FET­TER SOUND VOM BOSPORUS

Rock­fa­brik Ef­fects Pe­da­le Hüb­sche Pe­da­le gibt es un­zäh­li­ge. Pe­da­le die nicht nur hübsch aus­se­hen, son­dern auch noch gut klin­gen gibt es dann schon ein biss­chen we­ni­ger. Wenn die­se Ef­fekt­ge­rä­te dann auch noch aus der Tür­kei kom­men, wird der ge­mei­ne FX- Ner

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Chris­ti­an Braun­schmidt FO­TOS Die­ter Stork

Was ha­ben wir nicht al­les für ste­reo­ty­pe Bil­der von der Tür­kei im Kopf. Dö­ner, Ur­laub, Hit­ze, Strand, Tee, Bak­la­va aber lei­der auch das zur Zeit ziem­lich an­ge­spann­te po­li­ti­sche Ver­hält­nis do­mi­nie­ren un­se­re Ge­dan­ken zu die­sem Land. Zeit al­so, ein biss­chen Ab­wechs­lung in un­se­re drö­gen Vor­stel­lun­gen zu brin­gen; da kom­men doch die Pe­da­le von Rock­fa­brik Ef­fects gera­de recht. Was die Jungs um Mas­ter­mind Fur­kan Tor­lak da trei­ben, sieht näm­lich nicht nur an­spre­chend aus, son­dern klingt auch noch un­ver­schämt gut. Aber al­les der Rei­he nach ....

was für‘ s au­ge ...

Ja, ein Au­gen­schmaus sind un­se­re Tes­tPe­da­le in je­dem Fall. Zum Test liegt uns nun mit dem Mind Abu­se (Dis­tor­ti­on), dem Aqua Lung (Over­dri­ve), dem Scra­per Boos­ter und dem Buf­fy Coat (Buf­fer) die ge­sam­te Pro­dukt­pa­let­te des tür­ki­schen Her­stel­lers vor. Da­bei fällt schon bei der Ver­pa­ckung der ein­zel­nen Pe­da­le auf, dass Rock­fa­brik Ef­fects es mit dem op­ti­schen Er­schei­nungs­bild schein­bar sehr ge­nau neh­men. Ei­nen so lie­be­voll ge­stal­te­ten und be­druck­ten Kar­ton sieht man heut­zu­ta­ge nicht mehr oft. Der ers­te Ein­druck setzt sich dann naht­los beim Aus­pa­cken der Pe­da­le fort. Je­des un­se­rer Test- Ge­rä­te hat ein voll­kom­men ei­gen­stän­di­ges De­sign, wel­ches kon­se­quent und durch­dacht um­ge­setzt wur­de. Nicht nur wur­den die Far­ben sorg­sam auf­ein­an­der ab­ge­stimmt und der Sieb­druck in höchs­ter Qua­li­tät durch­ge­führt – so­gar die Bo­den­plat­te der Pe­da­le wur­de mit ei­nem gro­ßen Fir­men­lo­go, der Se­ri­en­num­mer so­wie ei­nem Hin­weis zur not­wen­di­gen Po­la­ri­tät des Netz­teils be­druckt. Aber auch an­sons­ten ma­chen die Ge­rä­te ei­nen gu­ten Ein­druck: Satt lau­fen­de Po­tis, kräf­tig zu­pa­cken­de Buch­sen und ein Strom­an­schluss, wel­cher ei­nem nicht in die Que­re kommt. Be­trach­tet man das In­nen-

le­ben un­se­rer Test-ge­rä­te, setzt sich die­ser Ein­druck aber­mals fort: Die ex­trem sau­ber ver­lö­te­ten Bau­tei­le sind von höchs­ter Gü­te­klas­se und auch die Mon­ta­ge der Pla­ti­nen macht ei­nen ein­wand­frei­en Ein­druck. Bei den Fuß­schal­tern han­delt es sich um die üb­li­chen, grund­so­li­den Bau­tei­le, wel­che ei­nem ein ein­deu­ti­ges Feed­back beim Schalt­vor­gang ge­ben. Die ein-

