Rach­ma­ni­now, vir­tu­os und ly­risch

Guenzburger Zeitung - - Feuilleton -

Ser­gej Rach­ma­ni­nows 3. Kla­vier­kon­zert ist ein My­thos – welch an­de­rem Gat­tungs­bei­spiel wür­de nach­ge­sagt, es ent­hal­te mehr No­ten als Mo­zarts Kla­vier­kon­zer­te zu­sam­men­ge­nom­men? Das sagt viel dar­über aus, wie die­ses d-Moll-Kon­zert zu­meist ver­stan­den wird – näm­lich als zir­zen­si­sches Tas­ten­spek­ta­kel. Tat­säch­lich glei­chen die In­ter­pre­ta­tio­nen nicht sel­ten Ele­fan­ten­auf­trit­ten, ob­wohl es seit je­her auch ei­ne Ge­gen­be­we­gung gibt, de­ren Ver­tre­ter die be­trächt­li­chen ly­ri­schen Qua­li­tä­ten des Stücks her­vor­keh­ren. Der jun­ge is­rae­li­sche Pia­nist Bo­ris Gilt­burg hat sich für ei­nen Mit­tel­weg ent­schie­den, lie­fert da­bei aber kein fa­des So­wohl-al­sauch ab, son­dern ver­eint auf ein­drucks­voll ei­gen­stän­di­ge Wei­se die bei­den In­ter­pre­ta­ti­ons­tra­di­tio­nen. Sein vir­tuo­ser Zu­griff ist stu­pend, oh­ne je ex­al­tiert zu wir­ken, und wo es ly­risch wird, lässt Gilt­burg den Fa­zio­li-Flü­gel herr­lich sin­gen. Car­los Mi­guel Prieto und das Scot­tish Na­tio­nal Orches­tra sind da­bei kon­ge­nia­le Be­glei­ter. ★★★★✩

(Co­lum­bia/So­ny)

Rach­ma­ni­now – Bo­ris Gilt­burg

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