Fall Am­ri: Die Ket­ten­re­ak­ti­on des Ver­sa­gens

Scho­ckie­ren­der Be­richt des Son­der­er­mitt­lers

Hamburger Morgenpost - - POLITIK -

Ber­lin – Die Fest­nah­me des is­la­mis­ti­schen At­ten­tä­ters Anis Am­ri vor sei­nem Ter­ror­an­schlag in Ber­lin schei­ter­te ei­nem Son­der­er­mitt­ler zu­fol­ge mehr­fach an Feh­lern ver­schie­de­ner Po­li­zei­be­hör­den in Bund und Län­dern. Zu die­sem Er­geb­nis kommt der Ab­schluss­be­richt von Bru­no Jost, der ges­tern vor­ge­stellt wur­de. Der vom Ber­li­ner Se­nat ein­ge­setz­te Son­der­er­mitt­ler kri­ti­sier­te so­wohl die Ber­li­ner Kri­mi­nal­po­li­zei als auch die Po­li­zei in NRW und Ba­den-Würt­tem­berg.

Am­ri hat­te am 19. De­zem­ber 2016 bei sei­nem Ter­ror­an­schlag auf ei­nem Weih­nachts­markt zwölf Men­schen ge­tö­tet – ob­wohl er der Po­li­zei lan­ge als po­ten­zi­el­ler Is­la­mist und Dro­gen­händ­ler be­kannt war und auch mehr­fach fest­ge­nom­men wur­de.

Was lief aus Josts Sicht schief ?

Am­ri hät­te we­gen sei­nes Dro­gen­han­dels und ge­fälsch­ter Aus­wei­se mit ei­ner „re­el­len Chan­ce“ver­haf­tet und in U-Haft ge­sperrt wer­den kön­nen, stell­te Jost fest. Be­son­de­re Vor­wür­fe er­hob er ge­gen die Kri­po in Ber­lin. Sie hät­te Am­ri im Som­mer 2016 viel län­ger ob­ser­vie­ren müs­sen, um mehr Er­kennt­nis­se zu sam­meln, an­statt die Ob­ser­va­ti­on nach sechs Wo­chen wie­der zu be­en­den. Auch die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft hät­te da „ein Auge drauf ha­ben müs­sen“. Jost: „Da lag wirk­lich ei­ni­ges im Ar­gen.“

Das LKA Ber­lin ha­be Am­ri im Fe­bru­ar 2016 kurz fest­ge­hal­ten und sein Han­dy be­schlag­nahmt. Aber an­schlie­ßend sei­en die Da­ten aus dem Han­dy nicht aus­ge­wer­tet wor­den, ob­wohl mög­li­cher­wei­se wich­ti­ge Kon­tak­te zu is­la­mis­ti­schen Un­ter­stüt­zern dar­aus her­vor­ge­gan­gen wä­ren.

Als Am­ri am 30. Ju­li 2016 von der Bun­des­po­li­zei in Fried­richs­ha­fen bei der ge­plan­ten Aus­rei­se in die Schweiz fest­ge­nom­men wur­de, wur­de nach Josts Wor­ten „fast al­les falsch ge­macht, was man falsch ma­chen kann“. Die Ver­neh­mung sei ober­fläch­lich und nicht an Am­ris Sta­tus als is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der ori­en­tiert ge­we­sen. Die Po­li­zei ha­be sein Han­dy nicht be­schlag­nahmt. Au­ßer­dem hät­te sich so­wohl die Kri­po Ber­lin als auch die in NRW ein­schal­ten müs­sen. „Es gab ei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce, ihn dort aus dem Ver­kehr zu zie­hen.“

Aus ei­nem ab­ge­hör­ten Te­le­fon­ge­spräch Am­ris mit ei­nem Freund vom 8. April 2016 ging her­vor, dass er doch ei­nen tu­ne­si­schen Rei­se­pass be­saß. Das hat­te er im Asyl­ver­fah­ren im­mer be­strit­ten. Die Kri­po wur­de aber nicht ak­tiv.

Im Ter­ro­ris­mus­ab­wehr­zen­trum GTAZ von Bund und Län­dern wur­de der Fall mehr­fach be­han­delt. Im Pro­to­koll vom 2. No­vem­ber 2016 fin­det sich nur der Hin­weis, es be­ste­he Ei­nig­keit, dass „auf Grund­la­ge der vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­se kein kon­kre­ter Ge­fähr­dungs­sach­ver­halt er­kenn­bar ist“.

Nach dem An­schlag wur­de schnell die Iden­ti­tät des Tä­ters be­kannt. Der Ber­li­ner Se­nat ver­lang­te vom LKA In­for­ma­tio­nen über Am­ri. Da­bei wur­den Fak­ten über das Aus­maß von Am­ris Dro­gen­han­del „ab­sicht­lich ver­schwie­gen“, so Jost.

Tö­te­te am 19. De­zem­ber 2016 bei sei­nem Ter­ror­an­schlag in Ber­lin zwölf Men­schen: A. Am­ri

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