GOOD VI­BRA­TI­ON

Tay­lor Buil­der’s Edi­ti­on K14ce Bob Tay­lor hol­te den Gi­tar­ren­bau­er An­dy Po­wers 2011 in sei­ne Com­pa­ny und hat ihn als sei­nen Nach­fol­ger de­kla­riert. An­dy hat in den letz­ten 7 Jah­ren so ei­ni­ges ver­än­dert, über­ar­bei­tet, ver­bes­sert und umgestaltet. Aber jetzt i

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Die­ter Roes­berg FO­TOS Die­ter Stork, Chris So­ren­son

Die neue De­cken­ver­stre­bung wird zu­nächst bei 4 Mo­del­len mit der Grand-au­di­to­ri­um-kor­pus­form ver­wen­det. Au­ßer­dem hat An­dy zur Ein­füh­rung des neu­en V- Class- Bra­c­ings ein Top- of- the- Li­ne- In­stru­ment ent­wi­ckelt, die Buil­der’s Edi­ti­on K14ce, die zu­sätz­lich noch ei­ni­ge op­ti­sche und prak­ti­sche De­tails spen­diert be­kom­men hat. An­dy: „Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten, wie man ein In­stru­ment ver­bes­sern kann: Man kann den Sound ver­fei­nern, und man kann es sich bes­ser an­füh­len las­sen.“Für den Sound ist das VClass-bra­c­ing zu­stän­dig, für ein bes­se­res Fee­ling hat An­dy mit vie­len klei­nen De­tails ge­sorgt wie z. B. dem Arm­rest, ab­ge­run­de­ten Kor­pus­rän­dern, dem smoo­the­ren Cu­ta­way und vie­len wei­te­ren De­tails. In­tern wird die­ses High­class- Mo­dell in An­leh­nung an die Film­in­dus­trie da­her auch „Di­rec­tor’s Cut“ge­nannt.

vom surf­board zum sound­board

An­dy Po­wers lebt di­rekt am Pa­zi­fik und ist ein lei­den­schaft­li­cher Sur­fer. Als er ei­nes Mor­gens nach ei­nem Sturm nicht sur­fen konn­te, be­ob­ach­te­te er die auf­ge­wühl­ten Wel­len, die völ­lig durch­ein­an­der lie­fen. Am nächs­ten Tag wa­ren die Wel­len wie­der ganz ru­hig und gleich­mä­ßig, und er konn­te er­ken­nen, dass sie an ei­nem Pier sau­ber ge­teilt wur­den und sich völ­lig gleich­mä­ßig wei­ter aus­brei­te­ten. Da wur­de ihm klar, dass es bei akus­ti­schen Wel­len ge­nau­so sein müss­te. Wenn er die Klang­wel­len ei­ner Gi­tar­ren­de­cke nicht durch das X-bra­c­ing ver­wir­belt, son­dern mit V-för­mig an­ge­ord­ne­ten Ver­stre­bun­gen gleich­mä­ßi­ger ver­teilt, muss der Klang sau­be­rer, wei­cher und aus­ge­gli­che­ner sein.

