NEUE MU­SIK

Gitarre & Bass - - News -

DOYLE BRAMHALL II: SHA­DES

Bei Pink-floyd-le­gen­de Ro­ger Wa­ters und in der Band von Eric Clap­ton hat sich Doyle Bramhall II (*1968) in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ei­ni­ges an Po­pu­la­ri­tät und ei­nen her­vor­ra­gen­den Ruf er­ar­bei­tet, und auch Künst­ler wie Gregg All­man, Jim­mie Vaug­han, She­ryl Crow, Ery­kah Ba­du, Mes­hell Nde­geo­cel­lo, B.B. King, Su­san Te­de­schi, The De­rek Trucks Band, Le­on Rus­sell und El­ton John schätz(t)en ihn als Song­wri­ter und Gi­tar­ris­ten. Nach sei­nem 1992er Band-pro­jekt Arc An­gels ( ge­mein­sam mit Char­lie Sexton) er­schie­nen dann auch So­lo-al­ben: ,Doyle Bramhall II‘ (1996), , Jel­ly­cream‘ ( 1999), , Wel­co­me‘ (2001), ,Rich Man‘ (2016) – und jetzt ,Sha­des‘: Ein gu­ter Mix aus Bal­la­den, Me­di­um-ro­ckern und ir­gend­wie nicht greif­ba­ren Songs, zwi­schen den Sti­len – die er­in­nern mich dann oft an The Band, mit ih­rer Mi­schung aus Coun­try, Blues, Rock, und Soul. Die­ses al­te Re­zept hat Bramhall II auf­ge­frischt, mit ein paar de­zent psy­che­de­li­schen Zu­ta­ten ver­se­hen – und es funk­tio­niert – mit gaaa­anz viel Ge­fühl. Na­tür­lich ha­ben ihm sei­ne nam­haf­ten Freun­de ge­hol­fen, die­se Schei­be auch zu Cross-pro­mo­ti­on-zwe­cken nut­zen zu kön­nen. Mr. Slow­hand Eric Clap­ton lässt in ‚Ever­y­thing You Need‘ sei­ne fei­nen Fin­ger übers Griff­brett glei­ten, Norah Jo­nes ver­leiht dem ru­hi­gen ‚Se­ar­ching For Lo­ve‘ zu­sätz­li­chen Tief­gang und Ein­dring­lich­keit, die Te­de­schi Trucks Band setzt in ‚Go­ing Go­ing Go­ne‘ zu blue­si­ger Mehr­stim­mig­keit an und The Grey­hounds steu­ern in ‚Li­ve Fo­re­ver‘ stamp­fen­de Rock-ak­zen­te bei. Macht sum­ma sum­ma­rum ein (über­wie­gend ru­hi­ges) Al­bum von höchs­ter mu­si­ka­li­scher Gü­te, auf das al­le Be­tei­lig­ten stolz sein dürf­ten. Ei­gen­wil­lig und schön. An­mer­kung: Oft wer­den die Bio­gra­fi­en von Doyle Bramhall II und die sei­nes Va­ters Doyle Bramhall (*1949 † 2011), der eben­falls Gi­tar­rist aber auch Drum­mer & Sän­ger war, bunt ge­mischt – so auch im Pres­se-in­fo zu die­sem Al­bum. Al­so ge­nau hin­schau­en, auch beim Plat­ten­kauf! lt & mm

