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J.ro­ckett Archer Ro­cka­way Over­dri­ve Das ka­li­for­ni­sche Ro­ckett- Team um Chris van Tas­sel und Jay Ro­ckett hat sich mit Bil­ly- Idol- Gi­tar­rist Ste­ve Ste­vens zu­sam­men­ge­setzt und nach des­sen Vor­lie­ben ein Pe­dal ent­wi­ckelt, wel­ches das er­folg­rei­che Archer- Konz

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Udo Pip­per FO­TOS Die­ter Stork

Si­cher ist die Idee nicht ganz neu, aber das al­les in ein win­zi­ges Pe­dal zu pa­cken, oben­drein noch mit dem „Mo­tor­block“des be­rühm­ten Klon-cen­taur-vor­bilds, ist schon ein klei­ner Ge­nie­streich. Man mag kaum glau­ben, wie die De­si­gner das in die­ser zu­dem noch ver­blüf­fend über­ra­gen­den Qua­li­tät ge­schafft ha­ben. Kaum grö­ßer als ei­ne Zi­ga­ret­ten­schach­tel, fällt so­fort die ex­trem sau­be­re Ver­ar­bei­tung ins Au­ge. Reg­ler und Fa­der lau­fen wie auf Samt, das Ge­häu­se ist sta­bil und für jah­re­lan­ge Li­ve-ein­sät­ze ge­wapp­net. Ne­ben Vo­lu­me- und Gain-reg­ler bie­tet das Pe­dal ins­ge­samt sechs im Be­trieb grün be­leuch­te­te Fa­der, die je­weils in den Fre­quenz­bän­dern 100 Hz, 200 Hz, 400 Hz, 800 Hz, 1,6 khz und 3,2 khz ei­nen Boost oder Cut von 18 db er­lau­ben. Da­mit kann man den Over­dri­ve-cha­rak­ter ent­we­der nach per­sön­li­chem Ge­schmack oder den Vor­ga­ben der ei­ge­nen Gi­tar­ren­an­la­ge leicht kor­ri­gie­ren oder schon ziem­lich ex­trem um­ge­stal­ten. In­put- und Out­put-buch­sen be­fin­den sich an der Stirn­sei­te, da­zwi­schen sitzt ein 9 Volt Netz­an­schluss, die Span­nung wird in­tern auf 18 Volt hoch­trans­for­miert, um ma­xi­ma­le Dy­na­mik aus dem Pe­dal zu ho­len. In der Mit­tel­stel­lung ras­ten die Fa­der ein, so­dass man in kür­zes­ter Zeit zur Aus­gangs­ein­stel­lung zu­rück­fin­det.

klang­far­ben

Lässt man die Fa­der in der Aus­gangs­po­si­ti­on ru­hen, bie­tet das Ro­cka­way den ty­pi­schen Crunch-cha­rak­ter, den man von ei­ner Klon-cen­taur-ad­ap­ti­on er­war­tet. Der Sound wird nur ein klein we­nig kla­rer, dy­na­mi­scher und hel­ler. Man ent­fernt die sprich­wört­li­che De­cke von den Laut­spre­chern und er­zeugt ei­nen mar­kan­te­ren, durch­set­zungs­stär­ke­ren Sound. Je nach Stel­lung der Reg­ler Vo­lu­me und