v- bra­c­ing und in­to­na­ti­on

An­dy star­te­te Ver­su­che mit ei­nem neu­en Bra­c­ing-pat­tern, das die Klang­wel­len nicht ver­wir­bel­te son­dern nur teil­te. Er war über­rascht, wie an­ders, kom­plet­ter und aus­ge­gli­che­ner die ers­ten Pro­to­ty­pen plötz­lich klan­gen. Aber auch et­was an­de­res ent­deck­te er: Die Gi­tar­re mit VClass Bra­c­ing in­to­niert bes­ser und rei­ner, und auch In­ter­val­le, die sonst – wie er sagt – „sau­er“klin­gen, wa­ren auf ein­mal süß und rund. Die Er­klä­rung da­zu ist sim­pel: Wir ver­wen­den seit vie­len Jahr­zehn­ten für vie­le In­stru­men­te und auch Gi­tar­ren ei­ne tem­pe­rier­te Stim­mung, die Ok­ta­ve wird in zwölf gleich­mä­ßi­ge In­ter­val­le ge­teilt; ein Kom­pro­miss, an den wir uns ge­wöhnt ha­ben. Trotz Kom­pen­sa­ti­on am Sat­tel und am Steg im­mer noch kei­ne de­fi­ni­ti­ve Lö­sung. Nun ent­deck­te er, dass sei­ne Gi­tar­ren mit V-class-bra­c­ing sau­be­rer klan­gen. Er fand die Er­klä­rung: Bei der De­cke mit X-bra­c­ing ent­ste­hen, wie im Was­ser, Ver­wir­be­lun­gen, die sich zu un­sau­be­ren Tö­nen auf­schwin­gen und sich dann mit den tem­pe­rier­ten Tö­nen der Gi­tar­re un­sau­ber ver­mi­schen. Bei sei­nem neu­en Bra­c­ing schwingt die De­cke sym­me­trisch, die De­cke re­agiert ge­nau wie die schwin­gen­den Sai­ten und für un­ser Ohr sind die Tö­ne sau­be­rer, an­ge­neh­mer. Im­mer noch tem­pe­riert aber doch we­ni­ger ge­stört.

Vor Ort

En­de Ok­to­ber 2017 hat­te Tay­lor ein Dut­zend Jour­na­lis­ten von Gi­tar­ren-ma­ga­zi­nen aus al­ler Welt nach San Die­go ein­ge­la­den, um vor­ab über die Neu­ig­kei­ten zu in­for­mie­ren, die welt­weit am 24.1.2018 auf der NAMM der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt wur­den. Am ers­ten Tag gab es ei­ne Fir­men­füh­rung in El Ca­jon, am zwei­ten Tag dann die Neu­hei­ten-prä­sen­ta­ti­on, in An­dy Po­wers pri­va­ter Werk­statt in sei­nem Haus in Carls­bad. Dort­hin zieht An­dy sich zu­rück, wenn er an neu­en Pro­jek­ten ar­bei­tet. Im An­schluss dar­an, gab es ei­ne Lis­ten­ing-ses­si­on im Stu­dio der mit Tay­lor be­freun­de­ten Band Switch­food aus San Die­go, bei der An­dy, der Stu­dio­mu­si­ker Way­ne John­son und der To­n­in­ge­nieur Tan­ner Sparks die neu­en Gi­tar­ren ein­drucks­voll de­mons­trier­ten. Wer kennt das nicht: Man stimmt sei­ne Gi­tar­re mit Tu­ner, E-dur klingt un­sau­ber. Al­so kor­ri­giert man die G-sai­te et­was nach un­ten; E-dur ist sau­ber, aber A und D sind nun un­sau­ber. Und selbst mit Stimm­ge­rät be­kommt man ei­nen „fau­len“Kom­pro­miss. Vor al­lem im Stu­dio, mit un­se­ren mo­der­nen Hör­ge­wohn­hei­ten, ist dies manch­mal so stö­rend, dass vie­le Stu­dio­gi­tar­ris­ten die Gi­tar­ren für man­che Ak­kor­de um­stim­men müs­sen; die falsch klin­gen­den wer­den dann auf­wen­dig bei den Auf­nah­men aus­ge­tauscht. Ei­ne un­sag­bar müh­sa­me und ner­vi­ge An­ge­le­gen­heit, trotz Com­pu­ter­ein­satz.

