GESPRENGTES FOR­MAT Or­te­ga KT Wal­ker V2

Klein und hand­lich, akus­tisch und elek­trisch: Ken Tay­lors V2Ver­si­on vom D- Wal­ker ist das rich­ti­ge Stra­ßen­ge­rät, um in je­der Si­tua­ti­on die Bass­fin­ger zu trai­nie­ren. Und er­staun­lich viel mehr.

Gitarre & Bass - - News - TEXT Dirk Groll FO­TOS Die­ter Stork

Gro­ße Bäs­se ha­ben ih­re Stär­ken, klei­ne aber auch. Denn Letz­te­re kann man über­all­hin be­quem als Hand­ge­päck mit­neh­men, um zwi­schen­durch in die Sai­ten zu grei­fen. Da­bei ist Or­te­gas Kleina­kus­tik­bass mehr als nur Spiel­zeug und durch­aus ernst zu neh­men. Op­tisch ist die V2-ver­si­on auf Stra­ße ge­trimmt, doch das scheint all­zu be­schei­den.

shab­by chic

Auf Dings und Dongs, die sich bei ei­nem häu­fig ge­spiel­ten In­stru­ment „on the road“zwangs­läu­fig er­ge­ben, braucht man beim KT Wal­ker V2 we­gen der be­reits ab Werk ab­ge­schrab­belt wir­ken­den La­ckie­rung we­ni­ger zu ach­ten. Zwar han­delt es sich beim Ageing nur um ei­ne farb­li­che Gestal­tung oh­ne ech­te Ma­cken, aber sol­che fal­len halt we­ni­ger auf und könn­ten so­gar char­mant den Ge­brauch­tLook kom­plet­tie­ren. Wo beim Nor­mal-wal­ker Aga­this für die De­cke ver­wen­det wird, bie­tet das KenTay­lor-mo­dell mas­si­ve Fich­te, in­tern wirk­sam durch ei­ne Kreuz­ver­bal­kung sta­bi­li­siert. Die V2-de­cke ver­zich­tet auf ed­le Ein­fas­sun­gen und gibt sich im Shab­by Chic bäu­er­lich ein­fach. Für die Zar­gen­und Bo­den­tei­le kommt al­ler­dings at­trak­tiv ge­rie­gel­tes Ma­ha­go­ni-schicht­holz zum Ein­satz; der Bo­den ist mit drei Qu­er­bal­ken ab­ge­stützt. Beim ein­strei­fi­gen Ma­ha­go­ni­hals ist die Ein­stell­mut­ter des Spann­stabs vom Schall­loch aus er­reich­bar und ge­stat­tet das Jus­tie­ren der Hals­krüm­mung in bei­de Rich­tun­gen. Als Griff­brett­ma­te­ri­al gibt der Her­stel­ler Pau Fer­ro an (es sieht al­ler­dings mehr nach dunk­ler ge­beiz­tem Ma­ha­go­ni aus), die wich­tigs­ten La­gen sind von vor­ne durch rö­mi­sche Zif­fern mar­kiert, in der Flan­ke zu­sätz­lich mit Punk­ten. No­bles De­tail ist die Griff­brett­ein­fas­sung aus Ma­ha­go­ni, mit der die Bund­schlit­ze ver­deckt wer­den. Die halb­of­fe­nen Tu­ner sind ta­del­los ar­bei­ten­de Hip­shot-ko­pi­en, die Gurthal­ter Schal­ler Se­cu­ri­ty Locks. Im mit­ge­lie­fer­ten Gig­bag (hoch­wer­tig) fand sich al­ler­dings nur ein Ge­gen­stück, da­für ist ein ein­fa­cher Gurt da­bei. Der auf­ge­leim­te Steg be­steht aus Eben­holz, gro­ße Plas­tik­pins hal­ten die En­den der Ny­lon­co­re-sai­ten dort si­cher fest. Un­ter der Ste­gein­la­ge sorgt ei­ne Pie­zo­schlan­ge von Fish­man für die Ton­ab­nah­me, der da­zu­ge­hö­ri­ge Pre­sys+ Preamp bie­tet au­ßer dem Laut­stär­ke­stel­ler und ei­nem ak­ti­ven Drei­band-eq zu­sätz­li­che Reg­ler für Bril­li­an­ce und ein en­ges Notch-fil­ter zum Be­kämp­fen von Rück­kopp­lun­gen. Per Schalt­tas­te lässt sich die Pha­sen­la­ge dre­hen, ein zwei­ter Schal­ter ak­ti­viert das au­to­ch­ro­ma­ti­sche Stimm­ge­rät und gleich­zei­tig die Aus­gän­ge stumm. Es ste­hen nor­ma­le Klin­ke und ein Xlr-aus­gang be­reit, um das In­stru­ment so­wohl über ei­ne Bas­s­an­la­ge, als auch di­rekt in den Mi­xer zu spie­len.

