Die gro­ße Wut auf die Post

„Ha­ben Sie auch Är­ger mit der Post?“Die­sem MOPO-Auf­ruf folg­ten et­li­che Le­ser – und mach­ten ih­rer Em­pö­rung Luft. Der täg­li­che Irr­sinn in Gelb-Schwarz:

Hamburger Morgenpost - - VORDERSEITE - Von KRIS­TI­AN MEY­ER

Die Wut über die Post – sie kennt kaum noch Gren­zen. Vie­le Ham­bur­ger be­rich­ten, dass an be­stimm­ten Ta­gen über­haupt kei­ne Sen­dun­gen mehr zu­ge­stellt wer­den. Pa­ke­te und Brie­fe ge­hen ver­lo­ren. Oder kom­men erst nach zehn, elf, zwölf Ta­gen an – ko­mi­scher­wei­se gilt das aus­ge­rech­net für Brie­fe, die in­ner­halb der Stadt un­ter­wegs sind, al­so nur ganz kur­ze We­ge zu­rück­zu­le­gen ha­ben.

Ganz of­fen­sicht­lich gibt es rie­si­ge Pro­ble­me: Viel zu we­nig Per­so­nal, völ­lig über­for­der­te Mit­ar­bei­ter, viel zu groß ge­schnit­te­ne Zu­stell­be­zir­ke und ho­her Kran­ken­stand. „Wel­che Er­fah­run­gen ha­ben Sie mit Post und DHL ge­macht“, so hat die MOPO am Mitt­woch ge­fragt. In­ner­halb

von we­ni­gen St­un­den er­hiel­ten wir ei­ne Flut von Zu­schrif­ten: Es gin­gen al­lein um die 100 Mails ein – und es kom­men pau­sen­los neue da­zu. Pro­blem Num­mer eins: Un­zu­ver­läs­si­ge ➤ Brief­zu­stel­lung: Be­son­ders ver­är­gert sind die Le­ser, wenn wich­ti­ge Post nicht an­kommt. Die MOPO be­rich­te­te zu­letzt über ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Brief­wahl­Un­ter­la­gen. Vie­le Le­ser mo­nie­ren, dass Brie­fe teil­wei­se erst nach Wo­chen bei ih­nen an­kom­men.

„Am 6. Ju­li sand­te ich mei­ner Schwes­ter ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung. Nach 13 Wo­chen kam der Brief end­lich an. Auf dem Um­schlag stand ,Emp­fän­ger un­be­kannt’ und dann ei­ne Auf­lis­tung all der Or­te, an de­nen der Brief zwi­schen­durch fälsch­li­cher­wei­se lan­de­te: Von El­ler­bek bei Kiel über El­ler­ho­op und El­lerau lan­de­te er schließ­lich bei mei­ner Schwes­ter in El­ler­bek bei Pin­ne­berg“, be­rich­tet ein Le­ser. Pro­blem Num­mer zwei: DHLBo­ten ➤ klin­geln nicht: Vie­le Le­ser ha­ben den Ein­druck, dass in vie­len Fäl­len DHL-Bo­ten nicht ein­mal den Ver­such un­ter­neh­men, die Pa­ke­te zu­zu­stel­len. Be­nach­rich­ti­gungs­zet­tel sind mal da, mal nicht. Man­ches Pa­ket wird über­haupt nicht zu­ge­stellt, manch­mal war­tet DHL mit fa­den­schei­ni­gen Be­grün­dun­gen auf wie: „Ih­re Haus­num­mer exis­tiert nicht“– ob­wohl sie na­tür­lich exis­tiert.

Le­se­rin Me­la­nie Lüth be­rich­tet: „Ich sah den DHLWa­gen vom Fens­ter aus. Zehn Mi­nu­ten spä­ter fuhr er ein­fach wie­der weg. Ich bin dann so­fort run­ter­ge­lau­fen, ha­be mich auf den Rol­ler ge­schwun­gen und bin hin­ter­her, um ihn zur Re­de zu stel­len. Er be­haup­te­te, er ha­be sehr wohl ge­klin­gelt, und stell­te mich als Lüg­ne­rin dar.“Pro­blem Num­mer drei: Zu­stel­lung ➤ an Mon­ta­gen: Et­li­che Le­ser ha­ben den Ein­druck, dass Brie­fe und Pa­ke­te nur noch an man­chen Wo­chen­ta­gen ge­lie­fert wer­den, mon­tags vie­ler­orts wohl gar nicht mehr.

Da­zu Mai­ke Wint­jen,Spre­che­rin der Deut­schen Post: „Die­ser Ein­druck kann na­tür­lich ent­ste­hen. Das liegt aber vor al­lem dar­an, dass 84 Pro­zent der Aus­lie­fe­run­gen Ge­schäfts­post sind, die nun mal sel­ten sonn­abends los­ge­schickt wird.“Pro­blem Num­mer vier: ➤ Schlan­gen in Post­fi­lia­len: Die Deut­sche Post hat zwar mit den pri­va­ten „DHL Pa­ket­shops“Aus­gleich für ge­schlos­se­ne Fi­lia­len ge­schaf­fen. Un­se­re Le­ser be­rich­ten den­noch von lan­gen Schlan­gen und Über­for­de­rung vor Ort: „Ur­sprüng­lich gab es in Süll­dorf ein ,rich­ti­ges’ Post­amt. Heu­te ist es ei­ne Fi­lia­le mit ei­ner ,One-Man-Show’. Ent­spre­chend lang ist die Schlan­ge im­mer. Ich be­wun­de­re die Mit­ar­bei­ter, die un­ter die­sen Um­stän­den im­mer noch so nett zu uns Kun­den sind“, schreibt Micha­el Rein­ken. Es gibt aber auch Lob für die ➤ Post: „Ich freue mich im­mer, wenn ich für Nach­barn Pa­ke­te an­neh­men kann und um­ge­kehrt“, schreibt ein Le­ser. „In un­se­rem Neu­bau ler­nen wir uns als Nach­barn da­durch ken­nen. Wir ha­ben ganz net­te Zu­stel­ler, die sich auch freu­en, dass sie die Pa­ke­te nicht wie­der mit­neh­men müs­sen.“

„Ich ver­folg­te den DHL-Bo­ten so­gar mit mei­nem Rol­ler.“Le­se­rin Me­la­nie Lüth

Vie­le Sen­dun­gen am Tag: Man­cher Post-An­ge­stell­te hat or­dent­lich zu schlep­pen.

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