KLEI­NES KRAFT­PA­KET

Elec­tro-har­mo­nix Can­yon De­lay & Lo­oper Wenn Elec­tro- Har­mo­nix ein Mul­ti- De­lay auf den Markt bringt, kön­nen wir si­cher sein, dass wir es nicht mit ei­nem ge­wöhn­li­chen Echo- Pe­dal zu tun be­kom­men wer­den.

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Chris­ti­an Braun­schmidt FO­TOS Die­ter Stork

Nein, für ge­wöhn­li­che 0815-Sounds steht EHX-CHEF und -Grün­der Mi­ke Mat­t­hews nicht gera­de. Dass das Can­yon De­lay mit ein­ge­bau­ter Lo­op-funk­ti­on trotz sei­nes sim­plen Auf­baus durch­aus ver­rück­te Sounds lie­fert, ver­wun­dert da­her kein biss­chen.

ganz schön viel­sei­tig

Schon beim Aus­pa­cken bin ich ein we­nig über­rascht. Statt des üb­li­chen EHX-DE­signs im rus­ti­ka­len Alu-ge­häu­se-look, fin­den wir hier ein weiß pul­ver­be­schich­te­tes Pe­dal, mit hüb­scher Wild-wes­tGra­fik in der Mit­te. Das Can­yon ver­fügt im We­sent­li­chen über drei Reg­ler, wel­che mit den Be­zeich­nun­gen Fx-le­vel, De­lay und Feed­back ei­gent­lich recht selbst­er­klä­rend sind. Ein gro­ßer Dreh­knopf lässt nun zwi­schen im­mer­hin elf Be­triebs­mo­di wäh­len, wo­bei es sich hier um neun De­lay-sounds und zwei Lo­op-set­tings han­delt. Mit­tig zwi­schen den Reg­lern fin­den wir zu­dem noch ei­nen klei­nen Tas­ter mit der Be­zeich­nung Tap/di­vi­de, wel­cher ent­we­der für den rhyth­mi­schen Wert der Wie­der­ho­lun­gen oder für die Be­le­gung der in­ter­nen Tap-funk­ti­on zu­stän­dig ist – mehr da­zu spä­ter. Ne­ben der üb­li­chen Inund Out­put-buch­se fin­det sich zu­dem ein An­schluss für ein se­pa­ra­tes Tap-pe­dal, um die Ge­schwin­dig­keit der Wie­der­ho­lun­gen auch ex­tern steu­ern zu kön­nen. Im In­ne­ren un­se­res Test­ge­rä­tes geht es in ty­pi­scher Ehx-ma­nier auf­ge­räumt und nüch­tern zu – im­mer wie­der be­acht­lich, was für ei­nen er­staun­lich ho­hen Stan­dard die New Yor­ker an­ge­sichts ih­rer mo­de­ra­ten Prei­se bie­ten. Ein klei­ner Schie­ber lässt ei­nen zwi­schen ei­nem Tru­eBy­pass- und ei­nem Trails-mo­dus, in wel- chem die Wie­der­ho­lun­gen nach de­ak­ti­vie­ren des Pe­dals aus­klin­gen, wäh­len. Ei­ne in­ter­es­san­te Be­son­der­heit ver­birgt sich hin­ter dem zu­nächst völ­lig nor­mal wir­ken­den Soft-style-foots­witch. Hier­mit ha­ben wir näm­lich nicht nur die Mög­lich­keit das Pe­dal zu (de)ak­ti­vie­ren, son­dern kön­nen au­ßer­dem die Ge­schwin­dig­keit der Wie­der­ho­lun­gen tap­pen. Cle­ver – so spart man sich ei­nen wei­te­ren Schal­ter und braucht zu­dem kein grö­ße­res Ge­häu­se. Kei­ne Sor­ge, wem die­se Lö­sung zu fum­me­lig ist, der kann die­ses Fea­tu­re ganz ein­fach de­ak­ti­vie­ren in­dem er das Pe­dal vom Strom trennt, den Fuß­schal­ter ge­drückt hält und nun das Netz­teil wie­der an­schließt. Nun soll­te die LED fünf Mal auf­blin­ken und die Tap-funk­ti­on de­ak­ti­viert sein. Bei all der tol­len Aus­stat­tung auf so we­nig Raum darf na­tür­lich der Sound des EHX Can­yons nicht ins Hin­ter­tref­fen ge­ra­ten. Kei­ne Sor­ge, die Jungs um Mi­ke Mat­t­hews wis­sen was sie tun – und so kann man den Klang un­se­res Test­ge­rä­tes nur mit „groß­ar­tig“be­schrei­ben. Das Echo Pre­set lie­fert ein wei­test­ge­hend un­ge­färb­tes De­lay-si­gnal, wo­bei der Sound hier ein we­nig wär­mer als bei manch an­de­rem Di­gi­tal- De­lay ist. Im Mod-set­ting fin­den wir ein schön mo­du­lie­ren­des Echo, wel­ches ein klein we­nig an das Car­bon Co­py von MXR er­in­nert. Das ers­te rich­tig gro­ße High­light des EHX Can­yon ist de­fi­ni­tiv der Dmm-sound. Fans die­ses al­ten Klas­si­kers ha­ben es na­tür­lich be­reits er­ra­ten; hier geht es um das Delu­xe-me­mo­ry-man-pe­dal, wel­ches nicht zu­letzt durch U2s The Edge zu ei­nem enor­men Be­kannt­heits­grad ge­kom­men ist. Die­ses Set­ting ge­fällt, weil die leich­te Mo­du­la­ti­on und die Wär­me ei­nes Ana­log- De­lays hier toll si­mu­liert