zi­ge Aus­nah­me bie­tet hier der Scra­per Boos­ter. Die­ser ist mit ei­nem Schal­ter aus­ge­stat­tet, wel­cher ein sehr wei­ches Schalt­ge­fühl mit ei­nem kaum spür­ba­ren Feed­back bie­tet und ein Re­lais schal­tet. Na­tür­lich ist die­ser Um­stand kein Zu­fall; viel­mehr ha­ben wir es hier mit ei­ner kon­struk­ti­ons­tech­ni­schen Be­son­der­heit die­ses Pe­dals zu tun. Wäh­rend al­le an­de­ren Tre­ter des Her­stel­lers voll ana­log auf­ge­baut sind, han­delt es sich beim Boos­ter um ei­ne Art Hy­bri­den zwi­schen rein ana­lo­ger Si­gnal­füh­rung und di­gi­ta­ler Schalt­tech­nik. Ein klei­ner Mi­kro­pro­zes­sor steu­ert die Be­le­gung des Fuß­schal­ters oh­ne da­bei Ein­fluss auf die Au­dio­si­gnal­füh­rung zu neh­men. Hält man den Schal­ter nun ei­nen kur­zen Mo­ment ge­drückt, wech­selt das Pe­dal in ei­nen an­de­ren Sound-mo­dus, wel­cher durch den Wech­sel der Led-far­be von Blau nach Rot (oder um­ge­kehrt) an­ge­zeigt wird. Al­len Pe­da­len ist die wirk­lich sehr ge­naue Ver­ar­bei­tung, die Aus­wahl hoch­wer­ti­ger Bau­tei­le so­wie die lie­be­vol­le Gestal­tung ge­mein. Klang­lich ha­ben wir es – wie der Test spä­ter zei­gen wird – je­doch mit völ­lig un­ter­schied­li­chen Ver­tre­tern ih­rer Zunft zu tun.

... und für‘ s ohr

So, nun aber ab an den Test-ver­stär­ker. Schau­en wir uns doch der Ein­fach­heit hal­ber zu­nächst ein­mal den Scra­per Boos­ter an – was wird der schon be­son­de­res kön­nen, mit nur ei­nem Reg­ler? Tja, so kann man sich ir­ren. Der mit der Illustration ei­nes bös­ar­ti­gen Weih­nachts­manns ver­se­he­ne Tre­ter kann mit sei­ner be­schei­de­nen Aus­stat­tung ei­ne brei­te Pa­let­te von Boost-sounds ab­de­cken und ist als ein­zi­ges der Ge­rä­te mit ei­ner Bat­te­rie be­treib­bar. Be­gin­nen wir im ro­ten Mo­dus, hö­ren wir ei­nen war­men und fet­ten Sound, wel­cher auch oh­ne den zu­sätz­li­chen Bas­sBoost-mi­ni-switch (hier als „Mass“be­zeich­net) ein sta­bi­les klang­li­ches Fun­da­ment lie­fert. Mit dem ak­ti­vier­ten Mi­ni-schal­ter be­kommt der Sound in den tiefs­ten Mit­ten und den Bäs­sen noch mal ei­nen be­acht­li­chen Schub, wel­cher sich vor al­lem auf den Dis­kant­sai­ten po­si­tiv aus­wirkt. Die 32 db Laut­stär­ke-boost rei­chen voll­kom­men aus, um die Vor­stu­fe ei­nes Amps lo­cker zu über­steu­ern. Hält man nun im ak­ti­ven Zu­stand den Fuß­schal­ter ei­nen kur­zen Mo­ment ge­drückt, schal­tet der Scra­per in den zwei­ten Boost-mo­dus, was durch ei­nen Farb­wech­sel der LED von rot nach blau an­ge­zeigt wird. Hier ha­ben wir es dann mit ei­nem deut­lich ag­gres­si­ve­ren und sport­li­che­ren Sound zu tun, wel­cher kei­ner­lei Mü­he ha­ben dürf­te, sich im Band­kon­text durch­zu­set­zen. Die Ver­zer­rung der Amp-vor­stu­fe nimmt hier noch et­was zu und der Sound wird ein klein we­nig kom­pri­mier­ter, was sich gera­de bei tie­fe­ren Tu­nings wohl­klin­gend be­merk­bar macht. Ein­zig die leich­te Schalt­ver­zö­ge­rung beim Ein­und Aus­schal­ten des Ge­rä­tes ist et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig.

