In­dus­triechic und Ita­lo-Kitsch

Das „Al Li­do“be­sticht mit Markt­hal­len­at­mo­sphä­re

Hamburger Morgenpost - - GASTRO - Von MA­THIS NEU­BUR­GER

Es gibt die­se Lä­den, an de­nen man schon tau­send Mal vor­bei­ge­fah­ren ist und sich ge­fragt hat: Wie mag es da wohl sein? Das „Al Li­do“an der Am­sinck­stra­ße ist so ein Fall: Wir ha­ben uns den Ita­lie­ner un­term SBahn-Via­dukt an ei­nem Di­ens­tag­abend an­ge­se­hen.

Ei­nen Strand, wie der Na­me ver­spricht, sucht man na­tür­lich ver­geb­lich. Da­für f ießt trä­ge die Bil­le an der Park­platz-Ter­ras­se vor­bei. Oben rauscht die S3 vor­bei, hin­ten 65 000 Au­tos pro Tag: Idyl­le ist was an­de­res, ein bunt be­leuch­te­ter Kran ver­sprüht da­für In­dus­triechic.

Denn das Re­stau­rant – vor 18 Jah­ren vom Va­ter ge­grün­det und vom Sohn wei­ter­ge­führt – hat sei­nen Sitz in ei­ner al­ten Werft­hal­le. Hier mi­schen sich Ita­lo-Kitsch und ka­rier­te De­cken mit Strahl­trä­gern: et­was chao­tisch, aber sym­pa­thisch.

Ers­te Über­ra­schung: Der La­den ist trotz Fe­ri­en­zeit fast kom­plett voll. Die Kar­te ist klas­sisch ita­lie­nisch, die Prei­se sind zi­vil: Sa­lat ab 4 Eu­ro, Pas­ta ab 7,50, Piz­za ab 7,70 Eu­ro. Wir or­dern An­ti­pas­ti (9,50 Eu­ro) – und ei­ne Fisch­sup­pe (7 Eu­ro), was un­se­ren et­was spe­zi­el­len Kell­ner skep­tisch gu­cken lässt. Was hat das zu be­deu­ten?

Als Haupt­gang wäh­len wir Rin­der­fi­let mit fri­schen Pfif­fer­lin­gen von der Ta­ges­kar­te so­wie ge­grill­te Lamm­hüf­te an Weiß­wein­so­ße (17,90 Eu­ro) – doch von Letz­te­rem rät der Mann ab: „Die Lamm­lach­se von der Ta­ges­kar­te sind bes­ser“, meint er. „Kos­ten auch et­wa gleich.“Na gut, dann eben die.

Die An­ti­pas­ti sind Stan­dard, die Fisch­sup­pe ist kei­ne Of­fen­ba­rung, aber an­stän­dig – und vor al­lem ei­ne Rie­sen­por­ti­on. Da wä­re ei­ne klei­ne Pau­se gut, doch hopp­la, da kommt gleich der nächs­te Gang.

Ge­fragt, wie er sein Fi­let ger­ne hät­te, wur­de mein Kol­le­ge nicht. Im­mer­hin: Es ist ge­nau rich­tig, wie ich dem ge­nüss­li­chen Schmat­zen ent­neh­me, ein ziem­li­cher Klop­per ist das Stück zu­dem noch. Auch die Lamm­lach­se an ei­ner Bal­sa­mi­coSau­ce mit fri­schem Thy­mi­an sind ex­zel­lent. Die „sai­so­na­le Bei­la­ge“– Möh­ren, Kar­tof­feln, Brokkoli – er­in­nert da­für mehr an Kin­der­gar­ten denn an Bel­la Ita­lia. Der Haus­wein, ein Pri­mi­tivo, ist kräf­tig und gut trink­bar (0,5 l für 8,80 Eu­ro), die Wein­kar­te macht ei­nen bo­den­stän­di­gen Ein­druck.

Je län­ger wir sit­zen, des­to bes­ser ge­fällt uns die Markt­hal­len­At­mo­sphä­re. Ei­ne klei­ne Über­ra­schung gibt’s dann noch bei der Rech­nung. Das Rin­der­fi­let kos­tet 25 statt der „et­wa 20 Eu­ro“, die der Kell­ner da­hin­ge­nu­schelt hat­te, die Lamm­lach­se sind mit 21,50 Eu­ro auch teu­rer als an­ge­kün­digt. Bei den Rie­sen­por­tio­nen durch­aus ein an­ge­mes­se­ner Preis, aber ehr­lich geht an­ders. Den­noch: Ei­nen Ab­ste­cher ins „Al Li­do“wird man si­cher nicht be­reu­en.

„Al Li­do“: Mo-Fr 12-23 Uhr, Sa, So u. fei­er­tags 17-23 Uhr, Am­sinck­stra­ße 70, Tel. 23 68 89 75, www.all­i­do-ham­bur .de

Ei­ne Über­ra­schung gibt es, als der Kell­ner uns die Rech­nung bringt.

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