Die Stadt Hall will jun­ge Bür­ger an Ent­schei­dun­gen be­tei­li­gen

150 Teil­neh­mer en­ga­gie­ren sich beim ers­ten Hal­ler Ju­gend­fo­rum. Die Ge­mein­de­ord­nung schreibt seit 2015 ei­ne Be­tei­li­gung vor.

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Thu­mi­lan Sel­va­ku­ma­ran

Schließt uns nicht aus, wir dür­fen bald wäh­len!“, prangt auf ei­ner der vie­len Ta­feln in der Au­la am Schul­zen­trum West. Auf ei­ner an­de­ren ha­ben Schü­ler den Wunsch nach Ju­gend­räu­men in der In­nen­stadt ver­merkt. An­de­ren geht es um Frei­zeit­an­ge­bo­te und Bu­s­an­bin­dung, um se­xu­el­le Gleich­be­rech­ti­gung und um Sport.

Doch wie ge­lan­gen Wün­sche und Ide­en jun­ger Leu­te aufs Ta­bleau der ge­wähl­ten Kom­mu­nal­po­li­ti­ker? Ein Ver­such, in Hall ei­nen Ju­gend­ge­mein­de­rat zu in­stal­lie­ren, war vor Jah­ren ge­schei­tert. Seit­her war es in Hall ru­hig um das The­ma ge­wor­den, wäh­rend die Nach­bar­stadt Crails­heim seit 2001 das ach­te Ju­gend­gre­mi­um in­stal­liert hat. Zu­letzt im Mai ha­ben sich dort 37 jun­ge Leu­te zur Wahl auf­ge­stellt. 14 wur­den für zwei Jah­re in den Ju­gend­ge­mein­de­rat ge­wählt. Die­ser hat ein In­for­ma­ti­ons-, An­hö­rungs- und Vor­schlags­recht bei al­len ju­gend­re­le­van­ten An­ge­le­gen­hei­ten der Stadt Crails­heim.

Ex­per­ti­se aus Köln

Nun muss­te aber auch die Hal­ler Stadt­ver­wal­tung re­agie­ren. Die Lan­des­re­gie­rung hat 2015 die Ge­mein­de­ord­nung da­hin­ge­hend ge­än­dert, dass Kin­der und Ju­gend­li­che bei Pla­nun­gen und Vor­ha­ben, die ih­re In­ter­es­sen be­rüh­ren, in an­ge­mes­se­ner Wei­se zu be­tei­li­gen sind. Die Be­tei­li­gungs­form lie­ßen die Ge­setz­ge­ber aber of­fen – es muss al­so nicht in je­dem Fall ein Ju­gend­ge­mein­de­rat sein.

Die Stadt­ver­wal­tung hat sich dar­auf­hin von Erik Flüg­ge, Ge­schäfts­füh­rer der Kom­mu­nal­be­ra­tung Squir­rel & Nuts in Köln, in­for­mie­ren las­sen und ihn für die Mo­de­ra­ti­on ei­nes Ju­gend­fo­rums be­auf­tragt. „In Ba­den-Würt­tem­berg gibt es vie­le Kom­mu­nen, die sich für die­se Form ent­schei­den“, so Flüg­ge. Im Un­ter­schied zu ei­nem ge­wähl­ten Gre­mi­um, bei der nur ei­ne be­stimm­te Grup­pe an Ju­gend­li­chen für ei­ne fes­te Zeit be­tei­ligt ist, lie­ßen sich durch ein Fo­rum deut­lich mehr Schü­ler aus un­ter­schied­li­chen Klas­sen und In­ter­es­sen­grup­pen er­rei­chen.