Als nächs­tes ha­ben wir mit dem Aqua Lung ein wasch­ech­tes Over­dri­ve-pe­dal am Start, wel­ches die gan­ze Pa­let­te von de­zen­tem Cle­an-boost bis hin zu saf­ti­gen Zerr­sounds ab­de­cken soll. Ne­ben den drei üb­li­chen Ver­däch­ti­gen (Le­vel, To­ne und Gain) fin­den wir zu­sätz­lich zwei klei­ne Mi­ni-schal­ter zur Klang­for­mung – hier han­delt es sich um ei­nen schalt­ba­ren Low- bzw. High-cut. Für den Test ha­be ich mir ei­nen ganz leicht brut­zeln­den Mal­colm-young-ge­dächt­nis-sound ein­ge­stellt und star­te zu­nächst mit dem GainPo­ti auf ca. neun Uhr, wäh­rend ich am Le­vel-reg­ler or­dent­lich Gas ge­be. Die Rech­nung geht voll auf – das Aqua Lung eig­net sich wirk­lich her­vor­ra­gend als Boos­ter und be­tont kei­nes der Fre­quenz­bän­der über­mä­ßig stark oder schwach. Dreht man nun die Ver­zer­rung lang­sam hoch, wird der Klang er­war­tungs­ge­mäß im­mer ge­sät­tig­ter oh­ne je­doch sei­ne Luf­tig­keit und Ge­schmei­dig­keit zu ver­lie­ren. Auf den ho­hen Sai­ten ha­ben wir ge­nug Trag­fä­hig­keit, um auch in den ho­hen La­gen für or­dent­lich Fut­ter un­ter dem Ton zu sor­gen, wäh­rend die tie­fen La­gen schön klar und trans­pa­rent blei­ben. In­ter­es­sant sind die bei­den klei­nen Cut-schal­ter. Wäh­rend die­se Art von Zu­satz-klang­for­mung ja meist eher de­zent ar­bei­tet, grei­fen die bei­den Swit­ches beim Aqua Lung be­mer­kens­wert ra­bi­at in das klang­li­che Ge­sche­hen ein. Der Grund da­für dürf­ten vor al­lem die ge­wähl­ten Grenz­fre­quen­zen sein. Beim Low-cut liegt die­se näm­lich schon bei statt­li­chen 750 Hz, was schon sehr hoch an­ge­setzt ist. Trotz­dem klingt das Gan­ze am En­de nicht zu dünn oder ma­ger und dürf­te Gi­tar­ren mit tie­fem bis sehr tie­fem Tu­ning zu merk­lich mehr Trans­pa­renz ver­hel­fen. Der High-cut geht ähn­lich ent­schlos­sen zur Sa­che und sorgt für ei­nen Fre­quenz­ab­fall ober­halb von 1200 Hz, was zur Fol­ge hat, dass der Sound deut­lich wär­mer und we­ni­ger of­fen wird. Für So­lo­Spiel in den hö­he­ren La­gen fin­de ich die­se Op­ti­on durch­aus reiz­voll. Sind bei­de Schal­ter ak­tiv, er­hält man üb­ri­gens ei­nen reiz­voll klin­gen­den, pas­si­ven Mit­ten-boost. Zu gu­ter Letzt ha­ben wir das Flagg­schiff von Rock­fa­brik Ef­fects auf der Test­stre­cke. Das Mind-abu­se- Dis­tor­ti­on- Pe­dal weiß nicht nur mit ei­ner in­ter­es­sant-ver­spiel­ten Gra­phik, son­dern auch durch ei­ne or­dent­li­che Aus­stat­tung zu be­ein­dru­cken. Im Ge­gen­satz zum Aqua Lung ha­ben wir ne­ben den Gain- und Le­velReg­lern ei­ne Drei-band-klan­g­re­ge­lung so­wie ei­nen seit­lich an­ge­brach­ten Voice­Switch, wel­cher zwi­schen den Be­triebs- Wer auf ei­nem über­vol­len Pe­dal­board noch ei­nen Buf­fer un­ter­brin­gen will, soll­te dem Buf­fy Coat Buf­fer (ca. € 64) un­be­dingt ei­ne Chan­ce ge­ben – schließ­lich nimmt die klei­ne Kis­te we­ni­ger Platz in An­spruch als ei­ne Schach­tel Zi­ga­ret­ten. Im Test ha­be ich mir ei­ne Ef­fekt-ket­te mit vie­len, über­mä­ßig lan­gen Ka­bel­ver­bin­dun­gen auf­ge­baut. Wenn al­le Pe­da­le im By­pass wa­ren, mach­te sich auf je­den Fall ein Ver­lust an Hö­hen und Ober­tö­nen be­merk­bar. Mit dem Buf­fy Coat als ers­tes in der Ef­fekt­ket­te wur­de die­ser ne­ga­ti­ve Ef­fekt et­was aus­ge­gli­chen – ein er­heb­li­cher Teil der vor­her ver­lo­re­nen Bril­lanz war wie­der bes­ser hör­bar; ins­ge­samt wur­de der Sound auch ei­ne Spur le­ben­di­ger. Na­tür­lich macht auch der Buf­fy Coat kei­nen so gra­vie­ren­den Un­ter­schied, dass man ihn als Pe­dal wahr­neh­men wür­de – trotz­dem fin­de ich es ab­so­lut sinn­voll bei ei­ner lan­gen Ef­fekt­ket­te, solch ei­nen klei­nen Hel­fer auf dem Bo­ard zu ha­ben. Der Cle­an-sound wird es ei­nem dan­ken.

