Der Duft von Pio­nie­ren

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Ca­ro­li­ne Strang

Ein klei­ner Par­füm­händ­ler baut sein On­li­ne­ge­schäft so in­no­va­tiv aus, dass er hin­ter dem Bran­chen­rie­sen Dou­glas auf Num­mer 2 vor­ge­rückt ist.

Den zweit­größ­ten Deutsch­lands mit 37 000 Pro­duk­ten von über 500 Mar­ken und 27 Fi­lia­len, dar­un­ter die nörd­lichs­te Par­fü­me­rie Deutsch­lands, – das ver­eint ein Un­ter­neh­men mit dem Na­men Par­fü­me­rie Ak­zen­te un­ter ei­nem Dach. Und das ir­gend­wo im Nir­gend­wo. „Pfe­del­bach kennt nie­mand“, sagt Kai Ren­chen, ei­ner der Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer. Pfe­del­bach liegt, um ge­nau zu sein, in der länd­lich ge­präg­ten Ho­he­lo­he und hat gut 9000 Ein­woh­ner.

Doch wie funk­tio­niert das, wie wird man als Pfe­del­ba­cher Un­ter­neh­men der zweiter­folg­reichs­te In­ter­net-Par­füm­händ­ler hin­ter dem Bran­chen­rie­sen Dou­glas? „Har­te Ar­beit, viel Ver­zicht und ein glück­li­ches Händ­chen“, sagt Ren­chen. Er er­wähnt ein Wort be­son­ders häu­fig, wenn er über sein Un­ter­neh­men spricht: den Be­griff In­no­va­ti­on. Kai Ren­chen

Mo­bi­les Ein­kau­fen

Düf­te-On­line­händ­ler

Ar­beit, Ver­zicht und glück­li­ches Händ­chen.

Die be­gann schon 2004, als er mit Freun­den im Kel­ler der Par­fü­me­rie sei­ner El­tern ei­nen On­li­ne-Shop er­öff­ne­te und da­für ei­gen­hän­dig die Soft­ware schrieb. Ein­fach war das Un­ter­neh­men von An­fang an nicht. Es sei sehr schwie­rig, Mar­ken­pro­duk­te in ei­nem Markt mit vie­len An­bie­tern er­folg­reich zu ver­kau­fen. Aber: „Wir ha­ben in den letz­ten Jah­ren mit un­se­rem Pio­nier­geist ei­ni­ges ge­schafft.“Frü­her ha­be man viel bei den Mit­be­wer­bern ab­ge­schaut, dann hat­te man in Pfe­del­bach das Ge­fühl, die Kon­kur­renz blei­be ste­hen. „Wir nutz­ten un­se­re Vor­tei­le: Das jun­ge Team mit ei­nem Durch­schnitts­al­ter von knapp 30 Jah­ren, die In­no­va­ti­ons­kraft, ge­paart mit ei­ner star­ken Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer-Den­ke, weil wir ganz nah an un­se­ren Mit­ar­bei­te­rin dran sind.“

Da­mit schaff­te das Un­ter­neh­men ei­ni­ge Mei­len­stei­ne. So gab es be­reits 2012 ei­ne App zum Shop – als ers­ter Düf­te-An­bie­ter war „par­fum­dreams.de“da­mit bar­rie­re­frei auf mo­bi­len End­ge­rä­ten zu nut­zen. Ei­ne sehr gro­ße In­ves­ti­on da­mals, wie Ren­chen er­zählt. Die In­ter­net­sei­te war früh so op­ti­miert, dass sie auf al­len mo­bi­len End­ge­rä­ten sau­ber dar­ge­stellt wur­de. Das Un­ter­neh­men bot als ers­ter Mit­be­wer­ber ei­ne WhatsApp-Be­ra­tung an. 180 Ta­ge Rück­ga­be­recht und 14 wähl­ba­re Be­zahl­me­tho­den hal­fen da­bei, auf knapp 2 Mio. Kun­den zu kom­men, laut Un­ter­neh­men sind 54 Pro­zent da­von Stamm­kun­den Die Ent­wick­lung gibt Ren­chen recht. Je­der vier­te Ein­kauf wer­de in­zwi­schen über ein mo­bi­les End­ge­rät ge­macht, sagt Ren­chen. Die Zu­grif­fe von un­ter­wegs neh­men ex­trem zu. Auch in­tern wird In­no­va­ti­on ge­lebt: Die Küh­lung in dem hoch­mo­der­nen Zen­tral­la­ger nutzt kal­tes Was­ser, das durch die De­cken ge­lei­tet wird. Über ei­ne Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach wird der Strom für den Stand­ort er­zeugt, und al­le Pro­zes­se lau­fen kom­plett oh­ne Pa­pier.