HATT­LER: VE­LO­CI­TY

Par­al­lel zur neu­en Kra­an-li­ve-schei­be ‚The Trio Ye­ars‘ ver­öf­fent­licht Bas­sist Hell­mut Hatt­ler nach über­stan­de­ner Krank­heit auch ein neu­es So­lo­al­bum. Des­sen Songs ent­stan­den laut Pres­se­mel­dung teil­wei­se auf dem Kran­ken­la­ger und un­ter psy­chisch schwie­ri­gen Be­din­gun­gen: Hatt­ler muss­te auf­grund strengs­ter Arzt­ver­ord­nung zu­nächst wo­chen­lang auf sei­nen Bass ver­zich­ten und war sich nicht si­cher, ob er mo­to­risch über­haupt wie­der in der La­ge sein wür­de, ihn zu be­die­nen. Er konn­te es – gott­lob! – und hat da­bei Stü­cke kom­po­niert, die von groß­ar­ti­ger Mu­si­ka­li­tät und un­ge­bro­che­ner Spiel­freu­de kün­den. Als Un­ter­stüt­zung für ‚Ve­lo­ci­ty‘, das klang­lich und spie­le­risch kei­ne Wün­sche of­fen lässt, hol­te sich Hatt­ler un­ter an­de­rem Sän­ge­rin Fo­la Da­da, Schlag­zeu­ger Mo­ritz Mül­ler, Xy­lo­phon-spie­ler Jür­gen Schlach­ter und Lang­zeit­kol­le­ge und Trom­pe­ter Joo Kraus ins Stu­dio. Ge­schickt va­ri­ie­ren die Mu­si­ker zwi­schen pu­rem Hand­werk und mo­der­ner Elek­tro­nik, zwi­schen kon­kre­ten Rock-groo­ves, raf­fi­nier­tem HipJazz, Am­bi­ent-at­mo­sphä­ren und Ba­na­li­tä­ten-frei­er Pop-kul­tur. Ein Al­bum, so ge­nuss- wie ab­wechs­lungs­reich und ge­ra­de­zu per­fekt für wah­re Mu­sik­gour­mets jen­seits al­ler Kli­schees und vor­ge­fass­ter Mei­nun­gen. mm n

