Dun­lop Ji­mi Hen­d­rix Ltd. Si­gna­tu­re-pe­da­le

Dun­lop Ji­mi Hen­d­rix Ltd. Si­gna­tu­re Pe­da­le 50 Jah­re ist es her, seit Ji­mi Hen­d­rix und sei­ne Mit­strei­ter durch­star­te­ten, nach­dem der iko­ni­sche Gi­tar­ren­gott in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 1966 nach Lon­don ge­holt wor­den war. Ein gu­ter An­lass für Dun­lop/ MXR, die

Gitarre & Bass - - Inhalt - TEXT Chris­to­pher Kell­ner FOTOS Die­ter Stork

Fünf Tre­ter sind es, die Dun­lop un­ter dem Mxr-la­bel als Neu­auf­la­ge der Ji­mi-hen­d­rix Si­gna­tu­re-rei­he nun auf den Markt wirft: Fuzz Face, Oc­ta­vio, Gyp­sy Fuzz, Uni­vi­be und selbst­ver­ständ­lich ein Wah. Im Wes­ten al­so nichts Neu­es? Wir wol­len mal nicht so sein, und le­gen uns die neu­en Tre­ter un­vor­ein­ge­nom­men zu Fü­ßen.

kon­zept

Mit Aus­nah­me des Wah Wahs er­schei­nen al­le Pe­da­le der Rei­he im platz­spa­ren­den Mxr-stan­dard­ge­häu­se. Sie sind „dun­kel­sil­ber“la­ckiert und tra­gen al­le das sel­be Ji­mi-art­work von Ge­red Man­ko­witz, das je nach Pe­dal le­dig­lich ei­ne an­de­re Far­be hat. Wer meh­re­re der Tre­ter ne­ben­ein­an­der auf dem Bo­ard hat, kann da schon durch­ein­an­der kom­men. Das Wah ist, ganz dem Trend ent­spre­chend, die­ses Mal als Mi­ni-pe­dal da­bei. Al­le Ge­rä­te kom­men mit True By­pass, brau­chen 9V DC als Strom­quel­le und kön­nen wahl­wei­se mit ex­ter­nem Netz­teil oder Bat­te­rie be­trie­ben wer­den. Lei­der kla­ckert der Bat­te­rie-clip im Ge­häu­se rum und ist auch nur un­zu­rei­chend vor Kon­takt mit sel­bi­gem ge­schützt. Ich emp­feh­le, ein Mi­ni-tüt­chen drü­ber­zu­stül­pen. Die gibt es ja auch mit Can­na­bis-auf­druck … Äh, zu­rück zum The­ma!