pra­xis

Und wie ist das in der Pra­xis? Beim Vor­stel­lungs­ter­min konn­te ich al­le 4 Mo­del­le hö­ren, zum Test er­hiel­ten wir das Top­Mo­dell, die Buil­der’s Edi­ti­on K14-ce. Ei­ne traum­haft schö­ne Gi­tar­re, die ne­ben dem neu­en V-bra­c­ing ei­ne Men­ge tol­ler De­tails auf­weist. Die De­cke ist aus mas­si­ver wär­me­be­han­del­ter ( tor­re­fied) Sit­kaFich­te, Zar­gen und Bo­den sind aus mas­si­vem Koa, der Ma­ha­go­ni­hals mit Eben­holz­griff­brett ist mit der pa­ten­tier­ten Tay­lor-hals­ver­bin­dung mit dem Kor­pus ver­schraubt, die auch ein nach­träg­li­ches Jus­tie­ren des Hals­nei­gungs­win­kels er­mög­licht. Das Buil­der’s Mo­dell hat ei­nen Tay­lorArm­rest, al­le Kor­pus­kan­ten sind ab­ge­run­det und auch der Cu­ta­way hat ei­ne zu­sätz­li­che Run­dung, die das Spie­len in den obe­ren La­gen ex­trem er­leich­tert. Holz­bin­dings, Aba­lo­ne In­lays, und ei­ne „Spring Vi­ne“ge­nann­te Griff­brett­ein­la­ge. All das kom­bi­niert mit ei­ner sei­den­mat­ten La­ckie­rung und ei­nem wun­der­ba­ren Ko­na Burst für Bo­den und Zar­gen er­ge­ben ein traum­haf­tes Pa­ket. Der Zu­satz „ce“sagt aus, dass ei­ner­seits ein Cu­ta­way, und zum an­de­ren auch das Pick­u­psys­tem Tay­lor Ex­pres­si­on Sys­tem 2 ein­ge­baut ist.

und wie klingt’s?

Mit ein paar Wor­ten aus­ge­drückt: An­ders. Lau­ter. Sau­be­rer. Län­ger. Run­der. Das Klang­bild der Gi­tar­re mit V-class ist tat­säch­lich an­ders. Die De­cke schwingt gleich­mä­ßi­ger, es gibt kei­ne De­ad­no­tes mehr, die Tö­ne ha­ben al­le ein weit­aus gleich­mä­ßi­ge­res Sustain, das In­stru­ment ver­teilt die Schall­wel­len gleich­mä­ßi­ger im Raum. Das äu­ßert sich z. B. da­rin, dass die Gi­tar­re aus ei­ni­gen Me­tern Ent­fer­nung ge­nau­so laut er­scheint wie in un­mit­tel­ba­rer Nä­he. Bei Mi­kro-ab­nah­me kann man die Gi­tar­re be­we­gen, oh­ne dass der Klang zu­sam­men­bricht. Der so­ge­nann­te Sweetspot ist viel grö­ßer (Im Stu­dio ein Se­gen). Ich ha­be das In­stru­ment bei vie­len ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten ge­spielt. Das ver­blüf­fends­te Er­leb­nis war zu Hau­se in ge­wohn­ter Um­ge­bung. Mei­ne Frau hört zu und sagt: „ Du spielst ja lau­ter als sonst.“Ich: „Nein, wie­so?“... und va­ri­ie­re den An­schlag, mal mit Fin­gern, mal mit Plek­trum, um dies zu zei­gen. Aber erst als ich meh­re­re an­de­re Gi­tar­ren zum Ver­gleich her­an­zie­he, fällt auf, dass die­se tat­säch­lich lei­ser wir­ken. Zitat mei­ner Frau: „Ko­misch, bei de­nen fehlt je­weils ir­gend­was.“Al­so noch mehr Gi­tar­ren her­an­ge­holt. Und es stimmt. Die Buil­der’s Edi­ti­on bil­det ein­fach ein kom­plet­tes Fre­quenz­bild ab, wäh­rend die an­de­ren wie mit ei­nem EQ be­ar­bei­tet klin­gen, und Fre­quen­zen her­aus­ge­fil­tert sind. Mei­ne letz­te Waf­fe: Ei­ne al­te Tay­lor Dre­ad­nought 910, das In­stru­ment, das auch im Stu­dio bis­her un­schlag­bar war. Die hat zwar tat­säch­lich im Bass­be­reich mehr Fül­le, kommt aber auch nicht an das kom­ple­xe Klang­bild der K14ce her­an. Wow. Da­zu kommt das tat­säch­lich sau­be­rer Klang­bild, auf ein­mal kann man Dur-ak­kor­de in ho­hen La­gen mit Leer­sai­ten ver­bin­den, all das, was man sonst ver­mei­det,

Laut­stär­ke vs Sustain?

