TUBELESS

Hug­hes & Kett­ner Black Spi­rit 200 Hug­hes & Kett­ner war in letz­ter Zeit ins­be­son­de­re mit dem Grand­meis­ter sehr er­folg­reich. Des­sen neu­er Bru­der, der Black Spi­rit 200, setzt jetzt noch eins oben­drauf: Neue Tech­no­lo­gie, mehr Po­wer, we­ni­ger Ge­wicht ... und ko

Gitarre & Bass - - News - TEXT Flo­ri­an von der Ohe FO­TOS Die­ter Stork

Wäh­rend die Grand­meis­ter-amps noch auf die gu­te al­te Röh­ren­tech­no­lo­gie set­zen, hat man sich beim Black Spi­rit da­von frei­ge­macht und mit „Spi­rit“ei­nen „bio­ni­schen To­ne Ge­ne­ra­tor“er­fun­den. Die Tech­no­lo­gie er­laubt es, dass die In­ter­ak­ti­on der ein­zel­nen Ver­stär­ker­stu­fen ab­ge­bil­det wird. Ana­log auf­ge­baut, di­gi­tal ge­steu­ert. Durch den Ver­zicht auf die Röh­ren und al­les was da­mit ein­her­geht, konn­te das Ge­wicht auf sehr ge­rin­ge 3,6 kg ge­drückt wer­den. Ge­paart mit der ge­bo­te­nen Fle­xi­bi­li­tät in Sound und Steu­er­bar­keit er­gibt sich ein mo­der­ner Amp mit klas­si­schen Wur­zeln, der in je­dem Set­ting von Wohn­zim­mer bis Büh­ne funk­tio­nie­ren wird, da al­le Ar­ten von Laut­spre­chern und Di-aus­gän­gen ver­wen­det wer­den kön­nen.

klein, leicht, schick

Zu­erst über den Weg ge­lau­fen ist mir der Amp in­ter­es­san­ter­wei­se nicht – wie sonst üb­lich – beim Test bei mir zu Hau­se, son­dern auf dem dies­jäh­ri­gen Gui­tar Sum­mit. An den dor­ti­gen An­test­sta­tio­nen war der Amp ein gern ge­nutz­ter Spiel­ka­me­rad, über den man nach au­ßen hin völ­lig laut­los die neu­es­ten Gi­tar­ren tes­ten konn­te. Und es sagt ja auch schon ei­ni­ges, dass sich H&K hier­mit un­ter an­de­rem zwi­schen rei­nen Mo­de­lern wie ei­nem Kem­per, He­lix oder dem He­ad­rush po­si­tio­niert. Na­tür­lich war der Black Spi­rit auf dem Sum­mit im­mer schnell zu er­ken­nen: die De­sign-spra­che von Hug­hes & Kett­ner setzt sich auch hier fort und dürf­te auf je­der Büh­ne der Welt so­fort die Bli­cke auf sich zie­hen. Hier wird sie et­was durch das rot-oran­ge Glim­men des Spi­rit un­ter­bro­chen, wel­ches für mich nicht ganz ins an­sons­ten sehr stim­mig mo­der­ne Bild passen will. Durch die Tran­sis­tor­tech­no­lo­gie konn­te das Ge­wicht auf 3,6 kg re­du­ziert, die Po­wer aber auf 200 W er­höht wer­den. Die Ab­mes­sun­gen ent­spre­chen recht ge­nau de­nen der Grand­meis­ter Amps und man muss so­mit ein­mal mehr be­wun­dern, wie viel Tech­nik und Leis­tung heut­zu­ta­ge in klei­nen, ein­fach trag­ba­ren Ge­rä­ten un­ter­zu­brin­gen ist. Durch die op­tio­na­le Tra­ge­ta­sche hat man auch gleich ei­nen op­ti­ma­len Schutz des Amps und nun end­gül­tig kei­ne Aus­re­den mehr, sei­nen Ver­stär­ker nicht zwi­schen Heim­stu­dio und Pro­ben­raum pen­deln zu las­sen. Die bei­den seit­li­chen Tra­ge­grif­fe sind fast schon über­di­men­sio­niert für das

