VOLL DIE RÖH­RE

Moo­er Tu­be En­gi­ne Das The­ma Pe­dal­board hat sich weit ent­wi­ckelt. Weil es seit ei­ni­ger Zeit auch spe­zi­el­le Preamps da­für gibt, kann man sie als in sich ge­schlos­se­nes Sound- Sys­tem auf­bau­en. Dem dann zum Be­feu­ern von Laut­spre­chern nur noch ei­nes fehlt: die

Gitarre & Bass - - News - TEXT Ebo Wa­gner FO­TOS Die­ter Stork

Es hat sei­nen gu­ten Grund, war­um ge­ra­de Moo­er so ei­ne End­stu­fe her­aus­ge­bracht hat. Der chi­ne­si­sche Her­stel­ler hat ei­ne Pro­dukt­se­rie auf den Weg ge­bracht, die laut Ma­nu­al ge­nau so et­was wie die Tu­be En­gi­ne braucht: die Mi­cro Preamps. To­tal kom­pak­te zwei­ka­na­li­ge Mo­de­lin­gVor­ver­stär­ker, die sich im Sound an ana­lo­gen Bou­tique-amps und Klas­si­kern ori­en­tie­ren. Wir ha­ben ge­ra­de erst wie­der in ei­nem Test von ih­nen be­rich­tet. Die Se­rie um­fasst in­zwi­schen be­reits 18 Mo­del­le. Und es wer­den ste­tig mehr.

be­währ­tes

Moo­er macht bei der End­stu­fe kei­ne Ex­pe­ri­men­te. Kei­ne Be­son­der­hei­ten, das tech­ni­sche De­sign stützt sich auf ei­ne alt­be­kann­te Schal­tung. Zwei EL84 im Clas­sAb-be­trieb mit Ka­tho­den­bi­as, woran denkt man bei der Spe­zi­fi­zie­rung so­fort? Mar­shall 2061, na klar. Von da­her kä­me die Tu­be En­gi­ne mit drei Röh­ren aus, denn es braucht ja nur noch ei­ne Dop­pel­t­ri­ode als Pha­sen­trei­ber, fer­tig. Oder nicht? Nein, um die zwei Volt Ein­gangs­span­nung, als Richt­wert, wä­ren dann für Voll­aus­steue­rung ge­for­dert. Was weit über dem 0db-stan­dard liegt. Man muss al­so im Ein­gang so ei­ner End­stu­fe für zu­sätz­li­che Ver­stär­kung sor­gen, wes­we­gen Moo­er ei­ne zwei­te Dop­pel­t­ri­ode vor­ge­se­hen hat. Und da­mit sie wirk­lich uni­ver­sell funk­tio­niert, ist ein Schal­ter vor­han­den, mit dem man die Ein­gangs­im­pe­danz än­dern kann: HI/1 Mohm, Low/220 kohm. Ide­al. Ge­rä­te­ty­pisch be­schrän­ken sich die Be­die­nungs­mög­lich­kei­ten auf ein Mi­ni- mum. Vor­ne Mas­ter als Laut­stär­ke­reg­ler, ein Pre­sence-po­ti, die Schal­ter Po­wer und Stand­by, hin­ten drei Spea­ker Outs (2x 8 Ohm, 1x 16 Ohm). Vor dem Hö­ren kommt die Be­gut­ach­tung der Sub­stanz. Die Elek­tro­nik ist in ei­nem schlicht kon­stru­ier­ten, da­bei aber hoch­sta­bi­len Stahl­blech­ge­häu­se mit ver­git­ter­ten Lüf­tungs­schlit­zen un­ter­ge­bracht. Un­ten sind gro­ße Gum­mi­fü­ße be­fes­tigt, an der Sei­te ein Tra­ge­griff. Op­tio­nal kann das klei­ne Pa­ket in ei­nem 19“-Rack/-ca­se mon­tiert wer­den. Die da­für be­nö­tig­ten Mon­ta­ge­ble­che trägt die Tu­be En­gi­ne am Kör­per. Wie prak­tisch, die sind mit je drei Schrau­ben an den Sei­ten­wän­den des Ge­häu­ses an­ge­schraubt. Mit der Ver­ar­bei­tung im In­ne­ren kann man hoch­zu­frie­den sein. So­li­de Pla­ti­nen, hoch­wer­ti­ge Steck­kon­tak­te und Bau­tei­le (u. a. Kop­pel­kon­den­sa­to­ren von Wima, Typ MKS4), die Röh­ren­fas­sun­gen me­cha­nisch sta­bi­li­siert durch ein Stütz­blech, ein Me­tall­kas­ten zur Ab­schir­mung der In­pu­tSek­ti­on, mehr kann man wirk­lich nicht ver­lan­gen in die­ser Preis­klas­se.

laut? schön laut?