wer­den und der Ton zu­dem ei­nen recht ei­ge­nen Cha­rak­ter auf­weist. Im Verb Mo­dus ha­ben wir es mit ei­ner schö­nen Kom­bi­na­ti­on aus De­lay und Re­verb zu tun, wo­bei man mit ganz zu­rück­ge­dreh­tem Feed­back-reg­ler ein rei­nes Re­ver­bSi­gnal er­hält. In die­sem Pre­set ist es rat­sam, mit dem Ef­fektan­teil et­was zu ex­pe­ri­men­tie­ren, da der Sound schnell da­zu neigt, mat­schig zu wer­den. Gera­de bei et­was mehr Gain am Ver­stär­ker kann das pro­ble­ma­tisch sein. Das Oct-set­ting ge­hört dann zu den et­was ei­gen­wil­li­ge­ren Sounds – den Wie­der­ho­lun­gen wird ei­ne ho­he Ok­ta­ve hin­zu­ge­fügt und man fühlt sich au­gen­blick­lich an das groß­ar­ti­ge EHX-POG-PE­DAL er­in­nert. Über den Se­con­da­ry Knob Mo­de (sie­he un­ten) kann so­gar noch ei­ne tie­fe Ok­ta­ve hin­zu­ge­fügt wer­den, was den Sound noch ein we­nig in­ter­es­san­ter macht und fast schon Or­gel-ähn­li­che Klän­ge er­mög­licht. Zu gu­ter Letzt zeigt der Shim-mo­dus, dass das Can­yon-pe­dal auch für das ganz gro­ße Ef­fekt-feu­er­werk aus­ge­rüs­tet ist. Zu­ge­ge­ben: mit der klang­li­chen Qua­li­tät von Stry­mon oder Em­press kann sich das Shim­mer-set­ting nicht mes­sen – wir wol­len al­ler­dings nicht ver­ges­sen, über was für ei­nen ge­wal­ti­gen Preis­un­ter­schied wir bei die­sen Pe­da­len spre­chen. Der Lo­oper macht im Grun­de ge­nau das, was er soll, bie­tet so­gar ei­ne Un­do-re­do-funk­ti­on und gibt kei­ner­lei Grund zur Kla­ge. Mit 62 Se­kun­den Lo­op-zeit ist un­ser Test­pe­dal na­tür­lich nicht ver­gleich­bar mit den Flagg­schif­fen von TC Elec­tro­nic oder auch Di­gi­tech; für die al­ler­meis­ten An­wen­dun­gen im Band-kon­text soll­te die Zeit aber völ­lig aus­rei­chen. Als letz­tes sei hier noch das simp­le aber ab­so­lut tol­le S/h-pre­set (Samp­le and Hold) er­wähnt. In

Ein klei­ner Trick (ge­fun­den auf der EHX Web­site www.ehx.com) kann da­heim für reich­lich Spiel­spaß sor­gen. Man neh­me ei­nen be­lie­bi­gen Drum­beat (zum Bei­spiel von YouTube) und spie­le ihn auf dem Smart­pho­ne ab. Nun das Te­le­fon mit auf­ge­dreh­ter Laut­stär­ke über die Pick­ups der Gi­tar­re hal­ten und schon kann man mit dem Can­yon Pe­dal ei­nen Übungs-beat für zu Hau­se loo­pen. Wich­tig ist da­bei zu be­ach­ten, an wel­cher Stel­le beim Te­le­fon sich die Laut­spre­cher be­fin­den.

