Zwei To­te bei Schie­ße­rei in Kon­stanz

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMSCHAU - Von Pe­tra Wal­heim

34-jäh­ri­ger Ira­ker schießt im Ein­gangs­be­reich ei­ner Dis­ko­thek um sich. Ein Tür­ste­her stirbt. Die Po­li­zei setzt den Tä­ter au­ßer Ge­fecht. Im Kran­ken­haus er­liegt er sei­nen Ver­let­zun­gen.

Dra­ma­ti­sche Sze­nen spiel­ten sich am frü­hen Sonn­tag­mor­gen vor der Dis­ko­thek „Grey“im Kon­stan­zer Ge­wer­be­ge­biet ab. Nach An­ga­ben der Po­li­zei hat ein 34-jäh­ri­ger Ira­ker mit ei­nem Ma­schi­nen­ge­wehr kurz nach 4 Uhr im Ein­gangs­be­reich der Dis­ko zu­erst ei­nen Tür­ste­her er­schos­sen. Dann feu­er­te er wei­ter und ver­letz­te auch zwei Be­su­cher schwer. Es be­steht kei­ne Le­bens­ge­fahr. Als die Po­li­zei am Tat­ort ein­traf, er­öff­ne­te der Mann um­ge­hend das Feu­er. Bei dem fol­gen­den Schuss­wech­sel wur­de der Tä­ter so schwer ver­letzt, dass er we­nig spä­ter in ei­ner Kli­nik starb. Auch ein Po­li­zist wur­de ge­trof­fen.

Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft schlie­ßen ei­nen ter­ro­ris­ti­schen und auch ei­nen is­la­mis­ti­schen Hin­ter­grund aus. Da­für ge­be es kei­ne Hin­wei­se, wur­de ges­tern in ei­ner Pres­se­kon­fe­renz be­tont. Das Mo­tiv für die Tat ist nach Aus­kunft der Staats­an­walt­schaft in ei­nem Streit in­ner­halb der Fa­mi­lie zu su­chen. Der Mann leb­te nach An­ga­ben der Po­li­zei seit über 15 Jah­ren im Kreis Kon­stanz. Er war bei der Po­li­zei we­gen ver­schie­de­ner De­lik­te be­kannt.

Das blu­ti­ge En­de der Par­ty­nacht in der Dis­ko­thek „Grey“war ab­rupt ge­kom­men. Am Sonn­tag ge­gen 4 Uhr war das „Grey“noch gut be­sucht. Die Dis­ko fasst 2500 Be­su­cher. Wie vie­le zu der Uhr­zeit noch in dem Ge­bäu­de wa­ren, ist bis­lang nicht be­kannt. Als kurz vor halb Fünf plötz­lich Schüs­se fie­len, rann­ten die Gäs­te ent­we­der pa­nisch auf die Stra­ße oder sie such­ten Schutz in­ner­halb der Dis­ko und ver­schanz­ten sich.

Ab­ge­ge­ben hat­te die Schüs­se der 34-jäh­ri­ge Mann mit ira­kisch-kur­di­scher Jo­han­nes-Ge­org Roth

Ab­stam­mung. Nach An­ga­ben von Jo­han­nes-Ge­org Roth, Lei­ter der Staats­an­walt­schaft Kon­stanz, war er an dem Abend be­reits in der Dis­ko ge­we­sen. Doch es ha­be Streit ge­ge­ben, so hät­ten es Zeu­gen ge­gen­über der Po­li­zei ge­sagt. Mit wem er den Streit hat­te, ist nach Aus­kunft von Jo­han­nes-Ge­org Roth noch nicht ge­klärt. Doch der Lei­ten­de Ober­staats­an­walt geht da­von aus, dass es sich um ei­nen Streit in­ner­halb der Fa­mi­lie han­del­te. Der Ira­ker war nach den Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei der Sch­wa­ger des Dis­ko-Be­trei­bers.

Nach In­for­ma­tio­nen der Po­li­zei, war der Ira­ker 1991 nach Deutsch­land ge­kom­men und hat­te mehr als 15 Jah­re im Land­kreis Kon­stanz ge­lebt. Er war vor­be­straft we­gen Kör­per­ver­let­zung, schwe­rer Kör­per­ver­let­zung und Ver­stoß ge­gen das Be­täu­bungs­mit­tel­ge­setz.

