GE­KONNT TIE­FER­GE­LEGT

Ze­al Hy­dra Lo­wri­der 5-String Zwar ist der Kai­sers­lau­ter­ner Gi­tar­ren­her­stel­ler Ze­al ein Cust­om Shop mit frei­er Wahl al­ler Spe­zi­fi­ka­tio­nen, doch hat sich im Lau­fe der Zeit auch ei­ne kla­re Vor­stel­lung ent­wi­ckelt, wie ein amt­li­ches Bas­smo­dell aus­se­hen soll. D

Gitarre & Bass - - News - TEXT Dirk Groll FO­TOS Die­ter Stork

Zu­ge­ge­ben, hier sind be­reits ei­ni­ge op­tio­na­le Ex­tras ent­hal­ten, wie das lan­ge ab­ge­la­ger­te Kor­pus­holz mit der auf­fäl­li­gen Ma­ser­pap­pel­de­cke und das ein­ge­fass­te Griff­brett aus Fi­gu­red Map­le. Wer sei­nen Lo­wri­der al­so schlich­ter mag, kommt auch preis­lich güns­ti­ger weg. Zugleich ist der auf­ge­motz­te Hy­dra-bass aber ein gu­tes Bei­spiel da­für, was die Kai­sers­lau­ter­ner hand­werk­lich drauf ha­ben.

kei­ne angst vor auf­wen­di­gen lö­sun­gen

Aus­ge­sucht gleich­mä­ßig ge­wach­se­ner Rock Map­le aus Ka­na­da wird für den Hals ver­wen­det, mit fei­nen Wal­nut-trenn­fur­nie­ren zwi­schen den drei Ahorn­strei­fen. Spek­ta­ku­lä­res Ex­tra ist hier das grau ein­ge­färb­te Griff­brett aus ge­wölkt/ge­rie­gel­tem Ahorn, rund­um mit Eben­holz ein­ge­fasst. 24 fet­te Jum­bo­b­ün­de sit­zen dar­in, na­tür­lich ver­deckt das Echt­holz-bin­ding die Bund­schlit­ze und ragt in der 12. und 24. La­ge halb­brund ins Ahorn hin­ein, um die Ok­ta­ven zu mar­kie­ren. Schö­ne Ar­beit! Auch auf der sanft ab­ge­win­kel­ten Kopf­plat­te fin­det sich ein ele­gant ge­form­ter Auf­lei­mer aus Eben­holz, in den die höl­zer­ne Ab­de­ckung für den Spann­st­ab­zu­gang hin­ein­ragt; Sch­räub­chen sieht man kei­ne, denn der De­ckel wird mit Ma­gne­ten ge­hal­ten. Sehr ver­trau­en­er­we­ckend auch die sechs­fa­che Schraub­ver­bin­dung, die bis zum Hals-pick­up in den Kor­pus hin­ein­ragt. In den Hals ein­ge­las­se­ne Ge­win­de­muf­fen er­lau­ben es, die ver­wen­de­ten M6-edel­stahl­schrau­ben kräf­tig an­zu­zie­hen und ho­hen An­press­druck auf die gro­ße Kon­takt­flä­che zu ge­ben. Aus zwei Stü­cken ist die Kor­pus­ba­sis aus acht­jäh­rig luft­ge­trock­ne­tem Sa­lo­mon Pa­douk ge­baut, die et­wa 6 mm star­ke Ma­ser­pap­pel­de­cke ist mit ei­ner kon­tras­tie­ren­den Fur­nier-zwi­schen­la­ge auf­ge­leimt. Auch das bis zum Pick­up hin­ein­ra­gen­de End­stück des Hal­ses wur­de mit der Ma­ser­pap­pel ver­klei­det, um das har­mo­ni­sche Er­schei­nungs­bild zu ver­voll­stän­di­gen. Wäh­rend der Bo­dy mit of­fen­po­ri­gem