Ei­ne der wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten ei­ner Gi­tar­re ist die Ba­lan­ce zwi­schen Laut­stär­ke und Sustain, oder an­de­res aus­ge­drückt: Fle­xi­bi­li­tät ge­gen Steif­heit. Ein Ban­jo mit ei­nem wei­chen Trom­mel­fell als Re­so­na­tor ist ex­trem laut, hat aber kein Sustain, da das Fell die Schwin­gun­gen auf­frisst. Ei­ne Les Paul mit mas­si­vem Kor­pus und mit kräf­ti­gem Hals hat ein tolles Sustain, da die Schwin­gun­gen nicht ab­sor­biert wer­den, aber kei­ne akus­ti­sche Laut­stär­ke und braucht da­her Pick­ups und Ver­stär­ker. Akus­ti­sche Gi­tar­ren müs­sen mit ei­nem Kom­pro­miss le­ben, der auch da­durch zu­stan­de kommt, dass ver­sucht wird, ei­ne gut schwin­gen­de De­cke zu ver­wen­den, die aber na­tür­lich auch sta­bil und halt­bar sein muss. Die Fir­ma Mar­tin hat­te schon im 18. Jahr­hun­dert dar­auf ei­ne Ant­wort ge­fun­den und mit dem so­ge­nann­ten X-bra­c­ing – auf Deutsch: Kreuz­ver­bal­kung – ei­nen bis heu­te gül­ti­gen Stan­dard ge­setzt, der welt­weit von Gi­tar­ren­fir­men für Akus­tik-mo­del­le ver­wen­det wird. Zwei kräf­ti­ge Bal­ken, in X-form an­ge­ord­net, ver­stär­ken die De­cke im Be­reich zwi­schen Steg und Schall­loch. Im Lau­fe der Jahr­zehn­te ha­ben Gi­tar­ren­bau­er da­mit ex­pe­ri­men­tiert: mit der Di­cke der Bal­ken, der Form, dem Ma­te­ri­al, ha­ben sie ge­scal­lo­ped und ha­ben noch vie­les mehr zur Op­ti­mie­rung ver­sucht.

wenn man sau­be­re In­to­na­ti­on braucht. Klas­se. In­ter­es­sant, dass vie­le Gi­tar­ris­ten, die das In­stru­ment ge­checkt ha­ben, ähn­li­che Ein­drü­cke hat­ten, ei­ni­ge we­ni­ge ver­miss­ten ei­nen ei­ge­nen Cha­rak­ter. Klar, dass Klang­bild ist ein­fach rund und voll. Aber gera­de das führt da­zu, dass man mit dem In­stru­ment an­ders spielt. Das aus­ge­gli­che­ne Sustain lässt ei­nen dy­na­mi­scher Spie­len, die Tö­ne auf den ho­hen Sai­ten ha­ben mehr Mit­ten als ge­wohnt, und da­durch so­liert man mehr, da sie satter klin­gen. Und auch das Ex­pres­si­on Sys­tem ES-2 wirkt am Ver­stär­ker aus­ge­wo­ge­ner, aus­ge­gli­che­ner. Er­staun­li­cher­wei­se mischt sich der Sound bes­ser mit an­de­ren In­stru­men­ten, kommt kla­rer durch, oh­ne da­bei schrill zu sein, was sonst oft bei Pie­zos pas­siert, wenn man Hö­hen nach­re­gelt, um sie hör­bar zu ma­chen.

