Knast für üb­le Au­to-Ra­ser!

Schär­fe­re Ge­set­ze ge­gen be­son­ders rück­sichts­lo­se Tem­po­sün­der Ham­bur­ger Po­li­zei stellt ih­re neue „Kon­troll­grup­pe Au­to-Po­ser“vor

Hamburger Morgenpost - - HAMBURG - Von THO­MAS HIRSCHBIEGEL

Neun Mann ge­gen rück­sichts­lo­se Ra­ser und Au­to­Po­ser: Ges­tern stell­te die Ham­bur­ger Po­li­zei ih­re neue Spe­zi­al­ein­heit vor. Chef To­bi­as Hänsch und sei­ne Leu­te ha­ben in den ver­gan­ge­nen Wo­chen schon 20 Au­tos si­cher­ge­stellt und ab heu­te hat die Trup­pe ein schar­fes Schwert in der Hand. Nach dem neu­en Pa­ra­gra­fen 315d dro­hen rück­sichts­lo­sen Ra­sern nun bis zu zehn Jah­re Haft.

„Das sind rück­sichts­lo­se und ego­is­ti­sche Ver­hal­tens­wei­sen, die wir nicht län­ger dul­den. Wir wer­den scharf durch­grei­fen,“sagt Ulf Schrö­der, Ham­burgs obers­ter Ver­kehrs­po­li­zist. Ges­tern lud er in die Har­bur­ger Ver­kehrs­di­rek­ti­on Süd und stell­te die „Kon­troll­grup­pe Au­to-Po­ser“vor.

To­bi­as Hänsch, der Chef der Trup­pe, steht in ei­ner Fahr­zeug­hal­le vor ei­nem schwar­zen Ford Mustang und lässt den Mo­tor an. Der Sound ist oh­ren­be­täu­bend. „Die Ab­gas­an­la­ge ist nicht zu­läs­sig und des­we­gen auch nicht in den Pa­pie­ren ein­ge­tra­gen,“so der Ober­kom­mis­sar. Au­ßer­dem hat­te der Hal­ter die Leis­tung des Mo­tors von 440 auf 700 PS ge­stei­gert – auch das il­le­gal! Das Au­to wur­de si­cher­ge­stellt. Auf den Ei­gen­tü­mer kom­men nun Ab­schlep­pVer­wahr-, Gut­ach­ter-, Um­bau­und Neu­zu­las­sungs­kos­ten in Hö­he von meh­re­ren Tau­send Eu­ro zu.

Da­ne­ben steht ein matt-fo­li­er­ter Por­sche Pan­ame­ra 4s. Der 41-jäh­ri­ge Fah­rer war auf der Sü­der­stra­ße bei er­laub­ten 50 mit 97 km/h ge­mes­sen wor­den. Die Be­am­ten stopp­ten den Wa­gen und be­merk­ten den ex­trem lau­ten Aus­puff. Der Por­sche wur­de si­cher­ge­stellt und ein Gut­ach­ter stell­te fest, dass ein Teil der Aus­puff­an­la­ge schlicht raus­ge­sägt wur­de, da­mit der Por­sche „bes­ser“klingt. Auch hier er­lischt so­fort die Zu­las­sung.

Noch tol­ler trieb es der Fah­rer ei­nes Au­di TT, der die Mo­tor­leis­tung des Wa­gens mal eben von 220 auf 475 PS stei­ger­te. Auf den Kof­fer­raum-De­ckel kleb­te er den Schrift­zug: „Kann der was?“Die Tu­ning-Werk­statt kann auf al­le Fäl­le nicht viel. To­bi­as Hänsch: „Die Ve­rän­de­rung wä­re nie­mals ge­neh­mi­gungs­fä­hig

ge­we­sen.“Drei Fäl­le von 20 Si­cher­stel­lun­gen seit dem 1. Sep­tem­ber . Ne­ben dem il­le­ga­len Tu­ning ist der Lärm der Fahr­zeu­ge ein Rie­sen­the­ma. Die Bür­ger­be­schwer­den häu­fen

sich. Erst vor Kur­zem er­wisch­te die Kon­troll­grup­pe in der Ci­ty ei­nen Lam­bor­ghi­ni-Fah­rer (57), des­sen Wa­gen 131 De­zi­bel Lärm ver­ur­sach­te. Ein star­ten­der Jet er­zeugt le­dig­lich 120 De­zi­bel. Der

Mann war aber we­nigs­tens nüch­tern. Nicht so der Fah­rer ei­nes il­le­gal „auf­ge­pimp­ten“Mer­ce­des CLS 500, den die Be­am­ten am Jung­fern­stieg stopp­ten. Der 38-Jäh­ri­ge hat­te 0,72 Pro­mil­le. Au­ßer­dem wur­den in den ver­gan­ge­nen Wo­chen fünf „Au­to-Po­ser“ge­stellt, die un­ter Dro­gen am Steu­er sa­ßen.

Und was sa­gen die Er­wisch­ten so bei den Kon­trol­len? To­bi­as Hänsch: „Das hab’ ich so ge­kauft, hö­ren wir in 99 Pro­zent der Fäl­le.“Oder et­was di­rek­ter: „Das isch AMG, Dig­ger!“Vie­le Jah­re wur­de die­se Kli­en­tel in Ham­burg in Ru­he ge­las­sen. Der Po­li­zei fehl­te schlicht das Fach­wis­sen. Das ist vor­bei. To­bi­as Hänsch und sei­ne Leu­te sind spe­zi­ell ge­schult. Da­zu kom­men die ab so­fort dro­hen­den Stra­fen. Nach dem neu­en Pa­ra­gra­fen dro­hen Möch­te­gern-Renn­fah­rern bis zu zwei Jah­re Haft. Wer Men­schen­le­ben ge­fähr­det, kann mit bis zu fünf Jah­ren und wer Per­so­nen ver­letzt oder so­gar tö­tet, mit zehn Jah­ren Haft be­straft wer­den.

Die­ser Au­di TT hat laut Pa­pie­ren ei­gent­lich „nur“220 PS. Tat­säch­lich leis­tet der il­le­gal um­ge­bau­te Mo­tor aber 475 PS!

Ober­kom­mis­sar To­bi­as Hänsch (34), Chef der „Kon­troll­grup­pe Au­to-Po­ser“, an ei­nem Ford Mustang, des­sen Fah­rer die Leis­tung il­le­gal von 440 auf 700 ge­stei­gert hat.

Der Mit­tel­schall­dämp­fer des Por­sche Pan­ame­ra wur­de vom Fah­rer auf­ge­sägt.

Mit Spe­zi­al­spie­geln, En­do­skop-Ka­me­ras, UV-Licht oder Lärm-Mess­ge­rä­ten wer­den Ra­ser über­prüft.

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