Uni­corns ma­chen sich auf den Weg nach Ber­lin

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Hart­mut Ruf­fer

Das Fi­na­le um die Deut­sche Meis­ter­schaft im American Foot­ball fin­det heu­te in Ber­lin statt. Die Be­geg­nung zwi­schen den Schwä­bisch Hall Uni­corns und Frank­furt Uni­ver­se be­ginnt um 18 Uhr im Fried­rich-Lud­wig-Jahn-Sport­park. Die Hal­ler Mann­schaft hat sich schon am Frei­tag zur Mit­tags­zeit auf den Weg in die Haupt­stadt ge­macht. Ab­fahrt war am Op­ti­ma-Sport­park (Fo­to). Der Son­der­zug mit 450 Fans an Bord folgt der Mann­schaft an die­sem Sams­tag. Für die Hal­ler ist es die sieb­te Fi­nal­teil­nah­me, drei­mal ha­ben sie den Ti­tel be­reits ge­won­nen. In der heu­ti­gen Par­tie sind sie fa­vo­ri­siert. Hall schlug Frank­furt in die­ser Sai­son schon zwei­mal.

Klaus Böh­me ist ei­ner von meh­re­ren Mann­schafts­ärz­ten der Uni­corns. Den Um­gang mit den Sport­lern emp­fin­det er als sehr span­nend.

Seit Klaus fast Böh­me zwei Jah­ren und sei­ne sind Kol­le­gen Ver­sor­gungs­zen­trum aus dem Me­di­zi­ni­schen der Schwä­bisch im Qme­di­ko Hall die Tea­m­ärz­te Uni­corns. Bei je­dem von ih­nen Spiel am ist min­des­tens Spiel­feld­rand ei­ner mit da­bei, die eh­ren­amt­li­che Ar­beit geht aber weit dar­über hin­aus. Herr Böh­me, wie wird man Mann­schafts­arzt der Uni­corns?

Klaus Böh­me: (lä­chelt) Mein Kol­le­ge Dr. In­go Spran­ger hat das frü­her schon ein­mal ge­macht. Als wie hier im Qme­di­ko zu dritt an­ge­fan­gen ha­ben, ha­ben wir uns mit den Uni­corns-Ver­ant­wort­li­chen ge­trof­fen und über ei­ne Zu­sam­men­ar­beit ge­spro­chen. Wir ka­men schnell über­ein. Hat­ten Sie vor­her be­reits Er­fah­rung mit American Foot­ball ge­sam­melt? Ich ha­be im­mer ein we­nig NFL ge­guckt, aber sonst kei­ne Be­rüh­rungs­punk­te. Das Ein­ar­bei­ten aber geht recht schnell. Die Zu­schau­er se­hen Sie und Ih­re Kol­le­gen bei den Spie­len, doch Ih­re Ar­beit geht weit dar­über hin­aus. Ja, die ei­gent­li­che Ar­beit ist hier in der Pra­xis. Und es geht auch nicht nur um die Be­hand­lung von aku­ten Ver­let­zun­gen, son­dern auch um die Beur­tei­lung des Spie­lers hin­sicht­lich Spiel­fä­hig­keit und die Prä­ven­ti­on von Ver­let­zun­gen. Wir wol­len, dass die Spie­ler mög­lichst die gan­ze Sai­son über spiel­fä­hig sind. Sind Sie auch im Trai­ning da­bei?

Ja, ich schaue oft am Frei­tag­abend zu. Da­bei geht es auch dar­um, Ver­trau­en auf­zu­bau­en, ge­gen­über den Spie­lern, aber auch ge­gen­über den Trai­nern. Spie­ler mit klei­ne­ren Bles­su­ren soll­ten bei­spiels­wei­se nicht per­ma­nent voll trai­nie­ren. Se­hen die Spie­ler das manch­mal an­ders? Das kann vor­kom­men, man muss die Jungs auch mal brem­sen. Ge­ra­de vor den ent­schei­den­den Be­geg­nun­gen sind al­le geil dar­auf, zu spie­len. Aber es ist nun mal so: Wenn ei­ne Mus­kel­ver­let­zung 9 bis 17 Ta­ge zur Re­ge­ne­ra­ti­on braucht, der Spie­ler aber nach 14 Ta­gen schon wie­der voll trai­niert, weil er sich gut fühlt, ist das ein Ri­si­ko. Denn ei­ne Fol­ge­ver­let­zung kann weit­aus schlim­mer sein. Es gibt Spie­ler, die sich in­ten­siv da­mit aus­ein­an­der­set­zen. Fällt Ih­nen da­zu ein Bei­spiel ein?

