Pawn Shop: Hagstrom Vi­king I

HAGSTROM VI­KING I

Gitarre & Bass - - Inhalt - CHRIS­TO­PHER KELL­NER

Die Le­gen­den­bil­dung in der Ge­schich­te der E-gi­tar­re treibt mit­un­ter er­staun­li­che Blü­ten. Ei­ne da­von ist die Sto­ry des King of Rock’n’roll, El­vis Pres­ley, und „sei­ner“Hagstrom Vi­king. Im Jah­re 1968 war El­vis schwer mit sei­nem Come­back be­schäf­tigt und in des­sen Zu­ge fan­den Dreh­ar­bei­ten für das Nbc-spe­cial ‚El­vis‘ statt. Der Pro­du­zent der Show, Bo­nes Ho­we, kam auf die Idee, dass El­vis wäh­rend der mit­ge­film­ten Li­veper­for­man­ces ei­ne Gi­tar­re „spie­len“soll­te. Er frag­te die für die Show ge­buch­ten Stu­dio­gi­tar­ris­ten, ob je­mand et­was „Fla­shi­ges“da­bei hät­te, das man El­vis um­hän­gen könn­te. Al Ca­sey, ei­ner der an­ge­heu­er­ten Gi­tar­ris­ten, hat­te ei­ne neue schwe­di­sche Vi­king II im Kof­fer­raum, die we­nig spä­ter in die Hän­de des King ge­lang­te. Er spiel­te sie bei den Ope­ning- und Ab­schluss-sze­nen der Show so­wie ei­nem Live-konzert am 29. Ju­ni 1968. Wo­bei wir nicht genau wis­sen, was El­vis an­ge­sichts der Ar­ma­da von il­lus­tren Backing-gi­tar­ris­ten tat­säch­lich spiel­te. Egal, die Le­gen­de von der El­vis-hagstrom war ge­bo­ren. Es heißt, von die­ser Vi­king II sol­len nur 1.350 Stück her­ge­stellt wor­den sein. Das macht es et­was schwie­rig, ei­ne auf­zu­trei­ben. Statt­des­sen ist mir die klei­ne Schwes­ter, ei­ne Vi­king I, in die Hän­de ge­fal­len. Die ist bis auf we­ni­ge De­tails iden­tisch mit der Be­rühmt­heit – an­de­re Far­be, Dot-in­lays statt Block­ein­la­gen und sil­ber­ne statt gol­de­ne Hard­ware – an­sons­ten ganz die El­vis-gi­tar­re. Die Fir­ma Hagstrom/hags­tröm (es exis­tie­ren bei­de Schreib­wei­sen) star­te­te als Im­por­teur von Ak­kor­de­ons in den 1920er-jah­ren, 1932 wur­de in Äl­val­den ein ei­ge­nes Werk ge­grün­det. Mit dem Bau von E-gi­tar­ren be­gan­nen die Schwe­den 1958, al­so et­wa zur sel­ben Zeit, als auch über­all sonst in Eu­ro­pa da­mit ge­star­tet wur­de. Wie bei vie­len an­de­ren war ein Merk­mal der frü­hen schwe­di­schen E-gi­tar­ren ein Be­zug mit glit­zern­dem Per­lo­id. Nach und nach stell­te Hagstrom die auch heu­te wie­der auf­ge­leg­ten Mo­del­le wie die Swe­de oder eben die Vi­king vor. 1983 war, auf­grund der Preis­kon­kur­renz aus Asi­en, erst mal Schluss – er­neut ähn­lich wie auch über­all sonst in Eu­ro­pa. Erst 2004 wur­de das La­bel wie­der­be­lebt, das sich heu­te wie­der wach­sen­der Be­liebt­heit er­freut. Die Vi­king I gab es seit 1965, es war die ers­te Hol­low­bo­dy der Schwe­den. Sie wur­de bis 1979 ge­baut (und seit ei­ni­gen Jah­ren in Neu­auf­la­gen wie­der). Das vor­lie­gen­de Mo­dell ist kom­plett hohl, äh­nelt al­so eher ei­ner ES-330 als ei­ner ES-335, von der sicht­lich die Kor­pus-form ent­lehnt ist. Ob der Bo­dy aus Ahorn, Fich­te oder Bir­ke ist, kann ich nicht nach­voll­zie­hen, al­le drei Ma­te­ria­li­en wur­den ver­wen­det. Vom ty­pi­schen, schön ge­schwun­ge­nen Sai­ten­hal­ter lau­fen die Dräh­te über ei­ne klei­ne Brü­cke. Zwei wun­der­bar silb­rig-twan­gen­de, wenn auch be­reits et­was mi­kro­pho­ni­sche Sing­le­coils zau­bern herr­li­che Vin­ta­ge-tö­ne aus die­sem In­stru­ment. Dem Cow­boy in mir will da das Grin­sen gar nicht mehr ver­ge­hen, zu­mal der su­per­schlan­ke Bir­ken­hals mit (da­mals schon) Re­si­na­tor-griff­brett auch ganz nach mei­nem Ge­schmack ist. Mit nur 3,9 cm Sat­tel­brei­te ist er nichts für Wurst­fin­ger! Die Bün­de sind – ty­pisch für die Ära – eher nied­rig und be­güns­ti­gen mo­der­ne Spiel­tech­ni­ken nicht un­be­dingt, aber die hat der Ge­nie­ßer ei­ner al­ten Vi­king ver­mut­lich auch nicht im Sinn. Un­se­re Wi­kin­ge­rin hat üb­ri­gens noch die al­te, sehr stark an die Mo­del­le der Fir­ma mit dem gro­ßen F er­in­nern­de Kopf­plat­te, die Hagstrom sich ab 1972 ver­knei­fen muss­te. Die ori­gi­na­len VanGhent-mecha­ni­ken lau­fen but­ter­weich und be­nö­ti­gen wirk­lich kei­nen Er­satz, ab den 70ern wur­den aber Schal­ler-mecha­ni­ken

ver­baut – zu die­ser Zeit hat­ten die Vi­kings auch be­reits Hum­bu­cker. Die Ver­ar­bei­tung der Gi­tar­re ist so gut, dass ich ei­ni­ge Zeit über­legt ha­be, ob sie sich wirk­lich als Pawn­shop-pro­ban­din eig­net. Über den Preis der mitt­ler­wei­le recht sel­ten ge­wor­de­nen his­to­ri­schen Hagstrom-mo­del­le wür­den ech­te Vin­ta­ge-ko­ry­phä­en nur la­chen, für al­te eu­ro­päi­sche E-gi­tar­ren liegt er aber be­reits re­la­tiv hoch. So um die 700 bis deut­lich über 1.000 Eu­ro muss man aus der Ta­sche schä­len, wenn ei­nem ei­ne über den Weg läuft. Ob El­vis schuld ist? Laut Hal Bai­ne, da­mals Schlag­zeu­ger der Backin­gBand, lieb­te der King die Vi­king trotz der nur kur­zen Af­fä­re sehr. Was sein Ma­nage­ment aber nicht dar­an hin­der­te, den Schwe­den die Wer­bung mit Bil­dern von El­vis‘ le­gen­dä­rem Auf­tritt mit der Schwe­din deut­lich zu un­ter­sa­gen… n

F-style Kopf­plat­te mit Sai­ten­nie­der­hal­ter und su­per­schlan­kem Sat­tel

Zwei silb­rig twan­gen­de Sing­le­coils

Es-style Kor­pus – kom­plett hohl

But­ter­wei­che ori­gi­nal Van Ghent-mecha­ni­ken

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