Gain rei­chen die Mög­lich­kei­ten von sehr kla­ren Laut­stär­ke­an­he­bun­gen bis zu ei­nem fet­ten und sin­gen­den Crunch. Da­mit gleicht das Ge­rät dem ArcherPe­dal in je­der Be­zie­hung. Es fällt da­bei po­si­tiv auf, dass man die Fa­der bei ei­nem gut ab­ge­stimm­ten Se­t­up zu­nächst gar nicht zu brau­chen scheint. Der Sound ist durch und durch stim­mig. Bringt man die Fa­der ins Spiel, schei­nen die Mög­lich­kei­ten al­ler­dings ge­ra­de­zu zu ex­plo­die­ren. Es dau­ert et­was, bis man sich an die auf­grund der kur­zen Re­gel­we­ge der Fa­der schon teil­wei­se ex­trem zu­pa­cken­den Än­de­run­gen ge­wöhnt hat. Im Sin­ne des Initia­tors Ste­ve Ste­vens eig­nen sich die Fa­der zu al­ler­erst da­zu, den Sound hei­ßer, mar­kan­ter oder dy­na­mi­scher zu ma­chen. Denn je nach An­he­bung be­stimm­ter Fre­quenz­bän­der er­gibt sich na­tür­lich auch hier ein Zu­wachs an Gain und Over­dri­ve. Tönt die Mar­shal­lBox et­wa zu mump­fig, der Hum­bu­cker zu fett und dun­kel, fin­den sich hier her­vor­ra­gen­de Mög­lich­kei­ten zur Kor­rek­tur. Um­ge­kehrt kann auch der zu klein oder zu dünn klin­gen­de Com­bo in ei­ne Wall­of-sound ge­re­gelt wer­den. Das funk­tio­niert her­vor­ra­gend. Bei ex­tre­me­ren Ein­stel­lun­gen, et­wa ei­ner Loud­ness-stel­lung mit im V an­ge­ord­ne­ten Fa­dern, ge­lin­gen ex­trem über­zeu­gen­de Hea­vy- Sounds. Kon­zen­triert man sich aus­schließ­lich auf die hö­he­ren Fre­quen­zen, kann man sehr schön na­sa­le Wah-wah-ef­fek­te er­zie­len und gna­den­los „hon­ky“spie­len. Mich in­ter­es­sier­te vor al­lem aber auch die Mög­lich­keit, mit Ab­sen­kun­gen be­stimm­ter Fre­quen­zen zu ar­bei­ten. So kann man et­wa oh­ne Wei­te­res die tie­fe E-sai­te ei­ner Jazz-gi­tar­re ent­schla­cken, da­mit sie auch über klei­ne­re Röh­ren-amps wie mei­nen Tweed Delu­xe noch sau­ber und klar rü­ber­kommt. Im Ex­trem konn­te ich so­gar ei­ne Akus­tik-gi­tar­re mit Pie­zo-pu mit den EQ so­weit kor­ri­gie­ren, dass sie über­ra­schend na­tür­lich über den meist et­was zu mit­ti­gen Tweed Amp klang. Die Mög­lich­kei­ten zur Sound-gestal­tung sind schier end­los. Da­bei über­zeugt al­ler­dings stets der dy­na­mi­sche und sta­bi­le Grund­ton des Pe­dals. Es fällt von da­her schwer, den Cha­rak­ter des Ro­cka­ways fest­zu­schrei­ben. Den gibt es ein­fach nicht. Be­lohnt wird der Ge­dul­di­ge, der sich be­hut­sam an sei­ne Vor­lie­ben her­an­tas­tet. Dann ent­puppt sich die klei­ne Box durch­aus als un­schlag­ba­rer Trumpf auf dem Pe­dal­board.

re­sü­mee

€Ge­nia­le Idee, ein oh­ne­hin schon ex­trem be­lieb­tes Over­dri­ve-kon­zept mit ei­nem Gra­phic-eq zu kom­bi­nie­ren. Und wie schon oft zu­vor in­ner­halb der J.ro­cket­tFa­mi­lie, über­zeugt die kom­pro­miss­lo­se Ver­ar­bei­tung des klei­nen Pe­dals. Wer sei­ne Sounds ver­fei­nern oder auch mal or­dent­lich ins Ex­trem ver­bie­gen möch­te, fin­det hier ei­ne un­ein­ge­schränk­te Emp­feh­lung. Nur Vor­sicht: Im Schnell-check in ei­nem Mu­sik­ge­schäft wird man die enor­men Mög­lich­kei­ten des Pe­dals kaum aus­lo­ten kön­nen. In­ter­net: www.ro­ckett­pe­dals.com Preis: 299

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