MICHA­EL SAG­MEIS­TER

Gitarre & Bass - - Die Twang- Helfer - IN­TER­VIEW: LOTHAR TRAMPERT FO­TOS: ACOUSTIC MU­SIC

40 Jah­re, kann das sein? Klar: Ich muss mich ein­fach nur selbst dar­an er­in­nern, wie alt ich war, als ich auf ei­ner Klas­sen­fahrt im Frei­bur­ger Zwei­tau­send­eins-plat­ten­la­den das De­büt des SAG­MEIS­TER TRIO kauf­te – auf Vi­nyl, er­schie­nen beim Mu­si­ker-la­bel Mood-re­cor­ds. Das war 1978, und die­ses von Vol­ker Krie­gel pro­du­zier­te Al­bum ver­än­der­te nicht nur mei­ne gi­tar­ris­ti­schen Vor­lie­ben son­dern die gan­ze eu­ro­päi­sche Gi­tar­ren­sze­ne, wür­de ich mal be­haup­ten. Denn so ei­ne ge­lun­ge­ne Fu­si­on aus gu­ten Kom­po­si­tio­nen & Ar­ran­ge­ments, tol­ler Pro­duk­ti­on und nicht zu­letzt ex­trem vir­tuo­ser EGi­tar­re zwi­schen Post-bop und Fu­si­on hat­te man hier­zu­lan­de noch nicht ge­hört. Das ist al­so vier Jahr­zehn­te her, und ich kann Micha­el Sag­meis­ter nicht nur zu sei­nem De­büt plus al­lem, was da­nach kam, gra­tu­lie­ren – ich bin auch im­mer noch Fan die­ses Mu­si­kers: Sag­meis­ter, ge­bo­ren 1959 in Frank­furt am Main, star­te­te sei­ne Kar­rie­re in den 70ern, war von 1993 bis 1997 Do­zent am Ber­klee Col­le­ge of Mu­sic in Bos­ton, seit 1999 ist er Pro­fes­sor an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst in Frank­furt. Und im­mer noch und im­mer wie­der Li­ve-mu­si­ker! Zu den High­lights sei­ner vie­len Ver­öf­fent­li­chun­gen zäh­len ne­ben den MOOD- LPS der ers­ten Jah­re u.a. sei­ne So­lo-al­ben ,A Cer­tain Gift‘, sei­ne Ko­ope­ra­tio­nen mit Pia­nist Chris­toph Spen­del und na­tür­lich die mit Pat Mar­ti­no, dann im­mer noch sein groß­ar­ti­ges Gi­tar­ren­so­lo im Jo­ni-mit­chell-song ,Har­ry’s Hou­se/cen­ter­pie­ce‘ auf Anne Hai­gis’ Al­bum , Fin­ger­nails‘ (1982) ... Und jetzt, zu sei­nem 40. Büh­nen­ju­bi­lä­um ver­öf­fent­licht Sag­meis­ter PO­WER OF RE­SIS­TAN­CE, ein Al­bum, auf dem ganz viel von dem zu hö­ren ist, was die­sen Mu­si­ker aus­macht: Bop­pi­ge Trio-auf­nah­men mit Micha­el Kütt­ner (dr) und Tho­mas Hei­de­priem (b), So­lo-spots auf der Ny­lon­string, Quar­tett-auf­nah­men mit Com­ping hin­ter Sän­ge­rin An­to­nella Do­rio, neue Ei- gen­kom­po­si­tio­nen, ein paar Stan­dards und mit SI­LENT SPECTACLE ein Sag­meis­terTrack von sei­nem Zweit­werk ,Gans­hy‘ (1980). Ein schö­nes Al­bum, mit tol­lem war­mem Sound und Trans­pa­renz.

