Kup­fer­die­be klau­en Roh­re – Ex­plo­si­ons­ge­fahr!

Tä­ter er­wi­schen Gas­lei­tung, Feu­er­wehr eva­ku­iert Häu­ser

Hamburger Morgenpost - - HAMBURG -

Von ANA­ST­A­SIA IKSANOV und RÜ­DI­GER GAERTNER

Kabel, Roh­re, Tür- und Fens­ter­grif­fe: Kup­fer­die­be klau­en al­les, was ih­nen in die Fin­ger kommt. Doch in die­sem Fall ha­ben die Ga­no­ven so­gar Men­schen­le­ben in Ge­fahr ge­bracht: In der Nacht zu Frei­tag sind un­be­kann­te Tä­ter in ein Haus in Ber­ge­dorf ge­stie­gen und ha­ben Lei­tun­gen im Kel­ler ab­mon­tiert. Plötz­lich trat Gas aus.

Kup­fer­ma­te­ri­al ist bei Die­ben sehr be­liebt. Der ak­tu­el­le Preis liegt bei rund 5400 Eu­ro je Ton­ne. Und des­halb su­chen die Gau­ner ger­ne Bau­stel­len, Bahn­glei­se und Bau­rui­nen auf – und manch­mal auch leer­ste­hen­de Häu­ser.

Gut mög­lich, dass die Tä­ter an­ge­nom­men hat­ten, dass das al­te Mehr­fa­mi­li­en­haus am Wei­den­baum­sweg ab­riss­reif ist, dass dort nie­mand mehr wohnt. Die Tür­schei­be ist ein­ge­schla­gen, im Trep­pen­haus riecht es mod­rig, die Brief­käs­ten sind über­füllt mit al­ten Wer­be­pro­spek­ten. Ei­ne Woh­nungs­tür steht sperr­an­gel­weit of­fen, der Li­n­ole­um­bo­den ist ab­ge­wetzt. Das Haus wirkt ver­las­sen.

Auch der ver­dreck­te Kel­ler­be­reich ist frei zu­gäng­lich – ge­fun­de­nes Fres­sen für die Kup­fer­die­be. Die­se stei­gen ge­gen Mit­ter­nacht die Stu­fen hin­ab und be­gin­nen, mit Zan­gen Roh­re ab­zu­schrau­ben. Was sie nicht wis­sen: Durch die­se Roh­re strömt noch Gas! Denn im zwei­ten Ober­ge­schoss wohnt Sieg­fried V. (50) mit sei­nem Sohn. „Ich su­che ja schon ei­ne neue Blei­be, aber es ist nicht ein­fach, et­was Kos­ten­güns­ti­ges zu fin­den“, sagt der Hartz-IV-Emp­fän­ger.

Als plötz­lich das Gas aus der Haupt­lei­tung schießt, er­grei­fen die Die­be die Flucht. Der Brenn­stoff brei­tet sich im gan­zen Haus aus. Der Sohn von Sieg­fried V. wird wach und weckt sei­nen Va­ter. „Im Trep­pen­haus stank es ge­wal­tig“, sagt er. Die Feu­er­wehr rückt aus – und das Mess­ge­rät der Ret­ter schlägt Alarm. 25-pro­zen­ti­ge Sät­ti­gung im Haus – Ex­plo­si­ons­ge­fahr! So­fort wer­den auch die da­ne­ben­ste­hen­den Häu­ser eva­ku­iert, das be­trof­fe­ne Haus wird be­lüf­tet. Erst um 1.50 Uhr dür­fen Va­ter und Sohn wie­der in ih­re Woh­nung.

Die Feu­er­wehr am Ein­satz­ort am Wei­den­baum­sweg. Aus dem Kel­ler brei­te­te sich Gas im Haus aus.

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