„Das span­nends­te Buch“

Ober­bür­ger­meis­ter Her­mann-Jo­sef Pel­grim stellt im Sie­ders­heim das 540 Sei­ten star­ke Zah­len­werk vor. Dis­ku­tiert wird über Geld für Kultur.

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von To­bi­as Würth

Das war Haus­halt light. Stellt euch vor, er hät­te die här­te­re Ver­si­on ge­zeigt“, bi­lan­ziert Alt-Hall-Ge­schäfts­füh­rer Ro­bert Spo­den nach dem fast zwei­stün­di­gen Vor­trag des Ober­bür­ger­meis­ters über den Dop­pel­haus­halt 2018/2019. „Es war schon in­ter­es­sant, das al­les mal er­klärt zu be­kom­men“, meint Ers­ter Hof­bur­sche To­bi­as Rie­ger.

So vie­le Zah­len! Vie­le der rund 25 Sie­der sind schon beim zwei­ten Bier, wäh­rend der Ober­bür­ger­meis­ter an der Stirn­sei­te des klei­nen Rau­mes noch in ho­möo­pa­thi­schen Do­sen am Rot­wein nippt. Ein­mal im Jahr lädt Alt Hall, der Trä­ger­ver­ein der Sie­der, den Ober­bür­ger­meis­ter in den Hool­gaascht am Zwin­ger ein. Das Stadt­ober­haupt er­läu­tert dann lo­kal­po­li­ti­sche The­men.

„Es ist das span­nends­te Buch der Kom­mu­nal­po­li­tik“, sagt Pel­grim über den Haus­halts­ent­wurf. „Vie­les in der Stadt ma­te­ria­li­siert sich da­rin. Scha­de, dass sich nur so we­ni­ge da­für in­ter­es­sie­ren.“Und tat­säch­lich: Der Ord­ner mit dem Ent­wurf des Zah­len­werks wird zwar her­um­ge­reicht. In die Lek­tü­re ver­tieft sich aber kein Sie­der. Das Pa­pier wird meist schnell wei­ter­ge­ge­ben.

Der Ober­bür­ger­meis­ter er­läu­tert, wie der Leitz-Ord­ner der Tau­send Zah­len auf den Weg ge­bracht wird. Im Mai wer­de da­mit be­gon­nen. Wenn die Pla­nun­gen der Fach­be­rei­che ein­ge­gan­gen sind, wer­de im Au­gust ein Ab- gleich ge­macht. Pel­grim: „Die Welt der Wün­sche und die der Fi­nan­zier­bar­keit lie­gen oft weit aus­ein­an­der.“Dann könn­te es so aus­se­hen, als ob der Haus­halts­ent­wurf kom­plett aus dem Ru­der lau­fe. „Der OB und der Bür­ger­meis­ter prio­ri­sie­ren die Aus­ga­ben“, er­läu­tert Pel­grim sei­ne Ar­beit und die sei­nes Stell­ver­tre­ters,

Tho­mas Thie­me

Ex-Stadt­rat recht­fer­tigt das Geld fürs Ku­chen- und Brun­nen­fest

Pe­ter Klink. Nach­dem der Haus­halt den Stadt­rä­ten vor­ge­legt wur­de, kön­nen die Frak­tio­nen Än­de­run­gen be­an­tra­gen. So man­che Frak­ti­on nut­ze den Haus­halt, um sich zu pro­fi­lie­ren.

„Der Schluss­ak­kord er­folgt kurz vor Weih­nach­ten“, fährt Pel­grim fort. Dann wer­de das Zah­len­werk als Sat­zung be­schlos­sen. „Dar­an kann sich die Ver­wal­tung dann ori­en­tie­ren.“

