MI­CRO BUD­GET MUL­TI

Moo­er GE200 Darf es ein biss­chen Li­ne6 He­lix sein? Ja? Aber ger­ne güns­ti­ger? Die Be­die­nung des Boss GT- 1 ge­fiel dir auch? Per­fekt. Und mit der Tech­no­lo­gie der Moo­er Mi­cro Preamps? Al­les klar, hier bit­te ein GE200 zum Mit­neh­men.

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Flo­ri­an von der Ohe FO­TOS Die­ter Stork

Moo­er macht ja seit ei­ni­ger Zeit vor al­lem durch ei­ne Sa­che auf sich auf­merk­sam: Ei­nen kaum zu schla­gen­den Preis. Und das bei oft­mals sehr brauch­ba­rer Qua­li­tät. Und so le­sen sich auch die Fea­tu­res des GE200 sehr über­zeu­gend. Na dann schau­en wir mal, was man heut­zu­ta­ge für knapp un­ter € 300 so ge­bo­ten be­kommt.

au­ßen hui!

Schnell aus­ge­packt über­rascht das Moo­er mit ei­nem ziem­lich wer­ti­gen Ein­druck. Das ge­bürs­te­te Alu­mi­ni­um- Ge­häu­se macht schon was her. Da­zu das 3,5" Farb­Dis­play und die be­leuch­te­ten Schal­ter – das GE200 muss sich nicht ver­ste­cken. Es sieht so­gar auf dem Schreib­tisch ganz gut aus. Die Po­tis für Va­lue und Mas­ter lau­fen an­ge­nehm und wa­ckeln nicht. Le­dig­lich die klei­nen Tas­ter zur An­wahl des Me­nüs, der Amps, etc. füh­len sich et­was bil­lig an – aber das kön­nen wir bei dem Preis wohl ge­trost ver­schmer­zen. Das GE200 bie­tet ei­nen An­schluss für Gi­tar­re oder Bass, zwei Aus­gän­ge für das (Ste­reo-) Si­gnal, so­wie zwei 3,5-mm-klin­ken­an­schlüs­se für Aux In und Kopf­hö­rer Out. Ne­ben dem ein­ge­bau­ten Ex­pres­si­onPe­dal lässt sich ein wei­te­res mit­tels Ste­reo-klin­ke an­schlie­ßen. Um das Moo­er vom PC aus be­die­nen zu kön­nen, die Firm­ware Up­dates vor­zu­neh­men und Im-

puls­ant­wor­ten von Dritt­an­bie­tern auf­spie­len zu kön­nen, be­fin­det sich auf der Rück­sei­te auch ein Usb-an­schluss. Die pas­sen­de Soft­ware gibt es gra­tis bei Moo­er zum Down­load. Zum Zeit­punkt des Tests war die Soft­ware nur für Win­dows ver­füg­bar. Für Mac gibt es ak­tu­ell ei­ne Be­ta Ver­si­on.

soft­ware pfui?

