti­ges Edel­bass-ni­veau, wo­bei aber auch das ver­blüf­fen­de Kunst­stück ge­lingt, al­le be­lieb­ten Rei­ze der alt­be­währ­ten Play­er ins Jetzt zu trans­por­tie­ren. Ver­blüf­fend da­bei ist, dass die in den Klang­va­ri­an­ten er­wei­ter­ten In­stru­men­te ih­re wah­re Iden­ti­tät noch deut­li­cher im Ak­tiv-mo­dus her­aus­stel­len, wo­bei ne­ben der Aus­stat­tung zugleich Spiel­kom­fort, Gleich­mä­ßig­keit und Prä­zi­si­on ge­stärkt sind. Und ein Blick auf den Preis zeigt, dass Fen­der mit den Eli­tes die nor­mal­ver­die­nen­den Prak­ti­ker nicht aus den Au­gen ver­lo­ren hat. Spit­ze! n

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