War Ge­org M. psy­chisch krank?

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Cars­ten Frie­se

Löwenstein. Im Lö­wen­stei­ner Mord­pro­zess vor dem Land­ge­richt Heil­bronn sa­gen Gut­ach­ter aus. Zu­dem kommt her­aus: Der Haupt­an­ge­klag­te hat be­reits 18 Vor­stra­fen.

Im Lö­wen­stei­ner Mord­pro­zess sa­gen Sach­ver­stän­di­ge aus. Ver­han­delt wird über ei­nen 63-Jäh­ri­gen, der sei­ner Ehe­frau le­bens­ge­fähr­li­che Sti­che in Bauch, Brust und Rü­cken ver­setz­te.

Es geht um viel, um ei­ne mög­li­che Höchst­stra­fe: Im Pro­zess um den Mord an der 59-jäh­ri­gen Mar­got M. auf dem Park­platz der Evan­ge­li­schen Ta­gungs­stät­te Löwenstein hat der psych­ia­tri­sche Gut­ach­ter kei­ne kla­re Ex­per­ti­se zur Schuld­fä­hig­keit des an­ge­klag­ten Ehe­manns ab­ge­ge­ben.

Ex­per­ti­se zur Schuld­fä­hig­keit

Da zum di­rek­ten Tat­ge­sche­hen we­der vom Op­fer oder von Zeu­gen An­halts­punk­te vor­lie­gen, noch der An­ge­klag­te Aus­sa­gen ge­macht hat, sei vie­les nicht über­prüf­bar, sag­te Dr. Tho­mas Hein­rich am Frei­tag vor dem Land­ge­richt. Ei­ne Af­fekt­tat, die vi­el­leicht durch ei­ne Pro­vo­ka­ti­on beim Ge­spräch über ei­ne Neu­auf­la­ge der Be­zie­hung zum Op­fer aus­ge­löst wur­de, sei eben­so denk­bar wie ei­ne ge­zielt ge­plan­te Tat.

Im ers­ten Fall kä­me ei­ne ein­ge­schränk­te Steue­rungs­fä­hig­keit in Be­tracht, sag­te Hein­rich; im an­de­ren Fall müs­se das Ge­richt von vol­ler Schuld­fä­hig­keit aus­ge­hen. Für ei­ne psy­chi­sche Krank­heit oder Per­sön­lich­keits­stö­rung sieht der Gut­ach­ter beim An­ge­klag­ten Ge­org M. (63) in­des kei­ne Hin­wei­se.

An­ge­klag­ter be­strei­tet Tat

Was ist auf dem Park­platz pas­siert? Gab es ei­nen Streit, nach­dem Mar­got M. sich mehr als ein Jahr zu­vor von ih­rem Ehe­mann ge­trennt und mitt­ler­wei­le ei­nen neu­en Part­ner hat­te? Oder hat Ge­org M. sei­ne Frau aus Ei­fer­sucht oder Krän­kung nach der lan­gen Ehe ge­zielt ge­tö­tet? Viel Zeit blieb dem Tä­ter nicht, gut zwei Mi­nu­ten. Um 21.31 Uhr ver­ließ die 59-Jäh­ri­ge an der Zei­ter­fas­sung die Ta­gungs­stät­te, um 21.34 Uhr er­folg­te der ers­te No­t­ruf von Zeu­gen, die die Schwer­ver­letz­te fan­den. Ge­org M. be­strei­tet die Tat.

Dass der Tä­ter der 59-Jäh­ri­gen fünf le­bens­ge­fähr­li­che Mes­ser­sti­che ver­setz­te, die bis in Lun­ge, Le­ber und Milz vor­dran­gen, stell­te Rechts­me­di­zi­ner Prof. Frank Weh­ner fest. Je­der die­ser Sti­che hät­te al­lein töd­lich sein kön­nen, sag­te er. Bei vier von neun Sti­chen war ei­ne mas­si­ve Wucht nach­weis­bar. Das Op­fer ver­blu­te­te am Tat­ort. Ei­nen Schnitt in den Hals so­wie Sti­che in Brust­be­reich, Bauch, Sei­te und in den Rü­cken

zähl­te der Experte auf. Die Sti­che in den Rü­cken wer­te­te er als Re­ak­ti­on des Tä­ters auf ei­ne Flucht des Op­fers.

Ei­ne lan­ge Lis­te von 18 Vor­stra­fen des An­ge­klag­ten trug das Ge­richt vor. Kör­per­ver­let­zun­gen, ei­ne fahr­läs­si­ge Tö­tung ei­nes Rad­fah­rers im Stra­ßen­ver­kehr mit über­höh­ter Ge­schwin­dig­keit, Stra­ßen­ver­kehrs­ge­fähr­dung mit Un­fall­fol­gen durch ra­san­tes Über­ho­len und ei­ni­ge Ur­tei­le we­gen Fah­rens oh­ne Fahr­er­laub­nis ka­men zur Spra­che. Der An­ge­klag­te fuhr un­ter an­de­rem mit ei­nem in Frank­reich er­wor­be­nen Füh­rer­schein Au­to, ob­wohl dies von Be­hör­den als un­zu­läs­sig ein­ge­stuft wor­den war – auch am Tat­tag. Ver­ur­tei­lun­gen we­gen In­sol­venz­ver­schlep­pung und mehr­fa­chen Be­trugs ka­men hin­zu.

Ich se­he bei Herrn M. auch kei­ner­lei In­diz auf ei­ne Per­sön­lich­keits­stö­rung. Dr. Tho­mas Hein­rich Gut­ach­ter im Mord­pro­zess

18 Vor­stra­fen

Ver­wun­dert zeig­te sich der Vor­sit­zen­de Rich­ter Ro­land Kleinschroth über die Fül­le an Be­wäh­rungs­stra­fen. Ob­wohl Ge­org M. 1980 ei­nen Men­schen fahr­läs­sig ge­tö­tet hat­te, gab es bei sechs wei­te­ren Ver­kehrs­de­lik­ten in spä­te­ren Jah­ren je­des Mal Haft auf Be­wäh­rung.

Fo­to: Ma­rio Ber­ger

Das Fo­to zeigt ei­ne Sze­ne aus dem Ge­richts­saal vom Pro­zess­auf­takt im Ja­nu­ar 2018.

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