Xvi­ve Tho­mas Blug Si­gna­tu­re Se­ries, Fx-pe­dals

Xvi­ve Tho­mas Blug Si­gna­tu­re Se­ries: Dy­na­rock + Gol­den Brow­nie + Sweet Leo + Tu­be Squas­her Tho­mas Blug, „ Fen­der Strat­king of Eu­ro­pe“, dürf­te in­zwi­schen je­dem in der Sze­ne ein Be­griff sein. Nicht zu­letzt, weil er seit ei­ni­ger Zeit mit sei­ner Mar­ke Blugui­ta

Gitarre & Bass - - INHALT - TEXT Ebo Wa­gner y FO­TOS Die­ter Stork

Ganz frisch ge­schlüpft ist das Quar­tett nicht, wie gut In­for­mier­te wis­sen wer­den. Neu­er­dings wer­den die Pe­da­le aber mit ei­ner Ga­ran­tie von vier Jah­ren an­ge­bo­ten. Aber wer oder was ist Xvi­ve über­haupt? Na, ich sa­ge nur Elec­tro-har­mo­nix, schon sind wir ein­gen­or­det. Bei die­ser le­gen­dä­ren Fx-mar­ke hat Ho­ward Da­vis, der Chef­de­si­gner von Xvi­ve, von 1976 bis 1981 vie­le Pe­da­le ent­wor­fen. Spä­ter ar­bei­te­te er u. a. für Pig­tro­nix. Der zwei­te Mann im Team ist Da­ri­us Mos­to­w­fi, laut der of­fi­zi­el­len Xvi­ve- His­to­ry seit fast zwei De­ka­den Ana­log­ex­per­te im Pe­dal-markt, wäh­rend Ray Heas­man, der Drit­te im Bun­de, sich zu­vor lan­ge Jah­re High-end-au­dio­sys­te­men ge­wid­met hat. Die drei ent­wer­fen im Hei­mat­land USA ih­re Pro­duk­te, die dann in Chi­na ge­fer­tigt wer­den.

sub­stanz

Kei­ne Be­son­der­hei­ten im me­cha­ni­schen Auf­bau: Alu­mi­ni­um­ge­häu­se mit an­ge- schraub­ter Bo­den­plat­te, Ham­mer­schlagla­ckie­rung, ein Klin­ken- In­put, ein Klin­ken-out­put, an der Stirn­sei­te die 9V/DCIn-buch­se (Bat­te­rie­be­trieb nicht vor­ge­se­hen), oben ei­ne eher spar­sam leuch­ten­de Sta­tus-led. Der Fuß­schal­ter funk­tio­niert ( lt. Her­stel­ler) nach dem True By­pas­sP­rin­zip. Die Elek­tro­nik im In­ne­ren ist sau­ber auf­ge­baut, die Ver­ar­bei­tung ist auch ins­ge­samt ge­se­hen ein­wand­frei. Al­so ist so­weit al­les im grü­nen Be­reich. Doch man be­ach­te: Die Ach­sen der Po­tis be­ste­hen aus Kunst­stoff, al­so im Ei­fer der Büh­nen­show nicht zu der­be auf die Po­tis tre­ten, gel­le?

gol­den brow­nie

Die of­fi­zi­el­le Pro­dukt­be­schrei­bung nennt das Pe­dal ei­nen „Vin­ta­ge Mar­shall JCM 800 in a box“. Tat­sa­che? Nö, sa­ge ich, dem kann ich mich nicht an­schlie­ßen. Oder nur be­dingt. Was im End­ef­fekt gar nicht ne­ga­tiv ge­meint ist, denn der Punkt

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ist, dass Xvi­ve mit der Aus­sa­ge reich­lich un­ter­treibt. Ja, OK, bei nied­ri­ger Dri­veEin­stel­lung, bis ca. 12 Uhr, trifft die Cha­rak­te­ri­sie­rung weit­ge­hend zu. Der Ton ist ge­press­ter, we­ni­ger trans­pa­rent als bei den glor­rei­chen Jcm-ha­lun­ken, aber mar­kant und kraft­voll, in­klu­si­ve der hei­se­ren, rau­en No­te im obe­ren Fre­quenz­spek­trum. Fein ge­macht Gol­den Brow­nie. Aber das Pe­dal bril­liert noch mehr im obe­ren Gain-be­reich. Da pro­du­ziert es fet­te, trag­fä­hi­ge, das Sustain nach­hal­tig un­ter­stüt­zen­de Le­ad- Dis­tor­ti­on, die dem na­he­steht, was hoch­ge­züch­te­te

