Schel­te mit Kon­se­quen­zen

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von Thu­mi­lan Sel­va­ku­ma­ran

Die Kul­tus­mi­nis­te­rin will die Lan­des­aka­de­mie für Leh­r­er­fort­bil­dung auf­lö­sen. Das hat un­mit­tel­ba­re Fol­gen für die Com­burg und de­ren Lei­ter Hans-Rei­ner Sop­pa.

In der Schul­land­schaft in Ba­den-Würt­tem­berg herrscht seit ei­ni­gen Jah­ren viel Be­we­gung: Werk­re­al­schu­len wer­den ein­ge­führt, Ge­mein­schafts­schu­len ge­schaf­fen, Gym­na­si­en vom neun­jäh­ri­gen Zug auf ei­nen acht­jäh­ri­gen ge­wech­selt – und manch­mal auch wie­der zu­rück. Gleich­zei­tig ras­seln al­ler­dings die Er­geb­nis­se im län­der­über­grei­fen­den Ver­gleich von Ve­ra 3 und IQB-Bil­dungs­trend nach un­ten.

Lan­des-Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) sieht als ei­nen we­sent­li­chen Fak­tor für das Ve­ra-De­ba­kel gro­ße De­fi­zi­te in der Leh­rer­qua­li­fi­ka­ti­on. Die soll da­her grund­le­gend um­struk­tu­riert wer­den. Das hat auch un­mit­tel­ba­re Fol­gen für die Lan­des­aka­de­mie für Fort­bil­dung und Per­so­nal­ent­wick­lung an Schu­len, die auf der Com­burg an­ge­sie­delt ist. Aus Mi­nis­te­ri­ums­krei­sen heißt es, dass die An­stalt ih­re Zie­le kom­plett ver­fehlt ha­be.

Neu­es Zen­trum wird ge­schaf­fen

Die Lan­des­aka­de­mie mit den drei Stand­or­ten St­ein­bach, Bad Wild­bad und Ess­lin­gen soll da­her auf­ge­löst wer­den. Die Auf­ga­ben sol­len voll­stän­dig auf ein neu­es „Zen­trum für Schul­qua­li­tät und Lehr­er­bil­dung“über­ge­hen.

Mi­nis­te­rin Ei­sen­mann be­män­gelt in ei­ner Mit­tei­lung die „un­zu­rei­chen­de Qua­li­tät der Fort­bil­dung“. Es brau­che kla­re kon­zep­tio­nel­le Vor­ga­ben und Struk­tu­ren. Der­zeit herr­sche im Fort­bil­dungs­an­ge­bot im Land „Wild­wuchs“. Vor­han­de­ne An­ge­bo­te müss­ten „ge­bün­delt, über­prüft, wei­ter­ent­wi­ckelt und in die Flä­che ge­tra­gen wer­den“.

Ein schwe­rer Schlag für die Aka­de­mie, aber auch für Hans-Rei­ner Sop­pa, Vor­stands­vor­sit­zen­der der drei Stand­or­te, der sein Bü­ro auf der Com­burg hat. Er zeigt sich zu­min­dest öf­fent­lich ver­ständ­nis­voll für die Schel­te aus dem Mi­nis­te­ri­um. Schließ­lich se­he auch er Hand­lungs­be­darf, nach­dem das Land im IQB-Bil­dungs­trend im­mer den zwei­ten oder drit­ten Platz be­legt hat­te und nun ins Mit­tel­feld ab­ge­sackt war.

Al­ler­dings wür­den je­des Jahr rund 32 000 Leh­rer an den drei Stand­or­ten in über 1900 zen­tra­len Fort­bil­dungs­an­ge­bo­ten wei­ter­ge­bil­det. Der Rück­lauf in Be­fra­gun­gen sei po­si­tiv, die Ak­zep­tanz hoch. Er nennt das Bei­spiel der Füh­rungs­fort­bil­dung. Die­ses bil­det seit 1997 den Schwer­punkt auf der Com­burg. „86 Pro­zent der Teil­neh­mer sind spä­ter mit der Be­wer­bung für ei­ne Schul­lei­ter­stel­le er­folg­reich“, so der Vor­stands­vor­sit­zen­de der selb­stän­di­gen Ein­heit des öf­fent­li­chen Rechts, die nach Plä­nen der Mi­nis­te­rin bald nicht mehr selb­stän­dig sein wird.