wun­der­vo­lu­men [6767]

Na­tür­lich fällt das Spiel auf der Ul­tra­kurz­men­sur kin­der­leicht, man muss sich für die per­fek­te Ar­ti­ku­la­ti­on schon eher zu­rück­neh­men und sau­ber tref­fen, zu­mal sich die Sai­ten et­was nach­gie­bi­ger als sonst an­füh­len. Es fällt schon akus­tisch auf, wie ge­schmei­dig und rund der klei­ne Wan­der­bass klingt. Wet­ten, dass die Sil­ber­draht-um­wi­ckel­ten Round­wounds ei­nen Ny­lon­kern be­sit­zen? Schließ­lich ver­rät sie das wil­li­ge Rol­len un­ter den Fin­gern – und na­tür­lich die ab­so­lut er­staun­li­che Elek­tro-wie­der­ga­be über den Pie­zo. Was rein akus­tisch schon die Freu­de am Spie­len weckt, ge­rät elek­trisch zu gran­dio­ser Grö­ße; nicht oh­ne Grund prä­gen hoch­ent­wi­ckel­te Ny­lon­co­re-sai­ten den heu­ti­gen Sound auch bei den teu­ers­ten Akus­tik­bäs­sen. Und da­von pro­fi­tiert auch ein Zwerg­bass, wenn nicht so­gar stär­ker. Denn ein­deu­tig stark ist, was aus den Laut­spre­chern kommt, fi­li­gran und de­tail­fein, aber vor al­lem groß! Bei leich­ter Bass­zu­ga­be kann der Wal­ker lo­cker mit dem Vo­lu­men ei­nes Kon­tra­bas­ses mit­hal­ten und auch den opu­len­tes­ten Ban­dSound tra­gen. Da­bei ist viel Akus­tik im Elek­tro­klang, an­ge­rei­chert mit dem ty­pi­schen Klick ei­ner Pie­zo-ein­la­ge, des­sen Di­rekt­heit sich am Bril­li­an­ce- Reg­ler de­zent ab­mil­dern lässt. Kon­tra­bass-ar­ti­ges Bass­vo­lu­men geht mit Akus­tik­bas­sHö­hen­spek­trum ein­her und macht den

KT Wal­ker fle­xi­bel, je nach­dem, was man am wirk­sa­men Drei­band-eq in den Vor­der­grund rückt. Man soll­te es nicht mei­nen, aber mit die­sem hand­li­chen Teil ist man auch für ernst­haf­te Jobs klang­stark ge­rüs­tet! Beim prak­ti­schen Notch-fil­ter fällt po­si­tiv auf, wie we­nig es den Cha­rak­ter be­ein­flusst und um­so ziel­ge­nau­er auf­kom­men­des Rück­kopp­lungs-hu­pen dämpft. Auch der au­to­ch­ro­ma­ti­sche Tu­ner mit dem re­du­zier­ten Dis­play über­zeugt in der Pra­xis durch ein­fa­che Hand­ha­bung.

re­sü­mee

Grö­ßer kann die Dis­kre­panz zwi­schen op­ti­scher Kom­pakt­heit und klang­li­cher Grö­ße kaum aus­fal­len als beim KT Wal­ker, der zum ei­nen ein an­ge­nehm hand­li­ches Rei­seu­ten­sil ist, gleich­zei­tig ein wirk­lich klang­mäch­ti­ger, er­wach­se­ner Bass, fast von Über­grö­ße. Be­reit für akus­ti­sche Fin­ger­übun­gen al­ler­or­ten, vo­lu­mi­nö­ser, de­tail­treu­er Elek­tro- Akus­tik­bas­sSound für Büh­ne und Stu­dio. Ken Tay­lors Wan­der-or­te­ga ist ge­wiss nicht nur als Dritt­bass ei­ne wert­vol­le An­schaf­fung. n

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