„Mein Herz­blut hängt an Ba­den-Würt­tem­berg“, sagt Ren­chen, „hier bin ich ge­bo­ren.“Des­halb freut ihn der kürz­lich von Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut ver­lie­he­ne In­no­va­ti­ons­preis des Lan­des auch ganz be­son­ders. Die schwärmt ge­gen­über der SÜDWEST PRESSE ge­ra­de­zu von den er­folg­rei­chen Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men wie Ak­zen­te: „Ne­ben un­se­ren Glo­bal Play­ern sind un­se­re ,Hid­den Cham­pi­ons‘ im Süd­wes­ten von gro­ßer Be­deu­tung. Un­se­re oft­mals we­ni­ger be­kann­te, mit­tel­stän­di­sche und häu­fig fa­mi­li­en­geführ­te Fir­men sind in ih­rem Seg­ment oft Welt­markt­füh­rer.“Da­bei ba­sier­ten die Wirt­schaft und der Wohl­stand Ba­den-Würt­tem­bergs auf vie­len klu­gen Köp­fen. „Das mach un­se­ren Mit­tel­stand aus und hat uns zur in­no­va­tivs­ten Re­gi­on Eu­ro­pas ge­macht“, so Hoff­meis­ter-Kraut. Da­zu kom­me die gro­ße Be­deu­tung von Nach­hal­tig­keit, Mit­ar­bei­ter­bin­dung, ei­ne lang­fris­ti­ge Aus­rich­tung und so­zia­le Ver­ant­wor­tung. „Po­ten­zia­le zu er­schlie­ßen, setzt meist auch Ve­rän­de­rungs­be­reit­schaft und In­no­va­ti­ons­fä­hig­keit vor­aus.“

Pro­zes­se au­to­ma­ti­sie­ren

In­no­va­ti­ons­fä­hig­keit ist das Stich­wort für Ren­chen. Denn des­sen Ziel für die Zu­kunft: „Wir wol­len un­se­re In­no­va­ti­ons­füh­rer­schaft aus­bau­en und ha­ben ei­ni­ges in der Ta­sche.“Ge­nau­es ver­rät er nicht, man wol­le un­ter an­de­rem die Ein­kaufs­pro­zes­se op­ti­mie­ren und Ver­kaufs­pro­zes­se voll au­to­ma­ti­sie­ren. par­fum­dreams.de hat als ein­zi­ger deut­scher Shop der Bran­che seit 2015 ei­ne eng­lisch­spra­chi­ge und seit die­sem Jahr ei­ne dä­ni­sche und ei­ne schwe­di­sche Sei­te. Wei­te­re Län­der in Eu­ro­pa sol­len fol­gen.

Ganz wich­tig aber bleibt laut Ren­chen: „Der Kun­de soll sa­gen, wir ha­ben al­les men­schen­mög­li­che ge­macht, um den bes­ten Ser­vice zu bie­ten.“

Fo­to: par­fum­dreams.de

Ein Blick in das La­ger: Bei par­fum­dreams.de geht es auch um Schnel­lig­keit. Die ist Teil des Ser­vice­ge­dan­kens und da­mit wirbt der On­li­ne-Düf­tehänd­ler auch.

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