Wenn sich die Elek­tro­nen vom Ton­ab­neh­mer aus auf die Rei­se zum Laut­spre­cher be­ge­ben, pas­sie­ren sie vie­le er­leb­nis­rei­che Sta­tio­nen. Da wer­den sie von Dis­tor­ti­on-pe­da­len fast recht­eckig ge­macht, von Mo­du­la­ti­ons­ef­fek­ten auf Ach­ter­bah­nen ge­schickt, am En­de von glor­rei­chem Hall ein­ge­ne­belt, ver­stärkt, aus­ge­dünnt, durch klei­ne oder gro­ße Kon­den­sa­to­ren ge­schickt, die zu­wei­len nicht zim­per­lich mit Ih­nen um­ge­hen, nein, auch wenn man möch­te, dass sie Ih­ren Cha­rak­ter be­wah­ren, sie sind nicht mehr die­sel­ben, wenn sie an der End­stu­fe an­kom­men. Ob im po­si­ti­ven oder ne­ga­ti­ven Sin­ne ent­schei­det sich mit der Qua­li­tät des ver­wen­de­ten Equip­ments. Tja, und selbst an der letz­ten Sta­ti­on der Si­gnal­be­ar­bei­tung hat die noch er­heb­li­che Re­le­vanz, wie man­cher schon er­lebt ha­ben wird. Die End­stu­fe ist kei­ne neu­tra­le In­sti­tu­ti­on, was/wel­che man ver­wen­det, ist nicht be­lie­big. An­ders als bei P. A.- und Stu­di­oEnd­stu­fen, die mög­lichst li­ne­ar ar­bei­ten sol­len, er­war­tet man von ei­ner Gi­tar­ren­end­stu­fe, dass sie „Sound“macht. Ein In­diz für die ge­wünsch­te non­linea­re Na­tur ist der Pre­sence-reg­ler, der in der Re­gel in der La­ge ist mas­siv auf das Hö­hen­spek­trum des Si­gnals Ein­fluss zu neh­men. Ge­wünscht ist grund­sätz­lich ein vo­lu­mi­nö­ses Klang­bild, frisch in den Hö­hen, luf­tig, un­auf­dring­lich, so­wie Trans­pa­renz im ge­sam­ten Spek­trum. Und ein ge­sun­des Bass-fun­da­ment, eher kräf­ti­ger als de­zent. Um z. B. auf­zu­fan­gen, was kom­pak­te Spea­ker-cabs al­lein von sich aus nicht leis­ten kön­nen. Oder da­mit dem vor­ge­beugt ist, dass die vor­an­ge­gan­ge­ne Si­gnal­ket­te even­tu­ell eher ma­ger als fett im Ton en­det. Ge­ra­de Mo­de­ling-ge­rä­te ha­ben ja oft recht en­ge Gren­zen was die Bass­re­ser­ven an­geht (was auf die Mi­cro Preamps von Moo­er er­freu­li­cher­wei­se de­fi­ni­tiv nicht zu­trifft). Den ge­nann­ten An­for­de­run­gen wird die Tu­be En­gi­ne ziem­lich kul­ti­viert ge­recht. Das Klang­bild der End­stu­fe ist sehr kraft­voll und in den et­was küh­len Hö­hen we­der über­zeich­net noch hart. Sie

