His­to­ri­scher Schatz un­ter Wert

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von Thu­mi­lan Sel­va­ku­ma­ran

Bei ei­nem drei­tä­gi­gen Sym­po­si­um wer­den die Ge­schich­te der Com­burg und die kunst­his­to­ri­sche Be­deu­tung un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Ziel ist es, das Mo­nu­ment be­kann­ter zu ma­chen.

Im­po­sant er­hebt sich die Com­burg über St­ein­bach, seit nun mehr als 900 Jah­ren. Sie hat so­wohl ge­schicht­li­che als auch kunst­his­to­ri­sche Be­deu­tung. Dr. Ka­rin Eh­lers von „Staat­li­che Schlös­ser und Gär­ten Ba­den-Würt­tem­berg“– Ei­gen­tü­mer der An­la­ge – spricht gar von ei­nem „her­aus­ra­gen­den Mo­nu­ment“. Be­su­cher­strö­me, die „in ei­ner so be­deu­ten­den Klos­ter­an­la­ge er­wart­bar wä­ren, ha­ben sich aber nicht ein­ge­stellt“.

Zu we­ni­ge Be­su­cher

Eh­lers spricht in Ver­tre­tung von Micha­el Hörr­mann, Ge­schäfts­füh­rer der staat­li­chen An­stalt, der bei ei­nem ver­gan­ge­nen Be­such in Hall „den un­ge­heu­ren kul­tu­rel­len Schatz“auf der Com­burg lob­te. Un­ter den knapp drei Dut­zend Mo­nu­men­ten im Land sei je­nes in St­ein­bach ein­zig­ar­tig, al­lei­ne durch die „Dich­te an kunst­his­to­ri­schen Aus­nah­men“. Das Klos­ter in Maul­bronn, das als Unesco-Welt­kul­tur­er­be frei­lich ei­nen an­de­ren Rang be­sitzt, lo­cke jähr­lich rund 240 000 Be­su­cher an. Auf der Com­burg sind es gera­de mal 20 000.

Seit ges­tern ta­gen Dut­zen­de His­to­ri­ker, Wis­sen­schaft­ler und Stu­den­ten in den al­ten Ge­mäu­ern. Das drei­tä­gi­ge Sym­po­si­um, zu dem auch die Öf­fent­lich­keit ein­ge­la­den ist, soll Licht in das Dun­kel der Ge­schich­te der Com­burg brin­gen und die his­to­ri­sche Be­deu­tung be­kann­ter ma­chen. „Die Ta­gung war über­fäl­lig, nicht erst seit ein paar Jah­ren, son­dern seit Jahr­zehn­ten“, so Eh­lers. Es sei „be­denk­lich“, dass die For­schung sich im­mer nur mit klei­nen Tei­len und nur spo­ra­disch mit der Com­burg be­fasst hat.

An­ge­sto­ßen wur­de das neu­er­li­che En­ga­ge­ment we­sent­lich von Pro­fes­sor Dr. Klaus Ge­re­on Beu­ckers vom In­sti­tut für Kunst­ge­schich­te in Kiel. Er war einst rund 13 Jah­re lang auch in Ba­den-Würt­tem­berg tä­tig und hat­te da­bei mehr­fach die Com­burg er­lebt. „Die For­schungs- und Pu­bli­kums­la­ge wird dem En­sem­ble nicht ge­recht“, sagt der Pro­fes­sor bei sei­ner Be­grü­ßung ges­tern. „Breit wahr­ge­nom­men, in­ten­siv er­forscht in vie­len Pu­bli­ka­tio­nen, aber oh­ne Kon­text zur Com­burg ge­nannt“, sei­en nur der Rad­leuch­ter und das An­te­pen­di­um in der Stifts­kir­che. Auch re­gio­nal sei im­mer wie­der ge­forscht wor­den – aber eben nicht in dem Ma­ße, dass bun­des­wei­te Strahl­kraft oder gar in­ter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit er­zielt wer­den konn­te.

Das soll sich än­dern. Jun­ge Wis­sen­schaft­ler sol­len auf The­men auf­merk­sam ge­macht wer­den, die sie in Grup­pen dis­ku­tie­ren. „Wir wol­len For­schung mit Leh­re ver­bin­den und das Er­geb­nis frucht­bar ma­chen.“Die Com­burg sei „ei­ne Schatz­kis­te“. Ziel, so Beu­ckers, sei ei­ne Pu­bli­ka­ti­on, die in­ner­halb ei­nes Jah­res er­schei­nen und mög­lichst wei­te Auf­merk­sam­keit er­zie­len soll.

Kein Welt­kul­tur­er­be

Das ist ganz im Sin­ne von Hans-Rei­ner Sop­pa, Lei­ter der Aka­de­mie für Leh­r­er­fort­bil­dung, die die Räu­me der Com­burg nutzt. „Das Sym­po­si­um ist über­fäl­lig.“Er kön­ne nicht ver­ste­hen, wie­so das Klos­ter Maul­bronn als Unesco-Welt­kul­tur­er­be aus­ge­zeich­net ist, die­ses Prä­di­kat aber für die hie­si­ge An­la­ge fehlt. „Die Com­burg ist ge­schlos­se­ner und er­hal­te­ner als Maul­bronn.“

Nun wer­den sich die Teil­neh­mer bis Sonn­tag an die Ar­beit ma­chen, lau­schen, dis­ku­tie­ren und neue Aspek­te für die For­schung su­chen. Fast 20 öf­fent­li­che Vor­trä­ge ste­hen auf dem Ta­gungs­pro­gramm

Un­ter den Ex­per­ten ist Pro­fes­sor Dr. Ger­hard Lu­bich, der in Hall auf­ge­wach­sen ist und in Bochum lehrt. Am gest­ri­gen Frei­tag­mor­gen darf er als ers­ter Ex­per­te spre­chen und be­leuch­tet die Ent­ste­hungs­zeit der An­la­ge um das Jahr 1078. „Man muss ei­ne ge­wis­se Skep­sis wal­ten las­sen“, sagt er in Be­zug auf al­te For­schungs­ar­bei­ten, die ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen den Gra­fen von Com­burg-Ro­then­burg und dem ho­hen­lo­hi­schen Adels­ge­schlecht her­stell­ten. Da­für ge­be es kei­ne Be­le­ge. Viel­mehr deu­te­ten Un­ter­su­chun­gen dar­auf hin, dass die Gra­fen ir­gend­wann von der Bild­flä­che ver­schwan­den. Be­legt ist, dass die St­au­fer und spä­ter die Schen­ken von Lim­purg das Zep­ter über­nah­men. Lu­bich ver­weist auch auf die re­gio­na­le Zu­ord­nung. „Nach Me­ri­an ge­hört St­ein­bach zu Fran­ken (...) His­to­risch ist das nicht Schwa­ben!“

Fo­to: Ufuk Ars­lan

Ein Blick aus der Luft auf die Com­burg.

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