Electric Blues His­to­ry: John­ny Moo­re

JOHN­NY MOO­RE'S TH­REE BLA­ZERS WITH OS­CAR MOO­RE: SHUFFLE SHUCK

Gitarre & Bass - - INHALT - wolf­gang keh­le

Bald nach den Auf­nah­men zu ‚Drif­tin’ Blues‘ ver­stärk­te John­ny Moo­re sei­ne Th­ree Bla­zers mit pro­mi­nen­ter Ver­wandt­schaft. Sein jün­ge­rer Bru­der Os­car Moo­re war von 1937 bis 1949 Mit­glied des Nat King Cole Tri­os um den le­gen­dä­ren Sän­ger und Pia­nis­ten. Au­ßer­dem spiel­te er auf Plat­ten der Jazz-gi­gan­ten Lio­nel Hamp­ton (Vi­bra­phon), Art Ta­tum (Pia­no) und Les­ter Young (Te­nor­sa­xo­phon) mit. Und ob­wohl sei­ne Be­deu­tung für die wei­te­re Ent­wick­lung der E-gi­tar­re in Jazz und Blues heu­te mas­siv un­ter­schätzt wird, wuss­ten sei­ne Zeit­ge­nos­sen sehr wohl, dass er ein ganz Gro­ßer war. Die Le­ser des Ma­ga­zins „Down Beat“wähl­ten ihn 1945, 1946 und 1947 zum bes­ten Gi­tar­ris­ten des Jah­res. Und 1946 er­schien mit ‚ Os­car Moo­re Gui­tar So­los (for Spa­nish and/or Electric Gui­tar)‘ ei­nes der frü­hes­ten Bü­cher mit Tran­skrip­tio­nen – es ent­hielt ei­ni­ge sei­ner So­li für das Nat King Cole Trio. Bar­ney Kes­sel wür­dig­te ihn für die Leis­tung, die Rol­le des Gi­tar­ris­ten in klei­ne­ren En­sem­bles ent­schei­dend de­fi­niert zu ha­ben. Und Ken­ny Bur­rell wür­dig­te ihn mit kla­ren Wor­ten: „Os­car Moo­re war ziem­lich re­vo­lu­tio­när mit sei­ner har­mo­ni­schen Auf­fas­sung, be­son­ders in sei­nen Ak­kord-struk­tu­ren; er spiel­te traum­haft schön und hat be­stimmt au­ßer mir noch ei­ne Rei­he von Leu­ten in­spi­riert“. Os­car Moo­re war auch ein Pio­nier der So­lid- Bo­dy-gi­tar­re. Er ge­hör­te zu den Al­ler­ers­ten, die Leo Fen­ders No­cas­ter spiel­te. Das In­stru­ment er­hielt den ob­sku­ren Na­men, weil es 1951 ge­baut wur­de, al­so kurz be­vor die Broad­cas­ter in Tele­cas­ter um­be­nannt wur­de. Ei­ner der hei­ßes­ten Songs von John­ny Moo­re’s Th­ree Bla­zers er­schien 1949 auf dem La­bel RCA/ Vic­tor als B- Sei­te der Sin­gle mit der Num­mer 22-0047. ‚Shuffle Shuck‘ ist in meh­re­rer Hin­sicht re­vo­lu­tio­när: In schnel­lem Swing-groo­ve ge­hal­ten ba­siert der Blues in G-dur auf ei­nem ein­tak­ti­gen Riff, das bei im Blues-sche­ma wech­seln­den Ak­kor­den, os­ti­nat von An­fang bis En­de durch­ge­spielt wird. 1959 lan­de­te Hen­ry Man­ci­ni, auf des­sen Kon­to un­zäh­li­ge Klas­si­ker wie ‚Moon Ri­ver‘ und ‚The Pink Pan­ther The­me‘ ge­hen, mit ‚Pe­ter Gunn‘ ei­nen Su­per­hit. Auch der ba­siert auf ei­nem durch­ge­hen­den ein­tak­ti­gen Os­ti­na­to-mo­tiv. Os­ti­na­ti sind in der Klas­sik wie im Jazz weit­ver­brei­tet. Aber im Blues wer­den Riffs wie das von ‚Shuffle Shuck‘ fast im­mer mit den wech­seln­den Grund­tö­nen trans­po­niert. Mi­les Da­vis ver­wen­de­te bei sei­ner be­rühm­ten Kom­po­si­ti­on ‚ All Blues‘ eben­falls ei­ne os­ti­na­te Bass-li­nie über die wech­seln­den Ak­kor­de G7 und C7, gab das Prin­zip aber in Takt 10/11 auf und lie­gen­den Grund­tö­nen den Vor­zug. ‚Shuffle Shuck‘ war in die­ser Hin­sicht so­gar wa­ge­mu­ti­ger als Mi­les Da­vis zehn Jah­re spä­ter. Aber auch die vier Cho­rus­se der bei­den Gi­tar­ren ha­ben es in sich. Sie wer­den von den bei­den Brü­dern ab­wech­selnd ge­spielt, wer an­fing, ist nir­gends do­ku­men­tiert. Dem Sound nach zu ur­tei­len ver­mu­te ich, dass die Cho­rus­se 1 und 3 von John­ny, und die Cho­rus­se 2 und 4 von Os­car ge­spielt wur­den. Sie ent­hal­ten je­de Men­ge span­nen­de De­tails, Chro­ma­tic Ap­proa­ches, Ben­dings, Dou­ble Stops und

A#- in Takt 36/37 mit dem Zwei­klang B, der ei­ne klei­ne Se­kun­de mar­kiert, ei­ne mehr­fach wie­der­hol­te kras­se Dis­so­nanz, die nach John Sco­field klingt und im Blues und Jazz des Jah­res 1949 den Gip­fel der Frech­heit und Pro­vo­ka­ti­on mar­kier­te. Wer die Cho­rus­se an­hört, wird viel­leicht be­mer­ken, wie sehr sie dem Jazz-blues von spä­te­ren Gi­tar­ris­ten wie Ken­ny Bur­rell oder Grant Gre­en äh­neln. Kein Wun­der al­so, dass Ers­te­rer so lo­ben­de Wor­te fand! Kom­men­ta­re, Fra­gen, Lob oder Ta­del an wkeh­le@t-on­li­ne.de oder an die Re­dak­ti­on n

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