200 watt und ei­ne men­ge funk­tio­nen [6768]

ge­rin­ge Ge­wicht, sor­gen aber da­für, dass der Ver­stär­ker sich op­ti­mal trans­por­tie­ren lässt. Da sie ver­senkt an­ge­bracht sind, er­gibt sich ein sehr clea­ner Ge­samt­look. Wäh­rend die Po­tis ei­nen an­ge­neh­men Lauf ha­ben, füh­len sich die Schal­ter und der Dreh­knopf et­was „ein­fach“an. Bei ei­nem Amp in die­ser Preis­klas­se und mit sol­chen Fea­tu­res ist das aber Nör­geln auf ho­hem Ni­veau, und so schau­en wir uns lie­ber mal an, was der Klei­ne al­les kann. Im Her­zen ha­ben wir es hier mit ei­nem vier­ka­na­li­gen Amp zu tun. Den ge­wünsch­ten Ka­nal kann man ganz be­quem am Chi­cken­head-reg­ler auf der rech­ten Sei­te ein­stel­len. So lässt sich das ge­sam­te Feld von Clean, Crunch und Le­ad bis hin zu Ul­tra be­ackern. Wem das nicht reicht, der fin­det über dem In­put noch ei­nen in­di­vi­du­ell ab­ge­stimm­ten Boost; man kann al­so fast schon von acht Soun­dMo­di re­den. Pro Ka­nal kön­nen ganz klas­sisch Bass, Mid, Treb­le, Vo­lu­me und Gain ge­re­gelt wer­den. Dar­über hin­aus ste­hen zur

Sound-for­mung Pre­sence und Re­so­nan­ce in der End­stu­fen­sek­ti­on zur Ver­fü­gung. Klingt so­weit al­les ziem­lich nach Grand­meis­ter. Beim Black Spi­rit fin­den wir je­doch statt ei­nes Schal­ters ei­nen Reg­ler für das Noi­se­ga­te, wir kön­nen es al­so di­rekt auf der Front­plat­te fein­tu­nen. Viel spannender je­doch ist das „Sag­ging“-po­ti, wel­ches in acht Stu­fen das An­sprech­ver­hal­ten der End­stu­fe än­dert. Au­ßer der Mas­ter-sek­ti­on ist je­der der Reg­ler dop­pelt be­legt, so­dass man nach ei­nem ein­fa­chen Tas­ten­druck auf „Fx Ac­cess“die Kon­trol­le über Re­verb, De­lay und Mo­du­la­ti­ons­ef­fek­te über­neh­men kann. Die Ein­stel­lun­gen kön­nen ge­spei­chert und spä­ter bei­spiels­wei­se per MI­DI wie­der ab­ge­ru­fen wer­den. Ei­ne Aus­nah­me bil­det hier le­dig­lich der Mas­ter- Reg­ler. Er funk­tio­niert als ein­zi­ges wie ein „ech­tes“Po­ti und zeigt im­mer kor­rekt den ak­tu­el­len Sta­tus an. Was fällt noch auf? Ge­nau. Die Se­kun­där­funk­ti­on des Sag­ging-po­tis er­laubt es nun, aus ei­ner der acht ana­lo­gen Bo­xen­si­mu­la­tio­nen zu wäh­len, wel­cher sich die neue Red Box AE+ be­dient. Das An­ge­bot reicht von 1x12 (Thie­le), über 2x12, 4x10 bis hin zu vier ver­schie­de­nen 4x12er-si­mu­la­tio­nen. Der Sound chan­giert hier zwi­schen Vin­ta­ge und Mo­dern. Die Bo­xen­si­mu­la­ti­on liegt im­mer am Kopf­hö­rer/li­ne-aus­gang und der Red BOX/DI an. Für den Spea­ker Out kann man wäh­len, ob ei­ne Full-ran­ge (FRFR) Box an­ge­schlos­sen ist – dann wird die Si­mu­la­ti­on mit aus­ge­ge­ben – oder ob es sich um ei­ne nor­ma­le Gi­tar­ren­box han­delt. In dem Fall wird na­tür­lich auf die­sem Aus

