Re­pair Talk: Bün­de po­lie­ren

bun­de po­lie­ren

Gitarre & Bass - - INHALT - m."doc"schnei­der

Will­kom­men zur neu­en Fol­ge von Re­pair Talk, die sich mit der fi­na­len Bund- und Griff­brett­be­ar­bei­tung im Rah­men ei­ner kom­plet­ten Neu­bun­die­rung be­schäf­tigt. Ak­tu­ell sind al­le Bund­kro­nen und Bund­kan­ten fer­tig ge­formt, ha­ben aber noch sicht- und fühl­ba­re Be­ar­bei­tungs­spu­ren aus den vor­an­ge­gan­ge­nen Ar­beits­schrit­ten. Ei­ne der­art gro­be Ober­flä­che lässt kein kom­for­ta­bles Sai­ten­zie­hen zu – und so rich­tig ge­schmei­dig fühlt es sich auch noch nicht an.

fei­nes pa­pier für den fei­nen schliff

Es gilt, die Be­ar­bei­tungs­spu­ren der Fei­len zu ent­fer­nen, oh­ne da­bei das Griff­brett­holz un­nö­tig zu ver­let­zen. Bei mir funk­tio­niert 400er Nass­schleif­pa­pier ( Abb. 1) sehr gut, da es im Längs­schliff kaum oder kei­ne Schleif­spu­ren hin­ter­lässt. Da­mit ich beim Schlei­fen ge­nü­gend Druck aus­üben kann, oh­ne das sen­si­ble Händ­chen zu ver­let­zen, ha­be ich ei­nen „Schutz“ge­bas­telt. Er be­steht aus meh­re­ren La­gen Gaf­faTa­pe und wird über den Mit­tel­fin­ger ge­stülpt (Abb.1, ne­ben dem Schleif­pa­pier). Ein zu­recht­ge­schnit­te­nes Stück Schleif­pa­pier wird ge­fal­tet und um den „Schutz“ge­legt. Be­herzt und mit ge­nü­gend Druck be­ar­bei­te ich so die Bund­kan­ten und auch die Bund­kro­nen (Abb.2). Zu­nächst in Längs­rich­tung ent­lang des Griff­bretts. Der fle­xi­ble „Schutz“schleift die Bund­kan­ten in ei­nem sehr wei­chen Ver­lauf. Da­nach er­hal­ten die Bund­kro­nen ei­nen Schliff, ver­lie­ren so die Be­ar­bei­tungs­spu­ren und wer­den da­bei noch et­was wei­ter pro­fi­liert. Die Bund­kro­nen be­nö­ti­gen – bei gu­ter Vor­ar­beit – in der Re­gel recht we­nig Schlei­far­beit. So ver­liert man kaum oder kei­ne Hö­he des Bund­ma­te­ri­als. Die Bund­kan­ten hin­ge­gen kön­nen ru­hig ein we­nig kraft­vol­ler und kom­fort­ori­en­tier­ter (schö­ner wei­cher Ver­lauf) ge­schlif­fen wer­den. Ein po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt bei un­la­ckier­ten Häl­sen ist die ge­bro­che­ne Griff­brett­kan­te (Abb. 3) zwi­schen den Bün­den. Das um den „Schutz“ge­wi­ckel­te Pa­pier schleift die Bund­kan­te, aber auch die Griff­brett­kan­te und er­zeugt ei­ne sehr an­ge­neh­me, fast „ein­ge­spielt“wir­ken­de Hap­tik. Nicht so über­zo­gen wie ei­ni­ge „rol­led in ed­ges“-va­ri­an­ten. Dort sind die Kanten der­art aus­ge­prägt ver­run­det, dass im Über­gang Bund zur Griff­brett­kan­te ein oft­mals stö­ren­der Grat ent­steht. Die ge­bro­che­ne Kan­te ist nicht mehr scharf und durch­aus ge­schmei­dig, hat aber nicht die­sen sehr aus­ge­präg­ten und teil­wei­se stö­ren­den Über­gang zum Bun­den­de – für mich die bes­se­re Va­ri­an­te.

