SE­AN MA­LO­NE & CY­NIC

Cy­nic wur­de schon 1987 vom Gi­tar­ris­ten und Sän­ger Paul Mas­vi­dal ge­grün­det und ver­schrieb sich dem De­ath Me­tal. Seit 1992 ist Se­an Ma­lo­ne der Bas­sist der Band, die sich sti­lis­tisch enorm ge­wan­delt hat. ‚ Hu­ma­no­id‘ ist der ers­te neue Cy­nic- Track seit dem 2

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - Text & Tran­skrip­ti­on: Wolf­gang Keh­le Fo­tos: Sea­sons Of Mist

Das ei­gent­li­che High­light des neu­en Cy­nic-songs ist je­doch – wie so oft bei die­ser Band – die spek­ta­ku­lä­re Bass-li­nie von Se­an Ma­lo­ne, die er auf sei­nem Iba­nez SR 5005E ein­ge­spielt hat. Das In­stru­ment, das sonst nur bun­diert zu ha­ben ist, bau­te Iba­nez für Se­an in ei­ner Fret­less-ver­si­on, die auch bei die­sem Track zum Ein­satz kam. Bund­lo­se Bäs­se sind im Me­tal und ver­wand­ten Spiel­ar­ten har­ter Gi­tar­ren-mu­sik we­ni­ger ver­brei­tet, aber Se­an ist das bund­lo­se Spiel zu sei­ner zwei­ten Na­tur ge­wor­den: „Fast je­der glaubt, dass ich Fret­less-bass spie­le we­gen Ja­co Pas­to­ri­us, aber das stimmt nicht. Ich bin ein Rie­sen­fan von Ja­co – so ist ei­nes der Bü­cher, die ich ge­schrie­ben ha­be (A Por­trait of Ja­co: The So­los Collec­tion, 2002, Anm. d. Verf.), ei­ne Samm­lung von Tran­skrip­tio­nen und Ana­ly­sen sei­ner So­li – aber der ein­zi­ge Grund, war­um ich von An­fang an bund­los ge­spielt ha­be, war Mi­ke Karn von der Band Ja­pan.“Hört man aber Se­ans Spiel, sind deut­li­che Ein­flüs­se von Ja­cos Mu­sik, die er in­ten­siv stu­diert hat, un­über­hör­bar. Aber auch der zwei­te Fret­less-gi­gant ne­ben Ja­co, der USBas­sist Ga­ry Wil­lis (Way­ne Shor­ter, Al­lan Holds­worth, Tri­bal Tech), hat das Spiel von Se­an nach­hal­tig ge­prägt. Zehn Jah­re spiel­te er den fünf­sai­ti­gen Iba­nez-ga­ryWil­lis-si­gna­tu­re-bass und be­schäf­tig­te sich auch in­ten­siv mit des­sen ei­gen­wil­li­ger Tech­nik der rech­ten Hand. Auf Se­ans ein­zi­gem So­lo-al­bum ‚ Cort­landt‘ ( 2007) ist der Ga­ry- Wil­lis- Vi­be un­über­hör­bar. ‚Hu­ma­no­id‘ han­delt von „Kon­tras­ten, wie dem zwi­schen Kampf und in­ne­rem Frie­den, oder dem zwi­schen Au­gen­blick und Unend­lich­keit.“Den kom­plet­ten Track fin­det man un­ter www.gi­tar­re­b­ass.de/hu­ma­no­id. Der Song be­ginnt nach ei­nem ein­tak­ti­gen Drum-lick mit ei­nem kon­stan­ten Sech­zehn­tel-puls, mar­kiert von Drums und Bass. Se­an spielt in den ers­ten drei Tak­ten durch­ge­hend D1 (H-sai­te, drit­ter Bund), auf­ge­lo­ckert durch De­ad No­tes in ei­ner Art, die stark an Ga­ry Wil­lis er­in­nert. Das Lick in Takt 4 hin­ge­gen ist Ja­co in Rein­kul­tur, nur im tie­fe­ren Re­gis­ter des Fünf­sai­ters ge­spielt. Auch die Sech­zehn­tel-li­nes in C Ver­se 1 tra­gen das Ja­co-gen in sich. Song­teil E Ver­se 3 klingt wie­der sehr nach Ga­ry Wil­lis, hier re­du­ziert Se­an die An­zahl der ge­spiel­ten De­ad No­tes im­mer wei­ter und er­zeugt so kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­de Span­nung. Die Fin­ger­sät­ze für die lin­ke Hand sind ein Vor­schlag, Se­ans Li­ni­en aufs Griff­brett zu brin­gen, na­tür­lich gibt es auch an­de­re Va­ri­an­ten. So kann man die fal­len­den Quar­ten in Takt 29 und 71 mit Sai­ten­wech­sel von A- zu E-sai­te auch nur mit dem klei­nen Fin­ger grei­fen. Als Ja­co- Fan spielt Se­an na­tür­lich kon­se­quen­tes Ra­king, bei dem für Sai­ten­wech­sel von hö­he­ren zu tie­fe­ren Sai­ten der Wech­sel­schlag auf­ge­ge­ben wird und zwei auf­ein­an­der­fol­gen­de Tö­ne mit nur ei­nem Fin­ger ge­spielt wer­den. Die Sym­bo­le für An­schlä­ge des Zei­ge­fin­gers (i) und Mit­tel­fin­gers (m) do­ku­men­tie­ren ge­nau, was die rech­te Hand zu tun hat. Hier muss er­wähnt wer­den, dass es auch ent­schie­de­ne Geg­ner des Ra­kings gibt. So rät der US- Bass- Vir­tuo­se Adam Nit­ti von die­ser Tech­nik ab. Auch der To­wer-of-po­wer-bas­sist Fran­cis Roc­co Pres­tia spielt kon­se­quent nur Wech­sel­schlag. Wer aber phra­sie­ren will wie Ja­co, kommt an Ra­king nicht vor­bei. Am viel­sei­tigs­ten auf­ge­stellt ist, wer bei­de Tech­ni­ken be­herrscht und sie nach mu­si­ka­li­schen Kri­te­ri­en wech­selnd ein­set­zen kann. Kommentare, Fra­gen, Lob oder Ta­del an wkeh­le@t-on­line.de oder an die Re­dak­ti­on

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.