fuzz face

Man kann ja be­wei­nen, dass die­ses le­gen­dä­re Pe­dal in ei­nem schnö­den recht­ecki­gen Ge­häu­se kommt und nicht mehr als ro­te Tret­mi­ne (wo­bei die in meh­re­ren Va­ri­an­ten ja auch noch er­hält­lich ist), aber Pe­dal­board-freund­li­cher ist das al­le­mal – und auch ein paar Eu­ro güns­ti­ger. Re­geln las­sen sich in die­sem neu­es­ten Nach­bau von Hen­d­rix‘ Dal­las Ar­bi­ter Fuzz Face, wie im­mer, nur Vo­lu­me und Fuzz (au­ßer man wagt sich an die zwei Trim Po­tis im In­nern). Und genau wie im­mer, ar­bei­tet das Vo­lu­me-po­ti erst so ab 12 Uhr wirk­lich, das heißt Uni­ty Gain (= Laut­stär­ke ent­spricht dem By­pass- Si­gnal) liegt in et­wa bei die­ser Ein­stel­lung. Beim GainPo­ti sieht es nicht an­ders aus, auch das kennt man von frü­he­ren Ite­ra­tio­nen – „goar nix“bis ca. 10 Uhr, sanft-schmut­zi­ger Over­dri­ve bis ca. 4/5 des Re­gel­wegs, erst dann brüllt der Bär! Bei ei­nem auf Ger­ma­ni­um-tran­sis­to­ren ba­sie­ren­den Fuzz han­delt es sich na­tür­lich um ei­nen gut­mü­ti­gen Bä­ren, da blu­ten ei­nem nicht die Oh­ren. Zu­meist spielt man ein Fuzz Face so: „Fuzz“voll auf­rei­ßen und die Ver­zer­rungs­in­ten­si­tät mit dem Vo­lu­me an der Gi­tar­re re­geln. Und das klappt auch bei die­sem ganz her­vor­ra­gend – we­der sind beim Run­ter­re­geln an der Gi­tar­re ein Hö­hen­ver­lust, noch ein dras­ti- scher Laut­stär­ke­ver­lust wahr­nehm­bar – der Sound wan­delt sich zu dem, den man sonst bei nied­ri­ger ein­ge­stell­tem Fuz­zPo­ti am Pe­dal er­hal­ten wür­de. So rich­tig brennt der Ofen, wenn das Fuzz Face in ei­nen be­reits grum­meln­den Mar­shall fährt – dann ist das wun­der­ba­re Cha­os da, mit dem Hen­d­rix auf der Büh­ne ar­bei­te­te. Der Klang des Pe­dals ist erst­klas­sig, das ist Lie­be auf den ers­ten Ton – so­wohl mit Strat als auch mit Pau­la. Ich mag die­sen cre­mi­gen Over­dri­ve, der – je nach Ohr – nach Klett­ver­schluss, wü­ten­der Bie­ne oder Furz klingt. Das Fuzz Face un­ter­stützt von al­len Hen­d­rix-pe­da­len auch gnä­di­ger­wei­se am meis­ten den schlam­pi­gen Spie­ler mit Sustain. Lo­bens­wert, dass das Pe­dal für ein Fuzz un­fass­bar ne­ben­ge­räusch­arm ar­bei­tet – mei­ne Gü­te, ich hät­te das schon nicht mehr für mög­lich ge­hal­ten! Preis (Street): ca. € 169

oc­ta­vio

Ein Nach­bau des be­rühm­ten Pe­dals von Ro­ger May­er, be­kannt vor al­lem aus dem So­lo von ‚Pur­p­le Ha­ze‘ – das Oc­ta­vio. Auch hier tut sich erst ab 12 Uhr am Vo­lu­me-po­ti in der Laut­stär­ke genau­so viel wie im By­pass, und auch das Gain-ver­hal­ten ent­spricht dem des Fuzz Face – auch

wenn das Po­ti auf links be­reits mit fie­sem, me­tal­li­schem Schmutz be­ginnt. Die Höl­le bricht erst ab dem letz­ten Vier­tel des Re­gel­wegs los, dann aber rich­tig. Ak­kord-spiel ist be­kannt­lich mit ei­nem Oc­ta­via eher ex­pe­ri­men­tell, da die In­ter­mo­du­la­tio­nen ei­ne sau­be­re po­ly­pho­ne Wie­der­ga­be ver­hin­dern. Dreht man das Vo­lu­me-po­ti an der Gi­tar­re run­ter, wird der Sound zah­mer, aber nicht we­ni­ger krank – klingt nach Ring-mod! Mich er­in­nert das Sustain-ar­me „Plock“schon fast an die be­rüch­tig­te ba­li­ne­si­sche Ga­me­lan. Der Klang des Pe­dals ist fan­tas­tisch „un­ge­sund“und lie­fert ex­akt das, was man er­war­tet, und das er­neut in sehr kon­trol­lier­bar- kul­ti­vier­ter Wei­se. Auch das Oc­ta­vio ist in Spiel­pau­sen fast schon un­heim­lich lei­se, was ei­ner Kom­bi­na­ti­on mit dem Fuzz Face för­der­lich ist. Preis (Street): ca. € 169

