„Die SPD muss erst wie­der ih­ren Kom­pass fin­den“

Hamburger Morgenpost - - HAMBURG -

Mei­ne Zweit­stim­me wer­de ich am 24. Sep­tem­ber der CDU ge­ben. Und mit der Erst­stim­me den Di­rekt­kan­di­da­ten der SPD wäh­len – der Par­tei, der ich sonst stets bei­de Stim­men ge­ge­ben ha­be. Ist mir der Wech­sel schwer­ge­fal­len? Nein, es war ein nüch­ter­nes Ab­wä­gen. Um ehr­lich zu sein: An­ge­la Mer­kel be­geis­tert mich nicht. Ich hal­te auch Mar­tin Schulz für ei­nen pas­sa­blen Kan­di­da­ten. Doch an Mer­kel hat mich am En­de die Bi­lanz ih­rer Re­gie­rungs­ar­beit über­zeugt: Ob Flücht­lings-, Fi­nanz- oder Eu­ro-Kri­se, ob Ukrai­ne-Krieg, Sy­ri­en oder Br­ex­it – sie hat un­ser Land und Eu­ro­pa stets mit Ver­nunft und Au­gen­maß ge­führt. Und das ist in Zei­ten von Pu­tin, Er­do­gan, Trump und Or­bán ein schier un­schätz­ba­res Gut. Mer­kel hat sich von dem tür­ki­schen oder rus­si­schen Au­to­kra­ten nie in Ex­trem­po­si­tio­nen drän­gen las­sen. Und für mich ganz wich­tig: Sie hat Eu­ro­pa nie aus den Au­gen ver­lo­ren. Sie hat dem Drän­gen aus den ei­ge­nen Rei­hen wi­der­stan­den, hat als Ant­wort auf die ge­nann­ten Kri­sen eben nicht die na­tio­na­le ego­is­ti­sche Kar­te ge­spielt. Mich über­zeugt ih­re un­eit­le und nüch­ter­ne Art, Po­li­tik zu ge­stal­ten. Und ich wün­sche ihr ei­nen neu­en Part­ner, mög­lichst die Grü­nen. Da­mit mei­ne SPD in der Op­po­si­ti­on wie­der ih­ren Kom­pass fin­det. Ha­rald Stut­te (52), Po­li­tik-Re­dak­teur

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