Bou­tique-röh­ren­ver­stär­ker als Brown­sound lie­fern. Und das ist der Punkt: Wenn man be­denkt, wie we­nig man da­für be­zahlt, ist das Gol­den Brow­nie ein Kra­cher. Auch wenn es in den obe­ren Mit­ten et­was auf­dring­lich quen­gelt, klingt es doch warm und mu­si­ka­lisch. Nicht kli­nisch, ar­ti­fi­zi­ell, wie es in den un­te­ren Preis­klas­sen ja nicht sel­ten der Fall ist. Prak­tisch ist bei der Sound-ab­stim­mung, dass ne­ben dem To­ne-reg­ler, der vor­ran­gig den Hö­hen­ge­halt va­ri­iert, zu­sätz­lich ein Pre­sence-po­ti zur Ver­fü­gung steht. Es do­siert im To­pend ge­zielt den Biss im Sound, und wirkt als Fein­ab­stim­mung, die die Funk­ti­on des To­ne-reg­lers ge­schickt er­gänzt.

dy­na­rock

Wenn eben von Vin­ta­ge-mar­shalls die Re­de war, bit­te­schön, dass Dy­na­rock schlägt im Ton­fall erst recht in die­se Ker­be. Bra­chi­al, kraft­voll, mit dich­ten, aber fein zi­se­lier­ten Ver­zer­run­gen, im po­si­ti­ven Sin­ne barsch in den Hö­hen, ei­fert es dem M-ton der Früh­zei­ten nach und kom­bi­niert dies er­freu­li­cher­wei­se mit reich­lich Gain- Re­ser­ven. Ei­ne will­kom­me­ne Mi­schung für Re­tro-rock und Art­ver­wand­tes, die noch da­durch ge- winnt, dass die Dis­tor­ti­on bei Ak­kor­den die ein­zel­nen Tö­ne schön se­pa­riert. Das Dy­na­rock spricht an­ge­nehm an, er­laubt läs­si­ges Spie­len, re­agiert le­ben­dig und klingt sehr röh­ren­ähn­lich. Der Mid-boost-schal­ter än­dert das Klang­bild dras­tisch. Die obe­ren Mit­ten wer­den stark in den Vor­der­grund ge­rückt, das klas­sisch-bri­ti­sche Tim­bre weicht ei­nem mo­der­nen Stimm­fall, der ins­be­son­de­re beim So­lie­ren sein Trümp­fe aus­spielt. Der Nutz­wert des Dy­na­rock stei­gert sich da­durch er­heb­lich, und sei es nur, weil man ei­ner Strat zu mehr Druck und Kör­per ver­hel­fen kann bzw. krass ge­gen­sätz­li­che In­stru­men­te op­ti­mal ab­stim­men kann. Der To­ne-reg­ler va­ri­iert pri­mär die In­ten­si­tät der Hö­hen. In Nä­he des Links­an­schlags boos­tet er sub­til die Mit­ten, was aber ver­mut­lich den meis­ten An­wen­dern nur nütz­lich er­schei­nen wird, wenn das In­stru­ment sehr hö­hen­reich klingt, es al­so bei der par­al­lel ge­ge­be­nen star­ken Treb­le-dämp­fung durch das Pe­dal noch ge­nug Konturen be­wahrt.

sweet leo

So, jetzt weg vom di­cken Gain, hin zu Over­dri­ve, so­gar re­la­tiv schlan­kem Over­dri­ve. Das Sweet Leo schlägt ei­gen­wil­li­ge Tö­ne an. In sei­nen for­dern­den, recht ag-

gres­si­ven An­zer­run­gen schwin­gen Klan­ge­le­men­te von Fuzz-pe­da­len mit. Ei­ne ge­wis­se Ähn­lich­keit mit Fen­der-amps aus der Tweed-ära ist auch nicht von der Hand zu wei­sen. Da­von ab­ge­se­hen bleibt das Sweet Leo zu­nächst un­spek­ta­ku­lär, in­so­fern als es sei­nen Job un­auf­fäl­lig ef­fi­zi­ent ver­sieht. Mit ge­rin­gen Gain-re­ser­ven wohl­ge­merkt. Schwa­che Sing­le­coils kön­nen das Pe­dal nur we­nig aus der Re­ser­ve lo­cken. Was dann an Over­dri­ve ent­steht, ist kaum der Re­de wert. Aber das klang­for­men­de Ele­ment sei­ner Si­gnal­be­ar­bei­tung hat trotz­dem Charme und Sinn, ge­ra­de wenn man das Pe­dal als Boos­ter vor ei­nem wei­te­ren Ver­zer­rer oder dem Le­ad-ka­nal am Amp ein­setzt. Das Sweet Leo kann dank des omi­nö­sen Growl-reg­lers aber auch ganz an­ders. Beim Auf­dre­hen fügt er dem Klang­bild suk­zes­si­ve asym­me­tri­sche, un­rei­ne Zer­r­an­tei­le hin­zu, wäh­rend par­al­lel die Attack-dy­na­mik wie bei ei­nem Kom­pres­sor im­mer mehr ein­sackt. Na­he des Rechts­an­schlags er­zeugt Growl re­gel­rech­te Fuz­zFar­ben, die Si­gnal­stär­ke taucht beim An­schlag ve­he­ment ab, um dann recht schnell zum Ur­sprungs-le­vel zu­rück­zu­kom­men. Growl er­zeugt in­ter­es­san­te Klang­far­ben ab­seits des Ver­zer­rer-main­streams. Das ist dann auch die Qua­li­tät, die das Sweet Leo aus­zeich­net: Zwei in ei­nem so­zu­sa­gen, tra­di­tio­nel­ler Over­dri­ve mit Breit­band-vo­lu­men und cha­rak­ter­star­ke Fuz­zy-dis­tor­ti­on.