Bes­se­re Ver­zah­nung ge­wünscht

Das Pro­blem sei, dass den Leh­rern an den Schu­len im Land von der Lan­des­aka­de­mie, aber auch von wei­te­ren In­sti­tu­tio­nen un­struk­tu­riert Fort­bil­dun­gen an­ge­bo­ten wür­den. „Wir ha­ben aber im­mer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir ei­ne bes­se­re Ver­zah­nung wol­len“, so Sop­pa. Und schon im­mer ha­be die Lan­des­aka­de­mie „in der Sa­che eng mit dem Mi­nis­te­ri­um ge­ar­bei­tet“.

Nun folgt der har­te Schnitt. Ei­sen­mann hat an­ge­kün­digt, dass bis An­fang 2019 die neue Ein­rich­tung in den Be­trieb geht. Da­ne­ben wird auch ein neu­es In­sti­tut für Bil­dungs­ana­ly­sen ge­schaf­fen. Bei­de Ein­rich­tun­gen sol­len eng zu­sam­men­ar­bei­ten und von ei­nem wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat be­glei­tet wer­den. Len­kungs­grup­pen sind be­reits ein­ge­setzt, die die Kon­zep­te ver­fei­nern.

Sop­pa geht da­von aus, dass die Ein­rich­tung auf der Com­burg we­der per­so­nell noch räum­lich Ein­bu­ßen zu be­fürch­ten hat, auch wenn er selbst noch kei­ne De­tails kennt. Die Lan­des­aka­de­mie selbst hat der­zeit 17 De­pu­ta­te und ist laut Sop­pa „hoch­gra­dig schlank und ef­fek­tiv auf­ge­stellt“. 3500 Do­zen­ten wür­den im Wech­sel ein­ge­setzt, 250 da­von in Hall. Stän­dig prü­fe die Ak­a­da­mie die Qua­li­tät der Se­mi­na­re. In ei­ner Eva­lua­ti­on vor sechs Jah­ren ha­be das An­ge­bot mit der No­te 1,8 ab­ge­schnit­ten.

Die Mi­nis­te­rin ent­geg­net; Um die Qua­li­tät der Schul­bil­dung zu stei­gern, müss­te „an der Un­ter­richts­qua­li­tät und an der Lehr­er­bil­dung“an­ge­setzt wer­den. Da­her sol­len auch die staat­li­chen Se­mi­na­re für Di­dak­tik und Leh­r­er­fort­bil­dung, in der Re­fe­ren­da­re aus­ge­bil­det wer­den, dem neu­en In­sti­tut un­ter­ge­ord­net wer­den.

Un­ge­klärt ist aber, wo die­ses den Sitz ha­ben wird, wel­che Funk­ti­on die Com­burg über­nimmt und wel­che Rol­le dann Sop­pa spielt. „Ich bin Be­am­ter und bin be­reit, um­zu­zie­hen“, sagt er. 1997 war er von Met­zin­gen nach St­ein­bach ge­kom­men. Die Com­burg war 1947 als ers­te Lan­des­fort­bil­dungs­an­stalt in Süd­deutsch­land er­öff­net wor­den.

Sop­pa: Pha­se der Ru­he nö­tig

Sei­nen Frust lässt sich Sop­pa kaum an­mer­ken. Ei­nen Sei­ten­hieb ge­gen die Mi­nis­te­rin, die er als „en­er­gisch und taff“be­schreibt, kann er sich trotz­dem nicht ver­knei­fen: „In Bay­ern wur­de in den letz­ten Jah­ren nicht so viel an­ge­sto­ßen wie bei uns. Dort sind die Wer­te sta­bil.“Ba­den-Würt­tem­berg sei gut be­ra­ten, ei­ne Pha­se der Ru­he an­zu­steu­ern. „Das wür­de den Schu­len gut­tun.“

Ar­chiv­fo­to: Frank Lau­ter

Ein Blick aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve auf die Com­burg. Das Land hat bis­her 17 Mil­lio­nen Eu­ro in die Sa­nie­rung in­ves­tiert, die seit 1993 läuft. Die Lan­des­aka­de­mie nutzt dort Schu­lungs­räu­me und hält 82 Zim­mer für Über­nach­tungs­gäs­te be­reit.

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