nach längs kommt quer

Ist die ge­wünsch­te Form von Kro­nen und Kanten er­reicht, müs­sen die ent­stan­de­nen Schleif­spu­ren ( Längs­rich­tung Griff­brett) ent­fernt wer­den. Da­zu ar­bei­te ich wie­der mit 400er Pa­pier – nun aber in Qu­er­rich­tung, al­so ent­lang der Bün­de (Abb.4). Das zu er­rei­chen­de Ziel be­steht dar­in, die Bund­kro­nen frei von Schleif­ril­len in Längs­rich­tung ( Griff­brett­rich­tung) zu ha­ben, da die­se spä­ter beim Sai­ten­zie­hen spür­bar und stö­rend wä­ren. In den meis­ten Fäl­len schüt­ze ich das Griff­brett auch beim Qu­er­schliff nicht. Häu­fig muss gar nicht viel ge­schlif­fen wer­den und das Griff­brett bleibt wei­test­ge­hend von Spu­ren des Qu­er­schlif­fes ver­schont. Müs­sen Bün­de um­fang­rei­cher quer zum Griff­brett ge­schlif­fen wer­den, kann mit ei­nem dün­nen Me­tall­strei­fen ( Abb. 4/ rechts) ei­ne ggf. stö­ren­de Rie­fen­bil­dung im Griff­brett ver­hin­dert wer­den.

Sind die Qu­er­rie­fen (auf die Bund­rich­tung be­zo­gen) in den Bund­stäb­chen ent­fernt, kann das Schleif­pa­pier zur Sei­te ge­legt wer­den. Die Schleif­spu­ren (ent­lang der Bün­de und quer zum Griff­brett) wer­den nun mit sehr fei­ner Stahl­wol­le (Grad 0000) weg­po­liert. Wie auf Abb.5 zu er­ken­nen ist, for­me ich ei­nen Bal­len aus Stahl­wol­le und ar­bei­te aus­schließ­lich (!) ent­lang der Bün­de – al­so quer zum Griff­brett (!). So po­lie­re ich Schleif­spu­ren aus den Bün­den und schlei­fe auch das Griff­brett so fein, dass im Holz kaum oder kei­ne Schleif­spu­ren mehr zu er­ken­nen sind. Im Re­sul­tat sind die Bund­stä­be und das Griff­brett nun krat­z­er­frei auf­po­liert und „ma­nu­ell“ist das ge­steck­te Ziel die­ses Re­pair Talks er­reicht. Be­vor mit ma­schi­nel­ler Hil­fe das Stre­ben nach Glanz noch wei­ter ge­führt wird, soll­te auf ei­nen Son­der­fall hin­ge­wie­sen wer­den:

la­ckier­te oder un­be­han­del­te hel­le griff­bret­ter

Al­le bis hier­hin be­schrie­be­nen Ar­beits­schrit­te kön­nen bei un­be­han­del­ten har­ten Griff­bret­tern an­ge­wen­det wer­den. Bei un­be­han­del­ten wei­chen oder la­ckier­ten Griff­bret­tern führt das Schlei­fen der Griff­brett­flä­che un­wei­ger­lich zu ei­nem sicht­ba­ren Ver­krat­zen der Ober­flä­che. Da sich die­se Krat­zer nicht mehr her­aus­po­lie­ren las­sen, ist es rat­sam, die emp­find­li­chen Flä­chen vor dem Schlei­fen ab­zu­kle­ben. Ich ver­wen­de da­zu Ma­ler­krepp (Abb.6). Un­be­han­del­te hel­le Griff­bret­ter wer­den auf die­se Wei­se auch vor me­tal­li­schem Schleifstaub ge­schützt, der sich ggf. in den Po­ren fest­setzt und das Griff­brett un­ge­wollt ver­färbt. Schüt­zen durch Ab­kle­ben ist so­mit ein ziel­füh­ren­der Pro­blem­lö­ser. Wann und wie er ein­ge­setzt wer­den muss/ soll, ist von Fall zu Fall zu ent­schei­den. Es ist aber im­mer gut, et­was Krepp und ein Skal­pell zur Hand zu ha­ben. Sind die sen­si­blen Flä­chen erst ein­mal ge­schützt, kann fast so vor­ge­gan­gen wer­den, wie bei den be­schrie­be­nen har­ten Griff­bret­tern im ers­ten Teil die­ses Re­pair Talks. Bei den Kanten muss et­was Druck weg­ge­nom­men wer­den ( sonst schleift man leicht durch das Krepp) aber die grund­sätz­li­che Mar­sch­rich­tung zum Ziel ist von den Ar­beits­schrit­ten her gleich. Am En­de steht dann auch hier das ma­nu­ell auf­po­lier­te Bund­stäb­chen.

