FI­LI­GRA­NE HOCH­KUL­TUR

Knaggs Se­vern 4 „J“Bass T2 Fast neun Jah­re hat es ge­dau­ert, bis nach ei­nem ers­ten Bas­sPro­to­typ nun fer­tig aus­ent­wi­ckel­te Tief­tö­ner von Joe Knaggs er­hält­lich sind. Die Gi­tar­ren hat­ten Vor­rang und der Mar­ke in der Zwi­schen­zeit ei­nen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf besc

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Dirk Groll FO­TOS Die­ter Stork

2009 hat­te der ehe­ma­li­ge Chef­de­si­gner für den Pri­va­te Stock von Paul Reed Smith zu­sam­men mit Pe­ter Wolf die Fir­ma ge­grün­det, und wo die be­son­de­ren Stär­ken lie­gen, sieht man dem Test­bass auf den ers­ten Blick an. Noch mehr als das teu­re Aus­se­hen, ver­ra­ten al­ler­dings Spiel­ge­fühl und Ton­ar­ti­ku­la­ti­on, dass man ein ab­so­lu­tes Spit­zen­in­stru­ment in den Hän­den hält. Da­bei ist die T2-aus­füh­rung so­gar „nur“die mitt­le­re Va­ri­an­te, aber die prä­sen­tiert sich be­reits durch­weg ein­drucks­voll.

aus­ge­reif­te Ei­gen­hei­ten

Der Se­vern will den Elek­tro­bass nicht neu er­fin­den, aber die Viel­zahl an ei­gen­wil­li­gen De­tails lässt ihn, mit deut­li­chem Re­spekt vor den ge­schätz­ten Tra­di­tio­nen, doch sehr ei­gen­stän­dig auf­tre­ten. Die aus­ge­sucht erst­klas­si­gen Klang­höl­zer wer­den kon­struk­tiv be­son­ders be­han­delt, selbst­ver­ständ­lich in per­fekt ak­ku­ra­ter Ver­ar­bei­tung: So ist der von hin­ten rau­chig auf Klas­sik ge­trimm­te Rie­gel­ahorn des Hal­ses mit dem Er­le-kor­pus zu­sam­men­ge­fügt wie ein Schraub­hals, aber eben nicht ge­schraubt, son­dern pass­ge­nau ver­leimt. Ei­nen hel­len Kon­trast setzt das un­ge­färb­te Griff­brett, eben­falls aus fei­nem Rie­gel­ahorn. Spek­ta­ku­lär der Kor­pus, wo auf der prak­tisch un­sicht­bar aus drei Tei­len zu­sam­men­ge­füg­ten Er­len­holz-ba­sis ei­ne wild ge­flamm­te Ahorn­de­cke sitzt, tür­kis­blau ein­ge­färbt und wie al­le an­de­ren Ober­flä­chen mit kna­cki­gem Klar­lack wie un­ter der Lu­pe in Sze­ne ge­setzt. Da­bei fällt fast un­ter den Tisch, dass zwi­schen Er­le­ba­sis und Ahorn­de­cke noch ei­ne no­ble Ma­ser­knol­len­schicht un­ter­ge­bracht wur­de, die in den rund­um ab­ge­flach­ten Kor­pus­kan­ten de­zent her­vor­tritt. Hin­ter dem Kno­chen­sat­tel win­kelt die Kopf­plat­te sanft ab, um den Sai­ten den nö­ti­gen Sat­tel­druck zu ge­ben, oh­ne dass be­son­de­re Nie­der­hal­ter er­for­der­lich sind. Ihr hel­ler Ahorn-front­be­lag passt zum Griff­brett, der Zu­gang zum Spann­stab ist wie­der­um durch ein ge­flamm­tes AhornDe­ckel­chen ver­schlos­sen. Tür­kis­blaue Punkt­ein­la­gen im Griff­brett neh­men farb­lich Be­zug auf die Kor­pus­de­cke; um de­ren spek­ta­ku­lä­re Zeich­nung nicht zu ver­ste­cken, ist das auf­ge­schraub­te Pick­guard durch­sich­tig. Man kann den Se­vern T2 ziem­lich bunt fin­den, die­ser No­bel­bass ver­steckt sei­ne Klas­se kei­nes­falls – das aber mit ge­die­ge­ner Se­rio­si­tät, wo­bei man in je­dem De­tail so­gar von wei­tem schon hoch­ge­züch­te­te Qua­li­tät ent­de­cken kann. Die soll un­ver­fälscht in bes­ter Vin­ta­geMa­nier durch An­ti­qui­ty-sing­le­coils von Sey­mour Dun­can über­tra­gen wer­den, ein J/J-SET ist an Bord. Auf ak­ti­ve Ma­ni­pu­la­ti­on wird ver­zich­tet, al­ler­dings sind ne­ben ge­trenn­ten Vo­lu­me-reg­lern auch zwei Ton­reg­ler vor­han­den. Der ge­gos­sen so­li­de Steg im Ba­dass- Stil ist ei­ne or­dent­li­che All­parts-ko­pie na­mens Ome­ga Bass, die ge­kap­sel­ten Prä­zi­si­ons-tu­ner sind Res-oLi­tes von Go­toh, die aus leich­tem Du­ralu­mi­ni­um ge­fer­tigt sind. So­wohl für nor­ma­le Gur­te als auch ab­ge­si­chert durch die mit­ge­lie­fer­ten Hal­te­stü­cke sind die Dun­lop-gurt­köp­fe ver­wend­bar.