Ich fin­de es ja im­mer gut, wenn man Firm­ware Up­dates be­kommt und Din­ge am Rech­ner edi­tie­ren kann. Al­so kurz nach­ge­schaut, wie ich die ak­tu­ells­te Ver­si­on auf das GE200 und mei­nen Rech­ner be­kom­me. Aha, be­vor ich das „GE200 Stu­dio“(der Edi­tor für den Rech­ner) star­ten darf, soll ich die Firm­ware up­daten. Wie ma­che ich das? In­dem ich die GE200 Stu­dio Soft­ware öff­ne. Klingt zu­nächst be­scheu­ert, ist es ja auch ir­gend­wie, bis sich her­aus­stellt, dass die Soft­ware tat­säch­lich beim Start nach­schaut, ob das Ge­rät gera­de im Mo­dus für das Firm­ware Up­date ist oder ein­fach durch den Edi­tor ge­steu­ert wer­den möch­te. Als nächs­tes prä­sen­tiert sich ein sehr sim­pel ge­hal­te­nes In­ter­face, wel­ches auch nicht so recht auf mei­ne Bild­schirm­auf­lö­sung ska­lie­ren will. Ab­ge­se­hen von die­sen Start­schwie­rig­kei­ten läuft al­les rund. Soft­ware und Ge­rät in­ter­agie­ren sehr zü­gig, so­dass man al­le Än­de­run­gen an Set­tings in­stan­tan zu hö­ren be­kommt (oft­mals ner­vig lang­sam bei den Blue­tooth Ver­bin­dun­gen, die vie­le Her­stel­ler heut­zu­ta­ge ein­bau­en). Ne­ben dem Edi­tie­ren und Spei­chern/tau­schen von Pre­sets bie­tet die Stu­dio Soft­ware auch die Mög­lich­keit, ex­ter­ne Im­puls­ant­wor­ten zu la­den. Das funk­tio­niert auch fix und oh­ne Pro­ble­me und so lan­den nach kur­zer Zeit bis zu 10 neue Bo­xen auf dem Ge­rät. Was hier di­rekt auf­fällt: Auf der Sei­te für die Bo­xen lässt sich auch die End­stu­fen­röh­ren­be­stü­ckung wäh­len. Zu­nächst dach­te ich, dass dies ein Feh­ler sei oder ein­fach auf der Amp­sei­te kei­nen Platz mehr fand. Man kann al­ler­dings auch bei aus­ge­schal­te­ter Amp-si­mu­la­ti­on Un­ter­schie­de hö­ren, wenn man hier bei­spiels­wei­se von 6L6 auf EL34 wech­selt. Ge­ne­rell sind die Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten im GE200 manch­mal et­was „strange“. So lässt sich der „Lo­fi“ge­nann­te Bit­crus­herEf­fekt in Samp­le, Mix und Bits re­geln. An­ders als er­war­tet brin­gen hier hö­he­re Ein­stel­lun­gen von Samp­le und Bits aber den ka­put­te­ren Sound. Man muss sich al­so meist ein­fach vor­stel­len, dass ein Reg­ler wei­ter rechts ei­ne hö­he­re In­ten­si­tät des Ef­fekts be­deu­tet. Auch wer öf­ter mit Kom­pres­so­ren ar­bei­tet, wird sich wohl eher wun­dern, dass Ra­tio hier von 0 bis 100 geht. Wo­bei ich na­tür­lich nicht aus-

schlie­ßen will, dass hier wirk­lich ei­ne 100er Ra­tio ge­nutzt wird.

Be­di­en­kom­fort: Check

Ge­ne­rell lässt sich fest­hal­ten, dass die Ein­stel­lun­gen bei Amps und Ef­fek­ten nicht sehr tief­grei­fend, aber gut ge­wählt sind. So bie­tet bei­spiels­wei­se ein Amp die Mög­lich­keit, ihn in Gain, Bass, Midd­le, Treb­le, Pre­sence und Mas­ter ein­zu­stel­len. Das an­pas­sen von Pa­ra­me­tern geht so­wohl am Com­pu­ter, als auch am Ge­rät sel­ber zü­gig von der Hand: Ein­fach den ent­spre­chen­den Knopf (zum Bei­spiel „Cab“) drü­cken, schon wech­selt das Ge­rät auf die Sei­te mit den Ein­stel­lun­gen. Über den g gro­ßen Va­lue-reg­ler oben rechts wählt man nun aus, was man än­dern möch­te (zum Bei­spiel das Mi­kro­fon), drückt das Po­ti ein­mal und dreht dann wie­der­um bis man den ge­wünsch­ten Wert er­reicht hat. Wenn man nach dem Aus­wäh­len des ge­wünsch­ten Blocks er­neut den klei­nen Tas­ter drückt, so wird die­ser im Pre­set ge­by­passt. Drückt man auf „Chain“, so wird ei­nem die Ef­fekt­ket­te gra­fisch dar­ge­stellt. Das kennt man mitt­ler­wei­le na­tür­lich von Ge­rä­ten wie dem He­lix oder He­ad­rush in noch et­was schö­ner, aber die kos­ten auch be­deu­tend mehr. Ef- fek­te las­sen sich hier schnell an ei­ne an­de­re Stel­le ver­schie­ben, pro Ef­fekt ist aber lei­der je­weils nur ei­ne In­stanz er­laubt. Die bei­den Fuß­schal­ter links schal­ten je ein Pre­set hoch, be­zie­hungs­wei­se her­un­ter. Drückt man bei­de zu­gleich ge­langt man in den Tu­ner-mo­dus, wel­cher na­tür-