Zum städ­ti­schen Haus­halt kä­men die Pla­nun­gen der Ei­gen­be­trie­be (Ab­was­ser, Fried­hö­fe, Werk­hof und Tou­ris­tik und Mar­ke­ting) da­zu. Zu­dem ver­fügt Hall über ei­ge­ne Un­ter­neh­men (GWG, HGE, Stadt­wer­ke) und 40 Be­tei­li­gun­gen an an­de­ren Fir­men. Die Um­sät­ze und Bi­lanz­sum­men: 140 Mil­lio­nen Eu­ro für den städ­ti­schen Haus­halt pro Jahr, 25 Mil­lio­ne­nen Eu­ro für Ei­gen­be­trie­be, 350 Mil­lio­nen Eu­ro für die städ­ti­schen Un­ter­neh­men. Das er­ge­be ver­ein­facht aus­ge­drückt und grob zu­sam­men­ge­zählt ei­ne Ge­samt­sum­me von rund ei­ner hal­ben Mil­li­ar­de Eu­ro, die von 1500 Mit­ar­bei­tern er­wirt­schaf­tet oder aus­ge­ge­ben wird.

Die höchs­te Auf­merk­sam­keit lie­ge auf dem städ­ti­schen Haus­halt, da dort von den El­tern­ge­büh­ren für Ki­tas bis zu den Aus­ga­ben für Stra­ßen al­les zu­sam­men­lau­fe. Aus­gie­big wid­met sich Pel­grim der Ein­nah­me­sei­te des Haus­hal­tes: Von Um­la­gen für den Fi­nanz­aus­gleich von Län­dern und Kom­mu­nen bis hin zur Be­mes­sungs­grund­la­ge für die wei­ter sin­ken­de Um­satz­steu­er. Er geht bei vie­len The­men ins De­tail.

So man­cher Sie­der blickt mit Fal­ten auf der Stirn über das Bier­glas hin­weg zum Re­fe­ren­ten. 17,8 Mil­lio­nen be­zahlt Hall im Jahr an den Kreis. Das De­fi­zit des Crails­hei­mer Kran­ken­hau­ses wer­de schluss­end­lich mit ei­ner Mil­li­on Eu­ro aus Hall aus­ge­gli­chen, ar­gu­men­tiert Pel­grim.

Mit vier Mil­lio­nen Eu­ro wür­den Hal­ler Ver­ei­ne aus der Stadt­kas­se un­ter­stützt, für acht Mil­lio­nen Eu­ro Stra­ßen und Ge­bäu­de sa­niert – die Neu­bau­ten sei­en da noch gar nicht ein­ge­rech­net. Die Sie­der dürf­ten ihr Ver­eins­heim für ei­nen sym­bo­li­schen Eu­ro mie­ten, da­bei sei es mit 7000 Eu­ro Kos­ten pro Jahr im Haus­halt ver­an­kert, be­rich­tet Pel­grim. Hall lässt sich das Ku­chen- und Brun­nen­fest 40 000 bis 50 000 Eu­ro kos­ten.

Schwie­ri­ge Ab­wä­gung

Die­se Sicht­wei­se regt den ehe­ma­li­gen FDP-Stadt­rat Tho­mas Thie­me auf: „Das kann man nicht so ste­hen las­sen. Man kann Alt Hall nicht mit ei­nem Sport­ver­ein ver­glei­chen. Wir sor­gen für Um­satz an Pfings­ten.“Pel­grim kon­tert: „Und die Uni­corns: Sind die uns we­ni­ger wert?“Es sei ein po­li­ti­scher Ab­wä­gungs­pro­zess. Wäh­rend ein Un­ter­neh­men den Ge­winn­zu­wachs nach ei­ner In­ves­ti­ti­on mes­sen kann, steht ei­ner Kom­mu­ne die­ser Maß­stab nicht zur Ver­fü­gung. Pel­grim: „Ob ei­ne neue Stra­ße zu hö­he­ren Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men führt, ist un­ge­wiss.“

Die Sie­der stel­len Fra­gen, set­zen sich am En­de mit dem OB an den Stamm­tisch. Ei­ner gibt of­fen zu: „Bis­her ha­be ich ge­dacht: Das Glo­be wird ge­baut, die Kin­der­gar­ten­bei­trä­ge stei­gen. Dass die Zu­sam­men­hän­ge kom­pli­zier­ter sind, ha­be ich jetzt er­fah­ren.“

Wir sor­gen für Um­satz an Pfings­ten.

In­fo Die Frak­tio­nen stel­len heu­te ih­re An­trä­ge für den Dop­pel­haus­halt in der Ge­mein­de­rats­sit­zung um 18 Uhr in der Blend­statt­hal­le.

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