Schü­ler aus Klas­sen 8 bis 12

Ein­ge­la­den ist je ein Schü­ler aus je­der Klas­se der Stu­fen 8 bis 12 in Hall. ins­ge­samt 150 jun­ge Leu­te kom­men ges­tern zum Start­schuss. Sie er­ar­bei­ten am Vor­mit­tag Ide­en und prä­sen­tie­ren die­se am Mit­tag Ver­tre­tern der Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen, Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­tern so­wie Bür­ger­meis­ter und Ober­bür­ger­meis­ter. Dar­un­ter sind et­wa Alex­an­der Wor­ob­jow (17), Hen­ri Ben­der (16) und Lou­is Ku­sch­nir (17) vom Gym­na­si­um bei St. Micha­el. Sie plat­zie­ren ge­zielt den Wunsch nach ei­ner ein­fa­chen und für Jung bis Alt kos­ten­los nutz­ba­ren Out­doorFit­ness­an­la­ge. „Güns­ti­ge Stan­gen und Ge­rä­te rei­chen, et­wa an der Wei­ler­wie­se“, sagt Wor­ob­jow. Und Ku­sch­nir er­gänzt, dass sich nicht je­der die teu­ren Abos der Fit­ness­stu­di­os leis­ten kön­ne.

Ilay­da Kohl (16) hät­te sich statt des Fo­rums lie­ber ei­nen Ju­gend­ge­mein­de­rat ge­wünscht, weiß aber, dass es da­für viel mehr en­ga­gier­te Ju­gend­li­che braucht. Wähl­bar wä­ren dann oh­ne­hin nur Ju­gend­li­che, die in Hall le­ben – un­ab­hän­gig da­von, ob sie in Hall die Schu­le be­su­chen. In der Grup­pe, zu der auch And­re Sperr­le (18) und Ro­bin Dan­ne­witz (14) ge­hö­ren, for­dern sie aber ein mo­nat­li­ches Tref­fen des Ju­gend­fo­rums, um im Ge­spräch zu blei­ben.

50-Pro­zent-Stel­le vor­ge­se­hen

„Das ist kei­ne Ein­tags­flie­ge“, er­klärt Flüg­ge. „Das ist der Start zu ei­nem Pro­zess. In Ar­beits­grup­pen wird wei­ter an den The­men ge­ar­bei­tet.“Die Stadt plant, ei­ne 50-Pro­zent-Stel­le zu in­stal­lie­ren, um die Ju­gend­li­chen an­zu­lei­ten.

Die an­we­sen­den Ge­mein­de­rä­te sind in­des „be­geis­tert von der Viel­sei­tig­keit der The­men“, wie et­wa Joa­chim Här­tig von den Grü­nen ab­schlie­ßend er­klärt. Für Andrea Här­te­rich (CDU) ist die Ver­an­stal­tung „ei­ne Be­stä­ti­gung“, dass sich Ju­gend­li­che be­tei­li­gen wol­len. Ni­ko­la­os Sa­kel­la­riou (SPD) nimmt das The­ma Mo­bi­li­tät als Idee mit und freut sich, dass die Schü­ler bei ih­ren Kon­zep­ten auch die Sicht der „ge­stress­ten El­tern be­rück­sich­tigt ha­ben“. Hart­mut Bau­mann (Freie Wäh­ler­ver­ei­ni­gung) si­chert zu, das The­ma Ju­gend­raum zu un­ter­stüt­zen. Tho­mas Prei­sendanz (FDP) ver­weist auf die Hal­ler Bür­ger­stif­tung, die eben­falls bei der Rea­li­sie­rung von Pro­jek­ten un­ter­stüt­zen kön­ne.

Mehr zum Ju­gend­fo­rum nächs­te Wo­che auf der Ju­gend­sei­te „Klar“

Wei­te­re Fo­tos vom Schwä­bisch Hal­ler Ju­gend­fo­rum in der Ga­le­rie auf www.swp.de/sha/bil­der

Fo­to: Thu­mi­lan Sel­va­ku­ma­ran

Jun­ge Hal­ler dis­ku­tie­ren ges­tern am Schul­zen­trum West mit der CDU-Stadt­rä­tin Andrea Här­te­rich.

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