Flö­ten­mu­sik zum Um­zug

Haller Tagblatt - - MENSCHEN - Von Bet­ti­na Lo­ber

So­phie und Da­ni­el Abend­schein be­treu­en die Kir­chen­ge­mein­de Gai­len­kir­chenGott­wolls­hau­sen. Am Sonn­tag wer­den sie im Got­tes­dienst be­grüßt.

Hier und dort steht ein Um­zugs­kar­ton, an den Wän­den ist noch viel Platz, doch Stüh­le, Kom­mo­de und Schau­kel­pferd­chen fin­den ih­ren Platz: Im Pfarr­haus in Gai­len­kir­chen ist seit Mit­te Au­gust mit So­phie und Da­ni­el Abend­schein und ih­rer zehn Mo­na­te al­ten Toch­ter Ruth wie­der Le­ben ein­ge­kehrt. Das Pfar­rer­ehe­paar ist seit 1. Sep­tem­ber für die evan­ge­li­sche Ge­samt­kir­chen­ge­mein­de Gai­len­kir­chenGott­wolls­hau­sen zu­stän­dig und ar­bei­tet in Stel­len­tei­lung.

Die Abend­scheins le­ben sich al­so gera­de ein – und sie ge­wöh­nen sich im Pfarr­haus an neue Maß­stä­be: „Vor­her hat­ten wir in Schroz­berg ei­ne klei­ne Vi­kars­woh­nung“, er­zählt Da­ni­el Abend­schein lä­chelnd. Dort hat der 34-Jäh­ri­ge sein Vi­ka­ri­at ab­sol­viert. Sei­ne Frau hat als Pfar­re­rin zur Di­enstaus­hil­fe bei De­kan Sieg­fried Jahn im Kir­chen­be­zirk Blau­fel­den ge­ar­bei­tet.

Nun be­ginnt für das Pfar­rer­ehe­paar in Gai­len­kir­chen ein neu­er Ab­schnitt, der schon beim Um­zug sehr schön be­gon­nen hat: „Nach­barn und Kir­chen­ge­mein­de­rat ha­ben uns mit Brot und Salz emp­fan­gen, und der Flö­ten­kreis hat ge­spielt“, er­zählt So­phie Abend­schein. Man ha­be die Freu­de der Ge­mein­de rich­tig ge­spürt. Nun ler­nen die Abend­scheins das Le­ben und die Ak­ti­vi­tä­ten in der Kir­chen­ge­mein­de ken­nen: „Nach den Som­mer­fe­ri­en be­gin­nen wie­der die Grup­pen und Krei­se“, sagt Da­ni­el Abend­schein. Das Dor­f­la­den­fest in Gott­wolls­hau­sen hat je­den­falls be­reits Ein­druck hin­ter­las­sen – „toll, was aus bür­ger­schaft­li­chem En­ga­ge­ment ent­ste­hen kann“.

Vie­le Tauf­an­fra­gen

Die Ar­beit in der Kir­chen­ge­mein­de wird sich das Paar auf­tei­len. Bei­spiels­wei­se un­ter­rich­tet So­phie Abend­schein in der Schu­le, ihr Mann über­nimmt den Kon­fir­man­den­un­ter­richt, „und bei den Got­tes­diens­ten wech­seln wir uns wohl ab“, sagt Da­ni­el Abend­schein. Die bei­den sind froh und dank­bar, dass sie als jun­ge Fa­mi­lie so fle­xi­bel sein dür­fen. Die Kir­chen­ge­mein­de, zu der auch das Wohn­ge­biet Brei­t­eich ge­hört, sei span­nend. Es ge­be vie­le Tauf­an­fra­gen. Vor­erst geht es den bei­den Theo­lo­gen vor al­lem dar­um, al­les ken­nen­zu­ler­nen: „Wir kom­men hier nicht mit ei­nem fer­ti­gen Pro­gramm her“, be­tont Da­ni­el Abend­schein. Das müs­se wach­sen.

So ist wohl auch bei sei­ner Frau der Wunsch, Pfar­re­rin zu wer­den, erst ge­wach­sen. Als Ju­gend­li­che ha­be sie nie dar­an ge­dacht, „ob­wohl ei­ner mei­ner Groß­vä­ter Pfar­rer war“. Für Theo­lo­gie ha­be sie sich ei­gent­lich ent­schie­den, weil sie dort vie­le ih­rer In­ter­es­sen in ei­nem Fach un­ter­brin­gen konn­te: Spra­chen, Ge­schich­te, Ar­beit mit Tex­ten, die Be­schäf­ti­gung mit exis­ten­zi­el­len Fra­gen. Pfar­re­rin sein? „Konn­te ich mir nicht vor­stel­len – viel­leicht auch, weil mir die Vor­bil­der fehl­ten, al­so weib­li­che Pfar­rer.“Im Lauf des Stu­di­um sei sie dann doch neu­gie­rig ge­wor­den, und wäh­rend ih­res Vi­ka­ri­ats in Schorn­dorf reif­te die Er­kennt­nis: „Das ist es, das fühlt sich rich­tig an, ein wun­der­vol­ler Be­ruf.“An dem schätzt die 32-Jäh­ri­ge, dass sie Men­schen in al­len Pha­sen des Le­bens be­glei­ten darf – von der Tau­fe bis zur Be­er­di­gung, „das ist auch et­was Be­rüh­ren­des“. Au­ßer­dem mag sie es, im Rhyth­mus des Kir­chen­jahrs zu le­ben. Und sie geht ger­ne theo­lo­gi­schen Fra­gen auf den Grund.

Spra­che für den Glau­ben fin­den

Da­ni­el Abend­schein, der aus dem Ber­gi­schen Land in Nord­rhein-West­fa­len stammt, hat sich bei­zei­ten in der Kir­che en­ga­giert. Na­he­lie­gend: Der Va­ter war Ju­gend­re­fe­rent. „Pfar­rer zu wer­den, war für mich schon früh ei­ne Op­ti­on“, sagt er. Aus­schlag­ge­bend sei aber wohl sei­ne Zeit als Aus­tausch­schü­ler in den USA ge­we­sen. Dort sei er bei ei­ner „durch­aus fun­da­men­ta­lis­ti­schen“Fa­mi­lie zu Gast ge­we­sen und be­merk­te: „Um mei­nen ei­ge­nen Stand­punkt zu for­mu­lie­ren, fehl­te mir et­was.“Das Be­dürf­nis, Ar­gu­men­te für Frei­heit, Of­fen­heit und Ge­rech­tig­keit zu for­mu­lie­ren, „da­für sprach­fä­hig zu wer­den“, das ha­be ihn in sei­ner Wahl end­gül­tig be­stärkt.

Da­ni­el Abend­schein war auch ein Jahr beim öku­me­ni­schen Ju­gend­rat in Brüssel tä­tig und hat zu­letzt ei­ne Dok­tor­ar­beit vor­ge­legt. Nun freut er sich, nach dem Vi­ka­ri­at in Schroz­berg, ge­mein­sam mit sei­ner Frau, die Ar­beit mit ei­ner Kir­chen­ge­mein­de an­zu­pa­cken.

In­fo Das Pfar­rer­ehe­paar Abend­schein wird mor­gen, Sonn­tag, im Got­tes­dienst in Gai­len­kir­chen of­fi­zi­ell be­grüßt. Be­ginn ist um 10.30 Uhr.

Fo­to: Bet­ti­na Lo­ber

Füh­len sich in Gai­len­kir­chen schon rich­tig wohl: So­phie und Da­ni­el Abend­schein vor dem Turm der Ma­ri­en­kir­che.

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