‚Pur­su­it Of Rock’n’roll‘, ‚Off My Back‘ oder ‚Bronx Boys‘ durch ker­ni­ge Riffs, durch­dach­te Ar­ran­ge­ments und sei­ne ein­gän­gi­ge, bis­wei­len so­gar hym­ni­sche Me­lo­die­füh­rung. OK, Freh­leys Ge­sang ist wie ge­wohnt et­was krau­tig und sei­ne Fin­ger­tech­nik nicht eben der In­be­griff von Vir­tuo­si­tät. Aber dar­um geht es we­der bei Kiss noch bei Aces So­lo-schei­ben. Es ist der Geist des Rock’n’roll mit all sei­nen Ver­wer­fun­gen, Skan­da­len und ver­ru­fe­nen Ge­stal­ten, der den be­son­de­ren Charme die­ser Schei­be aus­macht. mm • GASS­MANN & WINGOLD: BIS AUF DEN GRUND Das drit­te ge­mein­sa­me Al­bum des Köl­ner Gi­tar­ris­ten Frank Wingold und der Sän­ge­rin Mar­ti­na Gass­mann, die di­rekt im ers­ten Track ein En­er­gie-le­vel an den Tag legt, das deut­lich hö­her ist, als bei frü­he­ren Auf­nah­men. Da­hin­ter lässt Frank Wingold sei­ne Gi­tar­re ei­nen Mix aus Bass-li­nes, fol­ki­gen Ar­peg­gi­os, Har­mo­nics und un­ge­wöhn­li­chen Ton­sprün­gen pro­du­zie­ren, der sein Mar­ken­zei­chen ist. Frank spielt ver­schie­de­ne 6- und 7-sai­ti­ge Gi­tar­ren, Zit­her und er ist auch als Sän­ger im Hin­ter­grund zu hö­ren. In Kom­bi­na­ti­on mit Mar­ti­na Gass­manns an­ge­rau­ter, de­zent an Ju­lie Dris­coll er­in­nern­den Stim­me ent­steht hier ei­ne ganz ei­gen­stän­di­ge Mu­sik. Drei der zehn Songs ha­ben deut­sche Tex­te, der Rest eng­li­sche. Und wenn Mar­ti­na dann in ,Di­ve In­to Whi­s­per‘ auch noch das Spiel­zeug-pia­no aus dem Kin­der­zim­mer be­ar­bei­tet, ist die Sa­che klar: Uni­que! Wie das Co­ver-de­sign von Bernd Ar­nold & Knut Schöt­teld­rei­er. lt • C.T.P.: PO­INT BLANK Das Kür­zel C.T.P. steht für Chris­ti­an Tol­le Pro­ject. Der Köl­ner Mu­si­ker hat mit ,Po­int Blank‘ sein fünf­tes So­lo-al­bum seit 2000 ver­öf­fent­licht, au­ßer­dem hat er bis­her an mehr als 30 Al­ben an­de­rer Künst­ler mit­ge­wirkt. Kei­ne schlech­te Bi­lanz für ei­nen Mitt­vier­zi­ger, der sein Hob­by im­mer nur ne­ben­be­ruf­lich be­trie­ben hat. Dass Chris­ti­an ein her­vor­ra­gen­der Gi­tar­rist und Pro­du­zent sei­ner Mu­sik ist, hat sich seit lan­gem rum­ge­spro­chen. Da wa­ren auch dies­mal wie­der ei­ni­ge Kol­le­gen so­fort be­reit, ein paar Licks & Hooks bei­zu­steu­ern: Da­vid Reece (Ex-ac­cept, Ex-bon­fi­re, Sain­ted Sin­ners) und John Cui­j­pers (Co­oper Inc., Ay­re­on, Pray­ing Man­tis) wech­seln sich als Sän­ger ab, Mor­ris Adria­ens spielt Key­boards, Ma­thi­as Dieth (EX-U.D.O, ExSin­ner) und L.a.-le­gen­de Doug Ald­rich lie­fer­ten ein paar schar­fe Gi­tar­ren-parts ab, und Chris­ti­an selbst be­sorg­te den Rest: Gi­tar­ren, Bass, Drums ... Und an den von Rain­bow be­kann­ten Russ-ball­ard-hit von 1979, ,Sin­ce You’ve Be­en Go­ne‘, ha­ben sie sich auch ran­ge­wagt – Kön­ner! lt • BEHEMOTH: I LOVED YOU AT YOUR DARKEST Als Behemoth im Jah­re 2014 mit ,The Sa­ta­nist‘ nicht nur ihr viel­leicht stärks­tes Al­bum, son­dern auch ei­nes der bes­ten De­ath- & Black-me­tal-al­ben der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit vor­leg­ten, stell­te sich die Fra­ge, wie man solch ei­ne über­ra­gen­de Plat­te über­haupt noch top­pen soll. Front­man Ner­gal ließ zwi­schen­durch so­gar ver­lau­ten, dass er nicht si­cher sei, ob es nach ,The Sa­ta­nist’ über­haupt noch mal ein Behemoth-al­bum ge­ben wür­de. Nun, so­weit ist es zum Glück nicht ge­kom­men – mit ,I Loved You At Your Darkest‘ steht das mit Si­cher­heit ra­di­kals­te, dy­na­mischs­te und un­ge­wöhn­lichs­te Werk der Band in den Start­lö­chern. Statt ei­nes to­sen­den Riff-or­kans, hat das Trio, wie be­reits auf dem Vor­gän­ger, vor al­lem die At­mo­sphä­re und das Song­wri­ting auf ,I Loved You At Your Darkest’ aber­mals in den Vor­der­grund ge­stellt. Die vor­ab ver­öf­fent­lich­te Sing­le ,God=dog’ ist im Grun­de noch der Song, wel­cher mit sei­nen ra­sen­den Blast-beat-stro­phen am ehes­ten an die Ver­gan­gen­heit der Band er­in­nert – ab hier wird es dann erst mal über wei­te Stre­cken deut­lich ro­cki­ger. Kei­ne Sor­ge – all die­se Ve­rän­de­run­gen fin­den glück­li­cher­wei­se im Rah­men des Behemoth-kos­mos statt; die ur­ge­wal­ti­ge Po­wer und die düs­te­re Aus­strah­lung ih­rer letz­ten Al­ben ist der Band kein biss­chen ab­han­den ge­kom­men. Al­les in al­lem ist ,I Loved You At Your Darkest’ das mit Ab­stand at­mo­sphä­rischs­te und dy­na­mischs­te Behemoth-werk, wel­ches aber auch den ein oder an­de­ren Fan auf ei­ne har­te Pro­be stel­len wird. Wer auf ei­ne wirk­lich ab­wechs­lungs­rei­che Mi­schung aus Black- und De­ath Me­tal mit ei­ner ge­wal­ti­gen Pri­se düs­te­ren Rocks steht, wird mit dem neu­en Al­bum si­cher­lich viel Freu­de ha­ben. cb n

