To­tal di­gi­tal

Die Ver­an­stal­ter emp­fin­den die dies­jäh­ri­ge IAA als gro­ßes Ex­pe­ri­ment – so sehr ist die Bran­che im Wan­del. Da­bei spielt das Au­to an sich ei­ne im­mer un­wich­ti­ge­re Rol­le

Hamburger Morgenpost - - MOTOR -

Kein Lenk­rad mehr, kei­ne Pe­da­le, da­für aber ei­ne Front­schei­be als Dis­play, auf dem sich die Pas­sa­gie­re al­les Mög­li­che an­zei­gen las­sen kön­nen, wäh­rend sie voll­au­to­ma­tisch und elek­trisch in Lie­ge­ses­seln über die Au­to­bahn sur­ren, mit vor­bild­li­cher Richt­ge­schwin­dig­keit von 130 km/h.

Die ak­tu­el­len Vor­stel­lun­gen der Her­stel­ler vom Au­to von mor­gen kris­tal­li­sie­ren sich ganz gut in der Au­di-Stu­die Ai­con, der­zeit zu se­hen auf der IAA. Sie bün­delt die ak­tu­el­len Me­ga­trends der Bran­che: Au­to­ma­ti­sie­rung, Elek­tri­fi­zie­rung und Ver­net­zung, die auch Mat­thi­as Wiss­mann, Chef des Mes­se­ver­an­stal­ters VDA, im Vor­feld noch­mals be­ton­te.

„Die Au­to­mo­bil­in­dus­trie be­fin­det sich mit­ten in ei­nem fun­da­men­ta­len Wan­del“, sagt BMW-Chef Ha­rald Krüger. Das Au­to selbst wan­delt sich, und wie wir es ken­nen, ist es ge­ra­de da­bei, sich selbst ab­zu­schaf­fen, zu­min­dest zeigt es Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen – auch wenn die Schwem­me an neu­en SUVs auf der IAA ei­nen an­de­ren Ein­druck er­weckt.

Auch in 100 Jah­ren wird es noch Au­tos ge­ben. Doch auf Pro­dukt­ebe­ne ver­schie­ben sich die Ge­wich­te der­zeit sehr stark, Stich­wort ist der oft be­müh­te Be­griff der Di­gi­ta­li­sie­rung, un­ter dem sich der Wan­del zu­sam­men­fas­sen lässt, der die Au­to­bran­che hef­tig un­ter Druck setzt.

„In Zu­kunft wer­den nur noch knapp 50 Pro­zent der Bran­chenWert­schöp­fung in der Au­to­pro­duk­ti­on bzw. im Au­to­ver­kauf er­bracht wer­den – heu­te sind es noch rund 85 Pro­zent“, heißt es in ei­ner Stu­die von Stra­te­gy&, der Stra­te­gie­be­ra­tung von Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers (PwC).

Für die Zu­kunft ge­wapp­net zu sein ge­ben die Au­to­her­stel­ler zu­min­dest vor, auch wenn kei­ner so ge­nau weiß, wie die Zu­kunft wirk­lich aus­se­hen wird. Volks­wa­gen stellt die jüngs­te Evo­lu­ti­on sei­nes elek­tri­schen Mi­ni­bus­ses für die Stadt zur Schau, der rund um die Uhr per App ge­ru­fen wer­den kön­ne.

Wie aus ei­ner ver­gan­ge­nen Zeit wir­ken da­ge­gen an­de­re Neu­vor­stel­lun­gen. AMG ent­hüll­te den „Pro­ject One“, ei­nen über 1000 PS star­ken Hy­bri­dBo­li­den, des­sen li­mi­tier­te Auf­la­ge zum Stück­preis von drei Mil­lio­nen Eu­ro be­reits ver­grif­fen sei.

Um die Her­aus­for­de­run­gen zu stem­men, hö­ren sich die Her­stel­ler seit Jah­ren in der Star­t­up-Sze­ne um und schla­gen zu, wenn es sich zu loh­nen scheint. Wie sich die Au­to­bau­er das neue Know-how ins Haus ho­len, da­für gibt es et­li­che Bei­spie­le. Egal, ob es um smar­te Park­platz­su­che oder Stau­pro­gno­sen geht – hin­ter neu­en Ser­vices ste­cken oft die Ent­wick­ler von Start-ups. 2016 kauf­te Ge­ne­ral Mo­tors das Start-up Crui­se, das Sys­te­me zum au­to­no­men Fah­ren ent­wi­ckelt. Neue Di­enst­leis­tun­gen, die es oh­ne Di­gi­ta­li­sie­rung und Smart­pho­ne nicht gä­be, sind im Fo­kus.

Auch die IT-Bran­che in­ves­tiert in die Mo­bi­li­tät, des­we­gen müs­sen die Au­to­her­stel­ler auf­pas­sen, dass sie nicht zu rei­nen Zu­lie­fe­rern von Mo­bi­li­täts­platt­for­men wer­den. So über­nahm Chip­gi­gant In­tel für 15 Mil­li­ar­den US-Dol­lar Mo­bi­lEye, ei­nen Her­stel­ler von Fahras­sis­tenz­sys­te­men. Auch App­le oder Goog­le in­ves­tie­ren, die Da­tenGi­gan­ten mi­schen mit, wenn künf­ti­ge selbst­fah­ren­de Au­tos mit ih­rer Um­ge­bung Da­ten aus­tau­schen sol­len. Auf der IAA will man bei­de Sei­ten zu­sam­men­brin­gen. Pa­ra­de­bei­spiel: In der „New Mo­bi­li­ty World“stellt erst­mals Face­book aus.

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