Nick Al­fie­ri. Er hat ei­ne pro­fes­sio­nel­le Ein­stel­lung. Er tut al­les da­für, um fit zu wer­den und über­rascht mich da­bei auch mit De­tail­fra­gen. Ein grö­ße­res The­ma in den USA sind die Ge­hirn­er­schüt­te­run­gen und de­ren Fol­gen. Ja, in den Pro­fi­li­gen gibt es bei Ge­hirn­er­schüt­te­run­gen mitt­ler­wei­le ex­akt ein­zu­hal­ten­de Pro­to­kol­le. Die Spie­ler wer­den dann auch

neu­tran- un­mit­tel­bar durch ei­nen len Arzt der Li­ga un­ter­sucht und die Er­geb­nis­se mit de­nen ei­nes vor der Sai­son bei al­len Spie­lern durch­ge­führ­ten Tests ver­gli­chen, dem so­ge­nann­ten SCAT-3-Test. Bei Auf­fäl­lig­kei­ten wird der Spie­ler so­fort aus dem Spiel ge­nom­men. Die­ses Ver­fah­ren ist sehr auf­wen­dig und auch im hoch­klas­si­gen Ama­teur­sport nicht ab­zu­bil­den. Wir ver­wen­den bei Ge­hirn­er­schüt­te­run­gen klei­ne­re Test­ver­fah­ren, die von gro­ßen Sport­ver­bän­den wie der Fi­fa oder dem in­ter­na­tio­na­len Eis­ho­ckey­und Rug­by­ver­band aus­ge­ar­bei­tet wur­den und die auch durch Be­treu­er und Phy­sio­the­ra­peu­ten an­ge­wen­det wer­den kön­nen. Spie­ler, die auf­fäl­lig sind, neh­men wir um­ge­hend aus dem Spiel, auch wenn oft der Spie­ler selbst die ge­rings­te Ein­sicht hat. Die Coa­ches sind da kein Pro­blem. Nach ei­ner Ge­hirn­er­schüt­te­rung brau­chen die Spie­ler viel Ru­he, be­kom­men ei­nen Ablauf­plan und dür­fen frü­hes­tens nach ei­ner Wo­che wie­der spie­len. Man­che se­hen im Foot­ball ei­ne „ge­fähr­li­che“Sport­art. Was sa­gen Sie als Me­di­zi­ner da­zu? Foot­ball mag et­was ris­kan­ter als die klas­si­schen eu­ro­päi­schen Team­sport­ar­ten sein. Doch man muss dif­fe­ren­zie­ren, auch dort pas­sie­ren ei­ne gan­ze Rei­he Ver­let­zun­gen. Ein Fuß­bal­ler kann mit ei­nem ge­bro­che­nen Fin­ger spie­len, beim Foot­ball braucht man deben Hän­de und Fü­ße. Im Be­reich der Schul­ter ist die Ver­let­zungs­wahr­schein­lich­keit bei Hand­bal­lern si­cher­lich grö­ßer. Foot­ball ist in mei­nen Au­gen nicht bes­ser oder schlech­ter als an­de­re Sport­ar­ten. An die­sem Sams­tag steht nun das Fi­na­le an. In­wie­weit un­ter­schei­det sich für Sie die Vor­be­rei­tung ge­gen­über ei­nem re­gu­lä­ren Sai­son­spiel? Für uns Ärz­te ist es un­er­heb­lich, ob es ein Fi­na­le oder ein an­de­res Spiel ist. Aber die Trai­ner sind we­sent­lich ner­vö­ser (lä­chelt).

Auch die Spie­ler sind na­tür­lich an­ge­spannt. Für mich ist es er­staun­lich, was sie auf sich neh­men. Die Spie­ler be­kom­men kein Geld. Da ist noch je­de Men­ge En­thu­si­as­mus da­bei. In­so­weit ist Foot­ball noch ein Stück weit ehr­li­cher als manch an­de­re Sport­art, in der viel Geld im Um­lauf ist. Zu­min­dest emp­fin­de ich es so. Sind Sie in Ber­lin da­bei?

Ja, für mich ist es ei­ne Pre­mie­re. Ich konn­te im ver­gan­ge­nen Jahr nicht mit­fah­ren, war aber trotz­dem auf ei­ne ge­wis­se Wei­se da­bei. Wie mei­nen Sie das?

Na­te Ro­bitail­le hat­te 2017 nach ei­nem Tack­le Pro­ble­me am Hals. Die ent­schei­den­de Fra­ge war: Hat er et­was an der Hals­wir­bel­säu­le oder nicht? Mein Kol­le­ge war vor Ort, hat mich in der Halb­zeit dann an­ge­ru­fen, weil ich in den Ta­gen zu­vor öf­ter mit Na­te zu tun hat­te. Es ging nicht um ei­ne Dia­gno­se, son­dern um die Fra­ge: Wie tickt die­ser Spie­ler? Sagt er ehr­lich, wenn er star­ke Schmer­zen hat oder nicht? Hät­te Na­te et­was an der Hals­wir­bel­säu­le ge­habt, hät­te er nicht zu­rück­keh­ren dür­fen. Dem war zum Glück nicht so. Wie lan­ge wol­len Sie Tea­m­arzt der Uni­corns blei­ben? Pau­schal kann ich das nicht be­ant­wor­ten. Es geht na­tür­lich nur im Team mit den Kol­le­gen Kel­ler, Spran­ger, Ar­bo­gast und Burg­schwei­ger. Mo­men­tan macht es trotz der vie­len Zeit, die wir un­ent­gelt­lich in­ves­tie­ren, ein­fach Spaß. Ab­seits der „nor­ma­len“Ar­beit be­deu­tet ein Be­glei­ten ei­nes Sport­teams ei­ne an­de­re Ar­beit. Es ist ein an­de­res Den­ken und auch ei­ne an­de­re Me­di­zin. Und das ist ein­fach span­nend.

Fo­to: Ufuk Ars­lan

Fo­to: Ufuk Ars­lan

Klaus Böh­me in der Pra­xis mit Uni­corn Ty­ler Ru­ten­beck.

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