Sag gang kei­ne Box si­mu­liert. Man kann nun al­so gleich­zei­tig ein „Sag“ist ein Zau­ber­wort der Röh­ren­tech­no­lo­gie, und es ran­ken sich je­de Men­ge My­then dar­um. per Bo­xen­si­mu­la­ti­on auf­be­reiDa­bei be­schreibt es ei­gent­lich nichts an­de­res als das Zu­sam­men­wir­ken von Ver­stär­ker-vor­stu­fe, te­tes Si­gnal zum Misch­pult leiEnd­stu­fe, Netz­teil und Laut­spre­cher. Wird der Amp an sei­ner Leis­tungs­gren­ze be­trie­ben, geht die ten und li­ve über sein ge­wohnBe­triebs­span­nung in die Knie, die Röh­ren ver­hal­ten sich an­ders und es ent­steht der po­si­ti­ve Ef­fekt tes Cab spie­len. Ei­ne gut durch­ei­ner Kom­pres­si­on. Der Ton wird be­grenzt, zu­sam­men­ge­presst, wird wei­cher und baut sich dann dach­te Lö­sung. Und wenn kei­ne im Ab­klin­gen wie­der auf. Gi­tar­ris­ten lie­ben das, weil man das Ge­fühlt be­kommt, der Ver­stär­ker Gi­tar­ren-box zur Hand ist, kann at­met und man spielt mit ihm, manch­mal ein­fach nur mit der Här­te des An­schlag. Man spürt es man ei­ne Mo­ni­tor-box, ei­ne mehr, als dass der Zu­hö­rer es hört. Aber je­der, der mal Ga­ry Moo­re ge­hört hat, kennt das Phä­no­men Key-bo­ard-box o.ä. neh­men, bei ihm: Oft schlägt er, be­vor er ein ei­ne ge­eig­ne­te Red-box-ein­stelLick be­ginnt, kurz die Bass­sai­ten an, lung wäh­len, und schon tönt es der Amp macht qua­si zu, und der auf der Büh­ne wie ge­wohnt. ers­te Le­ad­t­on er­tönt kom­pri­miert Fall­bei­spiel: Der Amp geht per und macht dann wie­der auf. DI auf die P.A., die Band spielt Hug­hes & Kett­ner kann mit dem mit In-ear. Dann braucht man neu­en bio­ni­schen To­ne Ge­ne­ra­tor kei­ne Box. Aus ir­gend­ei­nem die­se In­ter­ak­ti­on er­zeu­gen und Grund ist In-ear nicht mach­bar, macht das in 8 Stu­fen ein­stell­bar dann greift man sich ei­ne Mo­ni­über den Sag­ging-reg­ler. Mach­bar tor­box und schon ist das Proist dies, weil das „Herz“des Amps blem ge­löst. jed­we­de In­ter­ak­ti­on zwi­schen den Ne­ben dem Spea­ker Out­put ein­zel­nen Ver­stär­ker­grup­pen mög­lich macht und da­her die­se Sag­ging fein­füh­lig ab­ge­stimmt hat. fällt noch ein Schie­be­reg­ler auf, Und – man kann es auch ab­schal­ten, denn es ist tat­säch­lich auch nicht im­mer ge­fragt. n wel­cher es er­laubt, die Leis­tung Die­ter Roes­berg

schwar­zer sound

Schon der Clean-ka­nal weiß zu ge­fal­len. Er nä­hert sich in an­ge­neh­mer Wei­se dem Fen­der-sound, oh­ne die­sen zu ko­pie­ren. Hier wird ad­äquat um­ge­setzt, was aus der Gi­tar­re kommt. Bei der Mit­tel­stel­lung mei­ner Pick­ups er­gibt sich ein prä­gnan­ter Funk-sound, der im­mer klar und durch­set­zungs­fä­hig bleibt. Wäh­le ich den Hal­sPick­up, so wird al­les voll und warm, ich kann wun­der­bar Ak­kor­de spie­len und mich im Sound suh­len. Hier kommt auch der in­te­grier­te Hall zum Tra­gen: Zwar bie­tet Hug­hes & Kett­ner hier kei­ne ver- schie­de­nen Al­go­rith­men, aber ins­be­son­de­re zum Clean-ka­nal passt der vor­ein­ge­stell­te Fe­der­hall ide­al. Auch die Tat­sa­che, dass es nur ei­nen Reg­ler gibt und man so die Laut­stär­ke und Ab­kling­zeit des Halls im­mer ge­mein­sam re­gelt, ist nicht wei­ter schlimm – hier ha­ben die In­ge­nieu­re gu­te Ab­stim­mungs­ar­beit ge­leis­tet. Der Hall kommt da­bei klang­lich zwar nicht an die de­di­zier­ten Pe­da­le/ef­fek­te her­an, aber die kos­ten dann ja auch fast schon halb so viel wie der ge­sam­te Black Spi­rit. Und für „nur mal eben Hall“ist das hier ge­bo­te­ne wirk­lich spit­ze. Durch die Boost-funk­ti­on lan­den wir schon im Clean-ka­nal in gut ge­sät­tig­ten Gain-ge­fil­den. Da­bei bleibt der Klang stets or­ga­nisch und rund. Wech­seln wir nun in den Crunch-ka­nal, so schließt die Zer­re naht­los da an, wo sie im Clean auf-