ma­schi­nell zum hoch­glanz

So be­ar­bei­tet könn­te das Griff­brett nach et­was Rei­ni­gen, Ölen, etc. be­reits in den Ein­satz ge­schickt wer­den. Das letz­te Quänt­chen Spiel­kom­fort kann aber durch ein ma­schi­nel­les Auf­po­lie­ren her­aus­ge­kit­zelt wer­den. Die ers­ten Er­folgs­er­leb­nis­se in die­ser Rich­tung hat­te ich mit ei­nem Ex­zen­ter­schlei­fer, der mit ei­ner wei­chen Grund­plat­te und ei­ner Lamm­fell­hau­be aus­ge­stat­tet war. Das lief schon sehr gut und pro­du­zier­te auch mit die­sem ein­fa­chen Set­up ein über­zeu­gen­des Er­geb­nis. Seit ein paar Jah­ren ver­wen­de ich Po­lier­schei­ben (Abb.7) auf ei­nem Schleif­bock. Links die gro­be Schei­be, rechts die fei­ne. Zum Po­lie­ren wird Wachs auf die Schei­be auf­ge­tra­gen und an­schlie­ßend das Griff­brett mit­samt der Bün­de auf­po­liert. Erst grob vor­po­liert, dann fein auf Hoch­glanz ge­bracht. Nach dem ma­schi­nel­len Po­lie­ren muss der ent­stan­de­ne „Schleif­schlamm“be­ste­hend aus Wachs­res­ten und Me­tall-/holz­par­ti­keln vom Griff­brett ent­fernt wer­den. Ein fett­lö­sen­der Rei­ni­ger hilft da­bei. Mit sehr viel Kü­chen­rol­le, na­tür­lich aus re­cy­cel­tem Ma­te­ri­al, wer­den die Wachs­res­te vom Griff­brett ent­fernt, bis dann das un­la­ckier­te Griff­brett durch Ölen mit Bal­lis­tol ver­sie­gelt und ge­schützt wird. Bei la­ckier­ten Griff­bret­tern nimmt man ei­ne Po­li­tur für la­ckier­te Ober­flä­chen. Das mög­li­che En­d­er­geb­nis zei­gen die Ab­bil­dun­gen 8 und 9. Ein ge­pflegt matt glän­zen­des Griff­brett und sau­ber pro­fi­lier­te, glän­zen­de Bün­de. Ein ganz wich­ti­ges und nun er­reich­tes Etap­pen­ziel im Kon­text der Neu­bun­die­rung. Da kann mit ei­nem wei­chen Lap­pen hier und da noch et­was nach­po­liert und Er­reich­tes ze­le­briert wer­den, be­vor dann in der nächs­ten Re­pair-talk-fol­ge „auf­ge­sat­telt“wird. Bis dann, der Doc. n

Abb.1: Gut vor­be­rei­tet in für den Fein­schliff

Abb.2: Schritt 1 : In Längs­rich­tung Kanten und Kro­nen bei­sch­lei­fen [5493]

Abb.3: Ge­bro­che­ne Kan­te für mehr Kom­fort

Abb.5: Schritt 3 : Auf­po­lie­ren ent­lang der Bün­de Abb.6: Bei emp­find­li­chen Gritt­bret­tern soll­te ab­ge­klebt wer­den.

Abb.7: Auf­po­lie­ren in der Ma­schi­nen-va­ri­an­te

Abb.8: Ziel er­reicht : Das auf­po­lier­te Griff­brett ...

Abb.9: ... und ei­ne ge­schmei­di­ge Griff­brett­kan­te.

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