tu­be squas­her

Ein de­zen­tes Over­dri­ve-pe­dal, be­wegt sich am un­te­ren En­de der Dis­tor­ti­onSka­la, in­so­fern äh­nelt der Tu­be Squas­her dem Sweet Leo. Low-cut-schal­ter zum Ab­schwä­chen der Bas­san­tei­le, ein To­nePo­ti, das un­spek­ta­ku­lär die ho­hen Fre­quen­zen do­siert – das Pe­dal ist funk­tio­nal an sich ab­so­lut OK, aber we­nig va­ria­bel. Sein rau­chi­ger Zerr-cha­rak­ter er­freut mit hoch sen­si­ti­ver Dy­na­mik. Das macht ei­nen gro­ßen Teil sei­nes Charmes aus, die­ses ei­nem pu­ris­ti­schen Röh­ren-amp ähn­li­che, süß­lich wei­che Klang­ver­hal­ten. Mit Hum­bu­ckern kommt am Ma­xi­mum schon recht sat­ter Over­dri­ve zu­stan­de, schwa­che Ton­ab­neh­mer ha­ben das Nach­se­hen, hier er­hält man nur ei­nen Hauch von An­zer­run­gen. Der Reiz des Pe­dals liegt an­sons­ten gar nicht un­be­dingt in der Stan­dA­lo­ne-nut­zung, son­dern in der An­wen­dung als ( ko­lo­rie­ren­der) Boos­ter. Die Si­gnal­ver­stär­kung kann näm­lich sehr hoch sein, und im Mix – mit der ge­eig­ne­ten Dri­ve-ba­lan­ce – vor ei­nem Vin­ta­geAmp höchst ge­pfleg­te Klan­g­er­geb­nis­se zu Ta­ge för­dern. Al­les schön und gut, der Tu­be Squas­her ist letzt­lich aber doch ziem­lich ein­ge­schränkt in sei­nem Kön­nen, ein TwoT­ricks-po­ny. Wäh­rend sich ein teu­res Bou­tique-pe­dal des­we­gen wahr­schein­lich ei­nen Mi­nus­punkt ein­fan­gen wür­de, geht an­ge­sichts des nied­ri­gen Prei­ses die Rech­nung für den Tu­be Squas­her doch und ge­ra­de po­si­tiv aus.

al­ter­na­ti­ven

Das An­ge­bot in die­ser Preis­re­gi­on ist reich­hal­tig. Doch für das Brow­nie und den Dy­na­rock wird sich kein un­mit­tel­ba­res Pen­dant ei­ner an­de­ren Mar­ke fin­den. We­gen der Growl-re­ge­lung steht auch das Sweet Leo oh­ne di­rek­te Kon­kur­renz da. Nur der Tu­be Squas­her hat Ne­ben­buh­ler im Na­cken, z. B. von Boss das OD-1, das OD-10 von Valeton, das AMT S-dri­ve mi­ni und B-dri­ve mi­ni und an­de­re mehr.

re­sü­mee

Klei­ner Preis, gro­ße Leis­tung. Die Per­for­mance der vier Xvi­ve-pe­da­le macht ver­ges­sen, dass sie aus dem Low-bud­get-seg­ment kom­men. Ih­re Ton­for­mung ge­nügt ho­hen An­sprü­chen, wir kön­nen sie be­den­ken­los emp­feh­len. Nur die ge­rin­ge Hel­lig­keit der Sta­tus-leds fällt nach­tei­lig ins Ge­wicht – aber da­mit kann man wohl le­ben. In­ter­net: www.xvi­veau­dio.com Prei­se (Uvp/street): ca. € 65/55 n

PLUS

• Sound/ Cha­rak­ter der Ef­fek­te • Dy­na­mik, Trans­pa­renz • Brow­nie + Dy­na­rock: har­mo­ni­sche Ver­zer­run­gen • Sweet Leo: va­ria­bel, Fuzz- Far­ben zu­misch­bar • ge­rin­ge Ne­ben­ge­räu­sche • Ver­ar­bei­tung/ Qua­li­tät der Bau­tei­le

MI­NUS

• schwach leuch­ten­de Sta­tus- Led

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