gyp­sy fuzz

Be­kannt­lich wech­sel­te Hen­d­rix in sei­ner Spät­pha­se zu ei­nem von Ro­ger May­er ge­bau­ten Fuzz (dem „Axis“), das auf sta­bi­le­ren und ein­streu­ungs­un­emp­find­li­che­ren Si­li­kon- Tran­sis­to­ren ba­sier­te. Eben die­ses emu­liert das Gyp­sy Fuzz. An­ders als die an­de­ren Pe­da­le, ist die­ses mit ei­nem Ton-po­ti aus­ge­rüs­tet – so lässt sich der bei­ßen­de Sound bes­ser zäh­men. Das Gyp­sy Fuzz er­reicht bei 9 Uhr des Vo­lu­mePo­tis be­reits Uni­ty Gain, hat al­so star­ke Laut­stär­ke­re­ser­ven; das Gain-po­ti ar­bei­tet ähn­lich wie bei den an­de­ren Ver­zer­rern der Rei­he: Es tut sich lan­ge we­nig, im letz­ten Fünf­tel geht es dann rich­tig ab. Auch hier emp­fiehlt sich, das Gain-po­ti voll auf­zu­dre­hen, den Ver­zer­rungs­grad an der Gi­tar­re zu re­geln, und auch mit dem Gain-le­vel des Amps zu ex­pe­ri­men­tie­ren. Bei ei­ner Les Paul mit zwei Vo­lu­me Po­tis kann man dann zwei wei­te­re Sound­ebe­nen (zum Amp) ein­stel­len, und das oh­ne dras­ti­schen Hö­hen- oder Laut­stär­ke­ver­lust. Das Gyp­sy Fuzz klingt me­tal­li­scher, straf­fer und ag­gres­si­ver als das Fuzz Face, we­ni­ger nach Hum­mel – da­ge­gen un­ter­stützt es das Spiel nicht ganz so mit wei­chem Sustain. Der Sound ist ast­rein und macht süch­tig. Wie die an­de­ren, fällt das Pe­dal mit an­ge­neh­mer Stil­le in Spiel­pau­sen auf. Preis (Street): ca. € 169

uni­vi­be

Ein Uni­vi­be darf in kei­ner Hen­d­rix-pe­dal­samm­lung feh­len. Die­ses ist laut Dun­lop ei­ne Neu­auf­la­ge des von Shin-ei ge­bau­ten Uni­vi­bes, wel­ches Hen­d­rix an­geb­lich vor al­lem auf dem ‚Band of Gyp­sys‘- Al­bum be­nutz­te. Am Pe­dal las­sen sich mit Speed die Ge­schwin­dig­keit des Mo­du­la­ti­ons­ef­fekts ein­stel­len, mit Le­vel die Laut­stär­ke (Uni­ty Gain et­wa auf 12 Uhr) und mit Depth die In­ten­si­tät des Ef­fekts. Mit ei­nem klei­nen Druck­schal­ter lässt sich zwi­schen Cho­rus und Vi­be-mo­dus um­schal­ten. Ist der Schal­ter aus, er­tönt das ty­pi­sche, schmat­zen­de „Rol­len“und „Po­chen“, wie man es von ei­nem Vi­be kennt – das lässt sich mit­tels Speed und Depth gut je nach Be­darf ein­stel­len und schafft so­fort ei­ne trip­pi­ge 60s-at­mo­sphä­re. Vom sanf­ten Wel­len­gang bis zur SpaceGun ist al­les drin. Drückt man den Mi­ni­schal­ter, stellt sich Er­nüch­te­rung ein – der Cho­rus-ef­fekt ist eher sub­til und vor al­lem dann merk­bar, wenn man Ge­schwin­dig­keit und Tie­fe des Ef­fekts hoch­schraubt. Dann lei­ert es schön aus den Bo­xen, aber eben oh­ne das schmat­zen­de „Rol­len“des Vi­be-ef­fekts. Das Ge­rät ar­bei­tet eben­falls so gut wie frei von Ne­ben­ge­räu­schen. Preis (Street): ca. € 169

