Kei­ne Chan­ce

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE - An­dré Bochow

Der 50 Jah­re al­te Fa­mi­li­en­va­ter, der in Ham­burg an der Su­per­markt­kas­se stand, konn­te nicht ah­nen, dass ein Mann ein Mes­ser er­greift, um wahl­los zu­zu­ste­chen. Wür­de der Er­mor­de­te noch le­ben, wenn die Be­hör­den nicht ver­sagt hät­ten? Vie­le be­ant­wor­ten die Fra­ge mit Ja und stel­len den Mör­der in ei­ne Rei­he mit IS-At­ten­tä­tern, die ih­re An­grif­fe auf al­les, was Zi­vi­li­sa­ti­on aus­macht, mit dem Wil­len Al­lahs recht­fer­ti­gen. Auch der Pa­läs­ti­nen­ser, der in Ham­burg mor­de­te, hat sich im­mer stär­ker re­li­gi­ös ge­ge­ben. Ist er des­we­gen ein is­la­mis­ti­scher Ter­ro­rist? Der Mann soll geis­tig ver­wirrt ge­we­sen sein.

Aber sind das nicht in ge­wis­ser Wei­se al­le Selbst­mord­at­ten­tä­ter?

Of­fen­sicht­lich ver­schwim­men die Gren­zen. Re­li­giö­ser Wahn, Nach­ah­mung und psy­chi­sche Stö­run­gen kön­nen in­ein­an­der über­ge­hen. Am Tag der Tat zeig­te sich der Pa­läs­ti­nen­ser aus­rei­se­wil­lig. Ge­gen den er­folg­ten Sin­nes­wan­del war auch der Staat chan­cen­los. Ei­ne frü­he­re Ab­schie­bung hät­te den Amok viel­leicht nur vor­ver­la­gert. The­ra­peu­ti­sche Hil­fe wä­re das Rich­ti­ge ge­we­sen, hät­te je­doch Be­hör­den­mut ver­langt. Denn po­pu­lär ist so et­was nicht.

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