Ag­gres­si­ve Pa­ti­en­ten in Am­bu­lan­zen

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMSCHAU -

Kli­ni­ken er­le­ben im­mer öf­ter, dass Mit­ar­bei­ter an­ge­gan­gen wer­den. Jetzt set­zen sie auf Si­cher­heits­diens­te.

Stutt­gart. Ag­gres­si­ve Pa­ti­en­ten ma­chen nach An­ga­ben der Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (BWKG) den Kli­ni­ken im Süd­wes­ten ver­stärkt zu schaf­fen. Die Ge­walt ge­gen Mit­ar­bei­ter ha­be nach Be­rich­ten der Mit­glieds­kran­ken­häu­ser in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu­ge­nom­men, sag­te ei­ne BWKG-Spre­che­rin. Vor al­lem bei Pa­ti­en­ten un­ter Al­ko­hol- oder Dro­gen­ein­fluss sei die Ge­walt­be­reit­schaft er­höht, eben­so wie bei psy­chisch kran­ken und de­men­ten Per­so­nen.

Vie­le Kli­ni­ken im Land setz­ten in­zwi­schen auf Si­cher­heits­diens­te – auch wenn die Kos­ten nicht re­fi­nan­ziert wür­den. Der Ein­satz be­tref­fe in ers­ter Li­nie Kran­ken­häu­ser in den Bal­lungs­räu­men, Uni­k­li­ni­ken, gro­ße Kli­ni­ken im länd­li­chen Raum und psych­ia­tri­sche Kli­ni­ken. „Aber auch ei­ni­ge klei­ne­re Kran­ken­häu­ser im länd­li­chen Raum be­schäf­ti­gen zwi­schen­zeit­lich ei­nen Si­cher­heits­dienst“, sag­te die Spre­che­rin. Ge­naue Zah­len lä­gen aber nicht vor.

Die Zu­nah­me der Ge­walt­be­reit­schaft las­se sich bei­spiels­wei­se in den Not­auf­nah­men be­ob­ach­ten. Häu­fig wer­de sie durch lan­ge War­te­zei­ten und krank­heits­be­ding­te Stress­si­tua­tio­nen aus­ge­löst. Denn die Kli­ni­ken im Land kämp­fen noch mit ei­nem wei­te­ren Pro­blem: In die Not­fall­am­bu­lanz der Kran­ken­häu­ser sind seit 2010 je­des Jahr rund 50 000 Men­schen zu­sätz­lich ge­kom­men. „In­zwi­schen wer­den mehr als die Hälf­te der am­bu­lan­ten Not­fäl­le von den Kran­ken­häu­sern be­han­delt“, heißt es bei der BWKG.

Die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung sieht un­ter an­de­rem die Struk­tur au­ßer­halb der Arzt-Sprech­stun­den­zei­ten als Grund. Die­se sei für Pa­ti­en­ten oft nicht zu durch­schau­en, sag­te ein Spre­cher. „Wann ist der Ret­tungs­dienst zu­stän­dig, wann der ärzt­li­che Be­reit­schaft­dienst, wann muss der Not­arzt kom­men, wann muss ich in die Not­auf­nah­me? Für die Pa­ti­en­ten ist das in vie­len Fäl­len nicht ein­schätz­bar.“

Als Lö­sungs­an­satz hat­te sich die Ver­ei­ni­gung im ver­gan­ge­nen Jahr für ei­ne Kos­ten­be­tei­li­gung der Pa­ti­en­ten am Not­fall­dienst aus­ge­spro­chen. „Der Vor­stand wür­de das nach wie vor be­grü­ßen“, sag­te der Spre­cher. „Es gibt aber kei­ne An­zei­chen da­für, dass so et­was kommt.“

In Not­auf­nah­men lie­gen die Ner­ven oft blank.

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