Die abgla­ger­ten De­cken­höl­zer wer­den senk­recht ge­la­gert, um ein Schrump­fen zu ver­mei­den. Fa­mi­li­en-bu­si­ness: „Char­ly“Chen Song Mao mit Frau, Sohn, Schwie­ger­toch­ter und En­kel­kind.

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de -

2017 war Ba­ton Rouge in al­ler Mun­de, weil in Zu­sam­men­ar­beit mit der Uni­ver­si­tät Ebers­wal­de In­stru­men­te ent­wi­ckelt wur­den, für die aus­schließ­lich ther­mo-op­ti­mier­te ein­hei­mi­sche Höl­zer Ver­wen­dung fan­den, die so be­ar­bei­tet wur­den, dass ih­re Klang­ei­gen­schaf­ten de­nen von Tro­pen­höl­zern na­he­ka­men. Best Acoustics ar­bei­tet mit ei­ni­gen Fa­b­ri­ken in Chi­na zu­sam­men, aber die Ei­gen­mar­ken Ba­ton Rouge (Wes­tern-gi­tar­ren und Uku­le­len) und La­man­cha (Kon­zert- Gi­tar­ren) wer­den seit über 10 Jah­ren un­ter Be­rück­sich­ti­gung fest­ge­setz­ter eu­ro­päi­scher Fer­ti­gungs- und So­zi­al-stan­dards in Chi­na, fast ex­klu­siv, bei der Fir­ma Kris­tal Mu­sic in Zhang­zhou ge­fer­tigt. Gun­ther Rein­hardt: „Wir ha­ben mit Kris­tal Mu­sic ei­ne Fa­b­rik ge­fun­den, die ei­ne wun­der­ba­re Qua­li­tät für un­se­re Mar­ken Ba­ton Rouge und La­man­cha lie­fert. Aber wir fin­den, dass sie mehr ma­chen als nur ein gu­tes Pro­dukt. Sie küm­mern sich um ih­re Mit­ar­bei­ter, sie ha­ben an­ge­neh­me Ar­beits­be­din­gun­gen, die da­für sor­gen, dass die Leu­te Spaß an der Ar­beit ha­ben und des­halb sehr pro­duk­tiv sind. Sie ha­ben ei­ne ei­ge­nen Arzt, sie ha­ben Ru­he­plät­ze, sie bau­en so­gar ei­ge­nes Ge­mü­se auf dem Ge­län­de an, und sie sor­gen je­den Tag für fri­sches Es­sen: Früh­stück, Mit­tag­es­sen und Abend­es­sen für die Mit­ar­bei­ter, die es möch­ten. Ich ha­be das Ge­fühl, es ist ei­ne Fir­ma, die nicht nur gu­te Pro­duk­te macht, son­dern sich auch um uns, um die Mit­ar­bei­ter und um die Um­welt

küm­mert. Und so et­was ha­be ich ge­sucht.“Es gibt ja in Eu­ro­pa vie­le Ge­rüch­te, was schlech­te Ar­beits­be­din­gun­gen in Chi­na be­trifft. Ich konn­te mich bei ei­nem Be­such En­de 2017 in Zhang­zhou da­von über­zeu­gen, dass vie­les von dem heu­te nicht mehr zu­trifft. Und das, was Gun­ther Rein­hardt sagt, stimmt. Und auch wenn es ma­ka­ber klingt: Die Chi­ne­sen sind zur Zeit, was den Um­welt­schutz be­trifft, in vie­len Din­gen schon wei­ter als wir Eu­ro­pä­er. So dür­fen in den Städ­ten kei­ne Mo­tor­rol­ler mit Ben­zin-

Zhang­zhou: Stadt der Nar­zis­sen

mo­tor o. ä. mehr fah­ren, sie wur­den durch Elek­tro­fahr­zeu­ge er­setzt. Un­se­re Dol­met­sche­rin da­zu auf die Fra­ge, wie­so: „Zwei­rä­der mit Ben­zin­mo­to­ren sind schäd­lich für die Um­welt. Das ist bes­ser so für uns al­le“. Um Fe­in­staub in den Städ­ten zu bin­den, gibt es Sprüh­an­la­gen auf den Stra­ßen. Die Auf­la­gen für Fa­b­ri­ken, was Emis­sio­nen be­trifft, sind ex­trem hoch, und wer sich nicht dar­an hält, wird kur­zer Hand still­ge­legt. Mitt­ler­wei­le ist der mo­nat­li­che Durch­schnitts­lohn für ei­nen Ar­bei­ter in ei­ner Fa- brik wie Kris­tal auf ca. € 500 ge­stie­gen und hat sich da­mit in den letz­ten 15 Jah­ren ver­fünf­facht. Die Fa­b­rik Kris­tal liegt au­ßer­halb des Stadt­zen­trums, wur­de vor 12 Jah­ren neu ge­baut. Al­les ist be­grünt, es wur­den Bäu­me, Blu­men, und Ge­mü­se ge­pflanzt, die An­la­ge und die Fa­b­rik­ge­bäu­de sind ge­pflegt und sau­ber und die Mit­ar­bei­ter schei­nen die Ar­beit dort zu ge­nie­ßen. Es gibt meh­re­re Fa­b­rik­hal­len, al­le sind tech­nisch hoch­mo­dern mit au­to­ma­ti­sier­ten Ma­schi­nen aus­ge­stat­tet. Aber wie im­mer im Gitarrenbau, wird den­noch vie­les von Hand