Micha­el, 40 Jah­re und ei­ne Un­men­ge an Ver­öf­fent­li­chun­gen: Wel­che da­von sind dei­ne per­sön­li­chen Fa­vo­ri­ten? Ich kann ei­gent­lich kei­nes der Al­ben ge­son­dert se­hen. Sie hat­ten al­le im Mo­ment ih­re Ent­ste­hung ih­re Be­rech­ti­gung ge­habt. Je­doch ha­be ich im­mer ver­sucht, in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen zu ar­bei­ten: Trio, Duo, So­lo-al­ben, Quar­tett-be­set­zun­gen. Der Wil­le in ers­ter Li­nie gu­te Mu­sik zu ma­chen war hier die Trieb­fe­der. Al­ler­dings gab es im­mer wie­der mal be­son­de­re Mo­men­te die ich spe­zi­ell für mich wich­tig wa­ren. So mag ich auf der vor­letz­ten CD ,Ho­me‘ das Stück ,Af­ri­can Jam‘ sehr. Es ist von hin­ten bis vor­ne an ei­nem Stück im­pro­vi­siert und ist in sei­ner Ar­chi­tek­tur, Phra­sie­rung, Ide­en­reich­tum etc. für mich wirk­lich ein High­light. Die­sen Eh­ren­ko­dex, nichts zu trick­sen, sprich Schnei­den, Over­dubs etc. ha­be ich üb­ri­gens im­mer ge­habt – auch auf der neu­en CD ,Po­wer Of Re­sis­tan­ce‘ hört man al­les so, wie es sich li­ve im Stu­dio ab­ge­spielt hat. Ich mag sol­che Ver­frem­dun­gen mu­si­ka­li­scher Si­tua­tio­nen über­haupt nicht. Ich hal­te es hier wie John Col­tra­ne, sprich: ,Mo­ments No­ti­ce‘. Du hast mit zahl­rei­chen in­ter­na­tio­na­len Mu­si­kern zu­sam­men­ge­ar­bei­tet: Wel­che Be­geg­nun­gen wa­ren für dich am prä­gends­ten? Die vie­len Be­geg­nun­gen mit wirk­lich gu­ten Mu­si­kern & Men­schen welt­weit ha­ben mich zu dem of­fe­nen Künst­ler ge­macht, der ich heu­te, mit 58 Jah­ren bin. Je­de ein­zel­ne die­ser Per­sön­lich­kei­ten hat et­was da­zu bei­ge­tra­gen mei­ne Ent­wick­lung nach vor­ne zu trei­ben. Al­le zu nen­nen wür­de den Rah­men die­ses In­ter­views spren­gen ... Wich­tig ist mir mei­ne lang­jäh- ri­ge Zu­sam­men­ar­beit mit mei­nen Kol­le­gen Kütt­ner, Hei­de­priem etc. die zwei­fel­los zur Crè­me de la Crè­me welt­weit ge­hö­ren. Um sich so lan­ge in die­ser Bran­che zu hal­ten muss man ei­nes be­sit­zen: „Po­wer Of Re­sis­tan­ce‘. Die­ser Ti­tel zeigt wel­cher Fak­tor für mich der wich­tigs­te in mei­ner lan­gen und si­cher­lich noch län­ger an­dau­ern­den Kar­rie­re war: Der zu blei­ben, der ich bin, und ste­tig an mei­nen De­fi­zi­ten zu ar­bei­ten und so­mit ein bes­se­rer Mensch bzw. Mu­si­ker zu wer­den. Dein ers­tes Al­bum setz­te schon auf ei­nem ex­trem ho­hen spie­le­ri­schen und mu­si­ka­li­schen Ni­veau an, und das nicht nur an­ge­sichts dei­nes da­ma­li­gen Al­ters von 18 Jah­ren. In wel­chen Punk­ten hast du dich als Mu­si­ker am deut­lichs­ten ent­wi­ckelt? Mei­ne Ent­wick­lung voll­zieht sich täg­lich mit den ge­meis­ter­ten Schwie­rig­kei­ten die­ses Le­bens, die­ser wirk­lich schau­er­li­chen Zeit in punc­to was auf die­ser Welt im Mo­ment an durch­ge­knall­tem pas­siert ... Auch sol­che Din­ge sind im­mer in mei­ne Mu­sik ein­ge­flos­sen und ha­ben mich so zu ei­nem an­de­ren Spie­ler auf die­sem In­stru­ment ge­macht. Ich kann heu­te noch in­ten­si­ver mit Emo­tio­nen um­ge­hen und die­se über die Gi­tar­re mit­tei­len. Mein har­mo­ni­sches Ver­ständ­nis ist er­wach­se­ner und tie­fer ge­wor­den, ich ha­be aber auch nichts an Ex­pe­ri­men­tier­freu­dig­keit ver­lo­ren. Neu­gier­de war im­mer wich­tig, aber sie lässt sich mit den Jah­ren ge­ziel­ter ein­set­zen ... Wel­ches Equip­ment spielst du heu­te bei Li­ve-gigs? Bei Li­ve Gigs und auch im Stu­dio be­nutz­te ich ei­ne FGN Mas­ter­field Se­mi­a­coustic mit Sey­mour-dun­can-pick­ups, au­ßer­dem ei­ne Mas­ter­field Jazz, wie sie von der Stan­ge kommt. Zu­sätz­lich ha­be ich noch ei­ne FGN LS 30 die ich meist für die an­ge­zerr­ten und et­was druck­vol­le­ren Sounds be­nutz­te. Für die akus­ti­schen Sa­chen spie­le ich ei­ne wun­der­ba­re Ya­ma­ha-ny­lon­string. Mein Amp ist Lab-se­ries-mo­dell, der L9, mit ei­nem 15er-e-voice-spea­ker. Ich be­nutz­te die­sen Com­bo seit 1978. Sind die Rä­um­lich­kei­ten et­was grö­ßer so spie­le ich ste­reo, mit zwei Lab L9. Auf mei­nem Ef­fekt­board be­fin­den sich ein De­lay ein Cho­rus, ein Ver­zer­rer und ein Vo­lu­me-pe­dal. Das war’s! Dir al­les Gu­te für die nächs­ten 40 Jah­re!

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