re­agiert stramm und dy­na­misch auf die Spiel­wei­se (Gi­tar­re di­rekt ein­plug­gen im High-mo­dus) und er­zeugt ein er­freu­lich plas­ti­sches Hör­er­leb­nis. Die Ein­gangs­stu­fe ist in­des be­tont über­steue­rungs­fest aus­ge­legt. Es braucht ho­he Pe­gel um die Tu­be En­gi­ne in die Sät­ti­gung zu be­we­gen; sie hat viel He­adroom. Zwingt man die Wie­der­ga­be trotz­dem in die Sät­ti­gung, tut sie das grob­kör­nig-ker­nig, ziem­lich har­mo­nisch und sen­si­bel. Klang­lich ist die klei­ne End­stu­fe al­so ganz schön groß. Nur in Sa­chen ef­fek­ti­ver Po­wer darf man nicht zu viel er­war­ten. Mit 18 Watt kann man kei­ne gro­ßen Bäu­me aus­rei­ßen. Rich­tig laut wird es da nicht, erst recht wenn man zu­fäl­lig ein 1x12-cab o. ä. mit de­fen­si­ver Schall­druck­leis­tung in Ge­brauch hat. Noch ein Hin­weis in Sa­chen all­ge­mei­ner Kom­pa­ti­bi­li­tät. Grund­sätz­lich pro­du­ziert die Tu­be En­gi­ne ein Klang­bild, das den uni­ver­sel­len Ein­satz der End­stu­fe in vie­len Ge­rä­te­kon­stel­la­tio­nen prak­ti­ka­bel macht. Den­noch kön­nen Si­tua­tio­nen ein­tre­ten, in de­nen die Klan­g­er­geb­nis­se nicht zu­frie­den­stel­len. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn man die Tu­be En­gi­ne – bzw. ganz all­ge­mein E-gi­tar­ren­end­stu­fen – über den Fx-send mit dem Vor­stu­fen­si­gnal von (Röh­ren-) Amps be­schickt. Man­che Her­stel­ler be­vor­zu­gen im Preamp ei­nen schlan­ken Ton, der erst in der Po­wer­amp-sek­ti­on des Topteils zu vol­ler Fül­le auf­ge­bla­sen wird. In sol­chen Fäl­len kann das Sound-er­geb­nis ma­ger wir­ken. Dar­an ist dann aber nicht die Tu­be En­gi­ne schuld, son­dern schlicht die un­güns­ti­ge Kon­stel­la­ti­on. Ab­hil­fe kann in sol­chen Fäl­len ein Gra­phic-eq schaf­fen.

al­ter­na­ti­ven

Ein mit der Tu­be En­gi­ne ver­gleich­ba­res Pro­dukt ist der­zeit nicht auf dem Markt. Erst wenn man er­heb­lich mehr Geld in­ves­tiert, kom­men über­haupt an­de­re Röh­ren­end­stu­fen in Sicht (die aber meist ste­reo aus­ge­legt sind). Rein funk­tio­nal ist le­dig­lich die Halb­lei­te­r­end­stu­fe Main­li­ne von Rock­tron (mo­no max. 300 Watt an 8 Ohm) ei­ne mög­li­che Al­ter­na­ti­ve. Die kos­tet al­ler­dings € 300 mehr. Schwups, da­mit ist sie ei­gent­lich gleich wie­der raus aus dem Ren­nen, oder?!

re­sü­mee

Die Tu­be En­gi­ne dürf­te für vie­le Gi­tar­ris­ten die er­sehn­te Lö­sung sein. Ge­pfleg­te Röh­ren­ver­stär­kung in ei­nem glei­cher­ma­ßen kom­pak­ten wie leicht­ge­wich­ti­gen For­mat, ei­ne idea­le Er­gän­zung zum Pe­dal­board. Grund­sätz­lich ist die Tu­be En­gi­ne al­ler­dings uni­ver­sell ein­setz­bar – bis da­hin, dass man mit der Gi­tar­re di­rekt hin­ein­ge­hen kann. Die Qua­li­tät der Si­gnal­be­ar­bei­tung be­wegt sich auf ei­nem hö­he­ren Ni­veau als der Preis sug­ge­riert. Sub­stanz und Ver­ar­bei­tung punk­ten eben­falls voll im Plus. Schö­nen Dank üb­ri­gens für die deutsch­spra­chi­ge Be­die­nungs­an­lei­tung. Es bleibt ein Fa­zit oh­ne Zwei­fel und Ein­schrän­kun­gen: Die Tu­be En­gi­ne ist je­den Cent ih­res Prei­ses wert. n

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.