ERIK LAN­GER

IN­DIE MA­DE IN GER­MA­NY Mehr Un­der­ground- Spi­rit geht ei­gent­lich nicht: 2001 ge­grün­det, nah­men Kett­car 2002 ihr ers­tes Al­bum auf. Da sich kei­ne Plat­ten­fir­ma fand, rie­fen Sän­ger Mar­kus Wie­busch und Bas­sist Rei­ner Bustorff mit Tom­te Sän­ger Thees Ull­man kur­zer

Gitarre & Bass - - News -

ein­flüs­se

Kett­car ist ja eng mit Ham­burg ver­bun­den. Stammst du von dort? Nein. Ich bin in Mainz ge­bo­ren, ha­be bis zum ach­ten Le­bens­jahr in der Nä­he von Lin­dau ge­lebt, dann drei Jah­re in der Nä­he von Göt­tin­gen. Mei­ne prä­gends­te Zeit ver­brach­te ich im Al­ter von 11 bis 19 Jah­ren in Gos­lar im Harz. Da­nach war ich ein Jahr lang in den USA und mit 20 bin ich nach Ham­burg ge­zo­gen. Wie kamst du erst­mals mit Mu­sik in Be­rüh­rung? Mei­ne Mut­ter war klas­si­sche Sän­ge­rin und Chor­lei­te­rin und hat zu Hau­se Ge­s­angs­un­ter­richt ge­ge­ben. Von da­her war im­mer Mu­sik um mich her­um. Wie hast du an­ge­fan­gen, Gi­tar­re zu spie­len? Wir ha­ben es zu­nächst mit Un­ter­richt pro­biert, aber das hat über­haupt nicht funk­tio­niert. Die Da­me an der Mu­sik­schu­le woll­te mir No­ten bei­brin­gen, ich aber woll­te Songs von den Sex Pis­tols und den De­ad Ken­ne­dys spie­len. Das hat mir das Gi­tar­re­spie­len erst mal ver­miest. Dann war ich bei ei­nem On­kel in Ame­ri­ka. Der wohn­te im Wald, roll­te ei­ne 8x12“er-box auf die Veran­da, drück­te mir ei­ne Gi­tar­re in die Hand und sag­te: „Spiel mal!“Da hat es mich rich­tig ge­packt. Als ich wie­der in Deutsch­land war, ha­be ich al­le mei­ne Kum­pels ein­ge­la­den und ge­sagt, dass wir jetzt ei­ne Band grün­den. Da war ich 15. Seit­dem ha­be ich ei­gent­lich je­den Tag Gi­tar­re ge­spielt. Das war dann Punk­rock? Ja. Lan­ge Zeit war ich Au­to­di­dakt, ein Kum­pel hat mir ei­nen Ak­kord ge­zeigt oder man hat ver­sucht her­aus­zu­fin­den, wie die Mu­sik, die man liebt, ge­spielt wird. Als wir mit Kett­car ei­ne län­ge­re Pau­se hat­ten, ha­be ich mal Un­ter­richt ge­nom­men. Jetzt weiß ich, wie ein Ak­kord auf­ge­baut ist, wie ei­ne Ton­lei­ter geht, was ei­ne Terz ist und ha­be da­durch ei­nen bes­se­ren Über­blick über das, was ich all die Jah­re ge­macht ha­be. Wer sind dei­ne Hel­den? Sehr prä­gend wa­ren für mich ei­ner­seits Punk und Hard­core aus den USA, Mi­nor Th­re­at oder Go­ril­la Bis­cuit. An­de­rer­seits die Lo­fi-be­we­gung, Bands wie Pa­ve­ment oder Se­ba­doh, die sehr ein­fa­che, aber emo­tio­na­le Mu­sik ge­macht ha­ben. Das drit­te Stand­bein kommt aus En­g­land, mit Bands wie Ri­de, Wed­ding Pre­sent, Te­enage Fan­club. Da ging es auch viel um Song­wri­ting.

kett­car + tech­nik

Wie wich­tig ist die Gi­tar­re für ei­nen Kett­car-song? Die Gi­tar­re ist Teil des Song­wri­tings und steht bei al­len Lie­dern deut­lich im Vor­der­grund. Das ist schon das Haupt­in­stru­ment der Band. Schreibt ihr die Songs ge­mein­sam? Das ist ganz un­ter­schied­lich. Manch­mal ha­be ich ein Pi­cking­mus­ter und bast­le dann zu Hau­se mit Lo­gic ei­ne ru­di­men­tä­re Song­struk­tur mit Bass und Drum­com­pu­ter. Wenn es mir dann ge­fällt und ich den­ke, dar­aus könn­te et­was ent­ste­hen, ge­be ich es wei­ter. Ar­ran­giert wird mit der