ak­ku­rat und rot­zig

Der Knaggs ist ein an­ge­neh­mer Ge­sel­le, der sich trotz er­wach­se­ner Ab­mes­sun­gen mit nur knapp 3,9 Ki­lo­gramm an den Gurt hängt, und das in zug­frei aus­ge­wo­ge­ner

Ba­lan­ce. Der Hals liegt mit sei­nem brei­ten, ab­ge­flach­ten D-pro­fil so an­ge­nehm wie prä­zi­se in der Hand, al­les geht hier leicht­gän­gig und ent­ge­gen­kom­mend von­stat­ten: Der Se­vern lo­tet den spie­le­ri­schen Sweetspot punkt­ge­nau aus! Prä­zi­si­on be­kommt man ei­ner­seits im Spiel­ge­fühl ge­bo­ten, aber vor al­lem in der Ton­bil­dung, wo der No­bel­vier­sai­ter mit her­vor­ge­ho­be­ner Ex­akt­heit an­springt und ei­nen in­ten­si­ven Sustain-ton er­zeugt, der qu­er über das ge­sam­te Griff­brett ver­blüf­fend gleich­mä­ßig aus­fällt. Im Ver­gleich mit ei­nem durch­ge­hen­den Hals ist die Ar­ti­ku­la­ti­on we­ni­ger weich und schwel­gend, son­dern et­was per­kus­si­ver, doch ge­gen­über ei­ner Schraub­hal­sKon­struk­ti­on ein­deu­tig schub­stär­ker in der Schwing­dau­er. Was die ei­ge­nen, kul­ti­vier­ten Klangstär­ken an­geht, über­zeugt der ein­ge­leim­te Hals auf gan­zer Li­nie! Aus­ge­spro­chen ak­ku­rat und de­tail­fein über­tra­gen die An­ti­qui­ty-sing­le­coils den re­so­nan­ten Sai­ten­klang ins Elek­tri­sche, wo­bei üb­ri­gens die Un­ter­schie­de der Pick­up-po­si­tio­nen und de­ren Zu­sam­men- klang hier be­son­ders aus­dif­fe­ren­ziert er­schei­nen. Fein­kno­chig und mit sau­ber aus­ta­rier­tem Nas­al­tim­bre geht der Ste­gPick­up zu Wer­ke, wo der Ton­ab­neh­mer in der Hals­po­si­ti­on sein mar­kan­tes Bel­len auf pfun­di­ger Bass­ba­sis lie­fert; zu­sam­men er­gibt sich ei­ne sehr deut­li­che, tro­cke­ne Aus­lö­schung vor­wit­zi­ger Mit­ten. Das sind na­tür­lich kei­ne un­be­kann­ten Cha­rak­te­ris­ti­ka, aber der Knaggs scheint sie in je­dem De­tail ak­ku­ra­ter und kul­ti­vier­ter dar­zu­bie­ten, luf­tig und re­so­nant wer­den al­le Fein­hei­ten ab­ge­bil­det, der Se­vern setzt über­dies noch ei­nen fi­li­gran bis­si­gen Prä­senz­ak­zent drauf. Bei den bei­den pas­si­ven Ton­reg­lern ist der ers­te auf die üb­li­che Abrun­dung des ge­sam­ten Hö­hen­spek­trums ab­ge­stimmt, der zwei­te scheint zu­nächst wir­kungs­los zu blei­ben. Was al­ler­dings nur an der Er­war­tungs­hal­tung des Spie­lers liegt, der hier auf ir­gend­ei­ne Ab­mil­de­rung der High­lights horcht. Kon­zen­triert man sich aber auf ei­nen an­de­ren Aspekt, ent­puppt sich der zwei­te Klan­g­reg­ler als ge­nia­le Idee, denn wenn man nun fes­te in die Sai­ten geht, wird der Se­vern-ton rau und rot­zig! Bei der ver­meint­li­chen Klang­blen­de han­delt es sich näm­lich um ei­ne ein­fachst­mög­li­che, pas­si­ve Ver­zer­rerschal­tung, die durch zwei an­ti­par­al­lel ge­schal­te­te Si­li­zi­um­di­oden rea­li­siert wur­de. Der Se­vern hat al­so den Over­dri­ve gleich mit an Bord, und das oh­ne Bat­te­ri­en.

re­sü­mee

Er bie­tet die se­riö­se Qua­li­tät ei­nes hand­ge­bau­ten Meis­ter­in­stru­ments mit aus­ge­such­ten Höl­zern, durch­dach­ten Ei­gen­hei­ten der Kon­struk­ti­on und ak­ku­ra­ter Sorg­falt bei der Ver­ar­bei­tung. Sol­che Stär­ken mün­den zwangs­läu­fig in au­ßer­ge­wöhn­lich kul­ti­vier­te Klangleis­tun­gen, die der Knaggs Se­vern mit her­vor­ge­ho­be­ner Prä­zi­si­on und De­tailfein­heit rü­ber­bringt. Doch der no­ble Vier­sai­ter kann auch an­ders, der ge­ni­al ein­fach rea­li­sier­te Pas­si­vO­ver­dri­ve bringt bei Be­darf auch rot­zig an­ge­zerr­te Sounds rü­ber.

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