Ve­ne­zue­la am Schei­de­weg: Re­vo­lu­ti­on oder Dia­log

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK -

In­mit­ten ei­ner po­li­ti­schen Kri­se sind die Ve­ne­zo­la­ner zur Ab­stim­mung über die ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung auf­ge­ru­fen. Da­nach sind meh­re­re Sze­na­ri­en denk­bar.

Ca­ra­cas. Tief po­la­ri­siert, vol­ler Ge­walt und schein­bar oh­ne Aus­weg aus der schwe­ren in­nen­po­li­ti­schen Kri­se: Nach der Wahl zur ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung am Sonn­tag gibt es drei mög­li­che Sze­na­ri­en für Ve­ne­zue­la. Ent­schei­dend für die Ak­zep­tanz der Wahl zur „Con­sti­tuy­en­te“, wie die Ve­ne­zo­la­ner die ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung nen­nen, wird die Wahl­be­tei­li­gung sein. Nur wenn es den re­gie­ren­den So­zia­lis­ten um den um­strit­te­nen Prä­si­den­ten Ni­co­las Maduro ge­lingt, vie­le Mil­lio­nen Men­schen zu mo­bi­li­sie­ren, be­kommt die Ab­stim­mung ei­nen de­mo­kra­ti­schen An­strich. Was nun pas­sie­ren kann:

Re­vo­lu­ti­on oder Mi­li­tär­dik­ta­tur: In die­sem Sze­na­rio be­an­sprucht Prä­si­dent Ni­co­las Maduro nach der Wahl die Macht über das in re­gu­lä­ren Wah­len ge­wähl­te Par­la­ment. Er löst das Par­la­ment auf und lässt die Par­la­men­ta­ri­er aus dem Haus wer­fen. Statt­des­sen sol­len die Mit­glie­der der „Con­sti­tuy­en­te“ein­zie­hen. Die re­gu­lär ge­wähl­ten Ab­ge­ord­ne­ten ver­su­chen al­ler­dings die „Na­tio­nal­ver­samm­lung“mit Hil­fe der Op­po­si­ti­ons­be­we­gung auf der Stra­ße zu ver­tei­di­gen. Es kommt zum Bür­ger­krieg und ei­ner blu­ti­gen Räu­mung des Par­la­ments. Ent­schei­dend für den Aus­gang ei­ner sol­chen be­waff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zung um das Par­la­ment wird das Ver­hal­ten der Si­cher­heits­kräf­te und der Po­li­zei sein, schla­gen sich Tei­le des Si­cher­heits­ap­pa­ra­tes auf die Sei­te der Be­völ­ke­rung, ist ei­ne Re­vo­lu­ti­on denk­bar.

Maduro nutzt das In­stru­ment der ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung (ANC) als Ver­hand­lungs­mas­se in Ge­sprä­chen mit der Op­po­si­ti­on. Sei­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on hängt ent­schei­dend von der Wahl­be­tei­li­gung und dem Ablauf der Wahl ab. Die Kir­che, im bes­ten Fal­le Papst Fran­zis­kus, über­nimmt die Ver­mitt­lung. Es be­ginnt ein zä­her Ver­hand­lungs­pro­zess, der Maduro und den So­zia­lis­ten am En­de ei­nen Amts­ver­zicht er­ho­be­nen Haup­tes er­mög­li­chen soll. Be­reits jetzt wird nach An­ga­ben der Re­gie­rung heim­lich mit der Op­po­si­ti­on ver­han­delt.

Die Mas­sen­pro­tes­te, die schwa­che Wahl­be­tei­li­gung, der in­ter­na­tio­na­le Druck, die ver­häng­ten Sank­tio­nen der USA und ein An­ge­bot der Straf­frei­heit hin­ter den Ku­lis­sen las­sen Maduro auf­ge­ben. Ins­be­son­de­re die schar­fen Wirt­schafts­sank­tio­nen der USA las­sen das oh­ne­hin schon ver­elen­de­te Land end­gül­tig zu­sam­men­bre­chen. Maduro geht ins Exil nach Ku­ba, das so­zia­lis­ti­sche Sys­tem bricht zu­sam­men.

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