gan­zen Band, da sind schon al­le kom­plett da­bei. Wie nimmst du Gi­tar­ren auf? Klas­sisch mi­kro­fo­niert. Manch­mal gibt es auch ein paar Spu­ren, die ich zu Hau­se am Com­pu­ter mit Lo­gic ge­macht ha­be, die wir über­neh­men, weil sie su­per klin­gen und es Ta­ge dau­ern wür­de, die Sounds ana­log nach­zu­bau­en. Hast du ein Haupt-set­up? Im Stu­dio be­nut­ze ich mein Li­ve-set­up, aber es kom­men auch ein paar Gi­tar­ren da­zu. Un­ser Pro­du­zent hat ein paar schö­ne al­te Gi­tar­ren, wie z. B. ei­ne Jazz­mas­ter, die so et­was har­tes, drän­gen­des hat. Li­ve spie­le ich ei­ne Fen­der Stra­to­cas­ter, die et­was mo­di­fi­ziert ist. Als Amps ver­wen­de ich ei­nen Fra­mus Dra­gon und ei­nen Fra­mus Ru­by Ri­ot. Wie er­zeugst du die De­lay- und Re­verb-sounds? Wir ha­ben lan­ge ein Elec­tro Har­mo­nix Ca­the­dral ge­nutzt. Für Kon­zer­te ha­be ich mir aber ei­nen Stry­mon Big Sky ge­kauft, mit dem ich sehr glück­lich bin. Stimmt ihr die De­lays auf das Song­tem­po ab? Ja, von Hand. Wir dämp­fen die Sai­ten ab. schla­gen sie an und dann wird pi mal Dau­men das De­lay aufs Tem­po ab­ge­stimmt. Wenn das ein biss­chen aus dem Ru­der läuft, ist das OK. Wie wich­tig ist Equip­ment all­ge­mein für dich? Es hat sich in den letz­ten 10 Jah­ren et­was ver­än­dert. Es war im­mer Mit­tel zum Zweck, aber 2008 wur­de mir ei­ne Gi­tar­re ge­klaut und da ha­be ich zum ers­ten Mal ge­merkt, dass ich mich doch ganz schön an die In­stru­men­te ge­wöhnt hat­te, die mir im­mer so zu­ge­flo­gen sind und an­ge­fan­gen, mich mehr da­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen.

in­die

Was be­deu­tet für dich der Be­griff In­die-rock? Das ist ei­ne gu­te Fra­ge… In­die heißt In­de­pen­dent und letzt­end­lich sind wir In­dieRock, weil wir völ­lig un­ab­hän­gig sind, denn un­ser Sän­ger und Bas­sist be­trei­ben zu­sam­men mit Thees Ull­mann ein ei­ge­nes Plat­ten­la­bel. Da­durch sind wir nicht von den gro­ßen Struk­tu­ren der Ma­jors ab­hän­gig. Ich ha­be das Ge­fühl, rein mu­si­ka­lisch ver­schwimmt das et­was, denn wir ver­su­chen Pop­mu­sik zu ma­chen, mit Me­lo­di­en, die ins Ohr ge­hen. Der klas­si­sche In­die-rock war ja auch Aus­druck ei­ner be­stimm­ten Hal­tung. Ist das noch wich­tig für dich oder hat sich das ab­ge­schlif­fen? Nein, die neue Plat­te ist ja auch sehr po­li­tisch. Ich be­wer­te Mu­sik nicht da­nach, ob sie po­li­tisch ist. Ei­ne Mes­sa­ge ge­paart mit gu­ter Mu­sik ist aber toll. Fin­dest du, dass das heu­te in ak­tu­el­ler Mu­sik we­ni­ger statt­fin­det? Nein. Da wir mo­men­tan in po­li­tisch ab­sur­den Zei­ten le­ben, in de­nen sich die Mensch­heit zu­rück­ent­wi­ckelt, gibt es durch­aus Stim­men in der Mu­sik, die das the­ma­ti­sie­ren. In Deutsch­land den­ke ich da z. B. an Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let, An­ti­lo­pen Gang oder Kraft­klub. In­wie­weit kann man ei­ne In­die- An­ti- Hal­tung auf­recht­er­hal­ten, wenn Mu­sik der Be­ruf ist? Klar kriegst du manch­mal An­ge­bo­te auf Ver­an­stal­tun­gen für T-mo­bi­le oder Red Bull zu spie­len. Das ist ein schma­ler Grat. Mit ge­wis­sen Fir­men wol­len wir nichts zu tun ha­ben. Mit an­de­ren Fir­men muss man sich ar­ran­gie­ren, sonst könn­ten wir gar nicht mehr auf Fes­ti­vals spie­len. Wie wirkt sich das heu­ti­ge Mu­sik­busi­ness auf euch als Band aus? Wenn wir zur rich­ti­gen Zeit ei­ne gu­te Plat­te ge­macht ha­ben, die die Leu­te mit­ge­nom­men hat, war es im­mer leicht für uns. Dann hat al­les ge­zün­det. Du machst als Band aber auch mal ei­ne Plat­te, von der du nicht so über­zeugt bist, und da­für be­kommt man dann auch die Quit­tung. Aber un­se­re Plat­ten­fir­ma ist sehr klein, da­durch ha­ben wir nicht so lan­ge wie die gro­ßen Fir­men ge­braucht, uns auf die ver­än­der­ten Markt-mecha­nis­men ein­zu­stel­len. Na­tür­lich weiß man, dass man li­ve spie­len muss, da das die ein­zi­ge Ein­nah­me­quel­le ist, die man heu­te noch hat. Aber das war für uns nicht so fa­tal, weil wir schon im­mer ei­ne Li­ve-band wa­ren. Und wenn das heißt, dass du zehn Kon­zer­te mehr spie­len musst: Right on! (lacht). Aber ich kann ganz of­fen zu Pro­to­koll ge­ben, reich wer­den wir nicht da­mit. Es gibt Jah­re, in de­nen wir Geld ver­die­nen, aber dann müs­sen wir mit dem Geld eben auch haus­hal­ten. Ich bin nach wie vor wahn­sin­nig dank­bar, dass ich den Wunsch­traum, den ich hat­te, in die Rea­li­tät um­set­zen konn­te. Dass ich kein Haus und kein Au­to ha­be, stört mich über­haupt nicht. n

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