Blind­test

Ei­ne Wo­che vor dem Gui­tar Sum­mit be­such­te ich Hug­hes & Kett­ner in Sankt Wen­del. Dort hat­te ich die Mög­lich­keit, den neu­en Black Spi­rit zu hö­ren und sel­ber zu spie­len – mit ei­ner mei­ner ei­ge­nen Lieb­lings­gi­tar­ren. Al­ler­dings un­ter be­son­de­ren Be­din­gun­gen, denn man sag­te mir be­wusst nicht, wel­che Tech­no­lo­gie zum Ein­satz kam. Ein Blind­test al­so. Das Er­geb­nis war er­staun­lich. Der Hör­ein­druck war der ei­nes Röh­renamps mit mehr Mög­lich­kei­ten. Aber der Spielein­druck war noch in­ten­si­ver: Mit auf­ge­dreh­tem Sag­ging Reg­ler at­me­te der Amp, er fühl­te sich an wie ein Tu­be Amp, der in die Knie geht mit al­len po­si­ti­ven Ei­gen­schaf­ten, und ich konn­te das mit mei­nem An­schlag be­ein­flus­sen. In­ter­ak­ti­on pur. Da­zu kam die Mög­lich­keit, die Laut­stär­ke je nach Be­darf zu re­geln, wo­bei nach oben kei­ne Gren­ze zu sein schien. Um­so grö­ßer die Über­ra­schung, als ich dann die In­fos zur Tech­no­lo­gie be­kam. Bernd Schnei­der, der seit 30 Jah­ren für die tech­ni­sche Ent­wick­lung zu­stän­dig ist, hat hier gan­ze Ar­beit ge­leis­tet und die Er­fah­run­gen, die er im Lau­fe der Zeit mit Röh­ren und an­de­ren Tech­no­lo­gi­en ge­sam­melt hat – auch bei der Ent­wick­lung des Mo­de­ling Amps Zen­te­ra – ein­flie­ßen las­sen. Und auch für ihn geht da­mit ein Traum in Er­fül­lung, denn die neue Tech­no­lo­gie ist ein gro­ßer Schritt in die Zu­kunft. n Die­ter Roes­berg

re­sü­mee

Hug­hes & Kett­ner hat es wie­der ge­schafft: Ein klei­ner, leich­ter Amp, der schon ganz viel von Haus aus ab­deckt und durch ei­ne FX Loop, App und MI­DI sinn­voll er­wei­tert und ge­steu­ert wer­den kann. Der Klang ist rich­tig gut und viel­sei­tig ge­nug, um die al­ler­meis­ten Be­lan­ge ab­zu­de­cken. Re­verb und De­lay sind ge­schmack­voll ab­stimm- und ein­setz­bar, le­dig­lich die vier Mo­du­la­ti­ons­ef­fek­te, die sich ei­nen Reg­ler tei­len müs­sen, dürf­ten eher ei­nen ers­ten Ein­druck ge­ben, wie es mit ei­nem „rich­ti­gen“Ef­fekt klin­gen könn­te. Die ma­xi­ma­le Leis­tung von 200 Watt kommt vor al­lem bei Clean- und Ul­tra-sounds zum Tra­gen, wäh­rend bei den Crunch- und Le­ad-sounds die Sag­ging-re­ge­lung un­ge­heu­re Diens­te leis­ten kann – wenn man es möch­te. Durch das Ge­wicht, die Ab­mes­sun­gen und die op­tio­na­le Tra­ge­ta­sche prä­sen­tiert sich der Black Spi­rit 200 als op­ti­ma­ler Pend­ler-amp. Und durch die viel­fäl­ti­gen An­schluss- und An­pas­sungs­mög­lich­kei­ten an Gi­tar­ren­cabs, Full­ran­ge-bo­xen, Misch­pul­te und Kopf­hö­rer kann man auch so ziem­lich al­le Jobs da­mit er­le­di­gen. Ei­ne tol­le Sound­ma­schi­ne der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on. n

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