lich auch vom gro­ßen Dis­play pro­fi­tiert. Der Fuß­schal­ter rechts kann ent­we­der zum Tap­pen der Zeit oder als „Ctrl“-but­ton ge­nutzt wer­den. In letz­te­rer Ein­stel­lung kann ihm zu­ge­wie­sen wer­den, wel­che Ef­fek­te er an- be­zie­hungs­wei­se aus­schal­ten soll. Bei­spiel ge­fäl­lig? Mein Pre­set 007 be­steht aus ei­nem crun­chi­gen Sold­a­no SLO, der in die pas­sen­de Box geht und mit et­was Re­verb ver­se­hen ist. Für Le­ad-parts wür­de ich nun dem CtrlSchal­ter das Over­dri­ve und ein De­lay zu­wei­sen, wel­che durch ei­nen Tas­ten­druck zeit­gleich ak­ti­viert wer­den. Das in­te­grier­te Ex­pres­si­on-pe­dal lässt sich ent­we­der als glo­ba­les Mas­ter­vo­lu­me nut­zen, oder steu­ert na­he­zu be­lie­bi­ge Ef­fekt­pa­ra­me­ter. Und das ist schon ziem­lich cool. So kann man sich den Pitch-shif­ter vor­ne in die Ket­te le­gen, dem Ex­pres­si­onPe­dal die Pitch-ein­stel­lung zu­wei­sen und schön von -12 bis +12 durchs­weepen. Auch das schritt­wei­se ein­blen­den von mehr Gain im Amp oder Dis­tor­ti­on-pe­dal wird so mög­lich. Und wem das nicht reicht, der kann per Mer­ge-funk­ti­on gleich meh­re­re Pa­ra­me­ter gleich­zei­tig än­dern. Sehr be­liebt un­ter an­de­rem bei ver­schie­de­nen De­lay Set­tings. Ne­ben den be­spro­che­nen Fea­tu­res bie­tet das Moo­er auch ei­nen Lo­oper mit 52 Se­kun­den Auf­nah­me­zeit, so­wie ei­ne Rhyth­mus-sek­ti­on, die ein Me­tro­nom und ver­schie­de­ne Schlag­zeug-be­glei­tun­gen von Poprock bis Me­tal bie­tet.

und nun zum sound

Ich ge­be zu: Ich bin et­was ver­wöhnt, was Amp-mo­de­ling an­geht. Zu Hau­se steht mein Axe-fx II, auf dem Rech­ner läuft Bi­as Amp, ich durf­te schon He­ad­rush und He­lix tes­ten … Da hat es ein Ge­rät aus die­ser Preis­klas­se na­tür­lich nicht leicht. Und wer hier er­war­tet, den Sound der „Gro­ßen“für den Preis man­cher De­lay­Pe­dals zu be­kom­men, den muss ich lei­der ent­täu­schen. Ich hat­te vor rund 10 Jah­ren mal ein Li­ne6 In­ter­face mit Pod­farm auf dem Rech­ner. Und ehr­lich ge­sagt er­in­nert mich das GE200 ziem­lich an die­se Er­fah­rung. Da das Li­ne6 na­tür­lich längst weg ist, ha­be ich kei­nen di­rek­ten Ver­gleich mehr, aber vie­les am Moo­er er­in­nert an die ver­gan­ge­nen Mo­de­ling-ge­ne­ra­tio­nen. Es bleibt im­mer ein be­stimm­ter Sound in den Hö­hen be­ste­hen, den man nicht ganz wegt­wea­ken kann, auch wenn hier die EQS und ins­be­son­de­re die Im­puls-ant­wor­ten schon sehr gu­te Ar­beit leis­ten. Bei den Amps fällt schnell auf, dass heu­ti­ges Mo­de­ling ins­be­son­de­re bei Sai­ten­tren­nung und Dy­na­mik schon ein paar Schrit­te wei­ter ist. Was aber gar nicht heißt, dass das Ge­rät schlecht ist. Die Amp­sims und auch die Zer­rer sind wirk­lich OK, und ge­mes­sen am Preis und dem hier ge­schnür­ten Pa­ket so­gar ziem­lich gut. Der Un­ter­schied zwi­schen ei­nem Mar­shall, ei­nem Sold­a­no und ei­nem Me­sa wird deut­lich, hier wer­den klar die ver­schie­de­nen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten ge­trof­fen. Auch die bei­den in­te­grier­ten Kom­pres­so­ren und das Noi­se­ga­te ge­fal­len mir und ma­chen ih­ren Job be­mer­kens­wert gut. Was mich per­sön­lich wirk­lich stört, sind die Hall­räu­me. Mit „Church“und „Ca­ve“gibt es zwar die Hoff­nung auf sehr groß klin­gen­de Ef­fek­te, die­se wird aber lei­der schnell ent­täuscht und auch bei der Ma­xi­mal­ein­stel­lung von De­cay ist nichts mög­lich, was für Am­bi­ent-spie­le­rei­en oder ver­gleich­ba­res nütz­lich wä­re. Zu­dem hört man na­tür­lich ins­be­son­de­re hier die Qua­li­tät des Halls – und die­se ge­hört lei­der nicht zu den High­lights des Moo­er. Die De­lays stel­len sich hier prin­zi­pi­ell bes­ser dar. Zwar ist es scha­de, dass man die Ef­fekt­in­ten­si­tät oder Ton­far­be von Tape- und Mod-de­lays etc. nicht fein­tu­nen kann, aber hin­ter je­dem Na­men ver­birgt sich ge­nau das, was man er­war­tet. Ist man in sei­ner Mu­sik nicht auf die Spie­le­rei mit De­lays als ge­stal­te­ri­schem Ele­ment an­ge­wie­sen, so wird man hier durch­aus glück­lich.

