Maa­ßen: SPD will nicht nach­ge­ben

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK -

Die Zu­kunft des Chefs des Ver­fas­sungs­schut­zes bleibt um­strit­ten. In ei­ner Um­fra­ge sa­cken Uni­on und AfD ab.

Ber­lin. Die Uni­on will ab­wie­geln, die SPD gibt sich stand­haft: Im Streit um die Zu­kunft des Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­den­ten gibt die Ko­ali­ti­on ge­misch­te Si­gna­le. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel kün­dig­te ges­tern wei­te­re Ge­sprä­che an, sieht den Fort­be­stand der Ko­ali­ti­on aber nicht ge­fähr­det. Doch ei­ne Lö­sung ist schwie­rig, da In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) als Di­enst­herr Maa­ßens die­sem wie­der­holt das Ver­trau­en aus­ge­spro­chen hat. Mit Span­nung wird er­war­tet, ob See­ho­fer bei ei­nem CSU-Par­tei­tag am Sams­tag Stel­lung be­zie­hen und Maa­ßen er­neut stüt­zen wird.

Die SPD setzt wei­ter auf ei­nen Rück­tritt Maa­ßens. Ge­ne­ral­se­kre­tär Lars Kling­beil warf Mer­kel Füh­rungs­schwä­che vor. „Es hat Bun­des­kanz­ler vor Frau Mer­kel ge­ge­ben, die es sich nicht hät­ten ge­fal­len las­sen, von ei­nem Be­hör­den­chef in die­ser Art vor­ge­führt zu wer­den“, sag­te er der „Saar­brü­cker Zei­tung“. Maa­ßen hat­te Mer­kel und ih­rem Spre­cher wi­der­spro­chen, wo­nach es nach der Tö­tung ei­nes Deut­schen in Chem­nitz an­schlie­ßend zu Hetz­jag­den auf Aus­län­der ge­kom­men sei.

Wenn sie als Kanz­le­rin nicht wei­ter be­schä­digt wer­den wol­le, müs­se sie da­für sor­gen, „dass Herr Maa­ßen geht“, sag­te Kling­beil. Ex-SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el for­der­te See­ho­fer auf, sich rasch von Maa­ßen zu tren­nen. „Tut er das nicht, steht mehr auf dem Spiel als sein ei­ge­ner Mi­nis­ter­pos­ten“, sag­te Ga­b­ri­el dem „Spie­gel“. „Dann geht es um die Re­gie­rung als Gan­zes. Wenn es bei uns wa­ckelt, bebt halb Eu­ro­pa.“Bleibt Maa­ßen im Amt, stün­de die SPD vor der Fra­ge, ob sie die Ko­ali­ti­on ein hal­bes Jahr nach Be­ginn plat­zen las­sen will. Falls ja, könn­te es Neu­wah­len ge­ben.

SPD und Grü­ne le­gen zu

Ei­ne neue Um­fra­ge gibt in­des An­halts­punk­te, wie sich die hit­zi­ge De­bat­te nach den Vor­fäl­len nach Chem­nitz aus­wirkt: Dem­nach ver­lie­ren CDU und AfD, wäh­rend SPD und Grü­ne pro­fi­tie­ren. Wenn am nächs­ten Sonn­tag Bun­des­tags­wahl wä­re, kä­me die Uni­on nur noch auf 30 Pro­zent – ein Re­kord­tief im ZDF-„Po­lit­ba­ro­me­ter“. Die SPD leg­te hin­ge­gen um zwei Punk­te auf 20 Pro­zent zu, die Grü­nen ge­wan­nen eben­falls zwei Punk­te auf 16 Pro­zent. Die AfD büß­te zwei Punk­te auf 15 Pro­zent ein, die FDP ei­nen Punkt auf 7 Pro­zent. Die Lin­ke bleibt un­ver­än­dert bei 8 Pro­zent.

In Chem­nitz war am 26. Au­gust ein 35-Jäh­ri­ger er­sto­chen wor­den. Ver­däch­tig sind drei Asyl­be­wer­ber aus Sy­ri­en und dem Irak. Nach der Tat gab es De­mos, bei de­nen es auch zu Ge­walt­ta­ten von Rechts­ex­tre­mis­ten kam. Maa­ßen wird kri­ti­siert, weil er an­zwei­fel­te, dass es in Chem­nitz „Hetz­jag­den“auf Aus­län­der ge­ge­ben ha­be. Ein ent­spre­chen­des Vi­deo kön­ne „ei­ne ge­ziel­te Falsch­in­for­ma­ti­on“sein, um „von dem Mord in Chem­nitz ab­zu­len­ken.“

Kehr­aus im Ban­ken­turm: Ent­las­se­ne Leh­man-Mit­ar­bei­ter ver­las­sen ih­re Bank.

Fo­to: Jens Bütt­ner/dpa

Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD): „Es geht um die Re­gie­rung als Gan­zes.“

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