POPGRETEL

WWW.POPGRETEL.DE Das süd­deut­sche Gi­tar­re-bass-drums-trio aus In­gers­heim/neckar macht von An­fang an Lau­ne. Gi­tar­rist Wolf­gang Hart drückt im Fal­sett oder mit har­schen Be­to­nun­gen ähn­lich wie Ka­ba­ret­tist & Sän­ger Ge­org Rings­gwandl sein Er­stau­nen über die Skur­ri­li­tä­ten die­ser Welt aus. So singt er über die lus­ti­ge Jä­ge­rei im grü­nen Wald, Be­zie­hungs­sze­na­ri­en zwi­schen Raus­schmiss und zu viel Nä­he, die trau­ri­ge Ge­schich­te vom Marl­bo­roMann und das wah­re In­dia­ner-le­ben. Ver­tont wird all dies mit groo­ven­der und ein­gän­gi­ger Pop-mu­sik, die zwi­schen viel Funk, 70er-dis­co, Reg­gae und Ska pen­delt und in der auch ab­ge­rockt wird. Die klar struk­tu­rier­ten Songs bie­ten auch mal Platz für ein kur­zes wie schar­fes Drums-so­lo und sehr coo­le In­stru­men­tal-parts mit ei­gen­wil­li­gen Har­mo­ni­en und kna­cki­gen So­li. ,Zopf ab Rock an‘ ist ein tol­les Al­bum mit ho­hem Un­ter­hal­tungs­wert. Die in Bie­tig­heim- Bis­sin­gen ge­bo­re­nen Mu­si­ker ma­chen be­reits seit Mit­te der 80er Mu­sik. Und seit 2012 sind Do­ro­thee Mül­ler, Büh­nen­na­me „Die Bass­z­an­ge“, Drum­mer An­di Krü­ger und Wolf­gang Hart ei­ne ei­gen­wil­li­ge Band mit ei­ge­nem Kon­zept und knall­bun­tem Pop-art-de­sign. am n

NID DE POULE

WWW.NID-DE-POULE.DE Mit Kon­tra­bass, Akus­tik- und E-gi­tar­re und der tol­len Stim­me von Sy­bil­le Kling­s­por fei­ert das Quar­tett aus Darm­stadt und In­gel­heim fran­zö­si­sches Le­bens­ge­fühl. Ganz pas­send fär­ben Gast­mu­si­ker an Sa­xo­phon oder Ak­kor­de­on den or­ga­ni­schen Ban­dSound. Chan­son, Jazz und Gi­psy-swing in der Tra­di­ti­on von Djan­go Rein­hardt sind die Ba­sis auf ,En Rou­te‘. Vier­tel von Bass und Gi­tar­re ge­ben den swin­gen­den Puls der schnel­le­ren Songs vor, die auch schon mal den Cha­rak­ter der rhyth­misch ver­wand­ten Pol­ka aus­strah­len. In ei­ner Bal­la­de wie ,La Por­te‘ hin­ge­gen er­zeu­gen fi­li­gra­ne Pi­ckings viel Me­lan­cho­lie. Sehr schön kom­men im­mer wie­der flüs­si­ge und leicht an­ge­schräg­te So­li im war­men, leicht kom­pri­mier­ten Jaz­zSound. Im In­stru­men­tal ,Rei­se­fie­ber‘ gibt’s mit kna­cki­gen Blä­sern und Gast-drum­mer ei­nen Aus­flug in Rich­tung Funk und Dis­co, der de­zent mit Fu­si­on-jazz auf­ge­la­den und spä­ter mit ge­ra­de­zu klas­si­schem Gi­psy-swing ver­bun­den wird. Und mit an­ge­zerr­ten ver­hall­ten Licks geht’s auch mal in Rich­tung Ro­cka­bil­ly. Die­se schö­ne Mu­sik, die im schi­cken Di­gi­pak mit Car­toon-art­work steckt, macht viel Spaß. In­spi­riert wur­de das Al­bum von Gigs in Frank­reich und Ru­mä­ni­en. Nid de Poule kann zur Weih­nachts­zeit auch mit ih­rem ak­tu­el­len X-mas-pro­gramm ge­bucht wer­den! am n

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