Nach­fol­ger drin­gend ge­sucht

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

Der Ver­le­ger von Klöp­fer & Mey­er strebt den Ru­he­stand an. Des­halb gibt es 2019 kein Früh­jahrs­pro­gramm.

Tü­bin­gen. „Bü­cher fürs Den­ken und Le­sen oh­ne Ge­län­der.“Furcht­los – und frei nach Han­nah Arendt – stellt sich der Tü­bin­ger Ver­lag Klöp­fer & Mey­er auf sei­ner Web­site vor. Dem viel­ge­lob­ten und zwei­fach preis­ge­krön­ten un­ab­hän­gi­gen Li­te­ra­tur­ver­lag droht jetzt aber der Ab­sturz. Das le­gen Rund­brie­fe na­he, die im ver­gan­ge­nen Mo­nat an die Autoren und Au­to­rin­nen raus­gin­gen – Ly­ri­ker, Pro­sa-Schrift­stel­ler, Es­say­is­ten, Wis­sen­schaft­ler und Jour­na­lis­ten wie Eva Chris­ti­na Zel­ler, Joa­chim Zel­ter, Kurt Oes­ter­le und Her­mann Bau­sin­ger aus Tü­bin­gen, Chris­ti­ne Lan­ger und Sil­ke Knäp­per aus Ulm, Thu­mi­lan Sel­ma­ku­va­ran aus Schwä­bisch Hall, Man­fred Zach und Adri­en­ne Braun aus Stuttgart oder den ge­bür­ti­gen Det­ten­hau­se­ner Fe­lix Hu­by aus Ber­lin.

Da­rin teil­te Ver­le­ger Hu­bert Knöp­fer mit, der Ver­lag, den er am 19. De­zem­ber 1991 zu­sam­men mit Klaus Mey­er und ei­ni­gen en­ga­gier­ten Mit­strei­tern ge­grün­det und 2003 kurz vor dem be­vor­ste­hen­den Ver­kauf des da­ma­li­gen Mut­ter­hau­ses DAV an ei­nen Bran­chen­rie­sen nach Tü­bin­gen zu­rück­ge­holt hat­te, le­ge 2019 kein Früh­jahrs­pro­gramm vor. Und ein Herbst­pro­gramm 2019 „wird es nur ge­ben, wenn al­ters­hal­ber die Nach­fol­ge ge­re­gelt ist“.

„Ich bin kern­ge­sund!“, be­tont der bald 67-Jäh­ri­ge auf an­ders­lau­ten­de Ge­rüch­te hin. „Und auch noch nicht ganz oh­ne Hoff­nung.“In Über­ein­kunft mit sei­ner Fa­mi­lie ha­be er sich nun­mal vor­ge­nom­men, zum 30. Ver­lags­jahr sei­nen Ru­he­stand an­zu­tre­ten. Und die bis­lang zwei­jäh­ri­gen Be­mü­hun­gen um ei­ne zu­frie­den­stel­len­de Nach­fol­ge­re­ge­lung sei­en er­folg­los ge­blie­ben. Ver­la­ge und „ver­lags­na­he Men­schen“, mit de­nen er ver­han­del­te, scheu­ten das Ri­si­ko, die Ar­beit, oder die „zu­neh­mend buch­fer­nen Zei­ten“. „Das ver­ste­he ich“, sagt Klöp­fer. „Die Vor­lauf­kos­ten pro Ver­lags­pro­gramm be­lau­fen sich schließ­lich auf gut 200 000 Eu­ro.“

Den­noch sieht er noch „Ge­sprächs­mög­lich­kei­ten“. Statt ein Früh­jahrs­pro­gramm vor­zu­be­rei­ten, will er die in den kom­men­den Mo­na­ten in­ten­siv nut­zen. „Es darf sich je­der dar­um be­wer­ben, bei Klöp­fer & Mey­er ein­zu­stei­gen!“– sonst heißt es in Tü­bin­gen bald frei nach Her­mann Hes­se: „Je­dem Zau­ber wohnt ein En­de in­ne.“

Fo­to: Ul­rich Metz

Be­reit für die Über­ga­be: Ver­le­ger Hu­bert Klöp­fer.

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