Klar ist, dass der Mann die Dis­ko im Streit ver­las­sen hat und nach Hau­se ge­fah­ren ist, um ein Ma­schi­nen­ge­wehr zu ho­len, ei­ne M16. „Das ist das Stan­dard­ge­wehr der ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te, ei­ne Kriegs­waf­fe“, sag­te Roth. Zu­rück an der Dis­ko, ha­be der Mann das Feu­er im Ein­gangs­be­reich er­öff­net und ei­nen Tür­ste­her töd­lich im Ge­sicht ge­trof­fen. Wei­ter er­lit­ten zwei Be­su­cher Schuss­ver­let­zun­gen. Die Po­li­zei geht da­von aus, dass der Ira­ker wahl­los und un­ge­zielt ge­schos­sen hat. Wo­her er die Waf­fe hat­te, muss noch er­mit­telt wer­den. Als ei­ne mög­li­che Qu­el­le wur­de das Dar­knet ge­nannt, ein Be­reich des In­ter­nets, in dem auch il­le­gal mit Waf­fen ge­han­delt wird. „Die­se Waf­fe kann man le­gal nicht be­sit­zen“, be­ton­te Roth. „Um 4.26 Uhr ging der ers­te No­t­ruf ein. Wei­te­re folg­ten“, sag­te Po­li­zei­prä­si­dent Ek­ke­hard Falk. Be­reits nach drei Mi­nu­ten sei die ers­te Strei­fe am Tat­ort ein­ge­trof­fen. Ins­ge­samt sei­en elf Strei­fen­wa­gen-Be­sat­zun­gen vor Ort ge­we­sen. Als die Po­li­zei am „Grey“vor­fuhr, ha­be der Mann das Feu­er so­fort er­öff­net. Die Po­li­zis­ten schos­sen zu­rück und füg­ten ihm die töd­li­chen Ver­let­zun­gen zu. Da­bei wur­de der Tä­ter so schwer ver­letzt, dass er kurz dar­auf in ei­ner Kli­nik starb.

„Der Schuss­wech­sel hat vor der Dis­ko statt­ge­fun­den. In In­ne­ren des Ge­bäu­des wur­de nicht ge­schos­sen“, be­ton­te Staats­an­walt Roth. „Wir ha­ben im Ein­gangs­be­reich vie­le Pa­tro­nen­hül­sen ge­fun­den. In der Dis­ko wa­ren we­der Pro­jek­ti­le noch Hül­sen“, sag­te Andre­as Sten­ger, Lei­ten­der Kri­mi­nal­di­rek­tor am Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA).

Sten­ger hat­te zu der Pres­se­kon­fe­renz ei­ne M16 mit­ge­bracht. „Das Ge­wehr hat ei­ne er­heb­li­che Ra­s­anz. Es kann 800 Schuss pro Mi­nu­te ab­feu­ern.“Der Po­li­zei ist es noch wäh­rend der Schie­ße­rei ge­lun­gen, die Tü­ren der Dis­ko zu schlie­ßen. „Die Leu­te die drin wa­ren, wa­ren da­mit am si­chers­ten“, sag­te Ek­ke­hard Falk. Als die Be­am­ten dann die Dis­ko durch­such­ten, hät­ten sie 60 bis 80 Gäs­te ge­fun­den, die sich in der Dis­ko ver­steckt hat­ten. Sie und vie­le an­de­re stan­den un­ter Schock. Sie wur­den von Ret­tungs­kräf­ten und der Not­fall­seel­sor­ge be­treut.

Auch zwölf St­un­den nach der Tat war die Spu­ren­si­che­rung noch vor Ort. Auf dem Park­platz vor dem „Grey“stan­den noch et­li­che Fahr­zeu­ge von Be­su­chern. Die ge­sam­te Flä­che war ab­ge­sperrt und wur­de un­ter­sucht. Den gan­zen Mor­gen hat die Po­li­zei Zeu­gen ver­hört. Sie bit­tet al­le, die den An­griff fo­to­gra­fiert oder ge­filmt ha­ben, das Bild­ma­te­ri­al für die Er­mitt­lun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Die Schie­ße­rei hat vor der Dis­ko statt­ge­fun­den. Drin­nen wur­den kei­ne Hül­sen ge­fun­den.

Fo­to: AFP

Nach ei­ner Schie­ße­rei am Sonn­tag­mor­gen bei ei­ner Dis­ko­thek in Kon­stanz war das Ge­biet weit­räu­mig ab­ge­sperrt. Po­li­zis­ten si­cher­ten den Be­reich, den die Spu­ren­si­che­rung un­ter­such­te. Auf dem Park­platz stan­den auch am Nach­mit­tag noch die Au­tos von Be­su­chern.

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