neu­es la­bel, neu­er sat­tel

Bob Tay­lor ist so glück­lich mit den neu­en Mo­del­len und den Ent­wick­lun­gen von An­dy, dass er vor­schlug, ab so­fort ein neu­es La­bel für die­se Gi­tar­ren zu ver­wen­den. Das un­ter dem Schall­loch auf­ge­kleb­te trägt jetzt die Si­gna­tur von An­dy Po­wers, Bobs Un­ter­schrift rückt in den Hin­ter­grund als gra­fi­sches Ele­ment. Da­zu das Lob von Bob: „Als Gi­tar­ren-de­si­gner ist An­dy nicht ein­fach nur ein Er­satz für mich son­dern ei­ne Ver­bes­se­rung.“Und fügt hin­zu: „Ich klin­ge zwar jetzt wie ein stolzer Va­ter, aber ich glau­be tat­säch­lich, dass An­dy in den nächs­ten 40 Jah­ren mehr als je­der an­de­re Ein­fluss auf das Akus­tik-gi­tar­ren-de­sign ha­ben wird“. Al­le Gi­tar­ren, die mit dem V-class Bra­c­ing aus­ge­stat­tet sind, ha­ben ab so­fort ei­nen schwar­zen Sat­tel, der mehr Gra­phit-an­teil ent­hält als die bis­he­ri­gen wei­ßen Tusq-ver­sio­nen. Da­mit ist auch auf den ers­ten Blick zu er­ken­nen, dass es sich hier um die „Neu­en“han­delt. Klei­ner Tipp: Das Bra­c­ing des Bo­dens ist bei den neu­en Gi­tar­ren schräg an­ge­ord­net, so­dass man auch durch ei­nen Blick ins Schall­loch ei­nen Hin­weis be­kommt, ob es sich um ein neu­es Mo­dell han­delt.

drei stan­dard mo­del­le

Zum Start der V-class gibt es ne­ben der Buil­der‘s Edi­ti­on noch drei wei­te­re Mo­del­le mit dem neu­en Bra­c­ing. Es sind auch Grand Au­di­to­ri­ums, de­ren Fea­tu­res an­sons­ten un­ver­än­dert sind: Ps14ce (Eben­holz­kor­pus mit Red­wood De­cke), K24 ce (Ha­waii­an Koa De­cke, Zar­gen und Bo­den) und 914ce (In­dian Ro­se­wood Kor­pus mit Sit­ka-fich­ten­de­cke). Die Mo­del­le be­hal­ten trotz des V-class-bra­c­ings ih­re grund- le­gen­den klang­li­chen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, die durch die Holz­aus­wahl fest­ge­legt wer­den. Für die Zu­kunft ist ge­plant, das V-clas­sBra­c­ing auch bei wei­te­ren Grand-au­di­to­ri­um-mo­del­len zu ver­wen­den.

re­sü­mee

Glück­wunsch. In­spi­riert durch sei­ne Be­ob­ach­tun­gen der Wel­len beim Sur­fen, woll­te An­dy Po­wers den Sound der Tay­lor Gi­tar­ren ver­bes­sern. Nicht nur das ist ihm ge­lun­gen, son­dern als Ne­ben­ef­fekt hat er auch die In­to­na­ti­on der Gi­tar­ren op­ti- miert und in ei­ne neue Di­men­si­on ge­führt. Dies wird die Ver­wen­dung der akus­ti­schen Gi­tar­re auf der Büh­ne und im Stu­dio er­heb­lich ver­än­dern, aber auch die Spiel­wei­sen der Gi­tar­ris­ten be­ein­flus­sen. Die Buil­der’s Edi­ti­on mit all ih­ren De­tails ist ein Pa­ra­de­bei­spiel da­für, was bei Tay­lor heu­te al­les mög­lich ist. Und da ver­zeiht man dann auch den Blick aufs Preis­schild.

Im Li­ve-club an der Ecke oder bei der Ma­ti­née im Bis­tro macht die La Pa­trie ga­ran­tiert auch ei­ne gu­te Fi­gur. Das Mas­ter­mind hin­ter die­ser Gi­tar­re ist na­tür­lich nie­mand Ge­rin­ge­res als Ro­bert Go­din, der ja auch für La­bels wie Se­agull, Art&lu­the­rie, Nor­man, Simon&patrick und na­tür­lich Go­din ver­ant­wort­lich zeich­net. La Pa­trie ist schlicht und er­grei­fend der klei­ne Vo­r­ort von Qu­e­bec im Os­ten Ka­na­das, wo die­se In­stru­men­te ge­baut wer­den.