Char­ly & Gun­ther

zeit­lich her­vor­ra­gend, dass Best Acoustics mit ei­ge­nen Mar­ken star­te­te, als Char­ly sei­ne ei­ge­ne Fa­b­rik auf­bau­te. Zu­nächst bau­te man Ba­ton-rouge-in­stru­men­te mit mas­si­ven Höl­zern. Gun­ther wie­der­um brach­te ei­ni­ges Wis­sen über Klas­si­sche Die Stadt Zhang­zhou liegt in Süd-chi­na, in der Pro­vinz Fu­jian, am Ni­ne Dra­gons Ri­ver. 4,8 Mil­lio­nen Ein­woh­ner le­ben im Stadt­be­zirk, fast 620.000 im Stadt­kern. Die im Volks­mund „Stadt der Nar­zis­sen“ge­nann­te Me­tro­po­le ist be­kannt für tro­pi­sche Früch­te und Blu­men. Ei­ne Spe­zia­li­tät sind die un­glaub­lich ge­schmacks­in­ten­si­ven Ba­na­nen. Die Stadt liegt ei­ne knap­pe hal­be Fahr­stun­de ent­fernt von der bei Chi­na-tou­ris­ten be­kann­ten Stadt Xia­men, dort ist auch ein gro­ßer See­ha­fen und ein in­ter­na­tio­na­ler Flug­ha­fen. Zhang­zhou ist die Hei­mat vie­ler Über­se­e­chi­ne­sen und Tai­wa­ner. Ein Drit­tel der Be­völ­ke­rung Tai­wans stammt ur­sprüng­lich aus Zhang­zhou. Die chi­ne­si­sche Pro­vinz Fu­jian in Süd-chi­na und Tai­wan wer­den durch die ca. 180 Ki­lo­me­ter brei­te Meer­enge For­mo­sa­stra­ße – auch Tai­wan­stra­ße ge­nannt – ge­trennt. Gun­ther Rein­hardt kennt Char­ly schon aus der Fa­b­rik sei­ner Fa­mi­lie, und es passt

Kris­tal Mu­sic

Kris­tal Muic wur­de vor 12 Jah­ren von „Char­ly“Chen Song Mao ge­grün­det. Sei­ne Fa­mi­lie stammt aus Zhang­zhou, wan­der­te aber zu Zei­ten der gro­ßen Un­ru­hen nach Tai­wan aus, wo man haupt­säch­lich E-gi­tar­ren bau­te. 1992 kehr­te man zu­rück in die Hei­mat, und die Fa­mi­lie führ­te ei­ne Fa­b­rik in der Ge­gend, in der E-gi­tar­ren, Acoustics und Uku­le­len ge­baut wur­den. Char­ly mach­te sich selbst­stän­dig, kauf­te 2004 das Land und star­tet 2005 mit 68 Mit­ar­bei­tern. Er führt die Fir­ma heu­te mit sei­nen Söh­nen Jim und Tony und sei­nem Bru­der Ste­ve. Der­zeit ar­bei­ten 685 Leu­te bei Kris­tal in den zu 90% kli­ma­ti­sier­ten Fa­b­rik­ge­bäu­den, 110 da­von bau­en Gi­tar­ren. Ins­ge­samt wer­den dort In­stru­men­te von ca. 15 ver­schie­de­nen Mar­ken her­ge­stellt. Al­lein 500.000 Uku­le­len wer­den hier pro Jahr ge­fer­tigt. Die In­stru­men­te ge­hen in al­le Welt, der Markt in Chi­na wächst aber ra­pi­de, so­dass auch Tei­le der Pro­duk­ti­on im ei­ge­nen Land ver­kauft wer­den. Ne­ben Fremd­pro­duk­ten gibt es seit Neus­tem die Ei­gen­mar­ke Ran­don Gui­tars, die in Deutsch­land auch von Best Acoustics ver­trie­ben wird. Kris­tal Mu­sic ist heu­te ein Fir­ma, bei der sehr viel au­to­ma­ti­siert ist, mit CNCMa­schi­nen ge­ar­bei­tet wird, und al­le Ar­beits­ab­läu­fe öko­no­misch ab­lau­fen. Char­ly hat sich am „To­yo­ta Pro­duc­tion Sys­tem“des ja­pa­ni­schen Her­stel­lers ori­en­tiert (in den USA un­ter dem Na­men „Le­an Pro­duc­tion“be­kannt): Ei­ne Kon­zep­ti­on, die je­de Art der Ver­schwen­dung ver­mei­det und sich am Ge­dan­ken „Just in time“ori­en­tiert. Oder wie Char­ly es viel schö­ner sagt: „ Die Pro­duk­te müs­sen wie Was­ser flie­ßen“.

Mitt­ler­wei­le wer­den die ther­mo-op­ti­mier­ten Ba­ton-rouge-gi­tar­ren auch in Chi­na ge­fer­tigt. Die Höl­zer da­zu wer­den aus Deutsch­land ge­lie­fert und zu­sam­men mit den an­de­ren ex­klu­si­ven Klang­höl­zern op­ti­mal ge­la­gert. Char­ly wohnt mit sei­ner Fa­mi­lie auf dem Werks­ge­län­de im so­ge­nann­ten Turm: Dies war das ers­te Ge­bäu­de der neu­en Fa­b­rik. Char­ly hofft, dass sei­ne bei­den Söh­ne, die un­ter an­de­rem bei Lar­ri­vée in Ka­na­da und bei Sa­ga in San Fran­ci­so lern­ten, ir­gend­wann die Fir­ma kom­plett über­neh­men wer­den und sei­ne Tra­di­ti­on fort­füh­ren. Er wünscht sich, dass sie ihm dann viel­leicht noch ei­nen Job als Ent­wick­ler ge­ben, denn das ist es, was er am meis­ten liebt. Char­ly hat mit sei­ner Pro­duk­ti­ons­stät­te das er­reicht, was er sich im­mer er­träumt hat, und man glaubt es ihm, wenn er sagt: „A dream co­me true“.

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