Pu­tin macht wei­ter

Bei der Prä­si­den­ten­wahl im März 2018 will der Kreml­chef er­neut kan­di­die­ren. Wel­che Tak­tik steckt da­hin­ter?

Guenzburger Zeitung - - Politik - Tass

Ni­sch­ni Now­go­rod Ei­nen Tag nach dem Aus­schluss der rus­si­schen Sport­füh­rung von den Olym­pi­schen Spie­len in Süd­ko­rea hat Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin sei­ne Kan­di­da­tur für ei­ne vier­te Amts­zeit an­ge­kün­digt. Er wol­le bei der Prä­si­den­ten­wahl im März 2018 an­tre­ten, sag­te Pu­tin am Mitt­woch in der Me­tro­po­le Ni­sch­ni Now­go­rod an der Wol­ga. Er mach­te die von vie­len er­war­te­te An­kün­di­gung bei ei­nem Be­such zum 85-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des in­ter­na­tio­nal be­kann­ten Au­to­kon­zerns GAZ. „Ich hät­te kei­nen bes­se­ren Zeit­punkt da­für fin­den kön­nen“, sag­te der 65-jäh­ri­ge Staats­chef zu den Ar­bei­tern. „Ja, ich wer­de für den Pos­ten des Prä­si­den­ten von Russ­land kan­di­die­ren.“

We­ni­ge St­un­den vor­her hat­te Pu­tin sich bei ei­ner Ju­gend­ver­an­stal­tung noch aus­wei­chend ge­äu­ßert. Er wol­le sei­ne Kan­di­da­tur von der Un­ter­stüt­zung der Öf­fent­lich­keit ab­hän­gig ma­chen, sag­te Pu­tin un­ter Ju­bel­schrei­en des jun­gen Pu­bli­kums. Sei­ne er­neu­te Be­wer­bung für die rus­si­sche Staats­füh­rung galt seit lan­gem als si­cher. Pu­tin war schon von 2000 bis 2008 Prä­si­dent Russ­lands ge­we­sen. Nach ei­ner Wahl­pe­ri­ode als Re­gie­rungs­chef un­ter Prä­si­dent Dmi­tri Med­we­dew ließ er sich 2012 wie­der in das höchs­te Staats­amt wäh­len und tausch­te da­bei mit Med­we­dew den Pos­ten.

Be­ob­ach­ter wer­te­ten das lan­ge Hin­aus­zö­gern der öf­fent­li­chen Be­kannt­ga­be als tak­ti­sches Ma­nö­ver des Kremls. Ei­nen Tag zu­vor hat­te die Ent­schei­dung des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees, die rus­si­schen Teil­neh­mer nicht un­ter ih­rer Na­tio­nal­flag­ge und der rus­si­schen Hym­ne in Pyeong­chang an­tre­ten zu las­sen, viel Ent­täu­schung und Wut aus­ge­löst.

Vie­le Rus­sen ver­mu­ten da­hin­ter ei­ne Ver­schwö­rung des Wes­tens ge­gen Mos­kau. Par­la­ments­chef Wjat­sches­law Wo­lo­din nann­te die Kan­di­da­tur ge­ra­de des­halb ein gu­tes Zei­chen für Russ­land. „Vie­le Bür­ger un­se­res Lan­des wer­den füh­len, dass wir ei­ne Zu­kunft ha­ben“, sag­te er der Agen­tur zu­fol­ge. Die Che­fin des rus­si­schen Ober­hau­ses, Va­len­ti­na Mat­wi­jen­ko, be­zeich­ne­te Pu­tin als „Ga­rant für Sta­bi­li­tät“. Nur er kön­ne die Ge­sell­schaft ei­nen. Ab­seh­ba­re Ge­gen­kan­di­da­ten sind wie bei den vor­he­ri­gen Wah­len der Rechts­po­pu­list Wla­di­mir Schi­ri­now­ski, der Kom­mu­nis­ten­füh­rer Gen­na­di Sju­ga­now und der Li­be­ra­le Gri­go­ri Jaw­lin­ski von der Par­tei Ja­blo­ko. Im Ok­to­ber hat­te auch die re­gie­rungs­kri­ti­sche Jour­na­lis­tin Xe­nia Sobt­schak ih­re Kan­di­da­tur an­ge­kün­digt; sie mach­te am Mitt­woch eben­falls in Ni­sch­ni Now­go­rod Wahl­kampf. Die 36-Jäh­ri­ge be­zeich­ne­te sich als „Kan­di­da­tin ge­gen al­le“. Sobt­schak for­der­te „ei­nen ech­ten po­li­ti­schen Wett­be­werb“. Jun­ge Wäh­ler hät­ten noch nie ein an­de­res Staats­ober­haupt als Pu­tin er­lebt. Sie ma­che sich kei­ne Il­lu­sio­nen, dass er ge­win­nen wer­de.

„Pu­tin wird noch lan­ge an der Macht sein, so­lan­ge sei­ne Ge­sund­heit es zu­lässt“, sag­te Sobt­schak über den 65-Jäh­ri­gen. Pu­tin-Kri­ti­ker ver­mu­ten in ih­rer Be­wer­bung ei­nen Schach­zug der Kreml-Stra­te­gen. Sie sol­le ei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Op­po­si­tio­nel­len Ale­xej Na­wal­ny sein, der we­gen ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe in ei­nem Be­trugs­fall nicht kan­di­die­ren darf. Der Blog­ger schrieb kurz nach der An­kün­di­gung auf Twit­ter: „Pu­tin wird dann 21 Jah­re im Amt sein. Mei­ner Mei­nung nach ist das schon ein biss­chen viel. Das soll­ten wir nicht ak­zep­tie­ren.“Al­le Ge­gen­kan­di­da­ten Pu­tins gel­ten der­zeit als chan­cen­los.

In Um­fra­gen ist Pu­tin mit Ab­stand der be­lieb­tes­te Po­li­ti­ker. Sei­ne Be­liebt­heits­wer­te lie­gen kon­stant über 80 Pro­zent. Laut ei­ner Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Le­wa­da-Zen­trum zeich­net sich al­ler­dings ei­ne ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Wahl­be­tei­li­gung ab. We­ni­ger als 60 Pro­zent der Be­frag­ten ga­ben an, wäh­len ge­hen zu wol­len. Von ih­nen woll­ten 67 Pro­zent Pu­tin ih­re Stim­me ge­ben.

Fo­to: afp

In Russ­land be­lieb­tes Mo­tiv für Künst­ler: Wla­di­mir Pu­tin macht wei­ter.

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