schlan­ke fi­gur

Mon­sieur Go­din will mit die­ser Gi­tar­re die Her­zen von E- und Steel­string-gi­tar­ris­ten er­obern, die auch mal ei­nen Ny­lon-sound prak­ti­ka­bel auf die Büh­ne brin­gen wol­len. Das fängt schon beim Kor­pus an: Die Zar­gen, die wie der Bo­den aus Wild­kir­sche sind, ha­ben ei­ne Tie­fe von nur 6,5 – 7,1 cm. Die De­cke aus Ze­der ist auch auf ein lan­ges har­tes Büh­nen-da­sein aus­ge­legt. Das mas­si­ve Holz ist spe­zi­ell nach Steif­heit und Re­so­nanz­ver­hal­ten aus­ge­sucht (Pres­su­re-tested) und stammt laut Her­stel­ler von 800 Jah­re al­ten Ze­dern. Am Steg aus Pa­li­san­der wer­den die Sai­ten ver­kno­tet und lau­fen über ei­ne kom­pen­sier­te Ste­gein­la­ge aus Tusq. Aus die­sem Ma­te­ri­al des Her­stel­lers Graph­tech ist auch der Sat­tel, über den die Ny­lon­strings nach 653 mm frei­er Schwin­gung zur Kopf­plat­te ge­lan­gen. Die­se ist ei­ne schick de­sign­te ge­schlitz­te Va­ri­an­te mit dunk­lem Lay­er, ein­ge­leg­ter „Ro­bert Go­din“Si­gna­tur und wer­ti­gen Stimm-me­cha­ni­ken. Hät­te fast den Hals ver­ges­sen – der ist schlank und breit aus Ma­ha­go­ni ge­schnit­ten und am 12. Bund an den Bo­dy an­ge­setzt. Be­son­der­heit: der Hals­stell­stab (Dou­ble Ac­tion Truss­rod). Das Pa­li- san­der­griff­brett, das nicht gänz­lich flach ist, son­dern ei­nen 20"-Ra­di­us auf­weist, ist sau­ber mit 19 Bün­den be­stückt. Die Klang­über­tra­gung ins Elek­tri­sche er­le­digt das Go­din Q1T Preamp/pick­u­pSys­tem. Vo­lu­me, Bass, Treb­le und ein Stimm­ge­rät – fer­tig.

üp­pi­ger sound

Ich muss es so­fort raus­po­sau­nen: die Are­na macht to­tal Spaß. An­statt die­sen Pra­xis-teil fer­tig zu schrei­ben, spie­le ich die gan­ze Zeit Songs von Wil­ly De­vil­le, Cale­xi­co und Wil­lie Nel­son. Wenn das so wei­ter­geht, sieht die ar­me La Pa­trie bald aus wie die be­rühm­te „Trig­ger“vom letzt­ge­nann­ten Coun­try-he­ro. ;-) War­um die­se Gi­tar­re so viel Spaß macht? Weil der Hals trotz sei­ner sat­ten 51 mm Brei­te am Sat­tel toll in der Hand liegt, weil die schlan­ke Are­na fast wie ei­ne E-gi­tar­re am Kör­per an­liegt, und weil sie viel vol­ler klingt, als das ge­rin­ge Bo­dy-vo­lu­men hof­fen lässt. Frisch, per­kus­siv und oh­ne Ab­stri­che bei der Laut­stär­ke, kommt der Sound zu Ge­hör. So rich­tig im Plus ge­punk­tet wird dann über An­la­ge. Sehr na­tür­lich und un­heim­lich di­rekt schallt es aus dem Spea­ker. Hier muss man jetzt sei­ne Spiel­wei­se et­was an die Ny­lon­string-gi­tar­re an­pas­sen. Spie­le ich zu hart und zu dicht am Steg, wird der Sound grät­zig – et­was wei­ter Rich­tung Schall­loch geht die Son­ne auf. Als wich­tigs­tes Tool er­weist sich der Treb­le-reg­ler: Zup­fe ich mit den Fin­ger­kup­pen, dre­he ich die Hö­hen schön auf, spie­le ich Strumming mit Plek­trum, ein­fach Treb­le auf vier­tel Kraft zu­rück­fah­ren. Funk­tio­niert blen­dend. Wür­den die Klan­g­reg­ler, die nicht gut ab­les­bar sind, mit­tig leicht ein­ras­ten, wä­re das gan­ze noch bes­ser zu hand­len.

kur­zes re­su­mee

Tol­le Gi­tar­re – Ma­de in Ca­na­da – fai­rer Preis. Nimm die­sen Sound mit auf die Büh­ne!

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