Was kann ich selbst tun?

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Wahr­schein­lich wa­ren Sie schon im Som­mer­ur­laub und er­in­nern sich an schö­ne Ta­ge. An die Land­schaf­ten, das Es­sen, freund­li­che Be­geg­nun­gen. Wenn Sie mich nach dem ein­drück­lichs­ten Er­leb­nis in die­sen Fe­ri­en fra­gen, war es ei­nes, das mich zum Nach­den­ken brach­te.

Mei­ne Frau und ich ge­nos­sen das fran­zö­si­sche Savoir-vi­v­re an der Cô­te d’Azur, wo sich in Sain­tTro­pez, Can­nes oder Mo­na­co auch der me­ga­rei­che Jet­set tum­melt. Auf dem Heim­weg be­geg­ne­te uns dort auch ei­ne an­de­re Rea­li­tät: An der fran­zö­sisch-ita­lie­ni­schen Gren­ze bei Ven­ti­miglia stan­den übe­r­all be­waff­ne­te Gren­zer, die un­se­ren Wohl­stand ge­gen Im­mi­gran­ten aus den ar­men Län­dern ver­tei­di­gen. Dort prallt Reich­tum auf bit­te­re Ar­mut und Hoff­nungs­lo­sig­keit.

Garten der Stil­le

Wenn man dort wei­ter nord­wärts fährt, pas­siert man den Col­le di Ten­de. Der ers­te ita­lie­ni­sche Ort nach der Pass­hö­he heißt Li­mo­ne. Dort gibt es ei­ne im Som­mer ver­wais­te Lift­sta­ti­on. Ein idea­ler Ort, um un­ge­stört mit dem Wohn­mo­bil zu über­nach­ten.

Wir be­schlos­sen, nach dem Tru­bel der Cô­te d’Azur die Ein­sam­keit zu ge­nie­ßen und früh­mor­gens in die Ber­ge zu wan­dern. Es gab ei­nen Weg zur „Al­pe di Gio­van­ni“. Das klang gut. Pa­pa Gio­van­ni war ein Pa­ter, der in den Ber­gen ei­nen Garten der Stil­le an­ge­legt hat­te. Vie­le Zi­ta­te aus der Bi­bel brach­ten uns dort zum Nach­den­ken. Ganz be­son­ders wirk­ten auf uns zwei St­ein­ta­feln. Auf Ita­lie­nisch wa­ren die Zehn Ge­bo­te ein­ge­mei­ßelt. Wir fühl­ten uns an Abra­ham er­in­nert, der auf dem Berg Si­nai die­se Zehn Ge­bo­te, eben auf St­ein­ta­feln, emp­fan­gen hat­te.

Ein­hal­ten der Zehn Ge­bo­te

Wir ka­men ins Gr­ü­beln. Wie steht es um uns? Wie ernst neh­men wir die­se Re­geln des Zu­sam­men­le­bens? Im Gro­ßen und Gan­zen lü­gen, steh­len und ehe­bre­chen wir ei­gent­lich nicht. Wo­her kommt aber un­ser Wohl­stand? Ent­steht er nicht auch zu­las­ten der Ar­men die­ser Welt? Wie ernst neh­men wir es mit der Nächs­ten­lie­be? Wie hal­ten wir es mit der Wahr­heit, wenn es um un­se­ren Vor­teil geht?

Wir dach­ten an die an­geb­li­chen Ret­ter des christ­li­chen Abend­lan­des. Wenn sie die Zehn Ge­bo­te ach­ten wür­den, gä­be es we­ni­ger Kei­le in un­se­rer Ge­sell­schaft. Ins­be­son­de­re das ach­te Ge­bot: „Du sollst nicht falsch Zeug­nis re­den“, könn­te un­se­re po­li­ti­sche Kul­tur wie­der deut­lich ver­bes­sern. Es ist al­ler­dings ein­fach von an­de­ren das Ein­hal­ten der Zehn Ge­bo­te ein­zu­for­dern, die Fra­ge muss zu­erst ein­mal lau­ten: Was kann ich für ein bes­se­res Zu­sam­men­le­ben in die­ser Welt tun?

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