Mann­heim fei­ert freie Fahrt

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMSCHAU -

Die Preu­ßen als Vor­den­ker der eu­ro­päi­schen Idee? Und die Bay­ern ma­chen mit ih­nen ge­mein­sa­me Sa­che, mehr oder we­ni­ger frei­wil­lig? Nun ja, die Um­stän­de wa­ren eben an­ders vor ein­ein­halb Jahr­hun­der­ten, als kurz vor dem deutsch-fran­zö­si­schen Krieg 1870-71, am 17. Ok­to­ber 1868, ein Gren­zen über­schrei­ten­des Pa­pier un­ter­zeich­net wur­de. „Sie ist das äl­tes­te, im Kern noch heu­te gül­ti­ge eu­ro­päi­sche Ver­trags­werk“, teilt die Stadt an­läss­lich der Rück­kehr der „Mann­hei­mer Ak­te“an ih­ren Ur­sprungs­ort mit.

Ver­su­che im West­fä­li­schen Frie­den (1648) oder in der Schluss­ak­te des Wie­ner Kon­gres­ses (1815) wa­ren ge­schei­tert. Es dau­er­te al­so, bis die freie Rhein­schiff­fahrt Rea­li­tät wur­de. Das in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men, wel­ches Preu­ßen, zu dem das Rhein­land ge­hör­te, Bay­ern mit der Pfalz, Ba­den und Hes­sen mit den Nie­der­lan­den und Frank­reich schlos­sen, be­sagt, dass der Rhein als in­ter­na­tio­na­les Ge­wäs­ser für al­le An­rai­ner­staa­ten frei be­fahr­bar zu sein hat. Die „Mann­hei­mer Ak­te“wur­de schließ­lich in die 1963 re­vi­dier­te Rhein­schiff­fahrts­ak­te in­te­griert und seit­her in Straß­burg auf­be­wahrt.

Ma­ri­neblaue Bla­zer, dun­kel­graue Ho­sen und die Was­ser­schutz­po­li­zei in Uni­form: Das Bild an den Mann­hei­mer Rhein­ter­ras­sen war dem An­lass an­ge­mes­sen, als die Ak­te in ei­nem Po­li­zei­boot an­lan­de­te. Wo­bei sich Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Specht zur Kor­rek­tur ei­ner weit ver­brei­te­ten An­sicht ver­an­lasst sah: „Mann­heim liegt nicht an zwei Flüs­sen, son­dern an ei­nem Fluss und ei­nem Strom“, sag­te Specht. Als ein­zi­ge Stadt im Süd­wes­ten.

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