cry ba­by mi­ni wah

Laut Dun­lop be­nutz­te Hen­d­rix ein „Tho­mas Organ“Wah aus Ita­li­en (Vox ließ ja so ei­ni­ges in Ita­li­en bau­en … ) – das neue Cry Ba­by Mi­ni Wah soll auf der glei­chen Schal­tung ba­sie­ren. Be­son­de­res Merk­mal ist na­tür­lich die Mi­ni-bau­wei­se, die sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wach­sen­der Be­liebt­heit er­freu­te. Ich per­sön­lich ha­be für mich her­aus­ge­fun­den, dass mein Fuß da­mit nicht so gut klar­kommt. Das klei­ne For­mat spart zwar Platz auf dem Bo­ard, der ei­ge­ne Fuß ist ja aber nicht ge­schrumpft – und steht bei Be­tä­ti­gung des Wahs deut­lich vor­ne über. Nutzt man den neu ent­stan­de­nen Platz auf den Bo­ard für an­de­re Pe­da­le, stupst man die­se mit dem Fuß an – im schlimms­ten Fall ver­stellt man sie oder löst so­gar Ka­bel­ver­bin­dun­gen. Lang­sa­me Sweeps sind ok, aber wenn man hek­tisch den „Shaft“macht, kann es zum Mal­heur kom­men. Das muss je­der für sich selbst raus­fin­den. Leich­ter als ein nor­mal gro­ßes Wah ist es al­le­mal. Wie aber klingt nun das Ji­mi Hen­d­rix Cry Ba­by? Sehr nach „En­ten“-fil­ters­weep, es gibt ein wei­ches, deut­lich qua­ken­des „Wo­aaaahhhh“von sich, wie man es ei­gent­lich vom Vox Wah kennt – nicht so hart und mit­tig, wie Micha­elSchen­ker-jün­ger das brau­chen. Wer das mag, für den ist es fein, ich mag es et­was we­ni­ger vo­kal ( ei­gent­li­cher Cry- Ba­by­Sound) lie­ber. Im Ver­gleich zu mei­nen (frü­he­ren) Wahs ist es auch teuf­lisch rau­sch­arm, selbst voll auf­ge­macht. Preis (Street): ca. € 169

fa­zit

Man könn­te dis­ku­tie­ren, ob es schon wie­der ei­ne Hen­d­rix-si­gna­tu­re-rei­he mit Ef­fekt­pe­da­len braucht. Oder über die mo­ra­li­schen Be­den­ken phi­lo­so­phie­ren, die manch ei­ner ob der Ver­wen­dung des Kon­ter­feis ei­nes seit lan­ger Zeit to­ten Hel­den zu Mar­ke­ting­zwe­cken in In­ter­net- Dis­kus­sio­nen ar­ti­ku­liert. Das las­sen wir an die­ser Stel­le, hal­ten aber fest, dass es sich bei den neu­en Hen­d­rix-pe­da­len von Dun­lop/mxr um ganz fan­tas­ti­sche Ar­beits­ge­rä­te han­delt, die mit erst­klas­si­gen Sounds auf­war­ten und sich be­son­ders an all je­ne rich­ten, die die Ge­räusch­ku­lis­se frü­he­rer Fuzz- Ite­ra­tio­nen im­mer schon ge­nervt hat. Die auf­ge­ru­fe­nen Prei­se sind an­ge­sichts der ge­bo­te­nen Sound­qua­li­tä­ten in Ord­nung, Mi­ni-män­gel wie klap­pern­der Bat­te­rie­clip und die – we­gen ih­rer Gleich­för­mig­keit – we­nig pra­xis­taug­li­che Op­tik, las­sen sich ver­schmer­zen. Preis (Street): al­le je­weils ca. € 169 In­ter­net: www.jim­dun­lop.com n

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