mo­di Clas­sic, Vin­ta­ge und Mo­dern wäh­len lässt. Da es sich hier um ei­nen voll­wer­ti­gen Dis­tor­ti­on-tre­ter han­delt, ha­be ich mei­nen Test-amp recht cle­an und eher neu­tral ein­ge­stellt um die Ver­zer­rung aus­schließ­lich mit dem Pe­dal zu er­zeu­gen. Schon mit al­len Reg­lern in der Zwölf-uhr-stel­lung und dem Mi­ni-schal­ter in der obe­ren Clas­sic- Po­si­ti­on wird klar, wo­hin die Rei­se hier geht. Der Sound ist un­heim­lich satt und dicht, mit ei­ner ge­wal­ti­gen Por­ti­on Mit­ten und Ober­tö­nen. Na­nu, dass kommt mir doch ir­gend­wie ver­traut vor? Has­tig die Mit­ten et­was zu­rück­ge­dreht, ei­nen klei­nen Hauch mehr Gain und sie­he da: aus mei­nem Test-ver­stär­ker wird ein klei­ner 5150. Na ja, ganz so ein­fach ist es na­tür­lich nicht – Das dich­te Klang­bild des Mind Abu­se mit der schnel­len An­spra­che und den wirk­lich un­heim­lich sprit­zig klin­gen­den Ober­tö­nen geht aber ganz klar in die Rich­tung ei­nes des le­gen­därs­ten High-gain-amps al­ler Zei­ten. Was noch an den Pea­vey er­in­nert, ist die eher de­zent aber da­für ab­so­lut mu­si­ka­lisch ar­bei­ten­de Klan­g­re­ge­lung. Der Sound lässt sich schön in Form brin­gen; to­tal ver­bo­ge­ne Eq-kur­ven wie bei so manch an­de­rem Dis­tor­ti­on-pe­dal sind aber Gott sei Dank kein The­ma bei un­se­rem Test-ge­rät. Als sehr ef­fek­tiv er­weist sich der klei­ne Mi­ni-switch an der rech­ten Sei­te des Ge­rä­tes, mit dem sich die drei Mo­di an­wäh­len las­sen. Schal­tet man in die mitt­le­re Vin­ta­ge-po­si­ti­on wird der Ton ein we­nig of­fe­ner, wo­bei aber die obe­ren Mit­ten noch et­was mehr in den Fo­kus ge­stellt wer­den. Hier ha­ben wir dann ei­ne schö­ne In­ter­pre­ta­ti­on des Van-ha­len-ty­pi­schen Brown-sounds der frü­hen Al­ben, wo­bei der ei­gent­li­che Cha­rak­ter des Mind Abu­se na­tür­lich nicht

re­sü­mee

€Rock­fa­brik Ef­fects schi­cken mit ih­ren drei Ver­zer­rern ein paar wirk­lich toll klin­gen­de und groß­ar­tig aus­se­hen­de Pe­da­le ins Ren­nen. Die Jungs ha­ben nicht nur ein Händ­chen für gu­tes De­sign, son­dern of­fen­sicht­lich auch noch ein aus­ge­spro­chen gu­tes Ge­hör. Vor al­lem das Mind-abu­seDis­tor­ti­on mit sei­nem ag­gres­si­ven Cha­rak­ter und den tol­len Amp-sounds kann be­geis­tern. Be­denkt man, mit wie­viel Lie­be zum De­tail hier ge­ar­bei­tet wur­de und wie auf­wen­dig die Gestal­tung der Ge­häu­se ist, ist die Preis­ge­stal­tung glei­cher­ma­ßen rea­lis­tisch wie an­ge­mes­sen. In­ter­net: www.rock­fa­brik-ef­fects.com Prei­se (Street): Aqua Lung ca. € 179 Mind Abu­se ca. € 229 Scra­per Boos­ter ca. 192

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