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Po­ly­ure­than-hart­lack ver­sie­gelt ist, wur­de die eben­falls sei­den­mat­te Hal­sLa­ckie­rung mit Ni­tro­lack aus­ge­führt; die ak­ku­ra­te Ver­ar­bei­tung der auf­wen­di­gen Holz­kon­struk­ti­on ist bis ins De­tail per­fekt! Um mög­lichst viel Holz in den Sai­ten­ton zu be­kom­men, wur­de kein schwe­rer Mas­se­steg ver­wen­det, son­dern Steg und Sai­ten­hal­ter ge­trennt, wo­bei die Bal­lends se­pa­rat von Me­tall-posts ge­hal­ten wer­den, die ins Kor­pus­holz ein­ge­las­sen sind. Der schma­le ETS-STEG bie­tet auf­grund der mit Klemm­schrau­ben fest­ge­setz­ten Ein­zel­tei­le die not­wen­di­ge Sta­bi­li­tät und er­laubt drei­di­men­sio­na­le Jus­tier­bar­keit für je­de Sai­te. Die ge­kap­sel­ten Prä­zi­si­ons­tu­ner, bei de­nen die Sai­ten durch die Wi­ckel­ach­se ge­führt wer­den kön­nen, um hin­ten ab­ge­knipst zu wer­den, stam­men von Du­e­sen­berg. Ob­wohl der Lo­wri­der „nur“ei­ne ak­ti­ve Zwei­band­klan­g­re­ge­lung mit ge­stack­ten Knöp­fen für Bäs­se und Hö­hen be­sitzt, ist er elek­trisch auf ho­he Klang­fle­xi­bi­li­tät aus­ge­rich­tet. Da­für sor­gen zwei Kipp­schal­ter, die für die bei­den De­la­no-hum­bu­cker je­weils drei Grund-sounds ab­ru­fen las­sen: Se­ri­ell, Par­al­lel und Sing­le­coil. Die Pick­up-mi­schung ge­schieht per Über­blen­der, der Mas­ter-vo­lu­me-knopf lässt sich her­aus­zie­hen, um in den Pas­si­vMo­dus zu ge­lan­gen. Die Bat­te­rie für die Ak­tiv­schal­tung sitzt in ei­nem Klapp­fach auf der Kor­pus­rück­sei­te und hält dank des ge­rin­gen Strom­hun­gers der Nol­lElek­tro­nik mehr als 1000 Spiel­stun­den lang.

fle­xi­ble of­fen­si­ve

Am Gurt hängt der 4,3-Ki­lo-fi­vestring in an­ge­nehm aus­ta­rier­ter Spiel­hal­tung, auf dem brei­ten Griff­brett kom­men sich die Fin­ger auch bei kom­pli­zier­ten Ab­läu­fen nicht in der Que­re. Da­bei bie­tet der Lo­wri­der mit sei­nem fla­chen, aber nicht zu dür­ren Hals­pro­fil ei­nen gu­ten Kom­pro­miss zwi­schen Spiel­kom­fort und So­li­di­tät zum Aus­to­ben, was auch für die auf 18 mm jus­tier­ten Sai­ten­ab­stän­de am Steg gilt. Klang­lich glänzt die ex­tra­so­li­de aus­ge­führ­te Schraub­hals-kon­struk­ti­on durch kern­ge­sun­de Sustain-ent­wick­lung mit per­li­ger Bril­lanz; ge­gen­über ei­nem durch­ge­hen­den Hals ist hier aber auch der kna­cki­ge Attack stark. Die­se Of­fen­si­vKom­po­nen­te wird zu­dem durch die De­la­no-hum­bu­cker un­ter­stützt, de­ren Fer­rit­ma­gne­te kla­re Kan­te zei­gen und die Ton­ar­ti­ku­la­ti­on ge­schärft dar­stel­len. Kraft­voll und zugleich straff bil­den sie den Sai­ten­ton ab, da­bei ist stets ein prä­zi­ser Hö­henklick im Spiel, der die Ton­kon­tu­ren scharf um­reißt. Als „gol­dene Mit­te“dürf­te hier die Par­al­lel­schal­tung der Pick­up-spu­len gel­ten, wo auf Ba­sis von ker­ni­gem Growl al­le Klang­be­rei­che har­mo­nisch und deut­lich aus­ge­leuch­tet wer­den – wer ein dich­te­res Pfund möch­te, be­kommt es im se­ri­el­len Mo­dus mit saf­ti­ge­rer Tie­fen­be­to­nung ge­bo­ten, oh­ne dass da­bei der Draht auf der Stre­cke bleibt. In der Sing­le­coil- Ein­stel­lung wird schließ­lich bei bei­den Pick­ups die ste­gnä­he­re Spu­le be­nutzt, was zu­sam­men mit dem of­fe­ne­ren Ein­s­pu­lOber­ton­s­pek­trum den ag­gres­sivs­ten Biss lie­fert – auch mit dem Plek­trum ei­ne star­ke Ein­stel­lung! Von der ak­ti­ven Klan­g­re­ge­lung wer­den mus­ku­lö­se Bäs­se und die ho­hen, silb­ri­gen Bril­lan­zen aufs Korn ge­nom­men, ei­nen zu­sätz­li­chen Mit­ten­reg­ler ver­misst man bei die­sem tigh­ten Of­fen­siv­bass nicht.

re­sü­mee

Der Lo­wri­der zeigt mit Bra­vour, dass die Gi­tar­ren­bau­er von Ze­al auch die Be­dürf­nis­se an­spruchs­vol­ler Bas­sis­ten klar im Blick ha­ben. Denn das Hy­dra-bas­smo­dell ist nicht nur sicht­bar edel und durch­dacht ge­baut, son­dern auch er­go­no­misch ein Brin­ger. Klang­lich zeigt sich der Fi­vestring rund­um fle­xi­bel mit pa­cken­der Of­fen­siv­no­te, ist al­so ein uni­ver­sell ein­setz­ba­res In­stru­ment für Bas­sis­ten, die nicht un­be­dingt nur im Hin­ter­grund agie­ren wol­len. n

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