al­ter­na­ti­ven

Wenn ei­nem das Dis­play nicht so wich­tig ist, kann man mal aufs Boss GT-1 schie­len, wel­ches ei­ne ähn­li­che Be­die­nung bie­tet und ca. € 100 we­ni­ger kos­tet. Darf es ein we­nig grö­ßer wer­den und bes­ser klin­gen? Dann wä­re das Li­ne6 He­lix LT für rund € 765 der nächs­te Kan­di­dat. Klar ist der auch mehr als dop­pelt so teu­er, aber hier ist man Sound-mä­ßig schon in ei­ner deut­lich an­de­ren Li­ga. Und nur, um mal mei­ne ak­tu­el­le Sound­re­fe­renz bei Bo­den­pe­da­len zu nen­nen: Das Frac­tal Au­dio AX8 kos­tet ak­tu­ell rund € 1450. Da­für kann man dann schon ein Moo­er kau­fen und dies mit zu­ge­kauf­ten IRS, ge­ge­be­nen­falls ei­nem Re­verb-pe­dal und ei­ner neu­en Gi­tar­re „auf­rüs­ten“. Moo­er po­si­tio­niert sich hier deut­lich in Ge­fil­den von Boss, Di­gi­tech und Zoom und dürf­te sei­nen Kon­kur­ren­ten völ­lig zu­recht ei­ni­ge Markt­an­tei­le ab­neh­men. Und wer weiß, viel­leicht wer­den mei­ne Kri­tik­punk­te ja mit ei­nem Firm­ware-up­date be­ho­ben.

re­sü­mee

Das GE200 kann hin­sicht­lich Gestal­tung, Ver­ar­bei­tung und ins­be­son­de­re Be­die­nung vie­le Punk­te sam­meln. Ein Alu-ge­häu­se und das gro­ße Farb­dis­play sind in die­ser Preis­klas­se schon su­per. Auch die schlaue Nut­zung der Fuß­schal­ter und der di­rek­te Zu­griff auf die ein­zel­nen Tei­le der Ef­fekt­ket­te sind durch­dacht und ma­chen die Nut­zung des Moo­er zum Kin­der­spiel. Beim Sound muss man die Kir­che im Dorf las­sen und be­schei­ni­gen, dass er dem Preis an­ge­mes­sen ist, aber eben auch nicht mehr. Man kann pri­ma mit dem Ge­rät üben und De­mos auf­neh­men und es dank der Grö­ße auch ein­fach als Back­up ins Gig­bag ste­cken. Auch für al­le Neu­lin­ge, die aus­pro­bie­ren wol­len, ob die Welt der Mul­tis und Amp­sims was für sie ist, kann es durch­aus span­nend sein.

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