So ja­gen sie den Kin­der­mör­der

Fahn­dung mit Hub­schrau­ber, Droh­ne und Hun­de­staf­feln

Hamburger Morgenpost - - PANORAMA -

Vil­lin­gen­dorf – Wo ist Dra­zen D.? Wo ist der Mann, der in Vil­lin­gen­dorf (Schwarz­wald) drei Men­schen er­schos­sen ha­ben soll – dar­un­ter auch sein Sohn Da­rio? Hat er sich im Ort ver­steckt oder in ei­nem na­hen Wald­stück? Ist er auf dem Weg in sei­ne Hei­mat Kroa­ti­en? Lebt er über­haupt noch? Die Fahn­dung nach dem drei­fa­chen Mör­der lief ges­tern auf Hoch­tou­ren. Aber zu­nächst oh­ne Er­folg.

Das Auf­ge­bot der Po­li­zei ist enorm: 250 Be­am­te aus Ba­den­Würt­tem­berg sind im Ein­satz und 100 aus Bay­ern. Die Fahn­dung wur­de auf Au­to­bah­nen in ganz Ba­den- Würt­tem­berg aus­ge­wei­tet, auch Grenz­stel­len sind alar­miert. Ein Hub­schrau­ber, ei­ne Droh­ne und Hun­de­staf­feln sind im Ein­satz. Im La­ge­zen­trum in Tutt­lin­gen wird die Su­che ko­or­di­niert.

Ges­tern durch­kämm­ten meh­re­re Hun­dert­schaf­ten er­neut ein Wald­stück, in des­sen Nä­he der Wa­gen des 40 Jah­re al­ten Tat­ver­däch­ti­gen ge­fun­den wur­de. „Stück für Stück“wer­de das Ge­biet durch­sucht. „Weil wir nicht aus­schlie­ßen kön­nen, dass sich der Ge­such­te dort ver­steckt hält“; so ein Po­li­zei­spre­cher. Zur Ei­gen­si­che­rung tru­gen die Po­li­zis­ten schwe­re Schutz­klei­dung. Es kön­ne aber auch sein, dass D. Selbst­mord be­gan­gen ha­be und man im Wald sei­ne Lei­che fin­det.

Dra­zen D. steht im drin­gen­den Ver­dacht, am Don­ners­tag­abend aus Ei­fer­sucht sei­nen sechs Jah­re al­ten Sohn Da­rio, den neu­en Le­bens­ge­fähr­ten sei­ner Ex-Frau Ka­te­ri­na (34) und des­sen Cou­si­ne (29) er­schos­sen zu ha­ben. Die Mut­ter des ge­tö­te­ten Jun­gen, der erst we­ni­ge St­un­den vor der Tat ein­ge­schult wur­de, konn­te zu ei­ner Nach­ba­rin flüch­ten. Ein drei Jah­re al­tes Mäd­chen ver­steck­te sich, blieb un­ver­letzt.

Der ge­bür­ti­ge Kroa­te hat dunk­le Haa­re, brau­ne Au­gen und dün­ne Lip­pen, ist 1,77 Me­ter groß. Er gilt als sehr ge­fähr­lich. Und er hat ver­mut­lich noch die Tat­waf­fe bei sich. Ein Sturm­ge­wehr aus Be­stän­den der ehe­ma­li­gen ju­go­sla­wi­schen Ar­mee. Von den ge­fun­de­nen Pa­tro­nen­hül­sen kön­ne aber noch nicht auf das Mo­dell ge­schlos­sen wer­den, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. Die Mu­ni­ti­on pas­se zu meh­re­ren Waf­fen­sys­te­men.

In­zwi­schen gibt es auch wei­te­re Hin­wei­se auf das Mo­tiv. Nach der Tren­nung von Dra­zen D. leb­ten die Frau, ihr Sohn und ihr neu­er Part­ner in Angst vor dem ei­fer­süch­ti­gen Mann. Die Mut­ter bat Be­kann­te und Ver­wand­te, ih­ren Auf­ent­halts­ort ge­heim zu hal­ten.

Die „Neue Rott­wei­ler Zei­tung“be­rich­tet, D. ha­be er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me und gel­te seit 2014 als pri­vat­in­sol­vent. Über das drei­jäh­ri­ge Mäd­chen, das das Blut­bad über­lebt hat­te, gab die Po­li­zei ges­tern kei­ne Aus­kunft.

Hier schien die Welt noch in Ord­nung: Dra­zen D. bei ei­nem Aus­flug mit sei­nem Sohn Da­rio und Mut­ter Ka­te­ri­na Auch die Spu­ren­si­che­rung am Tat­ort ging ges­tern wei­ter. Pa­tro­nen­hül­sen wur­den si­cher­ge­stellt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.