die­sem Mo­dus wird von je­dem ge­spiel­ten Ton ein kur­zer Lo­op er­stellt, der sich erst än­dert, wenn man ei­nen neu­en Ton spielt. Da­bei re­gelt das Feed­back-po­ti die Emp­find­lich­keit, mit wel­cher das Pe­dal auf die Gi­tar­re re­agiert und den Lo­op an­passt. So las­sen sich wun­der­bar ge­stot­ter­te Sounds er­zeu­gen, die stark an ei­nen ka­put­ten Cd-play­er oder ei­ne ver­kratz­te CD er­in­nern.

se­con­da­ry knob mo­de

Zu­nächst möch­te man mei­nen, dass man al­le Funk­tio­nen, die das EHX Can­yon bie­tet, auf ei­nen Blick er­ken­nen kann. An­ge­sichts des recht mo­de­ra­ten Prei­ses liegt die­se Ver­mu­tung durch­aus na­he und schon mit den vier Reg­lern ist un­ser Test­kan­di­dat ja über­aus viel­sei­tig. EHX hat sich da­mit aber kei­nes­wegs zu­frie­den ge­ge­ben und das Can­yon mit ei­ner zwei­ten Re­gel-ebe­ne aus­ge­stat­tet – dem Se­con­da­ry Knob Mo­de. Hier kön­nen nun – je nach aus­ge­wähl­tem Pre­set – un­ter­schied­li­che Pa­ra­me­ter zu­sätz­lich be­dient wer­den. Da­zu hält man den Tap/di­vi­de-but­ton ein­fach ei­ne Se­kun­de lang ge­drückt und war­tet auf das ent­spre­chen­de Auf­leuch­ten der LED – schwupps be­fin­det man sich im Se­con­da­ry Knob Mo­de. Jetzt könn­te man na­tür­lich kri­ti­sie­ren, dass die Be­schrif­tung der ein­zel­nen Reg­ler nicht er­klärt, wo­für ih­re zwei­te Be­le­gung zu­stän­dig ist. Da die Funk­ti­on des je­wei­li­gen Po­tis in die­sem zwei­ten Be­triebs­mo­dus aber in je­dem Pre­set va­ri­iert, macht ei­ne Be­schrif­tung hier schlicht­weg kei­nen Sinn. Ich ra­te hier da­zu, ein­fach den

al­ter­na­ti­ven

Kom­pak­tes De­lay-pe­dal mit su­per vie­len Soun­d­op­tio­nen im klei­nen Ge­häu­se-for­mat? Wer jetzt nicht au­to­ma­tisch an TC Elec­tro­nics Hall of Fa­me Re­verb denkt, hat die letz­ten Jah­re un­ter ei­nem St­ein ge­lebt. Der mo­der­ne Klas­si­ker der Dä­nen lie­fert, ähn­lich wie das Can­yon, ei­ne ir­re Band­brei­te an Sound-pre­sets und ist dank des To­ne Print Edi­tors na­tür­lich noch et­was fle­xi­bler. Al­ler­dings ist hier kein Lo­oper im Pe­dal vor­ge­se­hen – ist ei­nem die­se Funk­ti­on eben­falls wich­tig, könn­te das eben­falls sehr gut klin­gen­de Boss DD7 (eben­falls zu Recht ein mo­der­ner Klas­si­ker) in Be­tracht ge­zo­gen wer­den.

re­sü­mee

€Wer auf der Su­che nach ganz viel De­lay auf sehr we­nig Platz ist, der soll­te dem EHX Can­yon un­be­dingt ei­ne Chan­ce ge­ben. Vom war­men Ana­log-de­lay über wun­der­schön und de­zent mo­du­lie­ren­de Delu­xe-me­mo­ry-man-sounds bis hin zu wirk­lich ziem­lich schrä­gen Tö­nen wie dem Oc­ta­ve-de­lay-set­ting ist hier al­les drin. Da­zu gibt es au­ßer­dem noch ei­nen toll funk­tio­nie­ren­den Lo­oper, die Mög­lich­keit ein ex­ter­nes Tap-pe­dal an­zu­schlie­ßen so­wie das wirk­lich in­ter­es­san­te Samp­le/hold-pre­set, mit wel­chem sich toll ex­pe­ri­men­tie­ren lässt. An­ge­sichts der um­fang­rei­chen Aus­stat­tung und des recht klei­nen Prei­ses bleibt mir nur noch, hier ei­ne dring­li­che An­test­emp­feh­lung aus­zu­spre­chen! Ver­trieb: www.ehx.com Preis (Street): ca. 155

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